Italien : Er will noch mal

Kann Silvio Berlusconi wieder Ministerpräsident werden? Die Aussichten für Populisten sind gut, aber er ist nicht der einzige Profiteur der Krise.

Silvio Berlusconis römische Adresse hat sich nicht geändert. Noch immer hat der 75-Jährige eine Mietwohnung im barocken Palazzo Grazioli, die berüchtigt ist wegen der rauschenden Partys des Hausherren. Von solchen Festen hat man allerdings lange nichts gehört. Die jüngste Nachricht über den Palazzo Grazioli betraf die Bushaltestelle, die sich vor Berlusconis Wohnung befand und auf Wunsch des Ex-Premiers abgeschafft wurde – vorgeblich aus Sicherheitsgründen. Nun ist die Haltestelle für 17 Linien wieder in Betrieb. Ein symbolischer Akt: Seit Berlusconis Rücktritt im November 2011 scheint sich Italien in ein anderes Land verwandelt zu haben. Ein Land, in dem der einst mächtigste Mann nichts mehr zu sagen hat, denn jetzt regieren parteilose Experten statt Populisten. Das kann einem wie Berlusconi nicht gefallen. Viermal war er schon Ministerpräsident. Jetzt hat er angekündigt, 2013 zu versuchen, zum fünften Mal gewählt zu werden.

Berlusconi war monatelang abgetaucht. Den Parteivorsitz hatte er seinem Adlatus Angelino Alfano überlassen, einem 41-jährigen Sizilianer, der zusammen mit den ihm eigentlich spinnefeinden linken »Demokraten« die Regierung von Mario Monti unterstützt. Der neue Parteichef ging davon aus, dass er als Spitzenkandidat seines rechten »Freiheitsvolks« bei den Wahlen im Frühjahr 2013 antreten würde.

Aber dann meldete sich der Mieter aus dem Palazzo Grazioli plötzlich zurück. Vielleicht hat die Haltestelle Berlusconi darauf gebracht, dass er gänzlich in der Versenkung zu verschwinden droht: Schon ist seine Residenz nur noch eine ganz normale römische Adresse. Und die für den Bürger Berlusconi vorgesehene Bühne könnte bald nicht mehr das Parlament sein, sondern der Justizpalast in Mailand. Dort stehen Vertraute des Ex-Premiers wegen Förderung der Prostitution vor Gericht – sie sollen Berlusconi, der als Zeuge vernommen werden könnte, auch minderjährige Frauen zugeführt haben.

Berlusconis Ankündigung, als Spitzenkandidat der Rechten antreten zu wollen, überraschte viele, auch in der eigenen Partei. Roms Bürgermeister Gianni Alemanno etwa dementierte die Absichten seines einstigen Parteichefs. Und wurde prompt zurückgepfiffen. Alfano hingegen versicherte, er würde selbstverständlich aus der zweiten Reihe den politischen Ziehvater unterstützen: »Viele haben ihn zur Rückkehr gedrängt, auch ich.« Endgültig soll im September entschieden werden.

Berlusconis Rückkehr sei »das Letzte, was Italien jetzt braucht«, sorgte sich der britische Economist. Es sei schädlich für die Kreditwürdigkeit der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft, wenn monatelang über ein Comeback des Euro-kritischen Populisten spekuliert würde.

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Alptraum...

Die Vorstellung, dieser Duce-Verschnitt könnte tatsächlich wiederkehren, erinnert mich fatal an einschlägige Horrorfilme wie Halloween, in denen der Unhold durch nichts totzukriegen ist und am Ende immer wieder aufsteht, um neues Unheil anzurichten. Man kann wirklich nur hoffen, daß Italien und Europa eine Wiederkehr dieses Politiker gewordenen Alptaums erspart bleibt.

" wenn....jemand aus der Wirtschaft Kanzler werden könnte "

" Es wäre tatsächlich schön, wenn...jemand aus der Wirtschaft Kanzler werden könnte. Das ist aber kaum drinnen hier, weil unsere Demokratie einen erheblichen Defekt aufweist. "

Ja, am besten einen Multimilliardeur aus dem Medienbiz, wie Berlusconi, der weiss nicht nur, wie "man mit Geld umgeht" (am besten, das zusammengeraffte Vermögen das andere für einen erarbeitet haben, erst gar nicht ausgeben!), auch gleich wie man die Massen billig unterhalt!
Oder wenigstens Multimillionär. Vielleicht so ein sympathisch-bürgernaher CEO der Allianz?
Denn, es kann ja nicht sein, dass die denen das Land gehört, es nicht regieren dürfen.
Wo soll denn da noch der Anreiz für die Leistungsträger sein?

Zusammen mit allerhand Finanzexperten der Marke Asmussen lässt diese Regierung dann wohl selbst bei dem Dümmsten keine Frage mehr offen...

:-) ---

"Ich glaube, die Italiener würden ihn auch nur aus Trotz wiederwählen. Einfach nur um der europäischen Politik-Elite eins auszuwischen"

oh ja..das wäre ein plausibler Grund, aber Nein, das wird auch nicht passieren..

Silvio hat es nicht kapiert...möchte er ein Dämpfer? Bekommt er das auch...

So hat es ausgesehen vorm Parlament als Berlusca am 12 November 2011 abdanken musste...inklusive improvisierte Konzerte ... ne, ganz so blöd sind wir nicht..

http://www.youtube.com/wa...

Grüße ;)