Herr Glöckler, warum sind Sie ein ökologisches Vorbild?

Ich habe kein Auto, reise nur nachhaltig, und ich quäle meine Mitmenschen die ganze Zeit damit, dass sie sich nicht so viel anschaffen sollen.

Wer ist Ihr ökologisches Vorbild?

Der Patagonia-Gründer Yvon Chouinard, dessen Unternehmen mit recycelten Materialien arbeitet und der seine Mitarbeiter surfen gehen lässt.

Was tun Sie konkret, um die Umwelt zu schützen?

Ich habe den Avocado Store gegründet, den größten Onlineversandhandel für nachhaltige Produkte. Gerade habe ich whyown.it entwickelt, eine Applikation für Smartphones, die es Freunden leichter macht, sich untereinander Sachen zu leihen. Nächste Woche bringen wir sie auf den Markt.

Wie funktioniert das konkret?

Ein Netzwerk von Freunden, ähnlich wie bei Facebook, fotografiert seine Besitztümer oder scannt den Barcode ein – damit man sich die Sachen gegenseitig ausleihen kann.

Was ist daran ökologisch?

Man muss nicht mehr alles kaufen. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Bohrmaschine: Man benutzt sie ja nur einige Minuten im Leben. Es ist ökologisch viel sinnvoller, eine Bohrmaschine zu borgen, als sich für diese paar Minuten eine eigene anzuschaffen.

Was sieht man dann auf dem Smartphone – Bohrmaschinen?

Unsere Testanwender haben zum Beispiel ihre Bücher, Fahrräder, DVDs und Zelte fotografiert. Manche bieten auf der App ihr Gästezimmer an, andere Surfstunden. Einer hat sogar schon seine Freundin fotografiert. Und eine andere ihren Hund.

Aber nicht alles, was man besitzt, möchte man teilen. Die Freundin zum Beispiel.

Dann fotografiert man sie nicht.

Teilen ist der neue große Trend unter Ökos. Warum braucht es jetzt noch Ihre App?

Der Nachteil vieler Ansätze im collaborative consumption ist, dass Fremde sich oft nicht vertrauen. Ich möchte auch wissen, wer es ist, der die eigenen Sachen benutzt. Auf Facebook fragt alle drei Stunden wer: »Kann mir jemand das und das leihen?«

Warum geht man nicht einfach zum Nachbarn und fragt, ob man seine Bohrmaschine ausleihen kann?

Weil man nicht weiß, ob er eine hat. Außerdem möchte ich nicht meinen Nachbarn kennenlernen, sondern meine Freunde häufiger sehen. Wenn ich sehe, dass meine Freundin Hanna das Foto eines Buches hochgeladen hat, das ich auch lesen möchte, rufe ich sie an und frage, wie es ist. Dann verabreden wir uns und können bei der Übergabe gleich noch ein Bier miteinander trinken. Mir tut es leid, dass Menschen abends einsam vor Facebook hocken, anstatt sich zu treffen. Unsere App bringt Menschen wieder zusammen.

Sich etwas auszuleihen ist also ganz kostenlos?

Ja. Wir möchten, dass nur Freunde mitmachen, die sich vertrauen und gerne anderen etwas überlassen. Das soll kein Zwangs-Tauschgeschäft sein.

Empfinden es Ihre Anwender als gerecht, dass einer ganz viel borgt und ein anderer ganz viel ausleiht?

Das wird sich zeigen. Wenn man sich über einen Freund ärgert, der besonders viel borgen möchte, kann man ja die nächste Anfrage ablehnen.