Spanischer BürgerkriegEine Schüssel Blut aus Almería

Bunkermuseum und Gedächtnislücken: Die andalusische Stadt gedenkt des deutschen Angriffs während des Spanischen Bürgerkriegs.

Das deutsche Panzerschiff "Admiral Scheer" im Hafen von Gibraltar. Diese Aufnahme entstand um das Jahr 1936.

Das deutsche Panzerschiff "Admiral Scheer" im Hafen von Gibraltar. Diese Aufnahme entstand um das Jahr 1936.

Beim steilen Abstieg unter die Stadt kann es ältere deutsche Besucher schon mal wie ein Blitz treffen. Erinnerungen an ihre Kindheit in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs überfallen sie dann. Denn Kellerluft schlägt ihnen entgegen, Fliegeralarm schrillt aus Sirenen, flackernde Notbeleuchtung simuliert Einschläge in die Nachbarhäuser.

Die jüngeren Touristen aus aller Welt, die Studenten und Schüler dagegen beeindruckt fürs Erste mehr, wie schnell sie Andalusiens Hitze entflohen sind. Der kühle, enge Gang, durch den sich die etwa 30-köpfige Gruppe in neun Meter Tiefe drängt, verläuft parallel zur Magistrale der im Sommer glühend heißen Hafenstadt Almería mit ihren 190.000 Einwohnern.

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Das Tunnelsystem stammt aus der noch immer mehr verschütteten als bewältigten Vergangenheit des Spanischen Bürgerkriegs, der dem Zweiten Weltkrieg vorausging – als Hitlers Luftwaffe und Kriegsmarine im Bündnis mit dem Putschistengeneral Francisco Franco Spaniens Städte bombardierten. Um nicht hilflos ausgeliefert zu sein, trieben die Verteidiger der Republik in Almería ihre kilometerlangen Luftschutzstollen in die Erde.

Wer diese Männer und Frauen waren, wofür sie kämpften, darüber erfahren die Besucher hier allerdings so gut wie nichts. Die Stadt präsentiert ihre Bunkeranlage seltsam politikfern und vermarktet sie touristisch unter dem modisch vagen Titel Refugien – ein Raum für das Leben. Die Museumsführerin eilt, technische Details ratternd und schnatternd, durch die schier endlosen, gleichförmig ausbetonierten Gänge: »Einmalig in Europa« sei das 4,6 Kilometer lange Tunnelsystem, 34.144 der damals 50.000 Stadtbewohner bot es Schutz mit 30 Zentimeter dicken Betonwänden, einem Operationssaal und 67 Eingängen. Beim Bau einer Tiefgarage wurde es vor einigen Jahren »wiederentdeckt«. Gut ein Kilometer sei jetzt originalgetreu ausgebaut worden, »damit wir das nie vergessen«.

Aber was? Der Name Franco fällt nicht, kein Wort über Terror und Massenmorde, über die Erschießungen der Verteidiger und Tunnelbauer von Almería, als diese letzte, kleine Bastion der Republik 1939 fiel. Und Almería – das bombardierten »die Deutschen und die anderen«.

Spanischer Bürgerkrieg

Am 18. Juli 1936 putscht eine Militärjunta unter Führung von Generalmajor Francisco Franco gegen die gewählte spanische "Volksfrontregierung" aus Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten. Im folgenden Bürgerkrieg unterstützt die Sowjetunion die republikanische Seite, Freiwillige aus aller Welt schließen sich in Internationalen Brigaden zusammen. Portugal, das faschistische Italien und NS-Deutschland unterstützen die Faschisten, die Ende März 1939 in Madrid einmarschieren. Franco regiert bis zu seinem Tod 1975 autoritär.

Aufarbeitung des Terrors

Seit 1989 verbindet Gernika eine Partnerschaft mit Pforzheim. Die baden-württembergische Stadt war am 23. Februar 1945 Ziel eines Flächenbombardements der britischen Royal Air Force und war die nach Dresden am stärksten zerstörte Stadt in Deutschland. 1997 sendet Bundespräsident Roman Herzog eine "Botschaft des Gedenkens, des Mitgefühls und der Trauer" an die Bewohner Gernikas.

