London 2012: In Größe gefangen
Wenn sich Olympia nicht verändert, könnte das Sportfest von London das letzte in Freiheit sein.
© Anthony Charlton/Olympic Delivery Authority via GettyImages

Das Olympia-Gelände in London.
Um Sport geht es beim größten Sportspektakel der Welt natürlich auch – am Rande. Der Sport selbst interessiere ihn gar nicht, hat der frühere Londoner Bürgermeister Kenneth Livingstone freimütig bekannt, als er die Olympischen Spiele in seine Stadt holte. Er habe mit ihrer Hilfe nur Geld auftreiben wollen für die Entwicklung heruntergekommener Viertel der britischen Hauptstadt. Auch Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, hat soeben in einem Beitrag für die FAZ das »Vermächtnis der Spiele« so beschrieben, als handele es sich bei Olympia eigentlich um ein globales Infrastrukturprogramm: Er lobte neue Auto- und U-Bahnen, Parks, Hybridbusse. Nachhaltigkeit ist inzwischen auch ein olympisches Zauberwort: Nur wenn nach zwei Wochen Schwimmen, Laufen, Schießen, Spielen mehr übrig bleibt als die Erinnerung an ein paar euphorische Momente, werden sich überhaupt noch Länder finden lassen, die den Spaß bezahlen wollen.
- London 2012
Vom 27. Juli bis zum 12. August 2012 richtet London die größte Sportveranstaltung der Welt aus. Bei den Sommerspielen der 30. Olympiade wird es in 26 Sportarten 302 Entscheidungen geben. Insgesamt werden mehr als 10.000 Sportler aus mehr als 200 Ländern in England erwartet. Außerdem werden ungefähr 30.000 Journalisten aus aller Welt aus London von den Spielen berichten. Insgesamt stehen 6,6 Millionen Tickets zum Verkauf.
- Olympia auf ZEIT ONLINE
In unserem Ticker verpassen Sie keinen olympischen Wettkampf, keine Medaille und keinen Termin der Sommerspiele in London. Den an jedem Olympiatag spannendsten Wettkampf stellen wir in der Serie "Mein Olympia" vor. Alle Interviews, Reportagen und Essays der Redaktion finden Sie auf der Olympia-Seite. Die englische Hauptstadt London ist nach 1908 und 1948 die erste Metropole, die zum dritten Mal Gastgeber der Spiele ist. Für ZEIT ONLINE berichten Christian Spiller und Christof Siemes aus London. Im Blog der Sportredaktion lesen Sie die Erfahrungen der Olympiareporter.
Hinter Rogges Beschwörung der vernünftigen Spiele steckt die Furcht, dass Olympia zur Geisel dubioser politischer Interessen wird. Ein Politikum und Spiegel der Zeitläufte ist die Veranstaltung von jeher: 1936 die große Nazipropaganda, 1972 das Attentat von München als Symbol des Nahostkonflikts, der Boykott-Schlagabtausch während des Kalten Krieges zwischen Moskau (1980) und Los Angeles (1984), auf dem Höhepunkt der boomenden Globalwirtschaft die hemmungslose Kommerzialisierung der Coca-Cola-Spiele von Atlanta 1996, schließlich die Machtdemonstration Chinas in Peking 2008. London, das den Zuschlag noch vor dem Ausbruch der Finanzkrise bekam, sollte der Gegenentwurf zum chinesischen Staatsgigantismus werden, mit einem rückbaubaren Olympiastadion und einer Ballsporthalle zum Recyceln als zentralen Symbolbauten. Doch auch diese Spiele kosten rund zwölf Milliarden Euro und müssen von einer Armee britischer Soldaten gesichert werden – welche freie Gesellschaft wird sich ein solches Fest künftig noch leisten wollen und können?
Deutschland eher nicht. Schon in der Anfangsphase hatte die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen; sie scheiterte nicht zuletzt am Unwillen der Bürger in Garmisch-Partenkirchen und anderswo, ihre privaten Interessen und persönlichen Freiheiten jahrelang einer aus Steuermitteln finanzierten Zweiwochenparty unterzuordnen. Als auch noch das böse Wort von der Enteignung störrischer Bergbauern und anderer Grundbesitzer die Runde machte, hatte das Projekt allen Kredit verspielt.






Interessanter Artikel! Die Vergaben alleine sind schon eine Sache für sich, ganz klar.
