Euro-KriseWeil wir nicht ehrlich sind

Wenn wir es wären, würden unsere Eliten endlich zugeben: Deutschland muss für die Schulden anderer haften. von Franziska Brantner

Wir haben es uns nicht ausgesucht, aber das Schicksal Europas hängt heute an Deutschland. Damit sind wir in einer Rolle, die wir uns nicht ausgesucht haben: Nach dem Zweiten Weltkrieg war Konrad Adenauers Westintegration nicht nur Einbindung, sondern eine bewusste Unterordnung Deutschlands. Auch nach der Wiedervereinigung hat die deutsche Außenpolitik immer vermieden, die ökonomische Kraft des Landes zu einem Machtanspruch zu formen. Im Kosovo und in Afghanistan ließen sich deutsche Regierungen zwar zu einem Militäreinsatz verpflichten; die Führung jedoch beanspruchten Amerikaner, Briten und Franzosen.

Diese Tradition erklärt, warum sich das Land und seine Eliten so schwertun, die Aufgabe anzunehmen, die ihnen in der Krise der europäischen Währungsunion zugewachsen ist. Könnten wir die Lösung der Krise an die Franzosen, Briten oder Amerikaner übergeben, wie es in militärischen Konflikten die Regel war – wir würden es sofort tun. Das geht aber nicht, denn Deutschland ist das einzige Land in der Währungsunion, das mit seiner ökonomische Kraft die Krise lösen könnte. Wir müssen in einer Haftungsgemeinschaft für die Schulden der anderen Euro-Länder einstehen. Sonst ist das Auseinanderbrechen der gesamten Euro-Zone und damit eine wirtschaftliche und politische Katastrophe in ganz Europa unvermeidbar.

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Eine Haftungsgemeinschaft ist hierzulande höchst unpopulär. Aber Deutschland könnte die von ihm erwartete Führungsrolle nur übernehmen, wenn die politischen, geistigen und ökonomischen Eliten im Land die Notwendigkeit zur Haftungsgemeinschaft erkennen, tragen und begründen würden. Dem viel geschmähten Stammtisch kann man kaum vorwerfen, dass an ihm niemand ohne Weiteres bereit ist, hart erarbeitetes Geld abzugeben, ohne zu wissen, wem es eigentlich hilft und wie. Aber die Eliten müssten es besser wissen und erklären. Tatsächlich jedoch verstärken sie das Problem.

Die Autorin

Franziska Brantner, geboren 1979, ist Mitglied der Grünen im Europäischen Parlament. Sie ist außenpolitische Sprecherin der Fraktion und gehört dem Auswärtigen Ausschuss an

Der öffentliche Diskurs in Deutschland wird bis heute dominiert vom Topos der faulen und korrupten Südeuropäer, die unser Geld haben, aber nicht arbeiten wollen. »Eurobonds? Nicht, solange ich lebe!«, ruft die Kanzlerin der FDP zu. »Die Steuerzahler, Rentner und Sparer der bislang noch soliden Länder Europas« dürfen »für die Absicherung der Schulden nicht in Haftung genommen werden«, verlangen Ökonomen um Hans-Werner Sinn in einem Appell an die Regierung, mit dem sie eine europäische Haftungsgemeinschaft verhindern wollen.

Rettungsschirme nur in der trojanischen Variante

Kennzeichnend für die Haltung der politischen Elite ist der Versuch, ein Anwachsen der deutschen Haftungsrisiken hinzunehmen und sie gleichzeitig rhetorisch zu verleugnen. Die Politik glaubt anscheinend, die Rettungsschirme nur in der trojanischen Variante vermitteln zu können. Die Diagnose von Linkspartei bis CSU lautet daher ganz einfach: Man muss Angst haben vor dem Volk. Selbst die Grünen schaffen es nicht, die Zustimmung zum Fiskalpakt an einen gemeinsamen Fonds zur Tilgung der Altschulden zu binden. Nur auf den Gängen der Parlamente flüstert man, dass die Vergemeinschaftung der Schulden kommen wird, weil sie unvermeidbar ist. Aber erst nach der Bundestagswahl.

