Elektroautos : Stromer suchen Anschluss

Zu teuer, zu exotisch – in Deutschland fahren kaum Elektroautos. Ein Grund: Die mangelnde Reichweite.
Ein Smart mit elektrischem Antrieb war Anfang Juni 2012 auf der Automesse in Leipzig zu sehen. © Fabrizio Bensch/Reuters

Eine Million Elektroautos möchte die Kanzlerin im Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen sehen. Hunderte Millionen Euro wurden seither in Förderprogramme gesteckt. Deutschland sollte zum Vorreiter der umweltfreundlichen Mobilität werden.

Doch bisher fährt zwischen Flensburg und Garmisch kaum ein Elektroauto. Das soll sich jetzt ändern. Mitte Juni hat der erste deutsche Autokonzern mit der Produktion eines Elektroautos in Großserie begonnen: Im lothringischen Hambach lässt Daimler den Smart fortwo electric drive vom Band laufen. Der Elektromotor stammt aus einer Gemeinschaftsproduktion mit Bosch in Hildesheim, die Lithium-Ionen-Batterie von der Deutschen Accumotive im sächsischen Kamenz. Ab 18.910 Euro gibt es den Smart electric drive. Dazu muss man allerdings noch die Batterie mieten, für 65 Euro im Monat.

Im Jahr 2013 wolle man eine kleine fünfstellige Zahl des akkubetriebenen Zweisitzers absetzen, hofft Smart-Chefin Annette Winkler. In dreißig Ländern soll der E-Smart als Coupé und Cabrio angeboten werden.

Bislang weist das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg (KBA) in seiner Zulassungsstatistik für 2011 gerade mal 2.154 neu zugelassene »Personenwagen mit Elektromotor« aus, bei rund 3,5 Millionen Pkw-Zulassungen insgesamt. Damit stehen auf deutschen Straßen rund 5.000 E-Autos 43 Millionen Benzinern und Dieseln gegenüber. Trotz einiger neuer E-Modelle kam die E-Mobilität auch im laufenden Jahr nicht in Schwung: Bis Ende Mai zählte das KBA exakt 1.161 neue Pkw mit Elektroantrieb. Und selbst wenn man die 493 Opel Ampera hinzuzählt (die statistisch als Hybride gelten), sind das nur wenig mehr als im Vorjahr.

Bei näherem Hinsehen fällt die Bilanz sogar noch kümmerlicher aus. Fast die Hälfte der bis Mai neu zugelassenen Pkw mit Elektroantrieb wurden auf die Händler und Hersteller selbst zugelassen, hat Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ausgerechnet. Dazu kommen viele E-Autos, die mit hohem Rabatt oder zu Werbezwecken abgegeben werden. Selbst Lobbyist Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM), verkündete im April, dass er seinen Opel Ampera »zu Sonderkonditionen« erhalten habe. Und wenn Promis wie Bergsteiger Reinhold Messner und Casting-Show-Juror Peyman Amin in Rüsselsheim ihr Elektroauto abholen, oder Talkerin Barbara Schöneberger ihren akkubestückten Renault Fluence im TV-Spot bewegt, dann stecken Testimonial- oder Werbeverträge dahinter.

Stadtverwaltungen, Ministerien, Behörden, Stromanbieter und Firmen, die ihr Ökoimage durch ein paar E-Autos aufpolieren wollen, bilden das Gros der restlichen Zulassungen. Peugeot etwa wirbt mit seinem »attraktiven Behörden-Leasing«. Zwischen 85 und 95 Prozent aller E-Fahrzeuge seien gewerbliche Zulassungen, heißt es bei den E-Auto-Herstellern unisono. Den privaten E-Auto-Käufer, den berühmten early adopter, muss man in Deutschland bislang mit der Lupe suchen.

Aber jetzt kommt ja der E-Smart.

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg haben die Smart-Leute gleich eine ganze Batterie der zweifarbig lackierten Leisetreter aufgefahren. Daneben stehen die ebenfalls neuen Smart Pedelecs, Stückpreis: 2.849 Euro. Das elektrisch unterstützte Fahrrad soll die Einstiegsschwelle senken.

Jeder Elektro-Smart hat seine eigene Internetseite

PR-Frau Christine Haller weiß, dass die Kundschaft aus der Erfahrung mit Laptops und Smartphones vor allem der Lebensdauer der teuren Batterie misstraut. Daher ist in der Batteriemiete eine Garantie enthalten, die bis zu zehn Jahren 80 Prozent der Leistung zusichert. Der Angst, mit leerem Akku stehenzubleiben, wird gleich durch zwei Anzeigen im Cockpit vorgebeugt.