Wenn wir aber einmal das Beispiel Barcelona 1992 nehmen, können wir sehen, wie ganze Städte komplett neu gebaut werden können. Das heutige Barcelona wäre nicht vorhanden ohne Olympia.
London hätte da nichts nötig. Ein paar unschöne Flecken wegradieren, das war es dann auch schon.
in einer Zeit der Kriege, Bürgerkriege, Terror auch der westlichen Welt, siehe Syrien und vor allem der Wirtschaftskriege ist Olmypia im Olmyp der westlichen neuzeitlichen Kolonialismus (Bankertown London)in sich mehr als fraglich, ob der eigentlich Sinn überhaupt noch im Vordergrund steht kann..... Friede und Freundschaft unter den Menschen....
In "Kriegszeiten" (es gibt immer irgendwo Kriege) ist es besonders wichtig etwas für Völkerverständigung zu tun.
"Terror auch der westlichen Welt, siehe Syrien" Häh?
"ist Olmypia im Olmyp der westlichen neuzeitlichen Kolonialismus"" Häh??
"ob der eigentlich Sinn überhaupt noch im Vordergrund steht kann" Der Sinn steht in diesem Beitrag jedenfalls nicht im Vordeergrund.
In "Kriegszeiten" (es gibt immer irgendwo Kriege) ist es besonders wichtig etwas für Völkerverständigung zu tun.
"Terror auch der westlichen Welt, siehe Syrien" Häh?
"ist Olmypia im Olmyp der westlichen neuzeitlichen Kolonialismus"" Häh??
"ob der eigentlich Sinn überhaupt noch im Vordergrund steht kann" Der Sinn steht in diesem Beitrag jedenfalls nicht im Vordeergrund.
Ob man es beklagen will oder nicht, die Welt entwickelt sich in allen Bereichen hin zu einer Unterhaltungsmaschine für die Gesellschaften, die Zeit und Geld dafür haben.
Und diese Zahl wird - bei allem Elend und trotz aller Konflikte - immer größer. Also werden die Anbieter, die diesen Bedarf decken immer mehr und die Akteure, die dank der Medien immer mehr und immer berühmter werden, werden immer teurer. Wenn man das ändern will, dann bestimmt nicht durch die Schaffung irgendwelcher Reservate, die sich von dieser Entwicklung abkoppeln sollen. Das wäre der Verzicht auf Aufmerksamkeit und der Verlust an Motivation auf Seiten der Akteure. Nein, das Problem unserer globalen Gesellschaft löst man nicht durch rührende Einzelmaßnahmen.
Ken Livingstone ist trotz allem immer noch Ken -- oder Kenneth, aber sicher nicht Kevin.
Vielen Dank für den Hinweis soundray und Zajcebraz, den Namensfehler haben wir nun verbessert.
Gruß aus der Redaktion
Vielen Dank für den Hinweis soundray und Zajcebraz, den Namensfehler haben wir nun verbessert.
Gruß aus der Redaktion
Nur eine kleine Anmerkung zum Ex-Bürgermeister: Der gute Mann heißt nicht Kevin, sonder Kenneth, meist auch nur Ken genannt.
als die übliche Umverteilung des Reichtums von unten nach oben. Zur Verschleierung gibt's dann noch ein bisschen Budenzauber.
...mir oder uns sagen will.Sie sprechen immer von "Größe". Seien Sie, sehr geehrter Journalist, doch mal selbstkritisch. Ihre Zeitung wiederholt seitMonaten das Mantra "Wachstum", vorgegeben - nicht gebetet - von unseren Politikern. Ungefiltert wird dieses verbreitet.
Haben Sie und Ihre Kollegen doch mal das Rückgrat und hinterfragen Sie diese Floskeln.
Nicht nur diesbezüglich wünsche ich mir die Zeit der Kritiker zurück- Spiegelaffäre.
Aber wer erinnert sich noch und sieht seine Aufgabe in der kritischen Begleitung und nicht als Vorbeter des Mainstream.
Geniessen wir das Wochenende!
Freiheit ist gut, wenn ich mit einem Shirt und dem Aufdruck Pepsi-Cola nicht einmal die Sportstätten betreten darf, weil sich Pepsis Konkurrent das Monopol für aklkoholfreie Getränke erkauft hat.
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