In der Bioecke im Supermarkt kann man es finden: Weizenfleisch. Ein Fleischersatz aus Weizen, also rein vegetarisch. Warum es dann trotzdem Fleisch heißen muss, bleibt das Geheimnis der Hersteller. Geläufiger ist sowieso der andere, weitaus exotisch klingendere Name des Produkts: Seitan.

Die Sanftheit des Wortes – da schwingt viel mit von der asiatischen Tradition dieses speziellen Nahrungsmittels. Sehen Sie schon die Mönche vor sich? Alte, weise Männer in schlichten Kutten, die vor einer kargen Hochlandkulisse meditieren, danach eine sehr gesunde Speise zu sich nehmen und sehr alt werden. Das ist Seitan: das perfekte Lebensmittel für unsere sinnsuchende und ressourcenschonende Zeit.

Seitan hat zwar tatsächlich eine asiatische Vergangenheit, ist heute aber häufig ein Abfallprodukt aus Fabriken, in denen Bioethanol produziert wird. Die verwenden in Europa noch oft Teile der Weizenernte, und dabei fällt der sogenannte Weizenkleber ab. Und weil man diesen nicht wegwerfen will, macht man halt Tierfutter draus. Oder Essen. Weizenkleber sorgt dafür, dass der künstliche Analogkäse auf der Tiefkühlpizza wie echter Käse aussieht und dass man aus geschredderten Fischresten etwas herstellen kann, das aussieht wie Krebsfleisch oder Shrimps. Außerdem ermöglicht die Wunderzutat »restrukturierte Steaks«, wie der Weltweizenkleberverband IWGA (den gibt es wirklich) stolz berichtet.

Oder man nennt es Seitan. Muss ja deswegen nicht schlecht sein. Aber mit hochsubventionierten Industrielandwirten und den Abfällen alternativer Brennstoffproduktion hat es weitaus mehr zu tun als mit traditioneller fernöstlicher Lebensweisheit.