Jeder E-Smart hat seine eigene sogenannte vehicle homepage. »Er spricht mit seinem Besitzer«, sagt Haller. Per eingebauter SIM-Karte kann man von überall her den aktuellen Ladestand abfragen oder sich diesen per Mail oder Twitter vom Auto melden lassen. Hängt der Smart gerade mit seinem Kabel an der Ladesäule, kann auch der Ladezyklus vorprogrammiert werden. Bis er ganz voll ist, dauert es sechs bis sieben Stunden. Nach ein paar Klicks am Computer oder am Smartphone wärmt sich der Wagen im Winter auf oder kühlt sich im Sommer herunter.

Kommentare

81 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Die Reichweite ist nicht das Problem, sondern der Preis

Die Reichweite ist eher ein gefühltes Problem, wer ein E-Auto hatte, weiß, dass er kaum Beeinträchtigungen durch die geringe Reichweite hat.
Mein nächstes Auto wäre sofort ein E-Auto, läge der Preis nicht - in diesem Maß für mich auch unverständlich, die Batterie ist ja nicht mal inbegriffen - so weit über dem eines Benziners. Die Unabhängigkeit vom ständig steigenden Benzinpreis wäre mir sogar einen kleinen Aufpreis wert; aber solange der Preisunterschied so groß ist, kann sich ein E-Auto auch nur für stark genutzte, gewerbliche Kunden rechnen.

Die Hybridantriebe haben die deutschen Autobauer verschlafen; mal sehen, wie es bei den E-Autos wird. Denn dass in 30 Jahren immer noch nur Benzin- und Dieselfahrzeuge verkauft werden, das glaube ich nicht.

Geht mir ähnlich.

Ein kleiner elektrischer 4 Sitzer, mit Reichweite bis 150 km bei 80 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit würde ich mir sofort kaufen, wenn er preislich, inkl. Batterie, zwischen 15.000 € bis 20.000 € liegt. Mein Alter dürfte ein Restwert von 8.000 €-10.000€ haben, so dass ich nurnoch 10.000€ finanzieren muss.

Hatte das Glück den Peugeut ION fahren zu dürfen. Es ist einfach ein viel schöneres Autofahren.

Oh Wunder, der Deutsche kann doch noch rechnen

Mit 100km täglich kommen die allermeisten Berufspendler aus. Hier ist die geringe Reichweite der ePKW kein Problem.

Warum aber sollte jemand ein solches Fahrzeug kaufen, zu einem Preis, der deutlich über dem eines mit konventionellem Antrieb liegt, und gleichzeitig noch nichtmal signifikante Vorteile bei den laufenden Kosten (unter Berücksichtigung der Akku-Abschreibung/Miete) bietet?

Außer bei Status+Funmobilen wie dem Tesla oder Ampera, mit denen man weder auf die breite Masse zielt noch diese erschliessen kann, macht das doch vorne und hinten keinen Sinn.

Sobald es eine preiswerte Lösung für das Energieträgerproblem gibt (auch moderne Akkus sind bei Energiedichte, Preis und Lebensdauer nicht reif für den millionenfachen Einsatz), sieht die Sache vielleicht anders aus.

Bis dahin dürfen wir uns mit völlig lächerlichen Alibi-Projekten abspeisen lassen: das eigentlich vom Konzept her gar nicht schlechte Berufspendler+Singlehaushalt-Mobil eSMART für 25k€ - liebe Daimler-Leute, was raucht ihr da, kann ich auch etwas davon abhaben?

Für 7k€ gibts 4 Jahre junge, gut ausgestattete Mittelklasse-Limousinen - für den Differenzbetrag zum eSMART kann man auch bei nochmal doppeltem Benzinpreis mehr Kilometer zurücklegen als ein SMART überhaupt durchhält, plus alle Reparaturen+TÜV-Prüfungen bezahlen.

Anderes Beispiel: Vectrix VX-1. Macht auch Spaß. Ein toller Roller. Aber wer den kauft, macht das sicher nicht aus Kostengründen - oder er kann einfach nicht rechnen.

Reichweite kein Problem ?

Dass die Reichweite eines E-Auto kein Problem ist kann ich nicht nachvollziehen; und wie Befragungen zeigen ist es auch fuer die meisten Autofahrer ein ernstes Problem.

