Stimmt's?Muss ein Wirt seinen Gästen eine kostenlose Toilette anbieten?

...fragt Philipp Maurer aus Berlin.

In der Urlaubszeit ärgern sich wieder viele Autofahrer darüber, dass sie auf Autobahnraststätten für jeden Toilettengang 70 Cent bezahlen müssen (50 Cent bekommen sie als Verzehrgutschein zurück). Muss nicht jeder Gastwirt seinen Gästen eine kostenlose Toilette anbieten?

Seit der Föderalismusreform im Jahr 2006 ist Gaststättenrecht Ländersache – und daher gelten in jedem Bundesland andere Regeln. Was jeder von den Raucher-Regelungen kennt, trifft auch für Toilettenfragen zu. Das Prinzip »Sobald ein Sitzplatz da ist, muss es auch eine Toilette geben« gilt längst nicht überall.

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Auch hinsichtlich der Bezahlung ist die Rechtslage uneinheitlich. Ich habe die Gesetze aller Bundesländer durchforstet. Nur in Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz stehen entsprechende Bestimmungen im Gesetz. So heißt es in Berlin: Die Toilettenräume »dürfen nicht durch Münzautomaten oder ähnliche Einrichtungen versperrt oder nur gegen Entgelt zugänglich sein«. Fast wortgleich lauten die Sätze in den beiden anderen Ländern.

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Ob das allerdings für die Raststätten in den drei Ländern gilt, ist rechtlich umstritten. Früher gehörten die Raststätten ja dem Bund, und man konnte argumentieren, dass dort nur Bundesrecht gilt. Heute zieht man sich gern auf das Argument zurück, dass auf der Autobahnraststätte die Toilette nicht nur zahlenden Gästen zugänglich ist – und kassiert von jedem Reisenden.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leserkommentare
  1. Wenn man die Kosten für den Dauerbetrieb der Toiletten nicht in die Kalkulation für seinen Betrieb bekommt, dann läuft doch was schief. Relativ zum normalen Publikum, dem man Toiletten sicherlich kostenlos (eingepreist ..) zur Verfügung stellen will, sollten die Mehrkosten für Nichtzahler vernachlässigbar sein - von touristischen Hotspots und Raststätten mal abgesehen.

    Wenn ein Laden es nötig hat, mich zur Kasse zu bitten, wenn ich mal Bedarf habe, ist das auf jeden Fall ein Minuspunkt. Die Besitzer/Pächter sollten sich überlegen, ob das nicht (nahezu kostenlose) Werbung für bzw. Abschreckung zum Wiederkommen ist .. Diese Entscheidung den Wirten zu überlassen halte ich aber für sinnvoll.

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    • Slater
    • 06.08.2012 um 10:58 Uhr

    neben den reinen Kosten, die vielleicht durch Reinigung ungeahnt steigen können,
    ist es auch eine Frage der Belästigung der zahlenden Gäste,
    vom reinen Warten/ Durchgangs-Betrieb bis zu anderen Punkten..
    nicht ganz leichtes Thema

    • Slater
    • 06.08.2012 um 10:58 Uhr

    neben den reinen Kosten, die vielleicht durch Reinigung ungeahnt steigen können,
    ist es auch eine Frage der Belästigung der zahlenden Gäste,
    vom reinen Warten/ Durchgangs-Betrieb bis zu anderen Punkten..
    nicht ganz leichtes Thema

  2. Ich geh in die Büsche, suche oft dringend einen Platz in der Stadt, es ist abscheulich, wie viel zugebaut wurde. Keine Ecke mehr zum Pipi da. Es ist wirklich ganz schlimm...

    Als die Tolietten in Hagen noch kostenlos waren, bin ich natürlich auf die Toilette. Seitdem die Toiletten dann nicht mal gebührenpflichtig sondern abgeschafft wurden, gehe ich in die Büsche. Es ist einfach toll.

    Also bei McDonald muss ich 50 cent ausgeben. Wieso? Ich gehe in die Büsche. Mittlerweile stört es mich auch nicht mehr, wenn das jemand kapiert, warum ich in die Büsche gehe. Auf der Toilette tut man es doch auch nicht anders?

    ich kann das Entblößen nackiger Teile verstehen, dass man es verbieten will, aber Pipi muss doch wohl noch erlaubt sein? In welcher Welt leben wir eigentlich?

