ManagementDie Wahrheiten des Utz Claassen
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"Der neue Umweltminister Peter Altmaier macht bisher einen tollen Job"

ZEIT: Herr Bykow hat in einem Interview im Handelsblatt tiefe Einblicke in die deutsch-russische Handelswelt gegeben. Er wies auf die Bedeutung der Stiftung des Heiligen St. Nikolaus hin, die in ganz Russland karitativ tätig ist und in die viele deutsche Geschäftsleute hohe Beträge einzahlen, damit, sagen wir mal, die Geschäfte besser und schneller laufen. Und Sie, Herr Claassen, sind Träger des Ordens des Heiligen St. Nikolaus, übrigens als erster Deutscher überhaupt.

Claassen: Bringen Sie jetzt bitte nichts durcheinander. Ich habe den Orden aus der Hand des früheren stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten im Beisein des russischen Botschafters erhalten und hatte keinerlei Anlass zu Argwohn. Ich habe mich gefreut und ihn als Anerkennung verstanden für die guten Beziehungen der EnBW zu Russland im Bereich der Kernenergie und für meine langjährige Verbundenheit mit der russischen Föderation zu wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Themen schon aus Sartorius-Zeiten. Ich selbst habe im Übrigen auch keinerlei Geschäfte mit Herrn Bykow gemacht, ja nicht einmal über solche mit ihm verhandelt.

ZEIT: Wer hat ein Interesse daran, Ihren Namen in Zusammenhang mit der Bykow-Affäre zu bringen?

Claassen: Mir würden sicher einzelne Namen einfallen, aber darüber möchte ich nicht spekulieren.

ZEIT: Bykow vermutet ein Ablenkungsmanöver für andere dunkle Machenschaften.

Claassen: Auch darüber von mir keine Spekulation.

ZEIT: Warum sind Sie 2007, für viele überraschend, bei EnBW ausgestiegen?

Claassen: Ich erinnere mich an einen Sonntag im Frühjahr 2007, als ich erstmals mit meiner damals eineinhalbjährigen Tochter im Sandkasten war. Sie spielte begeistert mit ihren Förmchen, und ich hing rum, versuchte zu entspannen. In diesem Moment dachte ich, mit was für Dingen befasst du dich eigentlich, mit was für Absurditäten, mit welchen Erlebnissen? Ich ging zu meiner Frau ins Wohnzimmer und sagte: »Ich werde den Vertrag bei EnBW nicht verlängern.«

ZEIT: Aus heutiger Sicht...

Claassen: …hat mir die weitere Entwicklung Recht gegeben. Es war eine richtige Entscheidung.

ZEIT: Wie geht es weiter mit der Energiewende?

Claassen: Der neue Umweltminister Peter Altmaier macht bisher einen tollen Job. Ich sehe mit hohem Respekt, dass er mit einer energiepolitischen Lebenslüge nach der anderen aufräumt. Da die Regierung den Kernenergieausstieg bestimmt nicht nochmals relativieren will, wird man trotz Ausbau erneuerbarer Energien massiv in fossile Kraftwerke investieren müssen, um die Versorgungslücke zu schließen. Wir brauchen neue Gaskraftwerke, aber da derzeit niemand diese Kraftwerke baut, wird die Regierung finanzielle Anreize setzen müssen. Das wird die Steuerzahler am Ende sehr viel Geld kosten.

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ZEIT: Und wie geht es weiter mit Utz Claassen? Als Vorstandsvorsitzender von Solar Millennium haben Sie ja kurz nach Amtsantritt wieder gekündigt.

Claassen: Ich wurde über die tatsächlichen Verhältnisse dort massiv getäuscht. Später vor Gericht hat sich der Aufsichtsratsvorsitzende bei mir öffentlich und offiziell entschuldigt – ein vermutlich einzigartiger Vorgang. Damit dürfte alles gesagt sein

ZEIT: Sie prozessieren viel. Können Sie verstehen, wenn bei manchen der Eindruck entsteht, Sie prozessierten ein bisschen oft?

Claassen: Den Eindruck kann ich verstehen. Auch mir machen Prozesse keinen Spaß. Aber jeder einzelne Fall war bzw. ist begründet. Wenn mir massiv Unrecht geschieht, gehe ich dagegen vor. Das wird so bleiben.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen angemessenen Ton. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/kvk

    • cleteu
    • 11. August 2012 11:27 Uhr

    Ich hätte mir von der Zeit erwartet, dass Sie auch kritische Fragen stellt. Aus meiner Sicht hatte Claassen hier eine prima Gelegenheit sich als Heiliger darzustellen, Werbung für sein Buch und seine Weltanschauung zu machen. Falls ich einmal ein Buch schreiben sollten möchte ich bitte auch so ein Interview.

    Ach ja und noch ein Wort zu Mappus, ich finde es nicht mutig das Parlament und damit die Demokratie zu hintergehen und den Steuerzahler unnötig mit vielen Hunderten Millionen zu belasten, weil man sich davon für sich eine seine Kumpels einen Vorteil verspricht.

  2. 3. [...]

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/kvk

    Antwort auf "[...]"
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    [...] Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/kvk
    Dass dieser Herr die Machenschaften eines Mappus für mutig hält zeigt wes Kind dieser Herr ist. Vielleicht wird irgendwann rauskommen, dass sein Job bei Solar Millennium einzig dazu diente, diese in die Insolvenz zu treiben, und er dafür von einem Atomkonsortium bezahlt wurde.
    Weiterhin ist er angeklagt wegen Insiderhandels.
    Also bitte, liebe Redaktion, Ihr seht doch schon an der Reaktion der Kommentierenden, wer hier unangemessenes veröffentlicht.