Mit einer Reichweite von 150 KM muss ich bei einer Fahrt von 500 KM dreimal laden: eine Urlaubsfahrt ist nicht moeglich.
Und selbst kleinere Fahrten sind nicht moeglich.

Ein solches Auto ist ein reines Zweitwagenkonzept und fuer die meisten Autofahrer untauglich.

Reichweite kein Problem!

"Dass die Reichweite eines E-Auto kein Problem ist kann ich nicht nachvollziehen; und wie Befragungen zeigen ist es auch fuer die meisten Autofahrer ein ernstes Problem."

Ich weiß nicht wie viele Km Sie pro Jahr zurücklegen und ob Sie vll. Außendienstler sind. Aber zu behaupten, dass die meisten Autofahrer damit nicht hinkommen ist Unfug.

82 Prozent (!) aller Autofahrer fahren pro Jahr maximal 20.000 km. Fast 50 Prozent sogar nur maximal 10.000 km. (Quelle: http://de.statista.com/st...")

Umgerechnet auf den Tag sind dies gerade einmal 55 Kilometer! Das bedeutet, dass mindestens 82 Prozent aller deutschen Autofahrer den Alltag ohne Einschränkungen mit einem E-Auto bewältigen können.

"Mit einer Reichweite von 150 KM muss ich bei einer Fahrt von 500 KM dreimal laden: eine Urlaubsfahrt ist nicht moeglich.
Und selbst kleinere Fahrten sind nicht moeglich."

Mit der Umstellung auf E-Autos ändert sich nicht nur die Antriebsart, sondern es findet quasi auch eine Umstellung der Mentalitäten und Gewohnheiten statt. Um in den Urlaub zu fahren gibt es neben dem Auto auch noch andere Alternativen. Davon abgesehen kann man sich auch für die Urlaubsfahrt ein Auto leihen.

Ich fahre einen Kleinwagen und keinen Kleintransporter nur weil ich vielleicht einmal im Jahr im Baumarkt oder Möbelgeschäft etwas sperriges Einkaufe.

Auf zum Sofortkauf!

Ein kleiner elektrischer 4 Sitzer, mit Reichweite bis 150 km bei 80 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit würde ich mir sofort kaufen, wenn er preislich, inkl. Batterie, zwischen 15.000 € bis 20.000 € liegt.

Die ersten Vorführer von i-MiEV/c-zero/Ion gibt es inzwischen für knapp unter 20k€.
Damit hätten Sie auch nicht "nur" 150km Reichweite: ein Österreicher ist mit seinem i-MiEV kürzlich 467km an einem Tag gefahren, dank CHAdeMO-Schnellladestationen an denen er in 20 Minuten wieder vollladen konnte.

In Deutschland gibt es noch relativ wenige solcher Schnelllader, da unsere selbsternannte-Premium-Autoindustrie natürlich nicht einfach ein japanisches System übernehmen kann, sondern noch 20 Jahre und 20 Milliarden an Subventionen braucht um ein eigenes proprietäres Schnellladesystem zu basteln...

Es geht noch mehr:

"Das bedeutet, dass mindestens 82 Prozent aller deutschen Autofahrer den Alltag ohne Einschränkungen mit einem E-Auto bewältigen können."

Wir beide bewältigen unseren Alltag zu 100% ohne Auto (es steht überflüssigerweise eines vor der Tür, was seit drei Monaten gar nicht mehr bewegt wurde). Sicherlich wird das durch relativ kurze Arbeitswege erleichtert, aber man muss ja nicht extra weit weg von der Arbeitsstelle wohnen, und man muss auch nicht x km zum nächsten Discounter fahren, weil da grad irgendwas im Angebot ist.

Zwei vernünftige Fahrräder und deren fachmännische Instandhaltung, gute Regenklamotten und Radtaschen kosten in Anschaffung und Unterhalt so viel weniger als ein Auto und bringen so viel mehr Lebensqualität!

Alles unmöööööglich

Mit einer Reichweite von 150 KM muss ich bei einer Fahrt von 500 KM dreimal laden: eine Urlaubsfahrt ist nicht moeglich.

Ich weiß ja nicht wie oft Sie im Jahr in Urlaub fahren, aber bei den meisten Leuten sind es nicht viel mehr als 2-3 Mal.
Für die Strecken, die für mein E-auto zu lang sind, nehme ich mir ein Carsharing- oder Mietauto.