Etwas anders verhält es sich mit den wirtschaftlichen Eliten. Zwar trifft man hier Menschen, die die Lage realistisch beurteilen. Viele Mittelständler, deren Einfluss vor allem im wohlhabenden Süden des Landes immens ist, verweigern sich jedoch der Lösung durch gemeinschaftliche Haftung. Ihrer Haltung liegt meistens das Missverständnis zugrunde, dass Staaten so wirtschaften sollten wie Firmen und Privatleute. Sie erwarten, dass die Politik einen anderen Weg zur Krisenbewältigung als die Schuldengemeinschaft findet, und zementieren die Krise damit erst recht, denn diesen Weg gibt es nicht mehr. Der passive Teil der ökonomischen Elite verhält sich schäbiger. Wer Vermögen hat, bringt es derzeit in Sicherheit. Die Flucht in Gold und Immobilien zeigt klarer als jede Meinungsumfrage, dass die Reichen die Zeichen der Zeit erkannt haben, aber lieber sich selbst retten wollen als das Land.

In der Wissenschaft haben die jüngsten Appelle von Wirtschaftsprofessoren zumindest für ein gewisses Erwachen gesorgt. Leider belassen es die Professoren meist dabei, Kritik zu üben und Lösungen für die Vergangenheit zu skizzieren. Gut, wir wissen heute, dass eine Währungsunion nicht gegründet werden sollte, ohne eine Finanz-, Wirtschafts- und Sozialunion zu schaffen. Mit dieser Feststellung ist aber so wenig erreicht wie mit der Kritik daran, dass Deutschland hohe Haftungsrisiken übernimmt, ohne realen Einfluss auf die Politik der Staaten zu erlangen, für die man einstehen soll. Ein positiver Entwurf scheitert offenbar daran, dass auch in der Wissenschaft so gut wie keine Bereitschaft besteht, sich offensiv mit Modellen zu befassen, die einen Haftungsverbund bedeuten. Nur wenige Ökonomen wie eine Gruppe um den Wirtschaftsweisen Peter Bofinger scheren aus der Phalanx aus.

Und die Medien? In den Wirtschaftsteilen werden Eurobonds als Teufelszeug verdammt. Fast alle sind sich einig darin, die Kanzlerin in der Rolle der schwäbischen Hausfrau zu unterstützen. Das Echo auf ihre angebliche Niederlage gegen Italiens Premier Mario Monti war verheerend. Sobald auch nur der Anschein aufkommt, Deutschland würde sich wirklich finanziell bei der Lösung der Krise engagieren, bezieht die Kanzlerin Prügel von den Meinungsmachern. Erst verliert die Nationalmannschaft gegen Italien, dann verspielt die Kanzlerin unser Geld gegen Italiens Monti. Dass es nicht der große Befreiungsschlag war, zeigen die Schreckensmeldungen der letzten Tage. Die Halbwertszeit der Krisengipfel sinkt, die Kosten erhöhen sich, ohne jedoch den Zinsdruck für Spanien und Italien nachhaltig abzuschwächen.

Es geht hier nicht um Altruismus. Dass Deutschland nicht bereit ist, grundlos für Fehler und Schulden anderer Nationen einzustehen, ist verständlich. Dass die Deutschen aber auch nicht bereit sind, diesen Schritt zu gehen, um ihren eigenen Wohlstand zu erhalten, ist eine Tragödie. Es ist das Versagen der deutschen Eliten, nicht einmal den Versuch zu unternehmen, das zu ändern.

Heute erklären, nicht erst 2013

Dabei könnte es so einfach sein, den Sinn einer Schuldengemeinschaft zu erklären: Auch die schwäbische Hausfrau versteht, dass es besser ist, einen Teil der Schulden anderer zu bezahlen, als das eigene Vermögen vollständig zu verlieren, wenn man es nicht tut. Die Unternehmer könnten ihren Beschäftigten erklären, dass ihr Arbeitsplatz nur so lange sicher ist, wie zwei Drittel der Exporte nach Europa gehen und in Euro bezahlt werden. Die Wirtschaftsverbände könnten vor einem Einbruch von zehn Prozent der Wirtschaftsleistung und einer Dauerrezession warnen, wenn der Euro zerbricht. Die Wirtschaftsprofessoren könnten belegen, dass es den USA, Großbritannien und Japan nicht besser ginge als Spanien oder Italien, wenn sie keine Notenbank mehr hätten, die für ihre Schulden garantieren kann. Die Wissenschaft könnte Wege aufzeigen, wie ein Haftungsverbund demokratisch legitimiert werden könnte und durch Kontrollrechte eine neue Schuldenspirale in Südeuropa vermieden werden kann.