    • IQ130
    • 11. August 2012 11:34 Uhr

    ist als Manager ustritten! Und solch einer wird in der Zeit präsentiert. Schämt Euch!

    "Öffentlich bekannt wurde Claassen zunächst als Vorstandsvorsitzender der EnBW (2003 - 2007) und anschließend im Zuge eines Rechtsstreits mit seinem Arbeitgeber Solar Millennium, den er in derselben Funktion nach 74 Tagen bereits wieder verließ. Trotz der kurzen Beschäftigungsdauer soll er Ansprüche auf Zahlungen in Höhe von rund neun Millionen Euro erlangt haben. Seine Forderungen gegen das Unternehmen versuchte Claassen gerichtlich durchzusetzen. Zunächst wurde ein Vergleich abgeschlossen, doch das weitere Verfahren verzögerte sich aufgrund der Insolvenz von Solar Millennium. Anfang April 2012 klagte Claassen erneut auf Schadenersatz in Höhe von 265 Millionen US-Dollar, diesmal vor einem Gericht in Kalifornien." (Aus Wikipedia)

    Soll das ein Vorbild sein?

  3. 5. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

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    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

  4. Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Danke. Die Redaktion/kvk

  5. ich will nicht noch mehr für die grüne Ideologie verschleudern in die Taschen der Ökoindustrie und deren Spendenempfängern.
    Da freut sich jetzt schon die kommende Generation, die darf den Unsinn auch noch weiter bezahlen.
    Das ist dann die versprochene strahlende Zukunft, allerdings nur für die Grünen, für die anderen eher nicht.

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    Sie haben vergessen, dass wir noch für Generationen
    den "Unsinn" der Kernenergielobby (Bau, Betrieb,
    Sicherung und ungewisse Endlagerung) bezahlen
    und die ewig stralenden Rückstände ertragen müssen!
    Zum Segen der Energiewirtschaft, zum Nachteil für
    unsere Gesellschaft ( Welchen Anteil an den
    europäischen Gesamtschulden hat eigentlich die
    Kern-Energielobby verursacht? ) Und was wird auf uns zukommen wenn in unserer Nähe ein Meiler havariert.
    Meine Prognose: Der nächste GAU wird in Frankreich
    stattfinden!

    ..kostet uns eine Energiewende viel Geld. Aber ihre Logik ist etwas...verdreht. Der günstige Atomstrompreis kommt nur zustande weil Uran nicht besteuert wird, und erhebliche Risiken und Probleme aus dem Geschäft der Energieriesen an die Steuerzahler ausgeliedert wurden (Endlagerung/Forschung/Entwicklung/Subventinierung/Abriss alte Akw´s etc etc).

    Die Wahrheit sieht wohl so aus, das die heute lebenden Menschen dafür zahlen müssen, das zukünftige Generationen einen relativ stabilen Strompreis haben werden und ingesamt die Umwelt geschont wird.
    Gerade bei Atomstrom ist es genau umgekehrt. Im grunde ist unsere gesamte Wirtschaft darauf aufgebaut, das spätere Generationen für unsere Fehler zahlen müssen.

    Also ist die Energiewende nichts anderes, als eine erfreuliche Abwechslung, die endlich mal eine wirkliche Investition in die Zukunft bedeutet.

    MfG

  6. Leider erläutert er nicht, wo die angekündigten Strompreissteigerungen denn her kommen sollen. Photovoltaik und mehr noch Windenergie sind inzwischen günstiger als der Strompreis für Endverbraucher. Auch lösen sich die konventionellen Kraftwerke, die man zum überbrücken der Flauten und Nächte braucht, durch den Ausbau der Windenergie nicht in Luft auf. Diese Kraftwerke sind bereits vorhanden und deren Betrieb ist im Standby sicher nicht teurer als unter Last.

    Das Gleiche gilt für die angekündigte Steigerung des CO2-Ausstosses. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass eine zunehmende Verlagerung der Energieerzeugung von Kohlekraftwerken (CO2-erzeugend) auf Photovoltaik (CO2-frei) mehr CO2 produzieren soll. Kernkraftwerke spielen in Deutschland so oder so eine untergeordnete Rolle, derzeit sind gerade mal noch 9 Reaktoren in Betrieb.

    Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe Politiker, die nicht ganz so schwarz sehen wie Herr Claassen. Die Preise an der Strombörse sind durch die bisherige Energiewende bereits gesunken und es gibt wenig Gründe, warum das nicht früher oder später auf den Endverbraucher-Preis durchschlagen sollte. Der Anteil der erneuerbaren Energien ist längst höher als der der Atomkraftwerke, irgendwelche Preisexplosionen sind jedoch oder gerade deswegen ausgeblieben.

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    Das ist das Pippi-Langstrupf-Land der Grünen. Wenn das alles so ist, wie Sie sagen, dann bitte die Förderungen komplett einstellen- sofort!

    • wd
    • 11. August 2012 17:11 Uhr

    Träumen Sie weiter Traumflug!
    Ein Kraftwerk im Standby hat Kosten, aber keine Einnahmen. Je länger dieses der Fall ist, desto eher muss es als Verlustbringer abgeschaltet werden!
    So langsam kotzt mich die Diskussion zu dem Thema an. Es wird nur mit Unterstellungen bei Personen argumentiert und die sachlichen Argumente fehlen oder sind teilweise schlicht und ergreifen blöd.

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