Hat er den richtigen Zeitpunkt schon verpasst, fragt sich Karsten Wemhöner. Seit einiger Zeit sucht er eine Eigentumswohnung. Bisher erfolglos. Währenddessen steigen die Preise, Monat um Monat. Rund 300.000 Euro müsste Wemhöner, der in Wahrheit anders heißt, für eine 70-Quadratmeter-Wohnung inzwischen hinlegen. Bei so viel Geld will er ganz sicher sein. Der 35-jährige Ingenieur wohnt in München. Um rund zehn Prozent sind die Preise dort innerhalb eines Jahres gestiegen, in guten Lagen noch deutlich stärker. Jede Woche, die Wemhöner zögert, kostet ihn bares Geld.

Für seine Eltern war die Sache damals irgendwie leichter, findet er. Sie lebten ihm vor, dass eine Immobilie die beste Altersvorsorge sei. Als Wemhöner klein war, bauten sie ein Haus im Westfälischen und zahlten dafür umgerechnet 80.000 Euro. Heute wohnt das Rentnerpaar mietfrei, und das Eigenheim ist gut 160.000 Euro wert. Wemhöners Eltern sind kein Einzelfall: Wer in den siebziger Jahren eine Immobilie kaufte, kann sich freuen, dass sie heute im Durchschnitt das Doppelte wert ist. Das geht aus einer Studie des Immobilienmarktforschers Bulwien Gesa hervor.

Diese Erkenntnis bestärkt Wemhöner in seiner Einschätzung: Wohneigentum müsste man haben! Nur: Sind die Preise nicht schon zu hoch, um jetzt zu kaufen? Hat sich nicht längst eine Immobilienblase gebildet, die bald platzen könnte? Taugt das Eigenheim heute wirklich noch als Altersvorsorge?

»Nein«, sagt Reiner Braun, »jetzt zu kaufen ist keine gute Idee.« Die Finanzierungskosten seien zwar mit rund vier Prozent günstig wie nie, aber das machten die hohen Kaufpreise mehr als wett, sagt der Vorstand des Beratungsunternehmens Empirica, das sich auf Immobilienbewertungen spezialisiert hat. »Im Augenblick ziehen die Preise kräftig an, aber langfristig besagt das gar nichts.« Nur weil heute die Preise steigen, müssen sie das in Zukunft nicht auch tun.

Das glaubt auch Tobias Just, wissenschaftlicher Leiter der Immobilienakademie der Universität Regensburg. Drei bis fünf Jahre würden die Hauspreise noch steigen, schätzt er. »Aber die Altersvorsorge wird nicht in drei Jahren entschieden. Deshalb wäre es falsch, die jetzigen Preissteigerungen weiter nach vorne zu projizieren oder zu sehr auf die Vergangenheit zu schielen. Die Frage ist: Was wird in den nächsten 30 Jahren die Immobilienpreise belasten?«

Das wüssten alle gern. »Im Grunde«, sagt Steffen Sebastian, der Regensburger Professor für Immobilienfinanzierung, »kann man sogar fragen, ob die Geldanlage in Immobilien in den vergangenen 30 Jahren wirklich sinnvoll war – oder ob es nur zufällig geklappt hat.«

Dass das eigene Haus nicht immerzu wertvoller wird, hat ein Bekannter Wemhöners im Nachbarort erlebt. Er hat 1993 sein Haus für umgerechnet 120.000 Euro gekauft und viel Geld in die Renovierung gesteckt. Heute würde er allenfalls noch den Kaufpreis von damals bekommen. So geht es vielen, die sich Mitte der neunziger Jahre, als die Preise Höchststände erreicht hatten, eine Immobilie zulegten. Danach sackten die Preise ab und haben erst jetzt das Ausgangsniveau wieder erreicht. Und das gilt noch nicht einmal für alle Regionen in Deutschland. »Wer in den frühen neunziger Jahren eine Wohnung in Chemnitz gekauft hat, der wird sein Geld wohl nie wieder reinbekommen«, sagt Immobilienprofessor Sebastian.