Die Politiker könnten ihre unter der Hand überall geäußerte Überzeugung, dass die Rettungsschirme zu klein seien, weil bald ganz Südeuropa ihren Schutz suchen muss, öffentlich kundtun. Sie könnten erklären, dass Deutschland den Stabilitätspakt ganz zuerst außer Kraft gesetzt hat und heute durch Niedrigzinsen Profiteur der Krise ist. Sie könnten versuchen, dem Volk schon heute das zu vermitteln, was sie bis nach der Bundestagswahl verschieben wollen.

Ob die deutschen Eliten es schaffen, sich aus dem Schatten der Geschichte zu lösen, bevor es für Europa zu spät ist?

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Leserkommentare
    • fegalo
    • 11. August 2012 15:44 Uhr

    fast nur hoffen, dass so schnell wie möglich ein wirtschaftlicher Abschwung in Deutschland einsetzt, damit den Politikern, die den europäischen Haftungsverbund fordern, die Worte im Halse stecken bleiben! Die Vorstellung, dass Deutschland in einer Stagnations- oder Abschwungphase zusätzlich zu den eigenen Problemen unentrinnbar auch noch die sich dann steigernden Probleme der Schuldnerstaaten übernehmen soll, ist unfassbar haarsträubend. Eine Haftungsgemeinschaft ist nichts anderes als eine Garantieerklärung dafür, dass wir alle gemeinsam pleite gehen. Aber vor allem auch dafür, dass wir pleite gehen.

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    • joG
    • 11. August 2012 17:43 Uhr

    ....und Deutschland hat nicht getan, was diesen zweiten Abschwung verhindert hätte. Man hat sogar ihn beschleunigt.

    Nun wird die Rechnung wohl präsentiert werden. Und Deutschland wird die Schulden abschreiben. Das wird so freiwillig sein, wie der Haircut, den die Privaten nehmen mussten.

    Aber die Ursache liegt nicht in der Ineffektivität seit 2008. Sie ist älter und in unsere gesellschaftlichen Verfasstheit begründet. Diese lies zu, dass Maastricht und Lissabon unterschrieben wurden. Nun wird die Bürgerschaft zahlen.

    Wenn man nun noch zulässt, dass die Wette mit dem ESM eingegangen wird, gehört es den Bürgern auch nicht besser. Wer jetzt es noch nicht gelernt hat, dem geschieht alles, was kommt, recht.

    In den 30ern Jahren des letzten Jahrhunderts bestand in Europa keine Haftungsgemeindschaft der Staaten. Jetzt wie auch damals zu großen Depression standen die Banken und ihre Finanzprodukte als Hauptursache für die Krise im Focus, diese bringt uns näher an den Abgrund.

    Solange das Ihnen nicht klar ist sollten die nicht diese Themen nachplappern die Merkel von sich gibt. Genau solche Aussagen wie diese bringen Ressentiment gegenüber unseren Nachbarn und bringt die weniger Informierten Menschen näher an die Brust des Radikalen.

    Es ist keine Staatsschuldenkrise, lassen Sie sich nicht von Aussagen der Ratingagenturen, Merkels geblendet Machtanspruch in Europa oder den von Goldman Sachs gesponsorten Staaten einlullen. Denken Sie selber nach!

    • Xdenker
    • 11. August 2012 20:32 Uhr

    ... dass Merkel, Schäuble, Kauder, Lammert & Co. die treffenden und äußerst lesenwerten Äußerungen von Georg Milbradt zur Eurokrise im ZEIT-Interview, Seite 4 und 5 lesen.

    http://www.zeit.de/2012/3...
    http://www.zeit.de/2012/3...

