Männliche NacktheitDas ist übrigens ein Penis

Weibliche Nacktheit ist der Normalfall – männliche hingegen nicht. Warum ist das so? von Elisabeth Raether

Männerkörper sind weniger schön als Frauenkörper?

Männerkörper sind weniger schön als Frauenkörper?  |  © gschpænli / photocase.com

Welche Frau nicht das Glück hat, mit einem Mann zusammen zu sein, bekommt selten einen Penis zu Gesicht. Penisse lassen sich in der Öffentlichkeit kaum blicken. Sie leben zurückgezogen unter ihresgleichen, zeigen sich, was man so hört, freimütig nur auf Herrentoiletten und in Umkleidekabinen von Sportvereinen. Eine Frau kann in Biologiebüchern blättern, sie kann sich Pornos anschauen, in denen sie Penisse in ungeahnten Dimensionen sieht. Im Museum kann sie Tausende Jahre alte Geschlechtsteile aus Stein betrachten. Sie kann auf Plakaten für Herrenunterwäsche irgendwo in dem weichen Päckchen zwischen trainierten Schenkeln einen Penis vermuten. Aber Bilder von echten, zeitgenössischen Penissen, aus Fleisch und Blut, nicht pornografisch, nicht abstrahiert, nicht medizinisch, solche Bilder sind schwer zu finden. Es gibt keine Bilder von nackten Männern, auf denen Nacktheit etwas erzählt, ein Ausdruck ist von Intimität, von Verletzlichkeit oder von Schönheit.

Männer dürfen heute Kinder erziehen, eine Lieblingsfarbe haben und öffentlich weinen. Es gibt für sie Bio-Intimwaschlotion. Junge Männer tragen die obersten Hemdknöpfe geöffnet, sie zeigen ihre sekundären Geschlechtsmerkmale, Bart und Brusthaare, und in hochgekrempelten Hosen ihre nackten Fesseln. Es gibt Männer, die das Urteil des Landgerichts Köln begrüßen, das die Beschneidung kleiner Jungen als Körperverletzung einstuft. Sie meinen, man solle seine Vorhaut, eine Körperregion mit 73 Meter Nervenfasern und 20.000 Nervenendungen, nicht dem kulturellen Überbau opfern müssen. All das deutet darauf hin, dass der Mann von heute einen entspannten, unideologischen Umgang mit seinem Geschlechtsteil pflegt. Doch zu sehen bekommen wir den Penis nicht.

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Warum ist das so? Warum spielen Nacktbilder von Männern keine Rolle? Kann männliche Nacktheit im Gegensatz zur weiblichen nichts erzählen? Können wir darauf verzichten, oder entgeht uns, Männern wie Frauen, etwas?

Frauen, scheint es, muss man ja nicht lange bitten: Sie ziehen sich aus, sobald sich ihnen eine Gelegenheit bietet. Ein Anruf genügt, von der RTL-2- Frauentausch -Redaktion oder vom örtlichen Fotoladen, der sein Schaufenster dekorieren will, schon zeigen Frauen alles, was sie haben. In Galerien, in Magazinen, auf Blogs: Künstlerinnen, Schauspielerinnen, Models, Sportlerinnen, Moderatorinnen, Fotografinnen, ob jung oder alt, dumm oder klug, hübsch oder nicht so hübsch, alle zeigen sich nackt. Bevor der Fotoapparat erfunden wurde, ließen Frauen sich nackt in Öl oder Wasserfarbe malen. Die Guerilla Girls, eine New Yorker Feministinnengruppe, die seit den achtziger Jahren in Gorillakostümen auftritt, zählte im Metropolitan Museum of Modern Art nach : 83 Prozent der Nackten sind Frauen (und nur 3 Prozent der Künstler). Das erste Kulturgut, das Menschen fertigten – der erste Gegenstand, der keinem Nutzen dienen musste, sondern unterhaltend, interessant und dekorativ war –, entstand 25.000 Jahre vor Christus und stellt eine nackte Frau dar: die Venus von Willendorf , eine kleine Kalksteinskulptur, dick und ohne Gesicht, dafür mit kunstfertig geschnitzten Geschlechtsmerkmalen, heute zu bewundern im Naturhistorischen Museum in Wien.

Spätestens seit der sexuellen Revolution sind Fotos von weiblicher Nacktheit und vor allem weiblicher Halbnacktheit, oben ohne, unten etwas Knappes, alltäglich. Die Normalität in der Bilderwelt sieht so aus: Frauen zeigen ihre Brüste, Männer zeigen nichts. Die weibliche Brust signalisiert eindeutig etwas Erotisches, provoziert aber niemanden. Der Spiegel zeigt zu neuen Erkenntnissen zum menschlichen Erbgut eine tanzende nackte Frau. Die ZEIT bebildert einen Artikel zum Thema Kindererziehung mit einer Nackten. Kein Medium, das sich nicht freute über die ukrainische Bewegung Femen , bestehend aus gut aussehenden Frauen, die zum Zeichen des politischen Protests ihre Brüste zeigen. Brüste sind für die Bühne geboren. Von Männern aufrichtig geliebt und verehrt, sind sie Geschlechtsmerkmale und erogene Zonen, doch sie sind nur sekundäre Geschlechtsmerkmale. Sie steigern die Attraktivität und dienen nicht direkt der Fortpflanzung. Zu dieser ebenso wirksamen wie beiläufigen weiblichen Halbnacktheit gibt es kein männliches Äquivalent.

