Das Olympia-Gelände in London. © Anthony Charlton/Olympic Delivery Authority via GettyImages

Um Sport geht es beim größten Sportspektakel der Welt natürlich auch – am Rande. Der Sport selbst interessiere ihn gar nicht, hat der frühere Londoner Bürgermeister Kenneth Livingstone freimütig bekannt, als er die Olympischen Spiele in seine Stadt holte. Er habe mit ihrer Hilfe nur Geld auftreiben wollen für die Entwicklung heruntergekommener Viertel der britischen Hauptstadt. Auch Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, hat soeben in einem Beitrag für die FAZ das »Vermächtnis der Spiele« so beschrieben, als handele es sich bei Olympia eigentlich um ein globales Infrastrukturprogramm: Er lobte neue Auto- und U-Bahnen, Parks, Hybridbusse. Nachhaltigkeit ist inzwischen auch ein olympisches Zauberwort: Nur wenn nach zwei Wochen Schwimmen, Laufen, Schießen, Spielen mehr übrig bleibt als die Erinnerung an ein paar euphorische Momente, werden sich überhaupt noch Länder finden lassen, die den Spaß bezahlen wollen.

Hinter Rogges Beschwörung der vernünftigen Spiele steckt die Furcht, dass Olympia zur Geisel dubioser politischer Interessen wird. Ein Politikum und Spiegel der Zeitläufte ist die Veranstaltung von jeher: 1936 die große Nazipropaganda, 1972 das Attentat von München als Symbol des Nahostkonflikts, der Boykott-Schlagabtausch während des Kalten Krieges zwischen Moskau (1980) und Los Angeles (1984), auf dem Höhepunkt der boomenden Globalwirtschaft die hemmungslose Kommerzialisierung der Coca-Cola-Spiele von Atlanta 1996, schließlich die Machtdemonstration Chinas in Peking 2008. London, das den Zuschlag noch vor dem Ausbruch der Finanzkrise bekam, sollte der Gegenentwurf zum chinesischen Staatsgigantismus werden, mit einem rückbaubaren Olympiastadion und einer Ballsporthalle zum Recyceln als zentralen Symbolbauten. Doch auch diese Spiele kosten rund zwölf Milliarden Euro und müssen von einer Armee britischer Soldaten gesichert werden – welche freie Gesellschaft wird sich ein solches Fest künftig noch leisten wollen und können?

Olympia - London 2012 – Zahlen, Fakten und Kuriosa rund um die Olympischen Spiele

Deutschland eher nicht. Schon in der Anfangsphase hatte die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen; sie scheiterte nicht zuletzt am Unwillen der Bürger in Garmisch-Partenkirchen und anderswo, ihre privaten Interessen und persönlichen Freiheiten jahrelang einer aus Steuermitteln finanzierten Zweiwochenparty unterzuordnen. Als auch noch das böse Wort von der Enteignung störrischer Bergbauern und anderer Grundbesitzer die Runde machte, hatte das Projekt allen Kredit verspielt.