FührungsstilDas Zitat... und Ihr Gewinn

Bertolt Brecht sagt: Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein? Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?

Wer hat die bahnbrechende Innovation eingeführt? »Ich«, sagt der Abteilungsleiter. Wer hat das komplizierte Projekt geschaukelt? »Ich!« Wer hat vom Kunden höchstes Lob gehört? »Ich!« Chefs neigen dazu, sich die Erfolge ihres Bereichs wie Orden anzuheften. Alle Leistungen, die herausstechen, alle Ideen, die einschlagen, alle Projekte, die durchstarten, versehen sie flugs mit ihrem Namen.

Da kann ein ganzes Team über Monate geschuftet, da kann ein einzelner Mitarbeiter den Einfall seines Lebens gehabt haben – der Chef tritt allein auf die Bühne, kassiert den Applaus und gerne auch die Prämie. Viele Vorgesetzte versäumen es, den Beitrag ihrer Mitarbeiter auch nur mit einem Wort zu erwähnen – wie der junge Alexander und Cäsar die Siege unter ihrem Namen verbuchten, ohne die Truppen oder gar den Koch zu würdigen (was Brecht in seinem bekannten Gedicht beklagt).

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Solche Spielchen im Egoland, solche dreisten Adoptionsmanöver, die Mitarbeitern ihre Erfolge entreißen, wirken sich auf die Motivation aus wie ein Einbruch auf die Schmuckschatulle. Ihrer Ehre beraubt, um wertvolle Anerkennung betrogen, so kommen sich die Mitarbeiter vor.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Erst recht, wenn der Chef sich kurz darauf plötzlich an ihre Namen erinnert – beim ersten Fehler. Wer hat den Termin gebrochen? »Das Team!« Wer hat den Großkunden vergrault? »Frau Schreiber, die Kundenbetreuerin!« Wer hat in der Bilanz gepfuscht? »Herr Wolf, der Buchhalter!« Derselbe Chef, der sich mit den Erfolgen seiner Mitarbeiter schmückt, schiebt die Verantwortung für Misserfolge öffentlich an sie ab. Solche Fehlleistungen will er nicht mit seinem Namen verbunden wissen. Wird der Krieg gewonnen, war’s der Feldherr. Geht der Krieg verloren, war er nicht dabei.

Eine solche Führung ist feige und egoistisch. Bald werden die Mitarbeiter zur einzigen Notwehr greifen, die ihnen bleibt: immer weniger Erfolge erzielen, damit ihnen immer weniger gestohlen werden kann.

Was tut ein Vorgesetzter, der seinen Namen verdient hat? Er sagt »wir«, wenn er über Erfolge spricht, nennt die Namen von Mitarbeitern und erkennt Leistungen an. Und für Fehler, egal, wie schwer, übernimmt er die Verantwortung und stellt sich vor seine Mitarbeiter. Wer so führt, erzeugt ein Wirgefühl, eine hohe Identifikation. Für ihn gehen Mitarbeiter durchs Feuer – statt in die innere Emigration.

 
Leserkommentare
  1. ist der Autor gerade, D ist eine Ego Republik, Teams oder besser wir gibt es nicht. Welcher dt. Vorgesetzte wäre denn so dumm zu zugeben, das der Mitarbeiter wahrscheinlich fähiger ist als er selber. Das wäre ja Karriereselbstmord in D und dann wäre die ganze Shcleimerei die einen dorthin gebracht hat, wahrscheinlich für die Katz..

    Um das vom Autor Angesprochene zu erreichen, bräuchte man eine andere Sozialsierung der Gesellschaft in D sowie selbstsichere und intelligente Chefs.

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    • TimmyS
    • 26.08.2012 um 23:42 Uhr

    es wenn sie sich einfach nicht beklagen, sondern versuchen ein Teil der neuen Denkweise zu sein. Es ist immer einfach die Sündenbock-Schiene und das-wird-es-nie-so-richtig-hier-geben-Ausrede zu liefern statt einen Anfang zu machen oder andere zu unterstützen, solche Herangehensweisen zu etablieren.

    • TimmyS
    • 26.08.2012 um 23:42 Uhr

    es wenn sie sich einfach nicht beklagen, sondern versuchen ein Teil der neuen Denkweise zu sein. Es ist immer einfach die Sündenbock-Schiene und das-wird-es-nie-so-richtig-hier-geben-Ausrede zu liefern statt einen Anfang zu machen oder andere zu unterstützen, solche Herangehensweisen zu etablieren.

  2. Ich bin mit dieser Art immer gut gefahren und habe nicht nur ein gutes !Team sondern auch den Resepekt meiner Vorgesetzten. Wenn wir ehrlich sind, ohne das Team, die Mitarbeiter sind wir nichts!