Taucht doch einmal ein Penis auf, kann er sich der ungeteilten Aufmerksamkeit seines Publikums sicher sein. Das Bild von einem Penis sorgt immer für Aufregung. Weibliche Nacktheit ist banal, männliche etwas Besonderes. Die primären Geschlechtsmerkmale der Frau gelten als so uninteressant, dass ständig verwechselt wird, wie sie eigentlich heißen: Vulva oder Vagina? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sagt in ihrer Broschüre zur kindlichen Sexualaufklärung der Einfachheit halber »Schlitz«. Ein Penis aber ist nicht unsichtbar.

Leserkommentare
  1. Langsam geht einem dieser ewige Genderquatsch auf den Geist. Die Frauen können sich ausziehen oder es bleiben lassen, die Männer ebenfalls. Ob es die Frauen wegen der Männer machen, ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Aber es soll freiwillig sein. Zu unterstellen, dass sie unter irgendwelchem kruden Zwang stehen, ist aberwitzig.Feministische Zwangsneurosen sind wenig hilfreich. Sie helfen nicht einmal den Feministinnen selbst. Die wirklich selbstbewussten Frauen bedanken sich mit Sicherheit für die nicht bestellte Einmischung in ihre eigene Freiheit durch frustrierte Geschlechtsgenossinnen.

    • ed1984
    • 27. Juli 2012 15:41 Uhr

    Liebe Zeit-Magazin Redaktion,

    Sie haben hier ein Eisen losgetreten, dass wohl zumindest Diskussionsbedürfnisse bei vielen weckt. Und es somit quasi unmöglich macht, den Thema zu entgehen.

    Da ich aus Ihren Artikel lese, dass Sie die Meinung "Mehr sichtbaren Penis braucht das Land" teilen, oder zumindest unterstützen, würde ich Sie aber dann auch bitten dieses doch auch mit aller Konsequenz durchzusetzen.

    Ich muss Ihnen nicht 2 mal sagen, dass Sie als Zeitung/Magazin sehr stark sind. Eine große Reichweite bedeutet auch ein soziale Verantwortung Gesellschaften zu prägen. Hier könnten Sie es doch einfach mal tun! Schalten sie einen Zeit Magazin Mann Blog, oder wie sie es auch immer nennen würden. Ermutigen sie Männer ein Nacktbild von Sich auf Ihren Blog hochhzuladen. Sie könnten auch Ziel versprechen, dass der Nackte, mit den meisten "Likes" das Cover eines Zeit-Magazin kürt. Ermuntern sie statt nur den Finger aufzuzeigen. Das sollte die neue Form von Journalismus sein. Zeigen, reden und ändern.

    Ich verspreche Ihnen, wenn Sie den Blog schalten, dann bin ich der erste der ein Bild hochlädt. Auch wenn ich eher nichts davon halte :)

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    Aber dann bitte nicht diese unsäglichen buntverwaschenen Opa-Doppelripp mit Eingriff aufs Bild, die man im ARtikel bewundern kann.

    Da wird mir ja als Mann schon schlecht.

    • hakufu
    • 27. Juli 2012 16:05 Uhr

    das wichtigste Geschlechtsorgan ist der Kopf.

  2. Aber dann bitte nicht diese unsäglichen buntverwaschenen Opa-Doppelripp mit Eingriff aufs Bild, die man im ARtikel bewundern kann.

    Da wird mir ja als Mann schon schlecht.

  3. 117. Analogie

    Man sollte sich mal erlauben, dieselbe Studie mit weiblichen Probanden durchzuführen. Wissenschaftliche Fragestellung:
    "Wie eng sind die Frauen auf welchen Orten der Erde?"
    Da wäre das Geschrei groß.

  4. Obwohl ich ein Mann bin, muß ich gestehen, dass nackte Männer nicht besonders schön sind. Das heiige Bimbam auch nicht.

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    schon ;)

    besonders was den Bimbam betrifft,;)

    Ich denke, dass die westliche Gesellschaft zu stark amerikanisiert ist. In den immer noch sehr prüden USA ist ein nackter männlicher Oberkörper schon beinah eine Sensation. Leider haben wir uns diesen verklemmten Standards angepasst, in den 70er Jahren ging es hier viel freizügiger zu und unverkrampfter. Und ein nackter Mann in einem Spielfilm war keine Meldung wert...

  5. 119. auch nach

    längerem nachdenken ist mir eine geistige verbindung zwischen meinem ursprünglichen beitrag und ihrer antwort nicht klar geworden

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    bestätigend darauf reagiert ? :)))))

  6. auf koreanerin und schwarzafrikaner zurückgreifen
    erstmal
    da "passt" ein baby durch
    das ist etwas mehr als männer, egal wo sie her kommen, mitbringen
    nur giebt es extrem wenige frauen die eine derartige dehnung als angenehm empfinden
    wieviel dehnung als angenehm empfunden wird variirt meiner erfahrung nach
    auch als recht durchschnittlich gebauter man trifft man schon von zeit zu zeit auf partnerinnen bei denen,auch nach längerem liebesspiel, ein vollständiges eindringen nicht als angenehm empfunden wird
    dad "passt" dann halt nicht.

    Antwort auf "@Laoyafo"

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