Mit 2-3 Schnellladungen in 20 Minuten würden aber auch die 500km mit einem E-Auto nicht viel länger dauern (leider kann meines keine Schnellladung).

Und selbst kleinere Fahrten sind nicht moeglich.
Ich bin erst diesen Montag mit meinem E-Auto knappe 160km gefahren, davon 120km auf der A8 Ulm-München.
Dabei ist der Ladestand von 82% auf 25% gefallen, immer noch weit vor Reichweitenangstniveau.
Gut, dass ich da noch nicht wußte dass so kleine Fahrten ja gar nicht möglich sind ;-)

verrückte Ideen

Danke für Ihre Kommentare, die sich wohltuend von dem allgemeinen *bäääh, ohne mein (benzin- oder dieselschluckendes) Auto geht gaaaar nichts!*-Kommentaren abheben.

Ich bin immer wieder überrascht, wie engstirnig einige Foristen sich ein Leben ohne Auto überhaupt nicht vorstellen können und damit dann aber von sich auf alle anderen schließen. Sicherlich ist es nicht jedem möglich, ganz auf ein Auto zu verzichten. Aber meistens steht es doch 99% der Zeit nur herum und kostet trotzdem Geld.

Kurze und mittlere Fahrten: Fahrrad.
Lange Fahrten: Eisenbahn.
Einkaufen: Fahrrad.
Zur Arbeit: Fahrrad und Fähre :-D
Urlaub: Mit der großen Fähre nach Dänemark, mit dem Fahrrad ins Hotel. Mit der Eisenbahn zum Flughafen. Mit der Bahn zu Freunden in anderen Städten.
Größere Transporte: Firma, liefern lassen, Transporter leihen.

Ich hab noch nie ein Auto gehabt.

Wir haben Ihre Message verstanden

Sie klingen sehr missionarisch mit Ihrer Fahrrad-Werbung, was die Leute eher abschrecken dürfte. Ich fahre auch täglich mit dem Drahtesel zur Arbeit, hin und zurück ca. 12km. Aber nicht jeder ist Single, zwischen 20-30, körperlich fit, in einer flachen Gegend wohnend, kinderlos usw.

"Zwei vernünftige Fahrräder und deren fachmännische Instandhaltung, gute Regenklamotten und Radtaschen kosten in Anschaffung und Unterhalt so viel weniger als ein Auto und bringen so viel mehr Lebensqualität!"

Das ist vielleicht Ihre Meinung, aber Fahradfahren + Regen + Radtaschen ist für mich eher eine Reduktion der Lebensqualität um den Faktor 7.

Von daher wird die optimale Ausgestaltung des Verkehrs wohl eher ein Mischkonzept werden, wobei die Preis/Bedarf Korrelation eine viel wichtigere Rolle spielen wird. Wer tatsächlich ein Auto braucht, wird wohl oder übel ein einen eWagen für 20K € kaufen. Diejenigen, die heute den Wagen lediglich zum Brötchenkauf um die Ecke verwenden, werden es sich aus Kostengründen zweimal überlegen. Mir kommt es jedenfalls so vor, als würde die Natur die Menschen wieder etwas in die Realität zurückholen...

Oh Wunder, die unreifen Akkus

auch moderne Akkus sind bei Energiedichte, Preis und Lebensdauer nicht reif für den millionenfachen Einsatz

Womit werden dann Ihrer Meinung nach die Milliarden von Laptops, Handys, MP3-Playern, Digitalkameras etc. betrieben - Dieselgeneratoren?

Für 7k€ gibts 4 Jahre junge, gut ausgestattete Mittelklasse-Limousinen
Rechnen Sie das doch mal einem Porschefahrer vor, der wird Sie auslachen und davonfahren.

Die allerwenigsten Autos werden danach gekauft ob sie sich "rechnen", sonst wären nämlich alle Marken bis auf Dacia bereits vom Markt verschwunden.

Außerdem kommen noch die "psychologischen Kosten" dazu: ich mußte mich nur einmal über den hohen Kaufpreis meines E-Autos ärgern, Verbrennerfahrer jede Woche beim Zahlen an der Tankstelle.

...........

"Umgerechnet auf den Tag sind dies gerade einmal 55 Kilometer! Das bedeutet, dass mindestens 82 Prozent aller deutschen Autofahrer den Alltag ohne Einschränkungen mit einem E-Auto bewältigen können."

