DIE ZEIT: Herr Unland, der sächsische CDU-Fraktionschef Steffen Flath plant in den Ferien so etwas wie eine private Euro-Stabilitätstour und möchte mit dem Wohnmobil gen Griechenland reisen. Wie sehen Ihre Sommerpläne zur Euro-Rettung aus?

Georg Unland: Meine Sommerpläne behalte ich lieber für mich. Tut mir leid, ich trenne das Amt strikt vom Privatleben. Jedenfalls habe ich keinen Themenurlaub »Finanzkrise« gebucht.

ZEIT: Das heißt, David Graebers aktueller Bestseller über die Geschichte der Schulden wird nicht zu Ihrer Urlaubslektüre gehören?

Unland: Nein, auf keinen Fall! Ich nehme andere Bücher mit.

ZEIT: Kurz vor der Sommerpause haben Sie einen Haushaltsentwurf für die kommenden beiden Jahre vorgelegt, der viele überrascht hat: Fast 17 Milliarden Euro wollen Sie 2014 ausgeben, 1,6 Milliarden mehr als 2012. Wie passt das zum strengen Sparkurs der Vergangenheit?

Unland: Der Eindruck, wir würden weniger sparen, täuscht. Wir planen wieder einen Sparhaushalt. Wir machen keine neuen Schulden, wir tilgen weiter Kredite. Wir befinden uns aber in einer anderen Situation als im Jahr 2010. Da herrschte, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, ja geradezu Weltuntergangsstimmung!

ZEIT: Das ist doch heute nicht anders.

Unland: Sie haben recht – auch mein Gefühl sagt mir: Da kommt noch etwas auf uns zu. Wir haben die Finanzkrise noch nicht überstanden. Denn die Grundprobleme sind noch nicht gelöst. Allerdings bildet Deutschland derzeit mit einigen östlichen Nachbarn wie Polen, dem Baltikum und der Slowakei die Konjunkturlokomotive Europas. Unser großer Vorteil ist, dass wir weltweit vernetzt sind. Wenn eine Region der Erde wirtschaftlich einbricht, boomen andere. Derzeit etwa Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Deutschlands Exporte gleichen sich dadurch leichter aus. Und deshalb geht es uns besser.

ZEIT: Ostdeutschland erhält von Jahr zu Jahr weniger Transferleistungen aus dem Westen. Seit Jahren warnen Sie deshalb davor, zu viel Geld auszugeben. Gilt das nicht mehr?

Unland: Wir haben den alten Kurs nicht verlassen. Keine neuen Schulden. Sondern Tilgung, Konsolidierung!

ZEIT: Sie lösen aber ein Drittel der Haushaltsrücklage auf: 300 Millionen Euro, die bislang auf dem Festgeldkonto lagen, geben Sie aus. Sie planen erhoffte Steuermehreinnahmen voll mit ein, von denen gar nicht sicher ist, ob sie tatsächlich reinkommen werden. Ist das sächsische Haushaltsdisziplin, wie wir sie kennen?

Unland: Unsere Einnahmen sind so konservativ kalkuliert wie immer, alle Risiken sind eingepreist. Das ist vollkommen eindeutig. Die Einnahmensituation ist einfach besser als vor zwei Jahren. Da ist nichts künstlich nach oben gerechnet.

ZEIT: Kalkulieren Sie ein Scheitern des Euro als Szenario mit ein?

Unland: Ich glaube nicht, dass der Euro scheitert. Die gemeinsame Währung aufzugeben, das wäre ein grundlegender Fehler und ein Desaster für Deutschland. Wer anderes behauptet, leugnet die Fakten. Denn wir sind der größte Profiteur des Euro – auch wenn Europa derzeit große Probleme hat.