Stanisław Lems Solaris endet mit dem Satz: »Ich wusste nichts, und so verharrte ich im unerschütterlichen Glauben, die Zeit der grausamen Wunder sei noch nicht um.« Im Juni 1960 hatte der polnische Schriftsteller sein wohl berühmtestes Buch fertig geschrieben; Solaris wurde seither mehrfach auf die Bühne gebracht und zweimal verfilmt (Tarkowski, Soderbergh). Es würden noch viele weitere Bände voller »grausamer Wunder« folgen.

Solaris ist der Name eines extrasolaren Planeten, umspannt von einem Etwas: Das Glibberzeug ist ein lebendes Individuum und offenbar intelligenter, als wir es sind. An dieser Provokation arbeitet sich der Roman ab. Was, wenn uns eine überlegene Intelligenz dermaßen fremd wäre, dass wir mit ihr nicht kommunizieren könnten? In seinen Golem-Erzählungen sollte Stanisław Lem (1921 bis 2006) später der gleichen Frage am Beispiel hoch entwickelter Computer nachgehen.

Der Proteus auf Solaris bildet Kunstwesen heraus, die er seinen menschlichen Besuchern zur Seite stellt, Nachbildungen früherer Lebenspartner beispielsweise. Sie agieren und sprechen wie echte Menschen, obwohl sie aus völlig anderer Physik konstruiert sind: Pygmalion. Haben sie Bewusstsein? Was ist Bewusstsein, und woher, fragt sich der Held in Solaris, weiß ich überhaupt, dass das alles, der Planet Solaris und seine Bewohner, nicht nur Einbildung ist?

Ein echter Lem ist der Kunstgriff, die Wechselfälle einer fiktiven Wissenschaft zu analysieren, die sich mit dem Gegenstand seines Romans befasst. Solche Wissenschaften hat der Autor zu Hunderten erfunden. In diesem Fall spiegelt die »Solaristik« wider, wie hilflos der Mensch angesichts eines Großen ist, das er nicht erfassen kann.

Heutzutage ist die Suche nach außerirdischem Leben ein Forschungszweig geworden. Da lohnt es sich, noch einmal nachzulesen, was Lem in Solaris über ihr Motiv schrieb. Sie soll Ähnliches entdecken, nicht das ganz Andere (was sie vielleicht auch gar nicht könnte): »Wir brauchen Spiegel. Mit anderen Welten wissen wir nichts anzufangen.« Davon handelt, mit katastrophalem Ausgang, auch Lems Roman Fiasko.

Es gibt Science-Fiction, die Technik vorwegnimmt. Stanisław Lem hat Gedanken vorweggenommen.