Wer mehr wissen möchte, muss schon in die Geschichtsbücher schauen; der Spanische Bürgerkrieg und auch die Beteiligung der deutschen Wehrmacht an diesem dreijährigen Konflikt sind wissenschaftlich gut durchleuchtet. Es war Mitte Juli 1936, als Spaniens rechtsorientiertes Offizierskorps gegen die 1931 – nach dem Sturz der Monarchie – ausgerufene Republik und ihre demokratisch gewählte Regierung putschte. Wenige Tage später schon, kurz vor den »friedlichen« Olympischen Spielen in Berlin, bildete Hitlers Luftwaffen-Chef Hermann Göring einen Sonderstab. Dieser sollte die deutsche Hilfe für die Putschisten um General Francisco Franco koordinieren.

Bald darauf begann die Verlegung der sogenannten Legion Condor auf die Iberische Halbinsel. Rund 5.000 Mann waren es am Ende permanent. Für Austausch wurde gesorgt; denn möglichst viele Soldaten sollten in Spanien für Hitlers Eroberungskriege »geschult« werden. Auch galt es, neue Brand- und Sprengbomben, Messerschmitt-Jäger und Heinkel-Bomber zu testen. Vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal gab Göring 1946 zu Protokoll: »Franco sandte einen Hilferuf um Unterstützung, besonders in der Luft [...]. Der Führer überlegte es sich, ich drängte lebhaft, Unterstützung unter allen Umständen zu geben, [...] um meine junge Luftwaffe bei diesem oder jenem technischen Punkt zu erproben.«

Die »Erprobung« begann noch 1936. Es wurde zum Jahr des ersten massiven Luftkriegs der Geschichte. Deutsche und italienische Bomber testeten die Wirkung systematischer Flächenbombardements, wie beim ersten Ansturm der Franquisten auf Madrid im November 1936, als man so die Moral der Bevölkerung brechen wollte. Berüchtigt ist der vier Stunden währende Angriff auf die südspanische Hafenstadt Cartagena am 25. November 1936, die später immer wieder bombardiert wurde. Die Kathedrale sank in Schutt und Asche; Hunderte Menschen starben. Die Vernichtung des baskischen Städtchens Guernica am 26. April 1937 war dann, nach einem Wort des britischen Historikers Hugh Thomas, die »erste Probe des totalen Krieges, der Zivilisten und nicht Soldaten zum Ziel nahm«. Auch andere Städte hatten unter schweren Luftschlägen zu leiden: Valencia, Alicante, Tarragona und vor allem Barcelona, das im März 1938 von den Italienern und dann im Januar 1939 von der Legion Condor tagelang bombardiert wurde. Über tausend Menschen kamen dabei um.

Leserkommentare
    • 2eco
    • 08.08.2012 um 15:18 Uhr

    Vielen Dank für diesen sehr informativen Artikel.

    Über diesen Sachverhalt habe ich bis jetzt noch nie etwas gehört. Wieder etwas dazu gelernt.

    5 Leserempfehlungen
    • kkr
    • 08.08.2012 um 15:51 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte tragen Sie zum Thema des Artikels bei. Die Redaktion/mak

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    • Apex
    • 08.08.2012 um 15:54 Uhr

    Ermordeten diese Schlächter, auf die Sie sich beziehen, nicht auch und zuallererst Revolutionäre und Republikaner? Es ist halt nicht alles so einfach ...

    • Apex
    • 08.08.2012 um 15:54 Uhr

    Ermordeten diese Schlächter, auf die Sie sich beziehen, nicht auch und zuallererst Revolutionäre und Republikaner? Es ist halt nicht alles so einfach ...

    • Apex
    • 08.08.2012 um 15:54 Uhr

    Ermordeten diese Schlächter, auf die Sie sich beziehen, nicht auch und zuallererst Revolutionäre und Republikaner? Es ist halt nicht alles so einfach ...

    Antwort auf "[...]"
  1. Zitat: Die »Erprobung« begann noch 1936. Es wurde zum Jahr des ersten massiven Luftkriegs der Geschichte.

    Das kann so aber nun wirklich - auch wenn oft wiederholt - nicht so ganz stimmen. Vergleichen wir die Flächenbombadierungen aus der Luft mit Primärziel Bevölkerung der Japaner beim Einmarsch in China/Mongolei zuvor, so war es eine bekannte Strategie.