    Und die FDP-Führung auch.

    Bei Rotgrün sind ohnehin Hopfen und Maz verloren.

    • Otto2
    • 11. August 2012 21:19 Uhr

    1. "Deutschland" haftet sowieso nicht. Wenn, dann haftet der deutsche Steuerzahler. Und der ist ein sehr schillerndes, fassettenreiches Wesen. Da gibt es Milliardäre, Millionäre, Leute mit 100.000 Euro Jahreseinkommen, Menschen, die vielleicht 20-30 Tausend im Jahr verdienen und Menschen, die so wenig haben, dass selbst der Finanzminister erkennt - hier ist nichts zu holen. (Wenn wir mal von der Mehrwertsteuer absehen.)
    Wie ich dieses "deutsche (Finanz)-Haus" kenne, haftet auch nicht d e r deutsche Steuerzahler. Es wird alles versucht und getan werden, dass d i e Deutschen zahlen werden, die weniger als 100.000 Euro im Jahr verdienen.
    2. Letzteres ist auch der Grund, warum die EU oder die deutsche Regierung nicht fordern, dass griechische Milliardäre (2000 Familien in Gr. besitzen 80% des Vermögens aller Griechen) und Millionäre einen ihrem Vermögen entsprechenden Anteil zur Sanierung Gr. beisteuern.
    Das könnte ein "schlechtes" Beispiel geben!
    3. Gehen wir den Weg des "schlechten" Beispiels. Die Krise verlöre eien beträchtlichen Teil ihrer Brisanz!

    • Logg
    • 12. August 2012 13:52 Uhr

    Vielen Dank, User fegalo, für diese ehrlichen Worte.
    Sie geben uns, die wir ebenso denken, eine Stimme.

    Beste Grüße

    • gorgo
    • 14. August 2012 11:40 Uhr

    "Die Unternehmer könnten ihren Beschäftigten erklären, dass ihr Arbeitsplatz nur so lange sicher ist, wie zwei Drittel der Exporte nach Europa gehen und in Euro bezahlt werden."

    Unfassbar: Woher in aller Himmel Namen nehmen Sie denn in dieser Situation das "bezahlt werden", angesichts von astronomischen Schulden in Billionenhöhe - eben dieser Länder (und Deutschlands, aber das wird ja gerne verschwiegen...)??? wie soll das gehen bei einer Arbeitslosigkeit von 25 % offizieller Arbeitslosigkeit z.B. in Spanien? Etc. PP

    Und noch etwas: Wie kann man eigentlich sich selbst glauben, gar irgendjemanden anderen im Land überzeugen wollen - mit so einer unglaublichen "Argumentation"??? Die Grünen machen sich durch solche Scheinargumente einfach unwählbar, das ist meine ganz persönliche Meinung

  1. Deutschland zahlt Niedrigzinsen, weil per Gesetz Pensionsfond und ähnliche Vermögensverwalter gezwungen werden überwiegend "sichere" Staatsanleihen zu halten.

    Die deutschen Bürger profitieren ganz sicher nicht von Deutschlands Niedrigzinsen und erst Recht nicht von der Euro-Krise.

    Deutschlands Niedrigzinsen sind auch nicht die Folge von irrationalen Märkten.

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    Deutschlands Niedrigzinsen sind nicht nur die Folge davon, dass Pensionsfonds und Versicherungen in "sicheren" Staatsanleihen investieren müssen. Das galt früher auch schon und die Zinsen waren höher.

    Aber heute überlegen sich halt auch viele Spanier, Italiener und Griechen, welchem Staat sie ihr Vermögen anvertrauen. Wenn sie weiterhin nationale Staatsanleihen kaufen, fürchten sie, ihr Geld nicht wiederzusehen, oder statt in Euro künftig wieder in Drachmen oder Lira. Stattdessen verzichten sie nun auf Zinsen, kaufen deutsche Schuldpapiere, und hoffen, ihr Geld in Euro oder Mark wiederzubekommen.

    Deutschland profitiert von den extrem niedrigen Zinsen - und schafft es dennoch nicht, die Neuverschuldung auf 0 zu drücken. Das ist ein extremes Trauerspiel!

