David Servan-SchreiberLetzte Worte eines Mutigen

Der Arzt David Servan-Schreiber hat vor seinem Krebstod ein Buch geschrieben, das berührt und Hoffnung macht. von 

David Servan-Schreiber

David Servan-Schreiber  |  © Verlag Antje Kunstmann

Himbeeren, grüner Tee, möglichst wenig mit dem Handy telefonieren, dafür täglich meditieren. David Servan-Schreibers medizinische Empfehlungen gingen weit über das hinaus, was in Kliniken Standard ist. So wurden seine Bücher Die neue Medizin der Emotionen und Das Anti-Krebs-Buch zu Bestsellern. Patienten weltweit verehrten den französischen Mediziner, der Kranke ermutigte, ihr Schicksal aktiv anzugehen. Er war ihr Held – auch weil er selbst einen Hirntumor nebst Rückfall überlebt hatte.

Doch der Krebs kehrte zurück. Servan-Schreiber kämpfte: um sein Leben und um das, was ihm wichtig war. Noch zwischen Hirnoperationen rang er sich ein drittes Buch ab: ein Vermächtnis, wie er zu Recht vermutete. Vor einem Jahr starb Servan-Schreiber, das Buch erschien posthum, nun auch auf Deutsch: Man sagt sich mehr als einmal Lebewohl.

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Was bleibt von der ganzheitlichen Anti-Krebs-Medizin, wenn der Krebs den besiegt, der sie erdacht hat? »Himbeeren und Broccoli reichen also doch nicht?«, fragt ein Freund an seinem Krankenbett. Servan-Schreiber zitiert ihn und nimmt so die Reaktion all derer vorweg, die dem Autor zeitlebens weniger freundlich gesinnt waren. Denn natürlich hatte der Bestsellerautor auch Kritiker, ja Feinde.

In der Mobilfunk-Industrie hasste man den Neurologen, weil er mit seinen Warnungen vor Handystrahlen die Kunden verschreckte (»Wechseln Sie das Ohr«, »Nutzen Sie die Freisprechfunktion«). Die Arzneihersteller feindeten ihn an, weil er es wagte, die Wirkung von Grüntee mit der teuerster Krebsmittel zu vergleichen. Unter Ärzten eckte der Querdenker an. In Amerika – wo er an der Uni Pittsburgh ein »Zentrum für Integrative Medizin« aufbaute – warfen ihm viele vor, Esoterik über Evidenz zu stellen. Mit seinem Faible für Fernöstliches, das er beim Einsatz für »Ärzte ohne Grenzen« entwickelt hatte, schien Servan-Schreiber dazu einzuladen. Weshalb er, der selbst eine klassische schulmedizinische Ausbildung durchlaufen hatte, auszog, um die Kritiker mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Ausgehend von Krebsstatistiken, in denen Asiaten besser abschneiden als Westler, begann er den Ursachen nachzuspüren. So sammelte er Studien aller Art: über den Einfluss von Meditation und Massage auf den Zustand von Brustkrebspatientinnen, über die Wirkung von Tai-Chi auf die Hormonausschüttung, über den antioxidativen Effekt von Grüntee oder Ingwer.

Da Zellwachstum in jeder Zelle angelegt sei, sei es eine Frage des Immunsystems, die Entartung in Schach zu halten, argumentierte er. Dieses System gelte es zu stärken, auch und gerade wenn die Entgleisung schon passiert sei, wenn man dem Körper mit Chemo- und Strahlentherapie zu Leibe rücken müsse. Sein Anti-Krebs-Buch richtete sich an medizinische Laien – aber der Anhang mit den Literaturhinweisen macht fast ein Zehntel des Umfangs aus.

Bei diesem, seinem letzten Buch kommt Servan-Schreiber ohne Bibliografie aus. Fast 20 Jahre hat er dem Tumor abgetrotzt – entgegen allen Statistiken. Wem das nicht Beleg genug ist, das ahnt er wohl, den wird er in diesem Leben nicht mehr überzeugen. Seine Zeit ist knapp. Es geht nicht mehr ums Beweisen und auch nicht mehr darum, wie man den Tod bekämpft. Diesmal geht es um ein würdevolles Sterben.

Leserkommentare
  1. dass Gott doch würfelt.
    Der Mensch versucht nur, egal mit welchen Ansatz bislang mehr oder weniger erfolglos, mitzuwürfeln.

    • H.v.T.
    • 05. August 2012 17:22 Uhr

    Leben, jedenfalls gibt es bis dato hierfür keinen belegbaren Nachweis, wie kommen wir also darauf, dass wir ein Mitspracherecht beim Austritt aus diesem Leben hätten ?

    • joG
    • 05. August 2012 22:43 Uhr

    ...von Fritz Zorn. Es Hinterließ eine bleibende Erinnerung. Es hieß Mars.

