Nürburgring"Es war ein Vernichtungsfeldzug"

Sie sind die Pächter des Nürburgrings. Jetzt rechnen sie mit Kurt Beck und der SPD ab. Ein Gespräch mit Jörg Lindner und Kai Richter von  und

DIE ZEIT: Herr Lindner, Herr Richter, Ihnen gehört die Gesellschaft, die auf dem Nürburgring alle Rennen und Veranstaltungen organisiert. Ihre Vermieterin, die landeseigene Nürburgring GmbH, der alle Immobilien am Ring und die Rennstrecke gehören, ist seit Freitag pleite. Sind Sie immer noch Formel-1-Fans?

Jörg Lindner: Definitiv. Seit meiner Kindheit. Das einzige Autogramm, das ich mir je geholt habe, war 1972 bei Möbel Europa von Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart. Aber das ist meine private Leidenschaft. Mein Geschäftspartner und ich betrachten die Rennstrecke ganz nüchtern. Wir sind Kaufleute.

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ZEIT: Gerade Sie, die Kaufleute, werden für die Pleite der Rennstrecke mitverantwortlich gemacht, vor allem von der SPD. Zu Recht?

Kai Richter: Nein. Jeder Grundschüler kann das nachrechnen. Rheinland-Pfalz hat in Brüssel beantragt, 13 Millionen Euro Rettungsgeld in die landeseigene Nürburgring Immobiliengesellschaft schieben zu dürfen. Nach Rechnung des Landes schulden wir vier Millionen Euro Pacht. An uns allein kann die Pleite nicht liegen.

ZEIT: Sie sind der einzige Pächter der Anlage. Wie passt das zusammen?

Richter: Der Pachtvertrag mit uns wurde geschlossen, als die Gebäude bereits errichtet waren – finanziert mit Darlehen, die von der landeseigenen Nürburgring GmbH bei der landeseigenen Investitions- und Strukturbank längst aufgenommen worden waren. Wenn ich meinen Schuldendienst mit der vereinbarten Pacht nicht bedienen kann, verfüge ich bereits über eine Deckungslücke an dem Tag, an dem ich den Pachtvertrag abschließe. Das kann dem Land nicht verborgen geblieben sein.

ZEIT: Wie viel wird das Land abschreiben?

Lindner: Das wissen wir nicht. Uns ist wichtig, zu sagen, dass wir ein sehr erfolgreiches Unternehmen leiten. Wir haben die Umsätze seit 2009 auf über 60 Millionen Euro verdreifacht. Das Unternehmen ist profitabel, wir erfüllen den Auftrag, für den uns das Land geholt hat. Und da wir 90 Prozent des Gewinns an das Land abführen, verstehen wir noch weniger, wie wir an der Pleite schuld sein könnten. Wir haben unsere Mission erfüllt.

ZEIT: Sie haben 170 Mitarbeiter entlassen und externen Dienstleistern gekündigt, deren Arbeit Sie jetzt selbst machen.

Richter: Wir mussten einen Staatsbetrieb umbauen, der früher nur den Asphalt vermietet hatte und alle anderen Leistungen ausgelagert hatte. Damit sind wir so ziemlich jedem auf die Füße getreten. Aber heute haben wir 1.440 Veranstaltungen im Jahr, vier Mal mehr als zuvor. Die Lindner-Hotels am Nürburgring sind hervorragend ausgelastet, die Rennstrecke ebenfalls.

Lindner: Wir haben völlig neue Veranstaltungen wie den Fisherman’s Friend Strongman Run, einen Geländelauf mit zuletzt 12.000 Teilnehmern, geschaffen.

Richter: Die Freizeitimmobilien, die von der landeseigenen Nürburgring GmbH errichtet wurden, waren falsch geplant. Nehmen Sie die Mehrzweckhalle an der Rennbahn: Die ist mit 3.500 Sitzplätzen für erstklassige Stars zu klein, und für zweitklassige Musiker kommt keiner in die Eifel.

Leserkommentare
  1. Die Art und Weise wie jede Kritik weggeschoben wird finde ich unerträglich.

    Es ist höchste Zeit, dass die beiden Weg vom Fenster sind, der Ringpark organisatorisch von den Rennstrecken getrennt wird und wieder Leute mit Verständnis für Motorsport die Leitung übernehmen.