    Jag

    Die gesetzliche Verpflichtung der Pensionsfonds und Versicherungen in sichere Staatsanleihen zu investieren ist Ursache der Niedrigzinsen. Keine Frage. Und gerade hier sollte man auch ansetzen, um die Probleme zu lössen. Die Zeitungsnarrative interpretieren und drehen gerade die Kausalität Immobilienkrise -> Bankenkrise -> Staatsschuldenkrise -> EURO-Krise um, weil sie die Debatte von einer Haftungsgemeinschaft der Banken in eine Haftungsgemeinschaft der Steuerzahler verändert sehen wollen.

    Es hätte die suprime Krise nicht gegeben, wenn man schon vor Jahrzehnten der Politik gefolgt wäre, Aufsichtsrat und Management von Pensionsfonds & Versicherungen paritätisch mit Arbeitnehmervertretern zu besetzen. Gesetzlich hätte das Glätten der Einkommens-, Arbeitsplatz und Wohnungsmarktrisiken der Versicherten festgeschrieben werden sollen. Aus dieser Logik folgt dann eine Investitionssumme für den Bau preiswerter Wohnungen und Eigenheime der Versicherungsgemeinschaft bereitzustellen. Eine kapitalmarktorientierte Finanzierung von suprime Baudarlehen für einkommensschwache US-Bürger ist nichts weiter als eine Bereicherungspolitik für US-Banken. Die Kapitalmengen für die Eigenheime und Eigentumswohnungen für die Kunden der suprime Darlehen sind längst durch die Pensionsfond Beiträge und die Versicherungsprämien der suprimme Darlehensnehmer eingesammelt worden. Die US-Regierung häte nur noch ein Steuernachlass für diese Bauvorhaben genehmigen müssen.

  2. Ja, da ist wohl was Wahres dran: ein Land, das in der Vergangenheit zweimal Europa und die halbe Welt bis hin zu Kriegen dominierte, hat wahrscheinlich Angst davor, seine Stärke erneut einzusetzen und zwar nur zur Friedenswahrung dosiert. Aber als Bürger dieses Landes hätte ich gar kein Problem mit der Übernahme von Verantwortung. Allein ich mißtraue der Führung aller europäischer Länder, der Selbstbedienungsmentalität, den undurchsichtigen Verflechtungen, der Weigerung der Institutionen zur volksdemokratischen Mitbestimmung. Wo so viele Versprechen gebrochen werden, Gesetze und Regeln nach Willkür und Gutdünken verbogen werden - da fällt es mir schwer, einen Freibrief auszustellen, ohne das jemand im selben Atemzug institutionelle Sicherungs- und Sanktionsmechanismen zum Schutz meiner Befürwortung einführt.

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    Wer hat wohl die Europa mehrere Male denn in der Vergangenheit dominiert?

    • joG
    • 11. August 2012 18:51 Uhr

    ...mit der Übernahme von Verantwortung."

    Wären Sie aber bereit die Kosten zu übernehmen, die Verantwortung mit sich bringt? Diese wären vielfältig. Ohne nun auf die Einzelheiten einzugehen, schätze ich, dass man das Budget um kontinuierlich 3-5% und in wiederkehrenden kurzen Perioden um zusätzlich 10-15% des BIP zusätzlich belasten müsste. Auch wären erhebliche Spannung innerhalb der Bevölkerung zu erwarten, da viele Dinge, die man tun muss als Nation, das Verantwortung trägt, mit Glaubenssätzen weiter Teile der Bevölkerung frontal kollidieren.

    • BSiR
    • 13. August 2012 3:21 Uhr

    Nicht gebrochene Worte, sondern gebrochene Verträge.
    Ich stimme Ihrem Beitrag voll und ganz zu. Ihr Schlusssatz beschreibt sehr genau meine Sorge und Befürchtungen.
    Aber, wer garantiert Ihnen und mir, dass Ihre neu geforderten institutionellen Sicherungs-u. Sanktionsmechanismen nicht erneut gebrochen werden?
    Der Maastricht Vertrag und EZB Vertrag hatte doch beides und doch wurden sie nicht eingehalten.
    Beim ESM sieht das noch viel schlimmer aus. Da ist die Haftungsgrenze nach oben so offen, dass selbst Deutschland in die Knie gehen wird.
    Ganz bewusst hat man deshalb die Immunität in den Vertrag geschrieben.

