Die Strumpfhose war einmal ein Beinkleid für Männer, bis ins 18. Jahrhundert hinein. Wer es sich leisten konnte, trug unter seinem Rock "Beinlinge". Erst als sich mit der Französischen Revolution die lange Männerhose durchsetzte, war Schluss mit den figurbetonenden Überziehern. Für die Damen tauchten im 18. Jahrhundert hautfarbene Strumpfhosen aus Wolle auf, sogenannte tricots , die unter ihren zarten Kleidern als Wärmespender getragen wurden. Das alles hatte noch nichts mit Erotik zu tun. Man trug Strümpfe, um nicht zu frieren. Und zwar vorwiegend solche, die bis zum Oberschenkel reichten und von Strumpfbändern gehalten wurden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg machte die nahtlose Nylonstrumpfhose Karriere.

Mit dem Aufkommen des Minirocks und der Hotpants in den siebziger Jahren löste die Strumpfhose endgültig die Strümpfe mit Strumpfband ab. Von nun an war die Strumpfhose eine Angelegenheit der sexiness . Immerhin formt sie das Bein, lässt es etwas schlanker erscheinen und verhüllt es dennoch ein wenig. Allerdings fand man in den verschiedenen Jahrzehnten die Strumpfhose unterschiedlich faszinierend. In den Achtzigern liefen ihr die Leggins den Rang ab, die Neunziger bevorzugten das nackte Bein. Auch in den aktuellen Kollektionen sind kaum Strumpfhosen zu finden. Sogar die Herbst-Winter-Kollektionen zeigen nacktes Bein. Wo sind die Strumpfhosen geblieben?

Auf der Straße. In diesem Sommer ist eine der am häufigsten gesehenen Kombinationen die von Jeans-Shorts und dunkler Strumpfhose. Das ist selten eine gelungene Zusammenstellung. Optisch wird der Hintern scharf vom Bein getrennt, es sieht leicht etwas plump aus, besonders wenn das Outfit noch mit flachen Schuhen kombiniert wird.

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Wahrscheinlich ist der Trend zu ultrakurzen Hotpants dafür verantwortlich – jenen Hosen, die kurz unter dem Po enden und jeder Frau das Gefühl geben, zu wenig anzuhaben. Dieser Zwang, viel Bein zu zeigen, wird dann eben dadurch kompensiert, dass man das Bein mit einem Nylonüberzug verhüllt – auch wenn das nicht schön ist.

Aber es könnte viel schlimmer kommen. Nämlich wenn auch der Mann die Strumpfhose wieder für sich entdecken würde. Dann brauchte man eine zweite Französische Revolution.