    2 Leserempfehlungen
  2. wie es denn genau zum Desaster kam, kann die alles sehr gut aufbereitet hier nachlesen.

    www.motor-kritik.de

  3. Wir sind erfolgreiche Kaufleute.
    Wir schulden unserem Vertragspartner nur 4 Millionone Euro Pacht.
    Dass unser Vertragpartner dadurch Probleme hat ist nicht unser Problem.

    Würden Sie Ihnen einen Acker verpachten?

    Würden Sie diese beiden Herren als seriöse Kaufleute weiter empfehlen?

    2 Leserempfehlungen
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    haben die Herren ja recht. Aus kaufmännischer Sicht ist es oft besser, Schulden zu haben als geschuldet zu bekommen.

    Aber aus dem Blickwinkel von Anstand und einigermaßen gesundem Menschenverstand ist so eine Aussage natürlich eine Sauerei.

  4. der 'ueberlandesvater` hat in die braune masse gegriffen. jahrelang den soliden gespielt und am ende seiner amtszeit alles auf einen schlag aufholen, sprich, genauso verlogen und arrogant (siehe sein gesichtsausdruck gestern im landtag) wie alle anderen. was heisst denn er trage die verantwortung? verzichtet er jetzt auf seine altersversorgung/bezuege uns schenkt sie dem land um wenigstens teile des mists den er angerichtet hat zurueck zu zahlen? der mann gehort unehrenhaft entlassen bei verlust aller bezuege! so geht das in der privatwirtschaft. es ist aber wie immer, auch er, der scheinbar saubere herr beck klebt am stuhl - und wo bitte ist die staatsanwaltschaft? mappus, von beust, ruettgers, strauss, schroeder und,und,und, sie wissen/wussten einfach nicht mehr, dass sie volksvertreter sind/waren. sie meinten wirklich alle das recht zu haben uns buerger schlichtweg zu bescheissen und fuer dumm verkaufen zu koennen...gegen alle obe genannte und viele mehr muss endlich fall fuer fall die staatsawaltschaft taetig werden, alle haben gegen ihren amtseid verstossen und haben kein recht auf allimentierung durch unsere steuern! hoffentlich setzen sich die guten politiker in allen parteien doch endlich bald mal durch ansonsten: gute nacht deutschland! aber das bleib wohl nur ein traum!

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    gegen Mappus ist der Staatsanwalt ja schon tätig geworden & Strauß weil ja nun nicht mehr unter den Lebenden...

    aber was hat sich denn Schröder strafrechtlich zu Schulden kommen lassen ?

    fragen sie mal nach wie die gasprom leitung aus russland ue ber die ostsee gekommen ist und warum herr schroeder nun einen job bei den durch putin beherrschten unterehmen hat. wer war noch kanzler als die vertraege unterschrieben wurde? und die sache mit strasuss (300 mio dm auf auslaendischen konten die real da sind und von der familie strauss als nicht exsistent angegeben werden) ist nicht zuende... da liegt unversteuertes schwarzes geld auf schwarzen knten - warten sie es ab!

    • eins2
    • 02. August 2012 21:19 Uhr

    das wird sich hoffentlich bald zeigen nur, dafür braucht man schlaue Leute, die unerschrocken vorgehen können.

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  5. gegen Mappus ist der Staatsanwalt ja schon tätig geworden & Strauß weil ja nun nicht mehr unter den Lebenden...

    aber was hat sich denn Schröder strafrechtlich zu Schulden kommen lassen ?

  6. fragen sie mal nach wie die gasprom leitung aus russland ue ber die ostsee gekommen ist und warum herr schroeder nun einen job bei den durch putin beherrschten unterehmen hat. wer war noch kanzler als die vertraege unterschrieben wurde? und die sache mit strasuss (300 mio dm auf auslaendischen konten die real da sind und von der familie strauss als nicht exsistent angegeben werden) ist nicht zuende... da liegt unversteuertes schwarzes geld auf schwarzen knten - warten sie es ab!

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    • jura123
    • 02. August 2012 22:49 Uhr

    Es wurden ca. 500 Millionen Euro ausgeben.
    Würde man das Kapital verzinsen !
    Bei 5 % Zinsen sind dies ca. 25 Millionen pro Jahr.
    Wenn dann ein Mitarbeiter ca. 35000 Euro kostet,könnte man
    ca. 700 Bürger damit lebenslang alimentieren.
    Oder wir hätten 500 Millionäre.
    Wieviel Leute sind da beschäftigt?
    ca. 250.
    Ich gebe noch 250 dazu - die indirekt davon profitieren.
    Wofür war das wohl gut.

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  • Schlagworte Nürburgring | Insolvenz | Formel 1
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