  3. Ich persoenlich bin fuer eine Haftungsgemeinschaft, fuer mehr europaeische Integration und fuer ein starkes Europa.

    Ob ich jetzt von nationalen Politikern belogen und betrogen werde oder von europaeischen... wo ist der Unterschied.

    Die Haftungsgemeinschaft wird allerdings nichts bringen solange die Banken und Hedgefonds ungehindert weitermachen wie bisher.

    Außerdem, muss ich als Demokrat sehen, dass ich mit meiner Meinung vielleicht in der Minderheit bin und demnach eine Volksbefragung über Europa durchgeführt werden muss.

    Dazu sei noch gesagt, dass die Eliten in diesem Land alles getan haben um ihnen nicht zu vertrauen oder ueberhaupt etwas zuzutrauen. Jetzt die Hoffnung auf eine hoffnungslos auf sich selbst zentrierte Schicht zu setzen scheint mir gelinde gesagt sehr optimistisch.

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    • Askay
    • 11. August 2012 18:05 Uhr

    "Die Haftungsgemeinschaft wird allerdings nichts bringen solange die Banken und Hedgefonds ungehindert weitermachen wie bisher."

    Das ist eine Verkennung der Situation. Gerade in der jüngsten Krise wurden die Banken und Anleger "Opfer" von Staaten, die sich eher wie Anlagebetrüger verhalten. So wie es eine Verkennung der Situation durch den Autor ist, wenn er anmerkt:

    "Ihrer Haltung liegt meistens das Missverständnis zugrunde, dass Staaten so wirtschaften sollten wie Firmen und Privatleute."

    Alleine aus der keynesianischen deficit spending Überlegung erwächst noch keine Gesundung, wenn Staaten durch starke pressure groups wie Gewerkschaften und politisch motiviert nötige Strukturanpassungen hinterteiben. So ist eine Schuldengemeinschaft einfach nicht zu rechtfertigen.

    Solange hier keine einheitliche Politik zu finden ist, selbst wenn diese die Versorgungsmentalität und Staatsdirigmus oben an stellen würde, kann eine Schuldenvergemeinschaftung immer nur Gegenwind bei einem guten Teil der Bevölkerung ernten. Dem Teil der Bevölkerung nämlich, der die Rechnung weitestgehend bezahlt, weil er etwas hat.

    Aus diesem Grund versuchen gerade die, die nichts haben einer Vergemeinschaftung leichtfertig das Wort zu reden. Hierbei kehren sie gerne die Realität um, in dem Sie Habende (Länder, Personen, Firmen) zu elitären Profiteuren (Eliten) erklären, statt zuzugeben, dass sie wegen der ausgebliebenen Strukturanpassungen die eigentlichen (Niedrigzins)Profiteure waren.

    "Gerade in der jüngsten Krise wurden die Banken und Anleger 'Opfer' von Staaten, die sich eher wie Anlagebetrüger verhalten."

    Eine genauere Argumentation wuerde helfen. Wie wurden die Banken und Anleger Opfer? Warum verhalten sich die Staaten als Anlagebetrüger? Gefälschte Statistiken? Gesetze? Warum wuerde die von mir angestrebte Aenderung von Gesetzen dann dieses Problem nicht gleich mit loesen?

    Was sind ihrer Meinung nach die verschleppten "Strukturanpassungen"?

    Was bringt sie eigentlich zu der Annahme, dass nur die Habenden fuer die Krise zahlen? Und weiter, was bringt sie zu der Annahme, dass sie das nicht sollten? "Eigentum verpflichtet".

    Wer "nichts hat" der kriegt auch keinen Kredit, auch nicht zu niedrigen Zinsen. Dementsprechend verstehe ich ihr letzes Argument nicht.