Genau das bedeutet es nicht. Es bedeutet das 82 % alle Autofahrer im "DURCHSCHNITT" ohne Einschränkungen mit einem E-auto auskommen. Bedeutet der Großteil dieser 82% hätte sehr wohl Einschränkungen.
Wenn ich jeden dritten Tag 165 km fahre, habe ich im Durchschnitt auch nur 55km pro Tag zurückgelegt und hätte mit einem E-Auto echte Probleme.
Mit solchen Zahlenspielerreien überzeugen sie niemanden.

Nicht vergleichbar

Vorweg: wie setzt man hier Schrift kursiv? [i]so[/i]?

"Womit werden dann Ihrer Meinung nach die Milliarden von Laptops, Handys, MP3-Playern, Digitalkameras etc. betrieben - Dieselgeneratoren?"
Sie erkennen aber schon einen gewissen Unterschied zwischen Einsatzzweck und Akkus mit 1Wh Kapazität und 10.000Wh??

"Rechnen Sie das doch mal einem Porschefahrer vor, der wird Sie auslachen und davonfahren."
Deswegen meine Bemerkung zum Tesla und Ampera. Andere Zielgruppe.

Tenor dieses Artikels, und auch aller anderen, die sich um E-Fahrzeuge drehen, ist doch: die setzen sich einfach nicht durch.

Am Markt durchsetzen = Masse.

Die breite Käufermasse hat kein Budget für Porsche. Oder eben ePKW.
Selbstverständlich sind bei Fahrzeuganschaffungen - dem Klischee nach bei Deutschen noch mehr als in anderen Nationen - eine Menge Emotionen im Spiel, und beileibe nicht nur Wirtschaftlichkeitsaspekte.

Dennoch hat auch der Mittelstand hier wie überall immer weniger Geld in der Tasche. Dacia kannibalisiert seinen Mutterkonzern, die deutschen "Premium"-Anbieter sind den "emerging" markets ausgeliefert, weil in Europa die Märkte übersättigt sind und die Zielgruppen wegbrechen bzw. verarmen.

"Außerdem kommen noch die "psychologischen Kosten" dazu: ich mußte mich nur einmal über den hohen Kaufpreis meines E-Autos ärgern, Verbrennerfahrer jede Woche beim Zahlen an der Tankstelle."

Das stimmt zwar, doch 20.000€ Aufpreis um 500€ im Jahr zu sparen...? Das funktioniert nur bei defekter Psyche.

Als Ende des 19. Jahrhunderst die ersten PKW zur Serienreife

entwickelt wurden, waren auch die Anfangs so teuer, dass sie nur für sehr vermögende Menschen erschwinglich waren.
Heute läuft dies insofern ganz anders, als dass die Schlüsselkomponenten eines elektrisch angetriebenen Fahrzeugs auch in Asien entwickelt und produziert werden. Wozu die Asiaten fähig sind, zeigt sich in Millionen Handys, Laptop etc. - die beinhalten Akkus und Elektronik, die in Asien entwickelt und produziert wurde und aus Europa kommt eventuell noch der Markenname.
Die hiesige Autoindustrie ist dabei in wirklich keiner beneidenswerten Lage. Solange elektrisch angetriebene Fahrzeuge derart teuer sind, wird die Akzeptanz nicht allzu hoch bleiben. Größere Stückzahlen sind aber die Voraussetzung für günstigere Preise.
Und dann war da noch vor einigen Wochen auf Spiegel-Online die Meldung, dass die Berliner Verkehrsbetriebe jetzt einige elektrisch angetriebene Stadtbusse auch China im Alltag erproben. Vom Preis und der Reichweite der Akkus sind diese wohl schon jetzt akzeptabel, nur die gesamte Europäische Konkurrenz kann schlicht nichts vergleichbares anbieten.

Argumente

"Wenn ich jeden dritten Tag 165 km fahre, habe ich im Durchschnitt auch nur 55km pro Tag zurückgelegt und hätte mit einem E-Auto echte Probleme. Mit solchen Zahlenspielerreien überzeugen sie niemanden."

Gut, dass Sie mit Ihrem "Ich" Argument mein auf Zahlen basierendes Argument komplett aushebeln wollen. Mit solchen Eventualitäten auf die große Masse zu schließen beeindruckt ebensowenig.

Selbst bei Berücksichtigung jeder Eventualität dürfte ein Elektroauto für 50% aller Autofahrer genügen, um den Alltag zu bewältigen.

Alle anderen können ja andere Autos kaufen. Es gibt kein Auto mit dem alle glücklich werden. Aber zum Glück gibt es ja heutzutage mehr als nur ein Volksauto.

