Ghost E-Hybride Trail 4000Von A nach B

Christof Siemes fährt mit dem Mountainbike Ghost E-Hybride Trail 4000 von Obereggen auf den Nigerpass. von 

Ghost E-Hybride Trail 4000

Ghost E-Hybride Trail 4000  |  © Hersteller

Berühmter Radfahrerspruch: "Quäl dich, du Sau!" Sprach Udo Bölts zu Jan Ullrich, der daraufhin die Tour de France gewann. Ist lange her, und auch ich komme in das Alter, in dem das Quälen schwerer fällt. Auf den Nigerpass will ich trotzdem, 1.688 Meter über null, toller Blick auf das Rosengartenmassiv in den Dolomiten ; irgendwas muss man im Urlaub ja machen. Aber komme ich noch rauf?

Er habe da was für mich, sagt Christoph Kofler, mein netter, fitter Wirt vom Hotel Maria in Obereggen. Nicht Epo, mit dem Ullrich und Co. sich fit spritzten, nein, das Zaubermittel heißt E-Hybride, ein Mountainbike mit Elektromotor. Was, so ein Rentnerrad? I wo, das Bike sei "ächt supper", sagt Kofler. Und wenn dieser Mountainbike-Crack sich mit so was blicken lässt, kann es nicht ganz peinlich sein.

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Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Auf den ersten Blick ist das Ghost E-Hybride Trail 4000 als E-Rad auch kaum zu enttarnen. Sieht es doch aus wie ein normales MTB, Federgabel, Kettenschaltung, ein mattschwarzes Geschoss für jedes Gelände. Verdächtig ist nur das dicke Unterrohr: In ihm steckt die Batterie. Treten muss man aber immer noch selber, der Motor hilft dabei nur. Zugeschaltet werden die drei Gänge über eine kleine Steuereinheit am Lenker. Zunächst brauche ich die fremde Hilfe gar nicht, von Obereggen geht es erst mal nur bergab. Gewöhnungsbedürftig ist das Rad trotzdem: Rund 25 Kilogramm Gesamtgewicht schieben wie Hölle; die Scheibenbremsen werden so heiß, dass sie mir ein hübsches Brandzeichen an der Wade verpassen. Die Belohnung folgt bergauf: Wenn es steil wird auf dem Wanderweg Nummer eins zur Passhöhe, drücke ich auf den magischen Knopf und kurble Steigungen hinauf, die ich normalerweise nie geschafft hätte. Dieser Stoff kann süchtig machen, doch muss man lernen, mit seinen Energiereserven zu haushalten. Mindestens so oft wie das Bergpanorama betrachte ich die Batteriestandsanzeige.

60 Prozent zeigt sie auf halber Strecke, Höhe Jocherhof. Trotzdem geht nix mehr: Wurzeln und Treppenstufen machen den Weg absolut unbefahrbar. Das ist die Strafe fürs E-Doping: Schleppen Sie mal Ihr übergewichtiges Monsterbike einen steilen Hang hinauf! So viel geschwitzt habe ich in meinem ganzen Radfahrerleben nicht. Das Ziel erreiche ich danach nur mit wiederholtem Drücken meines Zauberknopfes. Merke: Unschlagbar ist das E-Hybride nur, wenn noch Saft da ist. Und der Weg muss ein leichter sein.

Technische Daten

Rahmen: Aluminium
Reifengröße: 28 Zoll
Gewicht: 22,7 kg
Schaltung: 27-Gang-Kettenschaltung
Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen
Elektromotor: 250 W
Akku: 10 Ah
Basispreis: 2.599 Euro

Christof Siemes ist Kulturreporter und Redaktionsleiter ZEIT App

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Leserkommentare
  1. mit bis zu 24 % Steigung so steil wie eine Wand. Einen Motor habe ich mir dort auch schon gewünscht. Der Wirt im Gasthaus an der Passhöhe war sehr aufbauend, "Das schaffen die wenigsten ohne Abzusteigen. Früher als die Straße noch geschottert war und es keine Gangschaltung gab, auch!".