    • Zynix
    • 05. August 2012 23:00 Uhr
    4. @H.v.T

    na klar haben wir eins. Zwar können wir uns nicht selbst zeugen, wohl aber töten.

  2. der Verstorbene hatte zu diesem Thema sicherlich mehr zu sagen, als jemand, der nicht betroffen ist. Hoffentlich ist sein letztes Buch für viele Kranke Trost und Hilfe.

    Antwort auf "Ergänzung"
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    Dass positive Gedanken alleine wegen der Lebensqualität ect auch in solchen Situationen wertvoll sind, versteht sich von selber. Dass schlechte Gedanken in dem Fall Stress bedeuten mit entsprechenden Hormonen und deren Wirkung, ist auch bekannt.

    Was ich nur nicht verstehe, ist die Tatsache, dass so viel an die "Kraft" der Gedanken oder so geglaubt wird. Damit ist (so wie ichs verstanden hab) ne krebszellentötende Wirkung von Gedanken (=Hirnströme) gemeint? Als Physikstudent und (Ex)-Morbus-Hodgkin-Patient hab ich weder von der onkologischen bzw medizinischen noch von der physikalischen Seite einen Mechanismus kennengelernt, der sowas bewirken würde (Wenns jemand interessiert, kann ich auch Details und Begründungen liefern). Klar kann es sein, dass sowas mal nachgewisen wird und ich fänd des auch voll geil, aber es scheint mir einfach nur unwahrscheinlich.

    Was ich auch feststelle, ist die mangelnde Unterscheidung in Krebsprävention und Behandlung hier im Artikel. Was für Krebsstatistiken sind des denn, in welchen Asiaten besser abschneiden? Prognose nach Diagnose über alles gemittelt? Häufigkeit von Krebs pro Einwohnerzahl? Krebsprävention ist was völlig anderes als Krebsbehandlung.

    Hatte übrigens Chemo und Bestrahlung und nix alternativ"medizinisches" und mir gehts zur Zeit super ;)

  3. Dass positive Gedanken alleine wegen der Lebensqualität ect auch in solchen Situationen wertvoll sind, versteht sich von selber. Dass schlechte Gedanken in dem Fall Stress bedeuten mit entsprechenden Hormonen und deren Wirkung, ist auch bekannt.

    Was ich nur nicht verstehe, ist die Tatsache, dass so viel an die "Kraft" der Gedanken oder so geglaubt wird. Damit ist (so wie ichs verstanden hab) ne krebszellentötende Wirkung von Gedanken (=Hirnströme) gemeint? Als Physikstudent und (Ex)-Morbus-Hodgkin-Patient hab ich weder von der onkologischen bzw medizinischen noch von der physikalischen Seite einen Mechanismus kennengelernt, der sowas bewirken würde (Wenns jemand interessiert, kann ich auch Details und Begründungen liefern). Klar kann es sein, dass sowas mal nachgewisen wird und ich fänd des auch voll geil, aber es scheint mir einfach nur unwahrscheinlich.

    Was ich auch feststelle, ist die mangelnde Unterscheidung in Krebsprävention und Behandlung hier im Artikel. Was für Krebsstatistiken sind des denn, in welchen Asiaten besser abschneiden? Prognose nach Diagnose über alles gemittelt? Häufigkeit von Krebs pro Einwohnerzahl? Krebsprävention ist was völlig anderes als Krebsbehandlung.

    Hatte übrigens Chemo und Bestrahlung und nix alternativ"medizinisches" und mir gehts zur Zeit super ;)

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    Krebsbehandlung gehört ohnehin viel umfassender auf den Prüfstand! Das betrifft einerseits den Bereich der Psychoonkologie, auch noch ein recht junger Zweig, der sich mit der psychischen Seite und der Verarbeitung befasst - wo nebenbei von der "Kraft der Gedanken" völlig selbstverständlich ausgegangen wird (Resilienz ist hier u.a. auch ein passendes Stichwort). Andererseits müssten therapeutische Maßnahmen und hier besonders die Chemotherapie viel kritischer auf Wirksamkeit und Nutzen überprüft werden!

    Was nämlich noch viel zu wenig im Fokus ist, bei Patienten aber auch bei Medizinern, dass Nichtstun (bzw. Beschränkung auf psychische Begleitung) nicht selten besser ist als der Einsatz der aggressiven Chemotherapie, welche möglicherweise, aber noch nicht einmal sicher und wenn, dann oft genug minimale zeitliche Lebensspanne liefert - aber auf Kosten oft massiver Einbußen an Lebensqualität.

    Und genau deshalb ist es ein Muss, dass man Krankheiten wie Krebs umfassend (um nicht den leider schon besetzten Begriff ganzheitlich zu gebrauchen) betrachten muss.

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