Tja, das Studium. Als Frank Strauß nach dem Abitur vor der Frage stand, wie es weitergehen solle, entschied er sich für eine Lehre. Eishockey zu spielen, das war seine große Leidenschaft, und eine Lehre schien ihm mehr Freiraum für den Puck zu lassen. So lernte er in Iserlohn Bankkaufmann bei der Deutschen Bank und stieg bei den Profis auf dem Eis ein. Als Stürmer.

Bloß, geht das heute noch – ohne Studium beruflich weiterzukommen? Zumal in einem Haus wie der Deutschen Bank? Gut, Hilmar Kopper ist auch ohne Studium aufgestiegen, aber das war eine andere Zeit, eine andere Generation.

Er habe sich diese Frage »hin und wieder« gestellt, erzählt Frank Strauß. Nach dem Abitur, nach der Lehre, 1995, als er nach Frankfurt ging, das letzte Mal dann ein paar Jahre später. Da lagen aber bereits sieben oder acht Projekte hinter ihm. Sein Chef war bereit, ihm die Freiheit zu geben, erinnerte ihn aber zugleich an seine beruflichen Erfolge. Strauß überlegte, wägte ab. »Irgendwann stand für mich fest, dass mich ein Studium nicht mehr entscheidend weiterbringen würde.«

Frank Strauß sieht aus wie viele junge Banker. Doch das Klischee – Studium, MBA, Anglizismen – erfüllt er nicht. Seit wenigen Wochen ist er Vorstandsvorsitzender der Postbank. Es ist eine Aufgabe, die für ihn etwas von Ankommen hat, das ist zu spüren, im Gespräch an einem der kühlen Abende dieses Sommers, in Bonn, bei einem Italiener.

Lange führte er ein Doppelleben als Banker und Eishockeyprofi

Es gibt diese Momente im Leben. Momente, in denen die innere Entwicklung eines Individuums mit den äußeren Umständen zusammenpasst. In denen Fähigkeiten auf Chancen treffen. Die Kunst ist es, diese Momente zu erkennen. Die ganz große Kunst ist es, sie dann auch zu nutzen und auf die Versprechen, die ihnen innewohnen, Taten folgen zu lassen. Ready for the job , das ist Frank Strauß. Doch das allein reicht nicht. Und er weiß das.

»Chef der Postbank zu sein, das ist eine neue Rolle«, sagt Strauß. Wer hingegen Manager bei der Deutschen Bank ist, ist Teil der Matrix.

23 Jahre ist es her, dass Frank Strauß in Iserlohn seine Lehre begonnen hat. Als er nach Frankfurt wechselte, wurde er irgendwann Teil der Matrix. Die Matrix, so nennen Deutschbanker die interne Organisation ihres Hauses, die sich vertikal an Funktionen, horizontal an Regionen ausrichtet, überall, konsequent. Es ist eine Struktur, die viele Gremien und Berichtslinien erfordert, aber dazu führt, dass Manager aus Privatkundengeschäft und Investmentbanking früh eng zusammenarbeiten. Wer Teil der Matrix ist, zählt bei Deutschlands führender Bank zum Führungsnachwuchs. Er ist damit aber auch einer in der Menge, einer aus der Schar derer, die warten und mit den Hufen scharren. Damit ist es für Frank Strauß jetzt vorbei. Er tritt aus der Menge heraus. Aus der Matrix.