DIE ZEIT: Herr Altmaier, Herr Habeck, Sie sind beide seit Kurzem Umweltminister. Ist das ein Amt mit Gestaltungsmacht, oder fühlen Sie sich von Zwängen und Interessen umstellt?

Robert Habeck:(lacht) Ich würde sagen, ich habe Gestaltungsmacht, Peter Altmaier ist von Zwängen und Interessen umzingelt.

Peter Altmaier: Das mit den Zwängen und Interessen stimmt, aber das spornt mich gerade an.

ZEIT: Ist es denn immer noch so, dass sich die Umweltpolitik ihren Spielraum erkämpfen muss?

Altmaier: Im gesellschaftlichen Bewusstsein ist die Ökologie in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden – aber gleichzeitig ist sie auf der politischen Agenda erheblich nach hinten gerückt. Das liegt an der Staatsschuldenkrise. Aber ich sehe die Debatte, die wir jetzt über die Energiewende führen, auch als Chance, die Ökologie wieder nach vorne zu bringen.

Habeck: Genau, neben der Europakrise ist die Energiewende das dominierende Thema . Ich fühle mich auf diesem gesellschaftlichen Kampfplatz ganz wohl.

ZEIT: Ist unser Eindruck richtig, dass die Energiewende in Teilen der Wirtschaft und der Politik immer noch prinzipiell infrage gestellt wird?

Habeck: Nicht offen. Aber de facto schon. Jeden Tag werden scheinbar neue Probleme beschworen, vor allem aus dem politischen Lager von Herrn Altmaier .

Altmaier: Einspruch, Euer Ehren. Die Energiewende besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil, der Ausstieg aus der Kernenergie, ist entschieden. Ich sehe keine seriöse politische Kraft, weder bei der FDP noch bei der Union, die das infrage stellt. Für Debatten sorgt der zweite Teil der Wende: Wie schaffen wir den Übergang von der Kernenergie zu erneuerbaren Energien, und wie wird das Verhältnis von erneuerbaren zu konventionellen Energien in Zukunft aussehen? Da gibt es unterschiedliche Positionen und Interessen – und da lohnt sich auch Streit.

Habeck: Sie beschönigen! Wenn der Konsens über den Wechsel zu den erneuerbaren Energien fehlt, dann ist doch die Einigkeit über das Aus für die Atomenergie nur eine rhetorische Floskel.

Altmaier: Wir haben als Bundesregierung erklärt, dass wir den Übergang zu erneuerbaren Energien wollen, 35 Prozent bis 2020, 80 Prozent bis zum Jahre 2050. Das wird allerdings nicht von jedem in der Gesellschaft geteilt und anerkannt. Deshalb gibt es Streit.

ZEIT: Wird nicht deswegen gestritten, weil diejenigen, die gegen den Atomausstieg waren, heute Vorbehalte gegen die Erneuerbaren haben?

Altmaier: Es mag sein, dass es in dem ein oder andern Fall ideologischen Widerstand gegen erneuerbare Energien gibt. Es ist sogar ganz sicher so, dass in Teilen der Wirtschaft bezweifelt wird, dass die erneuerbaren Energien zu marktfähigen Preisen produziert werden können. Wir fördern heute die regenerativen Energien mit erheblichen Umlagen. Das war ein richtiger Ansatz, nur das Ziel muss natürlich sein, dass diese Energien eines Tages markt- und wettbewerbsfähig sind.

ZEIT: Erneuerbare Energie ist nun einmal teurer als klimaschädliche oder nukleare Energie.

Altmaier: Momentan schon, aber nicht ewig. Schauen Sie sich die Förderung der Photovoltaik an. Wir haben vor Kurzem entschieden, dass es keine weitere Subventionierung gibt, wenn das Ausbauziel von 52 Gigawatt erreicht ist. Das ist wichtig, um den Anreiz zu schaffen, diese Energien möglichst günstig zu produzieren.