Eine Million Elektroautos möchte die Kanzlerin im Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen sehen. Hunderte Millionen Euro wurden seither in Förderprogramme gesteckt. Deutschland sollte zum Vorreiter der umweltfreundlichen Mobilität werden.

Doch bisher fährt zwischen Flensburg und Garmisch kaum ein Elektroauto. Das soll sich jetzt ändern. Mitte Juni hat der erste deutsche Autokonzern mit der Produktion eines Elektroautos in Großserie begonnen: Im lothringischen Hambach lässt Daimler den Smart fortwo electric drive vom Band laufen. Der Elektromotor stammt aus einer Gemeinschaftsproduktion mit Bosch in Hildesheim, die Lithium-Ionen-Batterie von der Deutschen Accumotive im sächsischen Kamenz. Ab 18.910 Euro gibt es den Smart electric drive. Dazu muss man allerdings noch die Batterie mieten, für 65 Euro im Monat.

Im Jahr 2013 wolle man eine kleine fünfstellige Zahl des akkubetriebenen Zweisitzers absetzen, hofft Smart-Chefin Annette Winkler. In dreißig Ländern soll der E-Smart als Coupé und Cabrio angeboten werden.

Bislang weist das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg (KBA) in seiner Zulassungsstatistik für 2011 gerade mal 2.154 neu zugelassene »Personenwagen mit Elektromotor« aus, bei rund 3,5 Millionen Pkw-Zulassungen insgesamt. Damit stehen auf deutschen Straßen rund 5.000 E-Autos 43 Millionen Benzinern und Dieseln gegenüber. Trotz einiger neuer E-Modelle kam die E-Mobilität auch im laufenden Jahr nicht in Schwung: Bis Ende Mai zählte das KBA exakt 1.161 neue Pkw mit Elektroantrieb. Und selbst wenn man die 493 Opel Ampera hinzuzählt (die statistisch als Hybride gelten), sind das nur wenig mehr als im Vorjahr.

Bei näherem Hinsehen fällt die Bilanz sogar noch kümmerlicher aus. Fast die Hälfte der bis Mai neu zugelassenen Pkw mit Elektroantrieb wurden auf die Händler und Hersteller selbst zugelassen, hat Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ausgerechnet. Dazu kommen viele E-Autos, die mit hohem Rabatt oder zu Werbezwecken abgegeben werden. Selbst Lobbyist Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM), verkündete im April, dass er seinen Opel Ampera »zu Sonderkonditionen« erhalten habe. Und wenn Promis wie Bergsteiger Reinhold Messner und Casting-Show-Juror Peyman Amin in Rüsselsheim ihr Elektroauto abholen, oder Talkerin Barbara Schöneberger ihren akkubestückten Renault Fluence im TV-Spot bewegt, dann stecken Testimonial- oder Werbeverträge dahinter.

Stadtverwaltungen, Ministerien, Behörden, Stromanbieter und Firmen, die ihr Ökoimage durch ein paar E-Autos aufpolieren wollen, bilden das Gros der restlichen Zulassungen. Peugeot etwa wirbt mit seinem »attraktiven Behörden-Leasing«. Zwischen 85 und 95 Prozent aller E-Fahrzeuge seien gewerbliche Zulassungen, heißt es bei den E-Auto-Herstellern unisono. Den privaten E-Auto-Käufer, den berühmten early adopter, muss man in Deutschland bislang mit der Lupe suchen.

Aber jetzt kommt ja der E-Smart.

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg haben die Smart-Leute gleich eine ganze Batterie der zweifarbig lackierten Leisetreter aufgefahren. Daneben stehen die ebenfalls neuen Smart Pedelecs, Stückpreis: 2.849 Euro. Das elektrisch unterstützte Fahrrad soll die Einstiegsschwelle senken.

Jeder Elektro-Smart hat seine eigene Internetseite

PR-Frau Christine Haller weiß, dass die Kundschaft aus der Erfahrung mit Laptops und Smartphones vor allem der Lebensdauer der teuren Batterie misstraut. Daher ist in der Batteriemiete eine Garantie enthalten, die bis zu zehn Jahren 80 Prozent der Leistung zusichert. Der Angst, mit leerem Akku stehenzubleiben, wird gleich durch zwei Anzeigen im Cockpit vorgebeugt.

Jeder E-Smart hat seine eigene sogenannte vehicle homepage. »Er spricht mit seinem Besitzer«, sagt Haller. Per eingebauter SIM-Karte kann man von überall her den aktuellen Ladestand abfragen oder sich diesen per Mail oder Twitter vom Auto melden lassen. Hängt der Smart gerade mit seinem Kabel an der Ladesäule, kann auch der Ladezyklus vorprogrammiert werden. Bis er ganz voll ist, dauert es sechs bis sieben Stunden. Nach ein paar Klicks am Computer oder am Smartphone wärmt sich der Wagen im Winter auf oder kühlt sich im Sommer herunter.