Deutschlands letztes Monopol könnte fallen: Im Fernverkehr, wo die Deutsche Bahn 98 Prozent Marktanteil hält, gibt es einen neuen Anbieter. Der Hamburg-Köln-Express (HKX), hinter dem ein amerikanischer Investor steht, verkehrt seit dieser Woche zwischen den beiden Großstädten. Von Herbst an will auch der Kölner Reiseveranstalter MSM von Köln über Hannover nach Hamburg und Berlin fahren.

Der Staatskonzern bekommt damit auf attraktiven Strecken Konkurrenz. Ein HKX-Ticket kostet zwischen 20 und 60 Euro, inklusive Reservierung. Die Deutsche Bahn verlangt für eine normale Fahrt im IC von Hamburg nach Köln 83 Euro, Besitzer einer Bahncard 50 zahlen die Hälfte. Plus vier Euro für die Reservierung. HKX startet mit einem Kampfangebot. Als Ryanair auf Schienen.

Eigentlich wollte HKX schon 2010 loslegen, doch der Marktstart verzögerte sich immer wieder. Das liegt auch daran, dass es private Anbieter nirgends schwerer haben als im Schienenfernverkehr – aus drei Gründen: Erstens sind hohe Investitionen nötig, bevor die erste Fahrkarte verkauft werden kann. Anbieter müssen einen Fuhrpark anschaffen, und ein Zug kann je nach Ausstattung mehrere Millionen Euro kosten. 16 Millionen Euro hat der Investor bereits in HKX gesteckt. Bis das Geld wieder eingefahren ist, werden Jahre vergehen. Der Erfolg von HKX hängt auch davon ab, wie lange der Gedgeber durchhält.

Zweitens sind die Risiken eines Markteintritts enorm hoch. Wer Fernzüge betreibt, bekommt kein Geld vom Staat. Anders ist das im Nahverkehr: Für den verteilt der Bund jährlich sieben Milliarden Euro an die Länder, damit sie die Deutsche Bahn oder einen Wettbewerber beauftragen können, in der Region Züge zu betreiben. Im Fernverkehr dagegen fahren die Anbieter auf eigenes Risiko.

Drittens kann die Bahn den Wettbewerbern das Leben schwer machen, weil sie über das 34.000 Kilometer lange Schienennetz verfügt und bestimmt, wer, wann, wo und zu welchen Konditionen darauf fahren darf. Auch dafür, dass die Züge in den Bahnhöfen halten, kassiert der Bahnkonzern Gebühren. Solange die Infrastruktur nicht unabhängig ist, besteht zumindest die Gefahr, dass die Bahn ihre Konkurrenten benachteiligt.

Die hohen Investitionen und die hohen Risiken muss man hinnehmen, sie gehören zum Wesen des Geschäfts. Aber der Gefahr, dass die Bahn ihre Wettbewerber drangsaliert, kann man vorbeugen. Die Politik sollte dem Konzern das Schienennetz wegnehmen. Es gehört in staatliche Hand oder unter eine strenge staatliche Aufsicht. Nur so hat der Wettbewerb eine Chance.

Und der kommt den Fahrgästen zugute. Das zeigt sich heute schon im Regionalverkehr, wo Konkurrenten seit Jahren unterwegs sind und der Bahn Marktanteile abnehmen. Das Resultat: mehr Züge, mehr Komfort und ein besserer Service.