    Sie trauen den Eliten nichts zu? Ich traue denen ALLES zu! Vor allem denen, die mit Steuergeldern grosszügig um sich schmeissen. Solidarisch will man sein? Gibt es da keinen moralischen Hemmschuh? Griechenland hat sich den Beitritt ermogelt...

    [...]

    Lernen Sie erst die oekonomischen Grundbegriffe, bevor Sie sich zu Einlassungen hinreissen lassen....

    josefine

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Sollte ich gemeint sein, wuerde ich gerne wissen welche "ökonomischen Grundbegriffe" ich lernen soll?

    Oder meinen sie prinzipiell, dass man nicht mitreden darf, wenn man keinen Abschluss in Wirtschaft hat?

    Ansonsten ist meine Antwort: Lernen sie erst einmal richtige Argumentationsstrategien. Persönliche Angriffe unter Missachtung des eigentlich Angesprochenen nennt man "fallacy" (argumentum ad hominem: in diesem Fall) und diese Gesprächsstrategie zeigt normalerweise nur, dass man entweder zu faul ist sich mit dem Thema zu befassen oder unterlegen und dementsprechend versucht man die Person, die eine Aussage macht, zu diskreditieren um die Aussage zu entwerten.

  4. vor acht Jahren geschuldet. Damals wollte man auch mit mehr Schulden zu Wachstum kommen. Hier mal eine kleine Gedächnisstütze.
    http://www.faz.net/aktuel...

    9 Leserempfehlungen
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    ...weil Schröder mal mehr Schulden machen wollte, haben wir heutzutage eine Krise? Die Schulden steigen aber schon seit Beginn der Bundesrepublik kontinuierlich:
    http://images.zeit.de/wir...

    Muss auch so sein, ohne Wachstum der Schulden kein Wirtschaftswachstum, da kein Geld (Geld entsteht nur durch Kredite). Die einzige Frage die sich stellt ist: wer verschuldet sich?

    Tun es die Bürger und Unternehmen, dann spricht man gerne von "nachhaltigem Aufschwung", tut es der Staat (also alle zusammen), dann wird hingegen rumgejammert. Tut es das Ausland (Exportüberschüsse), dann reiben sich alle die Hände, bis, nun ja, bis eben dieses Ausland in der Folge zahlungsunfähig wird...

    • F.K.
    • 11. August 2012 15:57 Uhr

    das Sie schuldenfinanziert in den Hals werfen wollen und finanzieren Sie damit (im schlimmste Fall eben auch schuldenfinanziert) all die Dinge in Deutschland, für die kein Geld da ist. Dann ernten wir wenigstens die Früchte von mehr Kindergartenplätzen, Kleineren Schulklassen, Integrationsprogrammen etc.
    "Auch die schwäbische Hausfrau versteht, dass es besser ist, einen Teil der Schulden anderer zu bezahlen, als das eigene Vermögen vollständig zu verlieren, wenn man es nicht tut." Aber Sie werden sie erst einmal überzeugen müssen, dass der Zusammenhang so besteht

    28 Leserempfehlungen
  5. Durchaus klug geschrieben. Gut erkannt, dass Deutschland seit 1945 in internationalen fragen anderen staaten den vortritt überlässt. Man könnte auch sagen, gerne überlassen muss.

    Aber die ermahnung in sachen Euro haftungsgemeinschaft vergisst, dass das keine einbahnstrasse sein würde.

    Sind denn die regierungen der hauptsächlich betroffenen EU länder selbst bereit, SOUVERÄNITÄT an eine neue, demokratisch legitimierte, mit neuen vollmachten ausgestattete EU exekutive abzugeben?

    Wären regierungen dieser länder willens, ihren eigenen wählern einzugestehen, dass in zukunft nicht mehr soviel geld aus dem fenster geworden werden kann, um die bürger glücklich zu machen? Dass das fortan nicht mehr so einfach passieren kann wie in der heiteren vergangenheit, eben weil souveränitätsrechte aufgegeben bzw. GETEILT werden?

    Es sieht nicht danach aus. Vielleicht schaffen Sie es, diesen zusammenhang griechischen oder spanischen bürgern zu erklären? Es gehören zwei zum Tangotanz, liebe Frau Brantner.

