Karikaturistin Marie Marcks: "Ich habe meinen Vornamen abgekürzt"
Die Karikaturistin Marie Marcks hat sich in einer Männerbranche durchgesetzt und weit mehr entlarvt als den täglichen Sexismus.
ZEITmagazin: Frau Marcks, in einem Interview haben Sie mal erzählt, dass Sie als Kind in Ihrem Tagebuch notiert haben: »Habe ich eine Wut, dass ich ein Mädchen bin.« Warum wollten Sie kein Mädchen sein?
Marie Marcks: Ich hatte Karl May entdeckt, Winnetou und Old Shatterhand waren wunderbar und fabelhaft, Helden, die man anbeten konnte. Winnetous Schwester Nscho-Tschi hingegen durfte auf der Wiese Blumen pflücken und wurde von den Komantschen entführt. Mädchen zählten in meiner Kindheit einfach nicht. So haben wir uns in die Welt der Männer gedichtet, wollten ihnen nacheifern, ebenso mutig sein. Hätten meine Eltern in dasselbe Horn getutet: »Halt den Mund, du bist ein Mädchen«, dann wäre dieser Drang abgewürgt worden. Dankenswerterweise hatte ich Eltern, die Sinn für mich und viel Humor hatten. Meine Mutter war ja ebenfalls sehr emanzipiert und hatte eine eigene Kunstschule.
ZEITmagazin: Und dann wurden Sie mit 21 schwanger.
Marcks: Meine Mutter ging mit mir zum Standesamt, damit ich heirate. Der Kindsvater war gar nicht abgeneigt, aber ich wollte nicht, weil ich dachte, wenn ich ihn heirate, dann habe ich im Handumdrehen nicht nur ein Kind, sondern mehrere. Also blieb ich immer einen Schritt hinter meiner Mutter zurück, und plötzlich blieb sie stehen und fragte mich: »Wollen wir ausrücken?« Gesagt, getan.
ZEITmagazin: Sie hat Sie also gerettet! Und jetzt haben Sie fünf Kinder von drei Männern.
89, ist Deutschlands bekannteste Karikaturistin. Geboren in Berlin, studierte sie während des Zweiten Weltkriegs in Stuttgart und zog danach nach Heidelberg, wo sie bis heute lebt. Ihre Karikaturen zu gesellschaftspolitischen Themen erschienen unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, im Spiegel und in der Titanic. Sie ist Mutter von fünf Kindern.
Marcks: Für mich spielte die Liebe eine große Rolle. Ich war auch gar nicht unglücklich, wenn ich von dem geliebten Mann ein Kind bekam. Damals gab es noch keine Pille, und abtreiben wollte ich nicht. Ich wage zu behaupten, dass die wenigsten Frauen es sich leicht machen mit einer Abtreibung, das gibt es natürlich, aber problemlos ist das sehr selten.
ZEITmagazin: Aber mit fünf Kindern auch nicht.
Marcks: Ich kenne wirklich keine Frau, die Beruf und Kinder unter einen Hut bringen kann und dabei kein schlechtes Gewissen hätte. Es waren schwierige Jahre. Ich habe immer befürchtet, es gehe ihnen vielleicht etwas ab, wenn ich nicht jeden Tag zu Hause bin. Eigentlich bin ich ein Weichei und habe meinen Kindern viel zu viel durchgehen lassen.
ZEITmagazin: In einer Dokumentation über Sie wird von der Gute-Mutti-Suppe erzählt.
Marcks: Ja, da hat mein Sohn mal behauptet, ich hätte ein paar Knochen in die Suppe geschmissen und dann Gemüse hinterher, und das war dann die Gute-Mutti-Suppe. Das hat mich ein bisschen gekränkt. So lieblos war das nie. Wissen Sie, ich hätte eine Professur in Kassel haben können, aber wenn der Vater schon weg ist, kann nicht auch noch die Mutter gehen. Also bin ich zu Hause geblieben.







Ja, an Marie Marks Zeichnungen und Karikaturen erinnere ich mich gerne. Sie tauchten in den 70er Jahren in pädagogischen Büchenr oder Broschüren auf und man kopierte sie mit schlechtem Gewissen, weil man wusste, dass sie als Urheberin viel Kohle brauchte, um ihre Familie durchzubringen.
Dann erfuhr man, dass z.B. für Fortbildungsmaßnahmen des Regierungspräsidenten in M.(Seminare für Pädagogen) keine Marks-Raritäten mehr ausgedruckt wurden; s. Kosten.
Trotzdem schaffte man es - aus dem Kopf heraus - die vielfältigen Beschreibungsmöglichkeiten coram publico vorzustellen, die per Zeichnung den Schülern es ermöglichten, die Phänomene von Emanzipation, Gleichberechtigung oder Sozialisation von Symptomen und Ursachen her zu erfassen (und Veränderungen zu skizzieren).
Für Abituraufgaben in den Fächern Deutsch, Erziehungswissenschaft, Soziologie ... ließ man die Zeichnungen lieber fort; soviel Geld hätte dem RP nicht zur Verfügung gestellt, um die Honorare, für die wir die bibl. Angaben machen mussten, zu bestreiten.
Dass für 2012 eine Ausstellung im Frankfurter "Museum für komische Kunst" ("caricatura") angesetzt ist, habe ich zwar irgendwo gelesen, kann sie hier aber nicht angezeigt finden.
http://www.caricatura-mus...
http://de.wikipedia.org/w...
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