    • RD1977
    • 26.08.2012 um 21:23 Uhr

    Im Laufe meines Berufslebens habe ich wenige Vorgesetzte getroffen, die den Schwerpunkt auf dem WIR legten.

    Die Mehrzahl ist selbstverliebt, egoistisch, maßloß arrogant, grenzverletzend und verlangt, dass die Mitarbeiter für sie/ihn möglichst aus dem Fenster springen.

    Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, dass sich kaum jemand in meinem beruflichen Umfeld wirklich für seinen Tätigkeit engagiert einsetzt. Es lohnt sich einfach nicht und warum sollte ein einfach Mitarbeiter die praktische Aufstiegsleiter für den Egomanen namens Chef/Chefin geben?

    2 Leserempfehlungen
  3. Ich habe in einer japanischen und einer amerikanischen Automobilfirma bis jetzt gearbeitet und kann das in keinster Weise bestätigen. In beiden Firmen war es eine Selbstverständlichkeit, daß sich der Chef vor seine Mitarbeiter stellt. Das sollte einem Chef doch mehr als peinlich sein, die Schuld abzuwälzen, am besten noch auf einen seiner Mitarbeiter, für die er verantwortlich ist. Besondere Leistungen würden in der Regel, wenn der Anlass es hergibt auch namentlich benannt. Ein Chef der diese Regeln nicht verinnerlicht, kann in einer "vernünftigen" Firma keinen Erfolg haben und würde auch sofort bei seinen Chef-Kollegen auf Unverständnis stossen.

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  4. in unserer Republik hat der Autor wohl ausgeklammert. Nach meiner Erfahrung gibt es dort keine Vorgesetzten (mehr), die ihre Mitarbeiter im besten Sinne führen und auch für deren Erfolge und Mißerfolge einstehen.

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    • Feo
    • 27.08.2012 um 9:13 Uhr

    Nö. Im öffentlichen Dienst gibt es auch "Vorgesetzte" und "Abteilungsleiter" und "Dienststellenleiter". Was nur sollte das mit dem Artikel nicht zu tun haben??

    Im öffentlichen Dienst ist es nur so, dass keine Sau sich dafür interessiert, wenn der "Servicemitarbeiter" (Tatsache, "Geschäftsstellen" wurden unbekannterweise vor Jahren in "Serviceeinheiten" umgetauft) Mist baut. Lediglich wenn was Gravierendes vorfällt, wie z. B. keine Haftprüfung und ein in U-Haft sitzender dann freigelassen wird - ansonsten ist der öffentliche Dienst eine Sekte für sich. Wie jedes andere Unternehmen auch.

    • Feo
    • 27.08.2012 um 9:13 Uhr

    Nö. Im öffentlichen Dienst gibt es auch "Vorgesetzte" und "Abteilungsleiter" und "Dienststellenleiter". Was nur sollte das mit dem Artikel nicht zu tun haben??

    Im öffentlichen Dienst ist es nur so, dass keine Sau sich dafür interessiert, wenn der "Servicemitarbeiter" (Tatsache, "Geschäftsstellen" wurden unbekannterweise vor Jahren in "Serviceeinheiten" umgetauft) Mist baut. Lediglich wenn was Gravierendes vorfällt, wie z. B. keine Haftprüfung und ein in U-Haft sitzender dann freigelassen wird - ansonsten ist der öffentliche Dienst eine Sekte für sich. Wie jedes andere Unternehmen auch.

  5. Das war die Zeit, in der unsere Abteilung am besten harmonierte und ausnahmslos alle am gleichen Strang zogen. Es geht also auch anders als im Normalfall, der leider seit seinem Weggang wieder die Regel wurde...

    • TimmyS
    • 26.08.2012 um 23:42 Uhr

    es wenn sie sich einfach nicht beklagen, sondern versuchen ein Teil der neuen Denkweise zu sein. Es ist immer einfach die Sündenbock-Schiene und das-wird-es-nie-so-richtig-hier-geben-Ausrede zu liefern statt einen Anfang zu machen oder andere zu unterstützen, solche Herangehensweisen zu etablieren.

    Antwort auf "In welchem Land "
  6. will Bertolt Brecht kennen lernen.

    Der ist doch schon lange Tod. also kein Deal möglich.
    Also Null Rendite.

    Also kein Interesse.

    Es gibt aber auch wirkliche Chefs, die Interesse haben.
    In 10 tausend Jahren.

    2 Leserempfehlungen
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    Wenn es keine Leute gibt, die auf den Posten des Chefs aus sind und gezieltes Mobbing betreiben. Da kann ein Chef fair und grosszügig sein, wie er will. Gehabt, danke!

    Wenn es keine Leute gibt, die auf den Posten des Chefs aus sind und gezieltes Mobbing betreiben. Da kann ein Chef fair und grosszügig sein, wie er will. Gehabt, danke!

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