  2. 2. Na...?

    Ob ZEIT-ONLINE je ein Mountainbike-Medium wird ?

    Sehr rar die Kommentare, obwohl der Artikel irgendwie auch "vernünftig" angelegt ist.
    "<em> Rund 25 Kilogramm Gesamtgewicht schieben wie Hölle;...</em>"
    Was soviel hei?en könnet wie : "Galilei ist tot, lang lebe..."...ja wer ?
    Die röm.kat. Kirche hat ihn offiziell unter Mitwirkung des jetztigen Papstes und damaligen Nachfolger/Vertreter der Ankläger der Inquisition, rehabilitiert. Schon 1992, und somit fast vor 20 Jahren.

    "25 kg "schieben" nicht mehr bergab wie 100 kg und auch nicht weniger wie 7,5 kg und auch nicht umgekehrt.
    Und alles was es vor 1992 zu Galilei zu lesen gibt, stand selbstverständlich unter dem Einfluß dessen, daß der gute auf dem Index stand. (Gilt hauptsächlich für Phsyik und Formelsammlungen aus Verlagen im süddeutschen Raum.)

    Wie auch immer das war und ist; so tun als ob er doch nicht vom Index genommen und rehabilitiert wurde, bekommt gerne das Attribut "vernünftig".

    Dafür gilt, daß man stets die Strecken, laut Plan und Karte, so gut verstehen können sollte, daß man sich seine Kräfte gut einzuteilen, selber so gut es geht ermöglicht. "Wurzeln und Treppen" machen in den Bergen aber mit 28" sowieso kaum Spaß. ;)

    Übrigens meine ich mich erinnern zu können, daß noch niemand den Temperaturunterschied an den Bremsscheiben gemessen hat den ein 22,5 kg Rahmen zu einem 11 kg Rahmen aufweist, soweit stimmt's ja, aber fading = nix mehr Bremse, weil zu heiß, gibt's auch in Leichtbauweise. Immer Vorsicht !

  3. erstaunt, mit welcher Dichte in der Zeit E-Fahrräder getestet werden - der vierte Test in zweieinhalb Monaten.

    "Normale" Fahrräder sind in diesem Jahr noch gar nicht getestet worden. Glaubt die Redaktion, dass ihre Leser nur noch elektrisch unterwegs sind / sein wollen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

  4. Ist aber ganz einfach zu erkennen.
    Wo auch immer was von über 20 Gängen zu lesen ist, da ist Werbung quasi das um was es geht. Die Beschreibung eines Fahrrades enthält sowas grundsätzlich nicht.

    <em>"- Schaltung: 27-Gang-Kettenschaltung -"</em>

    Das machen Hersteller nicht, weil das Irreführung ist und auch nicht den Tatsachen entspricht. Kann sein die dürfen das auch gar nicht mehr, denn das hatte schon vor Jahrzehnten zu Diskussionen geführt. Also die Hersteller von Schlatungen geben sowas nicht an wobei dies "Komponenten Hersteller" sind. Die Hersteller des kompletten Rades tun das aber nach wie vor in der Werbung.

  5. Sich an einer Scheibenbremse die Wade zu verbrennen? Wie ungelenk muss man dafür vom Bike steigen?

    • JocBi
    • 12. September 2012 11:39 Uhr

    Ich vermute die Laufradmaße stimmen nicht.
    Das Bike sieht mir verdächtig nach 26 Zoll aus, ich denke hier hat sich der Autor vertan.
    28 Zoll sind bei MTBs zurecht nicht gefragt.
    Die "neuen" 29 Zoll und 650B (27 Zoll) seien der Vollständigkeit halber dennoch erwähnt.

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  • Schlagworte Akku | Aluminium | App | Elektromotor | Udo Bölts | Dolomiten
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