GewaltDas Verhängnis

Klaus Schulz ist ein einfacher Mann, bei den Frauen hat er kein Glück. Als er auf die blonde Sandra trifft, tut er alles, um sie für sich zu gewinnen. Die Geschichte eines Verbrechens aus Liebe.

Das Unglück des Klaus Schulz* beginnt an dem Tag, als er sich endlich verliebt. Es ist ein Nachmittag im Juli 2006. Kurz nach 17 Uhr stellt Schulz seinen silbernen Mercedes an einer Tankstelle in Halle an der Saale ab. Es ist heiß und schwül. Feierabendverkehr donnert nebenan auf zwei Spuren stadtauswärts. Während Schulz tankt, sieht er im Schatten des Vordachs eine Frau stehen: schwarze Jeans, schwarzes Top, lange, wasserstoffblonde Haare – er schaut direkt noch mal hin. Wie schön sie ist, sagt er sich und blickt zu Boden. Klaus Schulz, 36, ledig, hat seit elf Jahren keine Freundin. Die Frau kommt auf ihn zu. »Hallo«, sie lächelt ihn an. »Kann ich was für dich tun?«

Fünf Jahre später, als er sich an diese Szene erinnert, ist es wieder Sommer. Plattes Land, Weizenhalme wiegen sich im Wind, dahinter eine Festung aus grauem Beton: die Justizvollzugsanstalt Burg, 120 Kilometer nördlich von Halle. Eine fünf Meter hohe Mauer, nach oben abgeschlossen von dicht gerolltem Stacheldraht, dann ein Graben, eine zweite Mauer. Dahinter, separat eingezäunt, eine betonierte Fläche für den Hofgang der Gefangenen. Sie ist mit Seilen überspannt, um zu verhindern, dass Häftlinge mit einem Hubschrauber befreit werden können. In der Einfahrt gibt es einen Herzschlagdetektor, der Menschen aufspüren kann, die sich in Wäschekörben verstecken. Die JVA Burg gilt als eines der sichersten Gefängnisse Europas.

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Klaus Schulz sitzt in einem Besuchsraum, drei stoffbezogene Stühle, weiße Wände, ein Tisch aus Kunststoff, rechts oben in der Ecke hängt eine Überwachungskamera. Er trägt eine weite Jogginghose, die Jeans aus der Kollektion der Anstaltskleidung passen ihm nicht. Klaus Schulz ist 1,96 Meter groß, und alles an ihm ist riesig, sein Kopf, seine Arme, seine Hände, die sich bei der Begrüßung so anfühlen, als könnten sie aus Versehen Finger brechen. Aber Schulz lächelt freundlich, fast schüchtern, er wirkt nicht bedrohlich, eher wie Balu, der gutmütige Bär aus dem Dschungelbuch. »Is alles blöd jelofen«, sagt er. Er spricht diesen sachsen-anhaltinischen Dialekt, der wie eine Mischung aus Berlinerisch und Sächsisch klingt. »Es kann sein, dass ich ein bisschen weine«, sagt er. »Ich habe eben in die Flamme vom Schweißbrenner geguckt.«

Schulz arbeitet in der Gefängniswerkstatt. An seinem linken Daumen klafft eine breite Schnittwunde. »Da habe ich mich mit der Flex geschnitten.« Er lacht. »Ich bin nicht der Typ, der Sicherheitshandschuhe anzieht. Wenn ich blute, sage ich mir immer: Ich habe jetzt keine Zeit zu bluten.« Dann blickt er sich ernst in dem fensterlosen Raum um. »Aber den ganzen Tag hier drinnen im Gefängnis, das ist furchtbar für mich. Ich brauche die Luft an meinen Ohren.« Der Fahrtwind bei offenem Fenster, der hat ihn früher glücklich gemacht.

Die Gerichtsakte von Klaus Schulz erzählt eine traurige Geschichte. Sie handelt von der Suche nach Liebe in jenem Teil der Gesellschaft, von dem viele aus der Mittel- und Oberschicht kaum etwas wissen. Dort, wo Schulabschlüsse, feste Jobs und stabile Beziehungen selten sind, kann eine funktionierende Partnerschaft die Rettung sein. Die Liebe verheißt lebenswichtigen Halt, weil es kaum etwas gibt, worauf die Menschen sich verlassen können. Am Rande der Gesellschaft ist es nicht leicht, das Gefühl zu entwickeln, liebenswert zu sein.

Trotzdem schlägt sich Klaus Schulz gut in dieser Welt, so gut, dass der vom Gericht bestellte Psychiater später sagen wird, seine biografische Entwicklung sei »bewundernswert« gewesen. Ungeachtet einer »leichten Intelligenzminderung«: Schulabschluss, 13 Jahre im selben Beschäftigungsverhältnis, gute Integration. Klaus Schulz hat seinen Vater bis zum Tod gepflegt, er hat Freunde. Alles geht einigermaßen gut – bis zu diesem Julitag.

Leserkommentare
  1. 33. Also..

    ...ich kann ihrer Argumentation nicht folgen.

    "Das hinter jeder Straftat eine Persönlichkeit steht ändert nichts daran das "Klaus" strafrechtlich Täter ist. "

    Steht irgendwo in dem Artikel etwas anderes? Warum nicht einen Artikel schreiben über die Persönlichkeit eines Täters und seine Motivation? Täter, egal welche Straftat sie beganngen haben, sind auch immer noch Menschen. Haben Mütter, Freunde und können wie andere Menschen auch gute und weniger gute Seiten haben. Law und Order Weisheiten sind immer etwas einfach in meinen Augen.