    25 Leserempfehlungen
    • fegalo
    • 11. August 2012 15:59 Uhr

    Die Naivität der Autorin wird ganz besonders deutlich in ihrer Annahme, dass mit einem vollen Einsatz Deutschlands die Krise gelöst wäre.

    Es ist übrigens ein Klassiker grünen Denkens, dass man die Stärke Deutschlands maßlos überschätzt und dabei gleichzeitig hasst und fürchtet. Aus dieser Vorstellung heraus werden die oft absurden Forderungen geboren, andere mit Wohltaten zu beglücken und dem gefürchteten Deutschland zur eigenen Abschaffung zu verhelfen.

    92 Leserempfehlungen
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    als mich alleine... danke User Fegalo.

    Beste Grüße

    • ribera
    • 11. August 2012 18:36 Uhr

    In der heutigen Zeit, wo es für den Bürger immer schwieriger wird, Unterschiede zwischen den CSU/CDU/SPD/GRÜNE - EUROPALEMMINGEN im Bundestag zu entdecken, kann eine Wahlentscheidung schon schwierig sein.
    Dank dieses Artikels oder Steinbrück in der Süddeutschen wird es wieder etwas leichter - im Ausschlussverfahren!

    1) „Dabei könnte es so einfach sein, den Sinn einer Schuldengemeinschaft zu erklären: Auch die schwäbische Hausfrau versteht, dass es besser ist, einen Teil der Schulden anderer zu bezahlen, als das eigene Vermögen vollständig zu verlieren, wenn man es nicht tut“

    Tolles Beispiel.
    Wessen Schulden soll denn die Hausfrau übernehmen, die des Bürgermeisters, des Pfarrers...?
    Und warum verliert sie sonst ihr Vermögen?

    Aber bitte Frau Brantner,

    lösen Sie doch die Euro-Frage ganz konkret, hier die Zahlen:

    Deutschland mit 2 Bio. Schulden gegenüber 12 Bio. Schulden allein der Südstaaten!

    Bitte Frau Brantner,

    rechnen Sie uns das allen mal konkret vor!

    Danach dürfen Sie gern predigen.

    2) „...wenn die politischen, geistigen und ökonomischen Eliten im Land die Notwendigkeit zur Haftungsgemeinschaft erkennen, tragen und begründen würden“

    Bitte Frau Brantner,

    erklären Sie, wie insbesondere die politischen Eliten, zu den auch Sie vermutlich gehören wollen, und sie wollen sicher auch bald wie die anderen "Eliten" ihren Platz in der EU einnehmen, dann die Haftungsgemeinschaft in Deutschland künftig tragen!

    Ich nehme Sie beim Wort, bitte geben Sie auf diese ehrliche Frage eine ehrliche Antwort!

    • abtz
    • 11. August 2012 20:08 Uhr

    Naiv, na ich weiss nicht. Ist sehr subjekt, so eine Einschaetzung!

    Die sachliche Frage war, ob das Risiko eines Auseinanderbrechens des Euro und der Europaeischen Politik eingegangen werden KANN. (Uebrigens: RUSSLAND arbeitet darauf seit (zig) Jahren hin.)

    Ich sehe nur, dass Sie mit Schlagworten dagegen sind, aber keinen Vorschlag fuer einen Pfad aus der Krise geben! Alleine schafft es Deutschland nicht, dass wissen sie auch, oder zumindest hat die Autorin es aus der Geschichte belegt. Und in der letzten EZB Sitzung hat keiner mit Deutschland gestimmt.
    Das ist Fakt, also Realitaet.
    Es geht darum die Zukunft mit den anderen zu gestalten.

    Er hat damit angefangen, deutsche Steuergelder an befreundete Firmen in der Welt zu verteilen. Er war also nicht "links", wenn sie das damit andeuten wollten. Die Schubladen taugen sowieso nichts mehr, seit Rot-Grün rechter geworden ist als die Cdu, mit eiskaltem Grinsen.

    Die angebliche Liebe zu "Migranten" ist doch nur ein Geschäftsmodell, um die Leute besser ausquetschen zu können. "Morgen tausche ich dich gegen einen Polen, den gibt es billiger".

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