"Ich bin nun einmal so – alles oder nichts! Ich kann mit allen Figuren auf den gegnerischen König losstürmen und dabei Bauern und Offiziere opfern. Jetzt versuche ich öfter, vorsichtiger zu handeln, aber sobald das Durcheinander beginnt, vergesse ich alles andere auf der Welt!" So die neue russische Europameisterin Valentina Gunina. "Tal im Rock" nennt man sie, nach dem einstigen Weltmeister, der nichts lieber als Feuer auf dem Brett hatte. Aber auch jenseits des Schachbretts steckt "Valja" mit ihrer Fröhlichkeit und Spontaneität an, ein lebendes Beispiel für die – laut Kramnik – Übereinstimmung von Charakter und Schachstil.

Natürlich ist eine Meisterin nicht nur aus Verwegenheit und Opfermut gestrickt, bei ihr gesellen sich Ausdauer und Beharrlichkeit hinzu, die bei den langen Schachreisen von ihrer Heimatstadt Murmansk aus in vielen Tagen und Nächten auf dem nackten Boden von Bahnhöfen "eingeübt" wurden: "Ich entwickelte meine Techniken, gut dazuliegen und gleichzeitig auf das Gepäck zu achten."

Aber immer lockt die "Droge Schach" (Gunina). Bei der Europameisterschaft im türkischen Gaziantep stand sie gegen die Bulgarin Antoaneta Stefanowa lange Zeit jenseits von Gut und Böse, kämpfte aber unverdrossen weiter, bis sie schließlich als Schwarze am Zug selbst ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen konnte: den feindlichen König matt zu setzen. Wie kam’s?

Lösung aus Nr. 30:

Wie konnte Weiß trotz Schachgebot und der neuen schwarzen Dame auf e1 sogar gewinnen? Nach 1.Ke5!! (aber nicht 1.Kxg3? e1D+) e1D+ 2.Kd6! war der König durch seinen Springer abgeschirmt. Nach 2...Lf4+ (2...Le7+ 3.Tbxe7+ Dxe7+ 4.Txe7+ Kf8 5.c6) 3.Sxf4 Td3+ 4.Sxd3 Dg3+ 5.Se5 gab Schwarz wegen des baldigen Matts auf