Ein Diesel lohnt sich vll. auch nur für ca. ein Drittel der Autofahrer und trotzdem hat er seine Daseinsberechtigung.

Infrastruktur

"Die Meisten Autofahrer parken ihre Autos auf der Straße oder einem Hausnahem Parkplatz. Von denen hat fast keiner einen Stromanschluss. Also ist am zweiten Tag schluß, weil Batterie leer und nicht mehr aufladbar."

In meinem Post ging es um die Reichweite und um nichts anderes.

Zum Thema Infrastruktur: Es gibt in DE noch(!) keine richtige Infrastruktur für E-Autos, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Über eine mangelnde Strominfrastruktur können wir uns in DE wirklich nicht beklagen, von daher ist dies kein Hindernis, sonder nur ein aktueller Zustand.

Jede Straßenlaterne besitzt logischerweise einen Stromanschluss, welchen man auch für Ladestationen verwenden kann. Und Laternen gibt es in DE sicherlich genug.

Ich könnte mir gut eine Modullösung vorstellen, die man einfach an jede Laterne anschließen kann und durch ein Abrechnungssystem könnten dann die Fahrzeuge, die direkt daneben parken, aufgeladen werden.

Trotzdem einsetzbar

Sie erkennen aber schon einen gewissen Unterschied zwischen Einsatzzweck und Akkus mit 1Wh Kapazität und 10.000Wh??
Sie wissen aber schon, dass im Tesla Roadster 6831 18650er-Zellen verbaut sind, gleiches Format und Chemie wie in hunderten von Millionen Laptops?
Trotzdem haben etliche Teslas über 100tkm damit zurückgelegt, mindestens einer über 200tkm.

In den meisten anderen E-Autos werden aber andere Li-Technologien wie LiFe[Y]PO4 oder LiMn verwendet, mit größerer Leistungsdichte, Zyklen- und Kältefestigkeit.

Die breite Käufermasse hat kein Budget für Porsche. Oder eben ePKW.
2011 lag der Durchschnittskaufpreis für einen PKW bei über 25000€. Da sind ePKW, selbst mit Akku, nicht mehr so weit davon entfernt.

doch 20.000€ Aufpreis um 500€ im Jahr zu sparen...? Das funktioniert nur bei defekter Psyche.
Sie müssen's ja wissen... aber der Spareffekt stand für mich nicht mal im Vordergrund (wie bei den meisten Autokäufern: http://www.spiegel.de/aut... ).
Wenn sich die Spritpreise weiter so entwickeln wie bisher, könnte selbst ein teures E-Auto schneller Geld sparen, als viele heute glauben wollen.

wertloses Glaubensbekenntnis?

Falls es den werten Mitkommentatoren entgangen sein sollte, weil sie gerade zu sehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig ihre "wertlosen Glaubensbekenntnisse" um die Ohren zu hauen: Der Artikel ist eine aktuelle Bestandsaufnahme. Er beschreibt also die Situation, so wie sie ist, und zwar völlig frei von ideologischen Borniertheiten, die uns offenbar immer wieder den Blick vernebeln. Und falls es sich neben all dem missionarischen Übereifer noch einrichten läßt, wäre es vielleicht gar nicht dumm, diese Situation einfach mal zur Kenntnis zu nehmen.

Also reines Glückspiel

Weil es mal für eine Stunde in Belgien ein Ion für 16.600€ gab, ist es also kein Problem, Elektro-Autos für < 20k € zu bekommen?

Da mache ich lieber Glückspiel und hoffe, 30k € zu gewinnen, um mir so ein auto kaufen zu können. Ist in meinen Augen erfolgsversprechender, als zu hoffen, in Belgien ein Ion für 16.600 € zu bekommen.

Ich kann nicht jeden tag jede Stunde sämtliche OnlinePlattformen durchstöbern und dann hunderte Kilometer weit fahren, um ein Elektroauto für weniger als 20k € zu bekommen. Schaffe ich nicht Zeitlich.

ePKW - derzeit einfach noch absolut unwirtschaftlich

"Sie wissen aber schon, dass im Tesla Roadster 6831 18650er-Zellen verbaut sind, gleiches Format und Chemie wie in hunderten von Millionen Laptops?"

Ich bitte Sie, ein 450 Kilogramm LiPo-Akkusystem mit einer Halbwertszeit von 3 Jahren, zum Preis eines Kleinwagens. Klar funktioniert das - ist aber doch keine massentaugliche Lösung?