    In gleich mehreren Grossstädten hatten die Japaner wahre Luftbombenteppiche auf mehrere chinesische Grossstädte gelegt. Die Opferzahlen waren ungleich höher als in Spanien. ( Vergl. 2. Japanisch-Chinesischer Krieg )

    --
    Ebenfalls, Zitat: »Einmalig in Europa« sei das 4,6 Kilometer lange Tunnelsystem
    Das es unterirdische Tunnelsysteme schon im Mittelalter gab mit Schutzfunktion ist nun wirklich nicht neu.
    Einmalig auch nicht. Ich darf an die Tunnelsysteme in der heutigen Ukraine aus dem 2. Weltkrie z.B. verweisen. Die waren zwar später, dafür aber auch zig Kilometer länger.
    Ergo: " Einmalig ", davon kann auch keine Rede sein.

    Nur so am Rande, nebenbei

    Nur so am Rande, nebenbei

    Eine Leserempfehlung
  2. Leider gibt es in Spanien noch viele Ungeklaertheiten die jedoch verschwiegen werden wie es im Beitrag richtig heisst. Z. B. ist es ueblich, dass Strassen nach Armeeangehoerigen Francos benannt sind,Monumente der faschistische Falange an oeffentlichen Plaetzen stehen (z.B. Granada). In Granada wird auch jedes Jahr eine Gedenktafel am Friedhof aufgehaent die an die Hingerichteten erinnert und diese wird dann stillschweigend und nachts von den Behoerden wieder entfernt. Letzte Woche erneuerte unser Justizminister einem Nachkommen des Generals Queipo de LLano den Adelstitel und die damit verbundene Laendereien. Queipo de Llano ist als einen der blutruenstigsten Generaele der Aufstaendigen (Franco) in die Geschichte Spaniens eingegangen. Und vor ein paar Monaten wurde wieder ein Massengrab gefunden, diesmal in Teba, Provinz von Malaga. Dieses enthaelt ueber 120 hingerichtete Leichen. Nein, der Buergerkrieg ist noch lange nicht aufgeklaert und viele Behoerden verhindern die Aufarbeitung wahrscheinlich da die heutige Konservative Partei PP, frueher PA, massgeblich mit Francos mitgemacht hat und viele ihrer Parteigaenger und Vorgaenger die Auferbeitung fuerchten. Als vor ein paar Jahren im Parlament eine gemeinsame Verurteilung der Diktatur verabschiedet werden sollte scheiterte der Konsens Aller an der Verweigerung der heutigen regierenden Partei (PP). Uebrigens halfen die deutschen Flieger Franco und seine Truppen von Afrika aufs Festland um den Aufstand zu vollziehen.

    5 Leserempfehlungen
  3. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

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    Wir Deutschen sollten uns mal überlegen, warum eine allseits bekannte, ziemlich lange Strasse in Berlin nach wie vor "Spanische Allee" heisst - und wenn uns dann wieder eingefallen ist, dass Hitler damals dort die Parade der heldenhaften Legion Condor abgenommen hatte, käme zum Beispiel eine Umbenennung in Pablo-Picasso-Allee in Betracht

    Wir Deutschen sollten uns mal überlegen, warum eine allseits bekannte, ziemlich lange Strasse in Berlin nach wie vor "Spanische Allee" heisst - und wenn uns dann wieder eingefallen ist, dass Hitler damals dort die Parade der heldenhaften Legion Condor abgenommen hatte, käme zum Beispiel eine Umbenennung in Pablo-Picasso-Allee in Betracht

  4. Wir Deutschen sollten uns mal überlegen, warum eine allseits bekannte, ziemlich lange Strasse in Berlin nach wie vor "Spanische Allee" heisst - und wenn uns dann wieder eingefallen ist, dass Hitler damals dort die Parade der heldenhaften Legion Condor abgenommen hatte, käme zum Beispiel eine Umbenennung in Pablo-Picasso-Allee in Betracht

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    Antwort auf "[...]"
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    von Herrn Christian Schmidt-Häuer aufrufen?

    Eine Strasse in Deutschland umzubenennen?

    Muss ich überlesen haben.

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    von Herrn Christian Schmidt-Häuer aufrufen?

    Eine Strasse in Deutschland umzubenennen?

    Muss ich überlesen haben.

  5. 8. [...]

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