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  3. Ich kann verstehen, wieso einige Gebühren erheben

    Wenn in einer Stadt keine öffentlichen Toiletten mehr da sind, bleiben nur die Gastwirte, Kneipen oder sonstigen LÄden. Die freuen sich natürlich, dass die extra ne Putze für die Stadt einstellen müssen (weil die Stadt die Toiletten abschafft).
    Ja, was denn? Ich als Kneipier würde es auch nicht toll finden.

    • Mari o
    • 05.08.2012 um 9:58 Uhr

    darüber nachzudenken habe ich jetzt aber keine Lust
    das wäre mal ein Aufgabe für sogenannte Soziologiker
    wie Thomas Bernhard einer war
    Hier eine kleine Kostprobe für alle die "Alte Meister" immer noch nicht gelesen haben sollten.

    http://www.bitel.net/ugws...

  4. In der Gemeinde meiner Eltern gab es öffentliche Toiletten im Rathaus, für die die Renovierung zu teuer geworden wäre. Statt dessen wird das Geld nun verwendet um Laden- und Restaurantbesitzern einen monatlichen Betrag zu zahlen, wenn sie ihre Toilette als "nette Toilette" ausweisen, d.h. an der Ladentür hängt ein Schild, dass jeder, auch Nicht-Konsumenten, die Toilette kostenlos benutzen darf. Schick, oder? (Ist allerdings auch kein Touristen Hot-Spot...)
    Als ich schwanger war, hätte ich mir sowas überall gewünscht. Wenn man alle 2-3h auf Klo muss, weil das Kind auf die Blase drückt, kann das ganz schön teuer werden...

  5. .
    ... , riskiert die erhebliche Verunreinigung des direkten Umfeldes durch kleinere und grössere "Geschäfte", notdürftig verrichtet zwischen Autotüren, hinter Büschen oder in halbgeschützten Nischen.

    Die kostenlose Benutzung von ordentlichen Toiletten, insbesondere an "hot spots" wie Autobahnrasten, Touristenattraktionen und Innenstädten sowie in öffentlichen Parkanlagen sollte für ein zivilisiertes Volk selbstverständlich sein und bei entsprechenden Pacht-Verträgen oder Nutzungsüberlassungen der öffentlichen Hand an Privatnutzer (Gastronomen etc.) immer automatisch als Grundvoraussetzung mit drin stehen.

    Lässt sich kein Profiteur der Menschenansammlungen dienstbar machen (wie Kioskbetreiber, Gastronomen o.ä.), hat die Gesellschaft der Nutzer, bei öffentlichen Orten also wir alle, für die Einrichtung und den Unterhalt öffentlich zugänglicher kostenloser Sanitäranlagen zu sorgen.

    Alles andere ist Entwicklungsland-Niveau.

    2 Leserempfehlungen
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    aber ich glaub wenig an die Liebe zum zivilisierten Umgang miteinander.
    Beim Lesen ihres Gedankens fiel mir der Besuch auf einem Bahnhofsklo in einer kleinen Stadt namens Plauen ein. Dort verlangte man neben der "normalen" Nutzungsgebühr noch einen Aufschlag von 30 cent für das Händewaschen. Die Türklinken erzeugten Albträume.

    aber ich glaub wenig an die Liebe zum zivilisierten Umgang miteinander.
    Beim Lesen ihres Gedankens fiel mir der Besuch auf einem Bahnhofsklo in einer kleinen Stadt namens Plauen ein. Dort verlangte man neben der "normalen" Nutzungsgebühr noch einen Aufschlag von 30 cent für das Händewaschen. Die Türklinken erzeugten Albträume.

  6. Zum Essen fahre ich grundsätzlich von der Autobahn ab. Mir ist das Essen an Raststätten, die meist auch noch über eine vorgelagerte Tankstelle verfügen, suspekt. Und wenn es dann doch mal eilt, zahle ich auch für den Besuch der Örtlichkeiten einer Raststätte. Wie schon erwähnt, sind Autohöfe ein angenehme und vertrauenswürde Zwischenlösung.
    Kostenlose und saubere Alternative sind die Restaurants mit dem gelben M - diese sind jedoch direkt auf der Autobahn eher rar.

  7. aber ich glaub wenig an die Liebe zum zivilisierten Umgang miteinander.
    Beim Lesen ihres Gedankens fiel mir der Besuch auf einem Bahnhofsklo in einer kleinen Stadt namens Plauen ein. Dort verlangte man neben der "normalen" Nutzungsgebühr noch einen Aufschlag von 30 cent für das Händewaschen. Die Türklinken erzeugten Albträume.

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