Hertha BSC: Och nee, Hertha BSC
Wenn jede Stadt den Fußballverein hat, den sie verdient, dann hat Berlin ein Problem: Hertha BSC spielt von dieser Woche an in der Zweiten Liga, das Image ist schlecht. Wie konnte es nur so weit kommen?
An einem Abend Ende Juni wartet ein Fußballplatz auf die Männer, die die Rettung bringen sollen. Er liegt still unter Bäumen, dahinter ragen Hochhäuser auf. Eine Bierzapfanlage ist am Rand aufgebaut, der Becher zwei Euro. So günstig ist auch die Currywurst, und wer möchte, kann auch Schlüsselanhänger mit der Aufschrift »Hertha BSC uff Achse« kaufen. Es sind, grob geschätzt, hundert Leute da.
Es ist das Jahr, in dem die Fans von Hertha BSC so gelitten haben wie noch nie. Zweimal hat der Berliner Fußballklub in der letzten Saison den Trainer gewechselt. Vor zwei Monaten ist er in die Zweite Liga zurückgestolpert, so wie schon einmal vor zwei Jahren – und an der neu zusammengestellten Mannschaft, die gleich zum ersten Mal antreten wird, hängen die Hoffnungen.
Am Wochenende beginnt die neue Saison, und Berlin muss wieder aufsteigen. Der Verein hat offiziell 35 Millionen Euro Schulden und plant für die nächste Spielzeit mit 13 Millionen Defizit, nur so kann er sich weiter gute Spieler leisten. Das geht aber nur, wenn bald wieder die Fernseh- und Werbegelder der Ersten Liga fließen. Klubs, die in die Zweite Liga zurückfallen und sich nicht schnell genug wieder nach oben kämpfen, schrumpfen schnell auf kleineres Format.
Hertha BSC ist die tragische Truppe des deutschen Fußballs. Die beiden einzigen Meistertitel aus den dreißiger Jahren: Geschichte. Die große Zeit unter dem Manager Dieter Hoeneß, der Hertha Ende der neunziger Jahre in die Champions League führte und den Verein 2009 verließ: fast vergessen. Berlin ist heute die einzige bedeutende europäische Hauptstadt, die nicht in einer Topliga vertreten ist – wie London mit Chelsea und Arsenal, wie Rom mit Lazio, wie Madrid mit Real.
Kann es sein, dass hier in Berlin-Reinickendorf auf dem Rasen ein hoffnungsvoller Schimmer liegt, oder ist es nur die Luftfeuchtigkeit? In der ersten halben Stunde lässt der Gegner die Hertha kaum vors Tor, dabei sind es nur die Freizeitkicker vom Kiezverein Berliner SC, die hier spielen. Hertha schafft ein paar Weitschüsse über die Latte, dann in der 33. Minute eine Ecke: Marvin Knoll, ein Neueinkauf, schießt, Elias Kachunga, ebenfalls neu in der Mannschaft, verlängert ins Netz. In der zweiten Halbzeit wie aus dem Nichts: noch zwei Treffer. Das Spiel endet 3:0 – aber das Volk an der Rasenkante mag nicht recht Beifall spenden.
Schauplatz des Spiels ist das Sportgelände neben einer Schule. Solche Testspiele, Teil des Trainings, enden nicht selten 10:0.
»Steigern, verbessern, in Form kommen«, murmelt der Trainer Jos Luhukay verlegen, er steht mitten auf dem Rasen. Sie haben ihn gerade aus Bayern geholt, wo er den kleinen FC Augsburg aufgepäppelt hat, jetzt soll er es in Berlin richten.
In Herthas Schicksalsjahr stellen sich eine Menge Fragen. Wie kann es sein, dass der größte Fußballklub der größten deutschen Stadt es nicht schafft, guten Fußball zu bieten? Dass er hervorragende Sponsoren- und Ausrüsterverträge hat abschließen können, auch wegen der Marke Berlin, aber selbst daraus gar nichts macht? Dass er aus einem unendlichen Reservoir von jungen Spielern schöpfen kann – Herthas Jugendleistungszentrum gilt als eines der besten im Land – und es trotzdem nicht hinbekommt, all die Talente zu nutzen? Was stimmt nicht bei Hertha BSC?
Auf der Suche nach Antworten muss man in ein Milieu eindringen, in dem niemand gern spricht, denn es ist viel Geld im Spiel. Die Spitzenklubs sind Sportkonzerne, viele sind wie Hertha als Kapitalgesellschaften organisiert und aus den bodenständigen Vereinen ausgegliedert worden, aus denen sie entstanden sind. Die wenigsten Antworten darf man von Hertha selbst erwarten. Als Journalist kann man froh sein, wenn man überhaupt zurückgerufen wird.
Der Verein hat seinen Sitz am Rande des Olympiageländes, alte Klinkerbauten im Grünen, alles streng und ordentlich. Weiter weg vom neuen Berlin, vom modischen Mitte oder Kreuzberg, kann man selbst in Hamburg oder München nicht sein. Hertha wurde 1892 gegründet, eigentlich kommt der Verein aus dem Arbeiterviertel Wedding. Falls er eine Seele hat: Hier auf dem Olympiagelände ist sie nicht.
Gerne würde man mal Michael Preetz kennenlernen, den Geschäftsführer Sport, der die Verantwortung für diese Krise hat, aber man dringt nicht zu ihm durch. Wer ihn in letzter Zeit getroffen hat, berichtet, er sei dünn geworden, ein Häuflein Elend. Die nächsten Monate werden wohl über seine Karriere entscheiden.
Ende Mai sitzt er in einem Saal an einem langen Tisch, ein großer Mann mit Bürstenschnitt. Dass sich der Tisch auf einer Bühne befindet, vor Hunderten von Augenpaaren, ist Preetz sichtlich unangenehm. Der Verein hat zu »Hertha im Dialog« eingeladen, einer Aussprache in einem alten Messegebäude. Nebenan war mal die Kunstmesse Artforum, auch so eine Marke, die mit Berlin groß werden wollte. Dann hat man sie sterben lassen. Die Stimmung im Saal ist heute so, als könnte das Hertha auch bald passieren.






...ein Neueinkauf?! das ist schon der erste hinweis darauf, dass der autor des artikels von hertha bsc ungefähr soviel ahnung hat, wie eine kuh vom singen!!
...kann gut reden, DESHALB hat er soviele Tore geschossen??? so eine schwachsinnige aussage hab ich selten gehört...dass ein stürmer auf dem platz steht, heißt noch lange nicht, dass er auch tore macht...bin gespant wie der artikel weiter geht...finde es nur bezeichnend, dass man jetzt kurz vor saisonbeginn die euphorie mit so einem artikel drücken will...von der zeit erwarte ich mehr!
...wer diesen Mann auf dem Podium bei der MV gesehen hat, der weiß, warum er so grandios gescheitert ist...alles was die sogenannte opposition hatte, waren irgendwelche parolen...hat man nachgehakt oder versucht, ihnen substantielle vorschläge zu entlocken, kam nichts als preetz-raus parolen und heiße luft...natürlich haben sich viele einen neuen präsidenten gewünscht, nur leider gab es keine alternativen...dieser artikel ist doch nur ein weiterer tritt in den arsch von hertha bsc um sich im streit darum, wer am besten über hertha bsc herziehen kann einen tollen platz zu sichern...schade zeit....!!!!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren