Universität OxfordNeuer Megatrend

Die Sorge um Transsexuelle erreicht die Universität Oxford.

Liddon Quad of Keble College in Oxford

Liddon Quad of Keble College in Oxford

Was war das Nette an England? Dass inmitten des bunten Trubels der Moderne an einigen verstockten alten Sitten immer weiter gut gelaunt festgehalten wurde. Damit ist es jetzt vorbei. Die ehrwürdige Universität Oxford hat beschlossen, dass nun endlich auch Frauen beim Examen Hosen tragen dürfen – und Männer Röcke. Die Lockerung der einst angenehm rigiden Kleiderordnung (alles schwarz, nur Hemd und Bluse weiß) wirkt indes skurril nur für den, der mit dem neuesten Zeitgeist noch nicht vertraut ist. Die Begründung lautet nämlich, dass geschlechtsspezifische Garderobe unfair sein könnte gegenüber transsexuellen Studenten.

Wer jetzt staunt und sich fragt, ob die Zahl der Transsexuellen oder meinetwegen auch Hermaphroditen so gewaltig zugenommen hat beziehungsweise Transsexuelle dermaßen verstärkt ins Studium drängen, dass sich hier ein riesiges Sozialproblem aufgestaut hat – der hat nichts verstanden. Denn es ist nun einmal so, dass die Sorge um Personen unsicherer Geschlechtsidentität das neue dringende Anliegen emanzipatorischer Sozialpolitik ist. Es geht nicht darum, wie viele es sind und ob sie es wirklich schwer haben. Es geht darum, dass sie es schwer haben könnten. Es geht darum, dass man weinen und einen starken Veränderungswillen entwickeln möchte beim Gedanken daran, wie schwer sich das Leben in einer sexuell bipolaren Gesellschaft anfühlen könnte. Transen sind das ganz neue große Ding! Man nennt sie in der deutschen Piratenpartei übrigens auch Eichhörnchen, und es weiß ja wohl jeder, wie niedlich die sind und dass sie es manchmal verdammt hart haben. Der Tierschutz verbietet schon lange, ihnen Hosen beziehungsweise Röcke aufzuzwingen.

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Die Seriosität zwingt allerdings zu dem Hinweis, dass die emanzipatorische Bewegung, die jetzt bei den Eichhörnchen angelangt ist, einen langen geistesgeschichtlichen Vorlauf hat. Sie hat sich schon an Frauen, Lesben und Schwulen erfolglos abgearbeitet (sie werden größtenteils weiter diskriminiert) und nun ihren erschöpften Blick auf die nächste denkbare Aufgabe gerichtet. Wo könnte man ein neues, diskursbefeuerndes und gesellschaftlich folgenloses Gezeter anstimmen? Bei der Mode selbstredend, dem Folgenlosesten überhaupt. Also aufgepasst! Aus Oxford kommt die Botschaft: Jeder darf tragen, was ihm ziemt, beziehungsweise auch umgekehrt.

 
Leserkommentare
  1. Wir freuen uns über Kritik, würden Sie aber bitten, diese sachlich, konstruktiv und mit Argumenten zu äußern. Danke, die Redaktion/fk.

  2. Dass inmitten des bunten Trubels der Moderne an einigen verstockten alten Sitten immer weiter gut gelaunt festgehalten wurde. Damit ist es jetzt vorbei. Die ehrwürdige Holtzbrinck Verlagsgruppe hat beschlossen, dass nun endlich auch Frauen bei der Arbeit Hosen tragen dürfen – und Männer Röcke. Die Lockerung der einst angenehm rigiden Kleiderordnung (alles schwarz, nur Hemd und Bluse weiß) wirkt indes skurril nur für den, der mit dem neuesten Zeitgeist noch nicht vertraut ist.

    Man muss nicht erst die Transsexuellen heranziehen, um Rockpflicht für Frauen an einer englischen Universität im 21 Jahrhundert lächerlich zu finden. Wäre ja auch lächerlich in einer modernen Redaktion in Deutschland, oder?