"2011 lag der Durchschnittskaufpreis für einen PKW bei über 25000€. Da sind ePKW, selbst mit Akku, nicht mehr so weit davon entfernt."

Wenn ich einen 25k€ eSMART oder einen 30k€ iMiEV mit einem 25k€ PKW herkömmlicher Bauart vergleiche, finde ich "nicht mehr so weit entfernt" eine geradezu belustigende Aussage.

Für das Geld gibts im Fossilstinker-Lager z.B. Ford Focus in Vollaustattung mit großem Benziner oder 2l-Turbo-Diesel, im Semi-Premium-Segment z.B. Skoda Octavia gutausgestattet mit mittelgroßem Motor - bei E-Autos Technologieträger mit dem Funktionswert von Kabinenrollern zum Early-Adopter-Preis.

"doch 20.000€ Aufpreis um 500€ im Jahr zu sparen...? Das funktioniert nur bei defekter Psyche. Sie müssen's ja wissen... aber der Spareffekt stand für mich nicht mal im Vordergrund"

Ach, Sie fahren selbst so ein Ding. Da wundern mich ihre Kommentare nicht mehr.

"Wenn sich die Spritpreise weiter so entwickeln wie bisher, könnte selbst ein teures E-Auto schneller Geld sparen, als viele heute glauben wollen."

Im Moment liegt der break-even bei weit über 5€/l Sprit. Dann haben wir aber noch ganz andere Probleme als den teuren Individualverkehr.

..........

"Gut, dass Sie mit Ihrem "Ich" Argument mein auf Zahlen basierendes Argument komplett aushebeln wollen. Mit solchen Eventualitäten auf die große Masse zu schließen beeindruckt ebensowenig."

Das ist nur ein Beispiel das diese Durchschnittszahl die sie liefern kaum Aussagekraft hat.

"Selbst bei Berücksichtigung jeder Eventualität dürfte ein Elektroauto für 50% aller Autofahrer genügen, um den Alltag zu bewältigen."
Die Schätzung sieht schon anders auch und ich finde sie noch immer zu hoch. Aber selbst bei 10% (und das sollte man erreichen können) wäre man bei Millionen von E-Autos in Deutschland.

Man sollte aber nicht so tun als wäre die Reichweite für 82% der Leute kein Problem, nur weil eine grobe Statistik den Anschein liefert.

Das ist es ja...

"Für die Strecken, die für mein E-auto zu lang sind, nehme ich mir ein Carsharing- oder Mietauto"

Genau da liegt doch das Problem. Warum sollte ich mir ein E-Auto kaufen, welches gerne mal doppelt so teuer ist wie die normale Benzin / Diesel Variante, um mir dann doch gelegentlich (und wenn es nur 5x im Jahr ist) doch wieder n Benziner mieten zu müssen, wenn ich mal längere Strecken zurücklegen will / muss? Da nehme ich doch lieber gleich den Benziner. Ich hab dann zwar höhere laufende Kosten aber deutlich geringere Anschaffungskosten und ich bin einfach jederzeit, auch mitten in der Nacht wenn es sein muss (Notfall in der Familie oder was auch immer), flexibel.

Dazu kommt ein weiteres Problem, welches ich bei den E-Autos sehe... die Wagen sind im Grunde nur als Stadtwagen zu gebrauchen... aber wo lade ich sie dann auf? Ich kenne z.B. hier in Aachen auf Anhieb nur zwei Ladesäulen und die stehen in der Innenstadt und an der Uni. Jeder der kein Einfamilienhaus mit eigenem Parkplatz / Garage / Carport oder einen Tiefgagragenplatz mit Steckdose hat, ist aufgeschmissen. Er kann sein tolles E-Auto in der Stadt, da wo es eigentlich Sinn macht, schlicht nicht aufladen.

Der Preis ist das einzige Hindernis...

Nicht nur, dass das Auto ohne Batterie schon einiges kostet. Nein, man muss auch noch bei den meisten Modellen eine Batterie dazu "mieten". Und das zu gepfefferten Preisen.

Solange da niemand eine brauchbare Preisklasse erreicht - also insgesamt ein Basismodell für bis zu 20.000€ Neupreis - wird auch kein E-Auto angeschafft.

Verkaufe das teuere konventionelle, dafür ein günstiges Elektro-

fahrzeug und einen kostengünstigen und reparaturfreundlichen konventionellen.

