Dingdong. Das Klingeln kündigt die erste Panne an. »Fahrgeräusche ändern sich«, erscheint auf dem Display am Armaturenbrett, außerdem »Schumacherring Kempten, Tankstelle Agip«. Susa Bobke runzelt die Stirn, tippt mit dem Zeigefinger auf den Monitor und fährt los. »Da bin ich ja mal gespannt.« Bobke ist Straßenwachtfahrerin beim ADAC. Ihr Einsatzgebiet ist das Allgäu, ihre bevorzugte Arbeitszeit die Spätschicht ab 15 Uhr. Rund 300 Kilometer fährt sie in acht Stunden. Dieser Tage, in der Ferienzeit, werden sie und ihre Kollegen besonders oft gerufen.

Als das Engelmobil die Tankstelle ansteuert, winkt die Frau mit der Panne eifrig. Das gelbe Auto mit dem ADAC-Schriftzug ist weithin sichtbar, auch Bobke selbst ist ein Hingucker: neongelber Overall mit reflektierenden Streifen, die rot gefärbten Haare trägt sie offen. »Er macht komische Geräusche«, sagt die Frau aufgeregt zur Begrüßung und zeigt auf ein Fahrzeug. »Er«, das ist in diesem Fall ein blauer Fiat Punto. Bobke beugt sich über den offenen Motorraum und ruckelt mit einem Schraubenzieher an einigen Abdeckungen. »Starten Sie bitte mal.« Die Frau lässt den Wagen an, Bobke horcht, woher das rasselnde Geräusch kommt. »Klingt nicht gesund.«

Sie prüft noch ein Kabel, dann die Diagnose: »Der Motor läuft nicht auf allen Zylindern.« Die Autobesitzerin schaut sie fragend an. »Er hoppelt, Motorschaden«, sagt Bobke. Die Frau nickt. »Mein Mann kommt gleich«, sagt sie.

Susa Bobke ist 47 Jahre alt und ein kräftiger, burschikoser Typ, ihre Stimme aber ist erstaunlich leise. Die Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin hat sie erst mit 23 begonnen, vorher studierte sie Germanistik und Jura, auch weil ihre Eltern sich eine akademische Laufbahn für sie wünschten. Neben dem Studium fuhr sie Taxi, und hinterher machte sie Autos ganz zu ihrem Geschäft. Schon als Kind, in Friesland, war sie immer dabei, wenn auf den umliegenden Höfen Traktoren repariert wurden.

Manchmal zweifeln Männer an ihrer Diagnose

Inzwischen ist der Mann der Punto-Fahrerin eingetroffen. Er trägt ein enges T-Shirt, unter dem sich Muskeln abzeichnen, darüber hängt eine Halskette. Seine Frau begrüßt ihn mit: »Motorschaden.« Er läuft wortlos zum kaputten Auto, öffnet die Motorhaube und fummelt ein paar Minuten an den Schläuchen herum. »Motorschaden«, sagt er laut. Bobke schmunzelt. Dass Männer an ihrer Diagnose zweifeln, kommt häufiger vor.

»Der Mann will die Oberhand behalten, die Rollenverteilung muss erst wiederhergestellt werden«, erklärt sie später. Seit fast 20 Jahren fährt sie für den ADAC. Über ihre Erfahrungen als Gelber Engel hat sie nun schon ihr zweites Buch geschrieben.

Nur sechs der 1.700 Gelben Engel sind Frauen. Für viele sind sie deshalb etwas Besonderes, einige sind allerdings auch skeptisch, vor allem einige Männer. Wo denn ihr Kollege bleibe, wird sie manchmal gefragt. Oder ob sie überhaupt eine Ausbildung habe. Sie antwortet gern, dass sie sich hochgeschlafen habe. »Es geht nur mit Humor«, sagt sie mit ihrer leisen, unaufgeregten Stimme.