Als der 22-Jährige seinem Großvater nachfolgte, war er ein unbeschriebenes Blatt. Seine Mutter hatte ihn im Geist einer untergehenden Epoche erzogen, pedantische Lehrer ihn in unzeitgemäßer Weltferne unterrichtet. Allenfalls mittelmäßig begabt, war er schroff und eigensinnig. Nach und nach traten jedoch Eigenschaften hervor, die unter seinesgleichen eher selten anzutreffen waren: Rechtschaffen, fromm und treu, trieb er keinen übermäßigen häuslichen Aufwand und führte eine glückliche Ehe ohne Affären oder Skandale. Fünfzehn Kinder wurden ihm geboren, die er als liebevoller Vater umgluckte – der älteste Sohn allerdings entwickelte sich zu einem leichtfertigen und charakterlosen Verschwender. Am liebsten war er auf dem Land und unternahm agrarische Versuche, für die er den freundlichen Übernamen "der Bauer" erntete.

In einer Zeit der Umbrüche, in der neue Mächte auf den Plan traten und revolutionäre Ideen Sprengkraft entwickelten, war er ein Garant der alten Ordnung. Nicht nur verteidigte er sie mit großer Hartnäckigkeit, er versuchte auch, Zugeständnisse seiner Vorgänger an die immer mächtiger gewordene Volksvertretung zurückzunehmen, vor allem wollte er wieder nach eigenem Gutdünken Personalentscheidungen treffen. Erst spät begegnete er einem Staatsmann, der seinen politischen Vorstellungen entsprach und mit ihm den langen, erschöpfenden Kampf gegen einen gefährlich gewordenen Nachbarn und aggressiven Emporkömmling führte. An der Seite dieses talentierten und energischen Konservativen genoss er in seiner Heimat außerordentliche Popularität. Anderswo hingegen erlitt er schmerzlichste Niederlagen. Dabei hatte er mit den besten Absichten versucht, ungeregelte Landnahmen unter Kontrolle zu bringen und die Kosten für befriedende Maßnahmen zu senken. Die in seinem Namen dazu verkündete Proklamation löste jedoch Empörung aus, die mit ihr verbundene Steuer wurde zum Anlass für offenen Aufruhr und Krieg. Eine Erklärung der Rebellen behauptete frech seine Abdankung und klagte ihn an: "Er hat unsere Meere geplündert, unsere Städte niedergebrannt und das Leben unserer Leute zerstört." Auch wenn eigentlich nicht er die Verantwortung dafür trug, blieb bis heute der Ruf eines finsteren Tyrannen an ihm hängen.

Schon früh hatte seine Umgebung Anfälle "geistiger Zerrüttung" bei ihm bemerkt, doch genas er immer wieder und für Jahre, bis das "gänzliche Erlöschen der Vernunft" konstatiert wurde. Ein biografisches Lexikon hielt voller Mitgefühl fest: "Neun Jahre dauerte bei sonst eiserner Gesundheit sein trauriges Leben. In hohen, luftigen Sälen, in denen, um jeden möglichen Schaden zu verhüten, alle Wände gepolstert waren, wandelte er, zuletzt auch völlig erblindet, träumend und gedankenlos einher..." Nach einem wirren Monolog, der 58 Stunden gedauert haben soll, fiel er ins Koma, drei Tage später endete sein Leben. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 30:

Patricia Kaas, geboren am 5. Dezember 1966 in Forbach in Lothringen als siebtes Kind einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters, sang schon als 13-Jährige in Nachtklubs. 1987/88 gelang ihr der erste große Erfolg, seitdem hält sie sich mit ihrem Repertoire aus Pop, Rock und Chanson kontinuierlich an der Spitze. Ab November ist sie auf Tournee mit Liedern der Chansonlegende Edith Piaf , mit der sie oft verglichen wurde. Im April erschien ihre Autobiografie "Mademoiselle singt den Blues" (benannt nach ihrem ersten Album), in der sie berührend und sehr offen von ihren Verlusten erzählt, vor allem von der nachgetragenen Liebe zur 1989 an Krebs gestorbenen Mutter. Alle Zitate im Text stammen aus diesem Buch