Selbst bei dem Renault Twizy für 8000 Euro (und 60€/Mon Batteriemiete) werden wir merken dass der in Twizy Kreisen als Stinker benannte konventionelle Tage-, Wochen oder sogar Monatelang wegen Nichtbedarfes an der Strasse stehen kann.

Sollte Renault dem Twizy die Wintertauglichkeit wegen fehlender Türen nicht beibringen können, früher oder später kommen Zulieferer oder Wettbewerber mit alternativen Fahrzeugen.

Die Batterie für den Twizy wird in 2-3 Jahren wohl um die 2000 Euro kosten und 100km reichen. Eine Schnelladung ermöglicht dann in weniger als 20 Minuten weitere 80km. (Der Nissan Leaf schafft das jetzt in 30 Minuten auf 80% was dann wohl 150km sind).

Für die solare Stromproduktion bei 10.000km Reichweite pro Jahr (9-10 kWh/100km) sind nochmals knapp 2000 Euro fällig.

Selbst wenn ein konventioneller Neuwagen ansteht ist es denkbar, ein bedeutend kostengünstigeres Fahrzeug zu kaufen und für die ersparten 10000 Euro einen kleinen elektrischen der sich sogar auf einem Pkw Anhänger mitnehmen lässt-

Antwort auf: 8. Eine Schnelladung ...

wenn ich 10 KWh in 20 Minuten Laden will brauch ich einen Ladestrom von 30 KW bei einer Abwaerme von 3 KW.

Wo genau liegt da das Problem? 30 kW bei 380 Volt sind gerade mal 79 Ampére. Klar, das ist ein bisschen mehr als eine Haushaltssteckdose (3x 16 A = 48 A) liefern kann, aber technisch ist das völlig problemlos machbar. Das Kabel ist eben ein wenig dicker.

Zum Vergleich: der Anlasser eines grösseren Autos braucht rund 300 A und kommt auch ohne armdicke Kabel aus. Ein Küchenherd kann sich 15 kW "genehmigen". Und so weiter.

wo kommt der ganze Strom her?

Angenommen, 10% der heutigen konventionellen Fahrzeuge würden durch E-Mobile ersetzt.
Reicht dann die Stromerzeugung mit EEG dann überhaupt noch aus?

Man will einerseits z.B. mit Energiesparlampen Energie sparen.
Man will die Sommerzeitregelung beibehalten, obwohl der Energiesaldo dabei negativ ausfällt.

Und nun kommt der Strom für Massen von E-Mobilen als Stromsenke.

Wie soll dieses denn je funktionieren?

80% in 20 min - Es geht - Zu Hause reicht ggf weniger

Es geht. Hier aus einem Bericht der FAZ zum Nissan Leaf:

Lithium-Ionen-Batterie mit 24 kWh, Reichweite 175 km nach Norm, ohne Klimaanlage, Ladezeit 8 bis 14 Stunden

Laden
Die Händler sollen über Schnellladepunkte verfügen, an denen sich das Gefährt mittels Mode-3-Kabel binnen 30 Minuten zu 80 Prozent aufladen lässt. Leider trifft das noch nicht auf alle zu, jener hat nur eine Haushaltssteckdose wie du und ich.

Der Renault Twizy hat derzeit eine Kapazität von 6,1kWh. Für 100km Reichweite sind dann 9-10 kWh notwendig. 80% sind ca 8 kWh und das in 20 min wären 24kWh. Mit Abwärme/Verlust etwas mehr. Eine gute Kraftstromsteckdose dann geht es auch zu Hause.

http://www.faz.net/aktuel...

Vergessen hatte ich, der Kunde kauft sich ein neues Kleinstelektrofahrzeug und einen billigen gebrauchten konventionellen. Womöglich sind die heutigen Dinosaurier in 10 Jahren unverkäuflich.

Die Kanzler will

Dieser Satz darf ja nicht fehlen, aber im Ernst, wen interessiert die Meinung von Mutti bei einer Ausgabe von 30.000 Euro? Und in der Sache: Für die gebotene Leistung eines E-Autos sind eher 6000 bis 7000 Euro angemessen - letzten Endes kann das Auto deutlich weniger als ein Panda oder Polo.
Oder umweltfreundlicher gesagt: die Entfernungen die das Vehikel täglich zurücklegt, kann man auch mit dem Fahrrad für 400 Euro oder dem E-Rad für 2000 fahren. Wo liegt also der Vorteil?