Er war der Enkel des letzten sächsischen Königs: Am Montag starb Maria Emanuel Markgraf von Meißen 86-jährig in seinem Haus im Schweizerischen La Tour de Peitz. Chef des früheren Herrscherhauses Wettin wird sein Neffe und Adoptivsohn Alexander Prinz von Sachsen, der sofort von seinem Wohnort in Mexiko einflog – ein Gespräch mit ihm

DIE ZEIT: Prinz Alexander, wie geht es Ihnen?

Alexander von Sachsen: Ich bin erschüttert über den unerwarteten Tod des Markgrafen; sehr traurig, einen lieben Vater, Begleiter und Ratgeber verloren zu haben.

ZEIT: Sie sind, nach dem Tod Ihres Onkels und Adoptivvaters Maria Emanuel, nun der neue Chef des Hauses Wettin und Markgraf von Meißen. Werden Sie daher nun wieder zurück nach Deutschland kommen?

von Sachsen: Diese Frage stellt sich für mich eigentlich erst nach den Trauerfeierlichkeiten, die jetzt absoluten Vorrang haben, und nach Absprachen mit der Markgräfin Anastasia-Louise und meiner Familie.

ZEIT: Schon als Sie Mitte der neunziger Jahre erstmals aus Mexiko nach Dresden kamen, planten Sie, alten Glanz auferstehen zu lassen.

von Sachsen: Ja, schon. Die Vorgeschichte war diese: Als ich im Fernsehen den Fall der Mauer sah, da regte sich etwas in mir. Tradition vielleicht; oder Gene. Ich spürte: »Du musst zurück in die Heimat!« Obwohl ich zuvor nie in Sachsen gewesen war. Ich bin in München geboren, wuchs in Bayern und Mexiko auf. Dort hatte ich meine Familie und mein Speditionsunternehmen. Aber ich wollte nach Sachsen, wollte helfen, dieses unglaubliche Land wieder auf die Beine zu bringen.

ZEIT: Warum brauchte es zu diesem Zweck das Haus Wettin?

von Sachsen: Nehmen Sie die Wittelsbacher, die Familie meiner Frau. In Bayern gibt es kein öffentliches Ereignis ohne ein Mitglied des Hauses Bayern! So etwas hatte ich mir auch für Sachsen vorgestellt. Der Adel beansprucht da schon eine besondere Rolle für sich, weil er diese Tradition hat und deshalb die Verantwortung für sein Land trägt. Ich denke, wenn ein System wie die DDR zu Ende geht, brauchen die Leute eine Identifikationsfigur. Die hatte ich sein wollen. Viele Türen können geöffnet werden durch eine emblematische Persönlichkeit, die etwa Wirtschaftsdelegationen begleitet.

ZEIT: ...das war dann auch die Arbeit, die Sie hier mehrere Jahre beschäftigt hat: Sie wurden Ansiedlungsbeauftragter und persönlicher Berater des Ministerpräsidenten. Hat das mit der korrekten Anrede jemals funktioniert, wenn Sie auf eingeborene Sachsen trafen?

von Sachsen: Wir haben das sehr vereinfacht. Zum Schluss hießen wir nur Prinz Alexander und Prinzessin Gisela. Und so wussten die Leute, wie wir anzusprechen sind. Einem DDR-Nostalgiker habe ich sogar angeboten, mich »Genosse Prinz« zu nennen!