    2 Leserempfehlungen
  3. Lieber Herr Jessen. Was ist denn da geschehen? Sind sie doch bekannt für spitz zulaufende Glossen, so ist ihnen hier nur ein müder Schuss aus dem Sommerloch gelungen. An was wollten sie sich denn nun abarbeiten? Dem Zerfall von "angenehm rigiden" Sitten, ihrer Angst vor uneindeutigen Geschlechterrollen, ihrem Ärger über verfehlte Sozialpolitik, ihrer Abneigung gegen die Piraten? Oder umgekehrt? Oder einfach mal generell Dampf ablassen. So genau wissen sie es wohl auch nicht. Das Ergebniss: Ratlos fragt man sich was den Herrn Jessen da bewegt hat.

    via ZEIT ONLINE plus App

    7 Leserempfehlungen
  4. Einen solchen Standpunkt hätte man von dem Label "Zeit" nicht erwartet. Es ist wohl inzwischen modern und politisch korrekt, benachteiligte Gruppen der Gesellschaft niederzumachen. Sehr enttäuschend, diese art Schreibe.

    6 Leserempfehlungen
  5. ein in seinem spöttischen Tonfall und seiner Gehaltlosigkeit ununterboten grässlicher Kommentar, der Zeit Online nicht würdig ist. Ich wünsche an dieser Stelle jeder Person die Möglichkeit sich unbehelligt von normativer Missbilligung zu kleiden und zu verhalten wie sie es möchte.

    Cellular Automaton

    7 Leserempfehlungen
    • Garla
    • 10.08.2012 um 17:20 Uhr

    Und diese Gruppe sogar noch als lächerlichen Beleg für unsinnigen Anpassungsdruck heran zieht, der hat nicht nur schlecht recherchiert, zu viel Tootsie oder Charlies Tante angesehen, der trieft auch so von transphobie.
    Keine Ahnung von der Materie (warum sollten Frauen wohl Männerröcke tragen wollen?), aber hier munter ablästern über eine Gruppe, die immer in die Opferrolle getränkt wird.
    Bravo! Schlimmer geht's immer!
    Wollen und sollen wir uns jetzt noch über die Lächerlichkeit einer gleichgeschlechtlichen Ehe oder gar die Freiheit für Männer mit Männern und Frauen mit Frauen Händchen zu halten unterhalten? Oder machen wir gleich noch Witze über Behinderte? Die kommen auch immer gut... Motto: in Harvard werden jetzt schon behindertengerechte Zugänge geschaffen. Har har har...

    Es geht um das Recht zu sein, wie man ist und nicht in Rollen gepresst zu werden.
    Aber dafür verlangt es halt die Fähigkeit weiter zu denken und Transsexuelle nicht nur als Clowns, sondern als Menschen anzusehen.

    Sehr arm!

    13 Leserempfehlungen
  6. Sollte dieser Artikel lustig sein?
    Was ist dagegen zu sagen, wenn Oxford Frauen endlich erlaubt Hosen zu tragen und die Regeln dann gleich ganz grundsätzlich, fit fürs 21. Jahrhundert, gerädert werden?
    Ich kann nur sagen: Chapeau, Oxford!

    Großer, großer Patzer: Transsexuelle sind keine Transen (=Transvestiten). Das sind völlig unterschiedliche Dinge!

    Die Brücke mit den Einhörnchen ist auch lächerlich.
    Das war wirklich der schlechteste Artikel, den ich je in der sehr guten Zeit gelesen habe.

    4 Leserempfehlungen
    • KG
    • 10.08.2012 um 17:52 Uhr

    Ich fand ihre Polemiken schon immer ziemlich inhaltsarm, Herr Wagner. Bezeichnend, hier auf Bild.de liest man solch pauschales Bashing von allem, was politisch ein bisschen moderner ist als das Wahlrecht für Frauen ja regelmäßig. Ich lese in Zukunft lieber wieder auf Zeit.de, da werde ich von sowas verschont...

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