Eine freie, teils begrünte Fläche, im Hintergrund die Verwaltungsbau-Sachlichkeit der fünfziger Jahre und eine erneuerte Backsteinkirche – das ist der Rahmen. In der Mitte aber prunkt das Museum, eine exzentrische Perle: Neobarock in üppigen Rundungen mit einem Schuss Jugendstil, Säulen, ein mächtiger Giebel, Freitreppe. Das Foyer wartet mit einem Treppenhaus auf, das auch in einem Schloss gut aufgehoben wäre, rosafarbener Marmorglanz, schmiedeeiserne Geländer. Doch hier wird keinem Fürsten gehuldigt, sondern Leopold Hösch, einem aus Düren stammenden Stahl-Magnaten des Ruhrgebiets. Im Jahre 1905, in der Blütezeit der Industrialisierung, wurde das Museum, von den Erben zur Erinnerung an den Mäzen der Stadt Düren gestiftet, samt einer Moderne-Sammlung eröffnet. Sie ging in den Kriegsjahren unter, gemeinsam mit der Stadt, die zu 99 Prozent zerstört wurde – ein spezieller deutscher Rekord.

Und doch, ein Kunstwunder: Das Leopold-Hösch-Museum hat überlebt. Ein agiler Museumsverein, der gleich nach dem Krieg wieder gegründet wurde. Sammler, Industrielle, allen voran das Ehepaar Peill und der aus Düren stammende Galerist Hubertus Schoeller, trugen eine bis heute wachsende Sammlung zusammen – deutsche Expressionisten, konkrete Kunst, Zero und Op-Art andererseits – und vermachten sie als Dauerleihgabe dem Haus. Der Verein stiftete auch einen Kunstpreis und ein Stipendiat (Peill-Stiftung) und finanzierte nicht zuletzt Teile eines neuen Anbaus. Eine mäzenatische Identifikation mit der Stadt, die in dieser Form wahrscheinlich nur an Orten wie Düren möglich ist.

Seitdem das Haus von dem Kölner Architekten Peter Kulka vor einigen Jahren erweitert wurde, leitet Marion Goldmann das Museum. Sie führt es, in guter Tradition, als ein Ausstellungshaus im Dialog. Oft bekommen in monografischen Ausstellungen jüngere Positionen eine Plattform, »Künstler, die man vielleicht in den großen Häusern in Köln nicht so zeigen würde«. Zum Programm gehört ebenfalls der Blick in die privaten Wunderkammern der rheinischen Sammler. So gab es eine Präsentation der Kunstbuch- und Zeichnungssammlung des Kölner Arztes Speck (»I hate Paul Klee«) , die eine ebenso zarte wie tiefgründige Brücke zum angegliederten, durchaus berühmten Dürener Papiermuseum gleich nebenan schlug.

Im ZEIT-Museumsführer stellen wir Ihnen jede Woche eines der schönsten Museen Deutschlands vor. Um alle bisher veröffentlichten Museumsführer der ZEIT aufzurufen, klicken Sie bitte auf das Bild © Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Auch dieses 1990 eröffnete Museum verdankt sich dem industriellen Geist, hatten sich in dem Tal der Rur doch schon seit dem 16. Jahrhundert Papiermühlen angesiedelt, die die Stadt bis ins 20. Jahrhundert hinein zu einem Zentrum der Papierindustrie machten. Von den Vorläufern Pergament, Papyrus und dem Rindenbast Tapa über historische Geräte bis zu Papiermöbeln wird hier alles Einschlägige sichtbar. Einmalig die Sammlung der Wasserzeichen mit inzwischen 40000 verschiedenen Blättern, das älteste vom Anfang des 15. Jahrhunderts!

Die alten Meister im Hösch-Haus lagern noch bis zum Herbst dieses Jahres im Depot. Doch wer schon jetzt einmal die Schiebeschränke aufzieht, dem begegnen grandiose Bilder, ein Selbstporträt von Otto Dix von 1926 zum Beispiel oder eine dunkel-mysteriöse Ansicht von Marseille Max Beckmanns aus dem Jahr 1930. Ebenso vertreten ist Alexej von Jawlensky mit dem melancholischen Porträt eines Mädchens mit roter Schleife, türkische Schmuckhändler von August Macke oder Max Liebermann mit einem Sommerabend an der Alster. Eine stolze Reihe von Vorzüglichkeiten, die in der Nachkriegszeit erworben wurden und zugleich ganz dem aufgeschlossenen und repräsentationsbewussten Selbstverständnis der ersten Museumsjahre vor dem Krieg entsprachen.

Den ganzen Überblick wird man bekommen, wenn von 2013 an erstmals dauerhaft gezeigt wird, was man hat und was in den letzten Jahren hinzugekommen ist. Im Obergeschoss sollen sich wechselnd die jüngeren Künstler ausbreiten dürfen, in den drei Räumen im Erdgeschoss wird links die erlesene Schar der Expressionisten, rechts im Schoeller-Saal die konkrete Kunst zu sehen sein. Dazwischen funkelt als Dauerinstallation einer der großartigen Lichträume des Zero-Künstlers Otto Piene. Und wie man die Dürener kennt, wird sicherlich noch einiges andere dazukommen.