    "Und die Anonymisierung der Namen hätte sich der Autor sparen können da mit einer Suchmaschine und den Informationen aus dem Text die Klarnamen teilweise herauszufinden sind. "

    Teilweise, hat zumindest also teilweise die Anoymisierung funktioniert, oder?! Das sie nicht völlig funktionieren konnte dürfte wohl hauptsächlich an Bild "Artikeln" liegen.
    Aber wie will man sonst so einen Artikel schreiben?

    Ganz nebenbei, wiso soll der eigentlich schlecht recherchiert und fahrlässig sein?

    Letzendlich. Wenn sie ihre Zeit demnächst besser verwalten wollen, lesen sie die Einleitung des zu lesenden Artikels genauer.

    Herr Schulz war recht mutig ein Interview zu geben. Vorallem seine Ehrlichkeit ist schon erstaunlich.
    Auch wenn ich denke das er wohl nie ganz verstehen wird, wie seine Traumfrau wirklich tickt.

    Der Artikel, der !!nichts kostet!! außer Zeit ;), hat mir gefallen.

    MfG

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "und noch eine"
  2. Sie haben das Gefuehl eines Steinbruchs.

    Der Artikel sagt er ist etwas geistig behindert. Dazu kommt noch das er fast keine Erfahrung mit Frauen hatte.

    Die Brandstiftungen zeigen an das er geistig verstoert ist.

    An stelle des Gefaengnis hattete den in eine Psychologische Behandlung in ein Krankenhaus schicken sollen um ihm von seinem "Traum"zu befreien.

    Mir tut der Kerl leid.

    Man sieht genug Anzeichen das er nicht alle Tassen im Schrank hat.

    In einer Gesellschaft wo man Drogensuechtige unterstuetzt
    das sollte man geistig Behinderten auch helfen.

    Das die Bild Zeitung ihn laecherlich machte mich nicht
    ueberrascht. In der Nachkriegszeit als ich in D aufwuchs hat man sich den Hintern mit dieser Zeitung abgewischt weil es billiger war als Toilettenpapier. Der Inhalt der Zeitung passte diesen Gebrauch.

    Ich bin schon mehr al vier Jahrzehnte weg aber wenn ich am internet lse das es diese Zeitung noch gibt da wundere ich mich immer ueber den Intellekt der Bevoelkerungdie das Blatt liest.

    Als ich aufwuchs kostete das Blatt 10 Pfennig. Da war ein spaerlich gekleidetes maedchen ueber die Vorderseite uaslegt und ein bisschen sport auf der Rueckseite und Krampf auf den zwei Innenseiten. Politisch war das Blatt rechts von Hitler sagte meine Mutter.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Täterentschuldigung"
  3. ...und gute Kommentare.

    • Ullli
    • 12.08.2012 um 9:32 Uhr

    Die Problematik "Frauenmangel" wird leider von deutschen Politikern verdrängt. Klaus Schulz, der sympathische Protagonist dieser Geschichte, würde nicht im Gefängnis sitzen, wenn er frühzeitig eine nette Freundin gefunden hätte.
    Manche junge Männer, die in Ostdeutschland vergeblich eine Ehefrau suchen um eine Familie zu gründen, entwickeln Groll gegen das politische System und das Umfeld und lassen sich von der NPD aufhetzen. Die etwas cleveren unter den ostdeutschen Junggesellen - zumal mit guten Englischkenntnissen - suchen sich in Ländern wie Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam oder auf den Philippinen eine nette Braut. Die Familienzusammenführung nach erfolgter Heirat in Südostasien dauert erfahrungsgemäß aufgrund der schikanösen Gesetzeslage in Deutschland meist deutlich länger als sechs Monate. Mir sind inzwischen bereits einige Fälle bekannt, nach denen in Südostasien geschlossene Ehen zwischen ostdeutschen, berufstätigen Männern und ihren asiatischen Ehefrauen nach einem Jahr wieder geschieden wurden, weil die Frauen aufgrund des fehlenden Sprachzertifikates Deutsch A 1 kein Visum für die Einreise nach Deutschland bekamen, obgleich sich beide Ehepartner hervorragend in englisch verständigen konnten.

    Eine Leserempfehlung
  4. betruegerin! Die Frau war wahrscheinlich schon seit langer Zeit drogenabhaengig aber Hr. Schulz hat in seiner Verblendung Liebe mit Sex verwechselt! Zudem hat er fuer diese Frau wahrscheinlich, wie alle blind verliebten versucht, kalte Drogenentzuege zu machen! Zudem war Hr. Schulz in seiner Hochphase als absolut hoerig und auch schwer einzuschaetzen! Aber dass Hr. Schulz nicht verstanden hat, dass er eine Illusion geliebt hat, die lediglich mit dem Namen Sandra bzw. Sarah bezeichnet wird und als Phaenomen bezeichnet wird! Diese Umstaende koennten auch unter den Namen Anne usw. stattgefunden haben! Dadurch wird klar, dass diese Story eigentlich nur innerhalb zusammengeschachtelter Halbwahrheiten existiert. Differenziert man jedoch die einzelnen Handlungsstroeme sieht man, dass unterschiedliche Personen strafbare Taten begangen haben, aber nicht das personifizierte Individuum, sondern eben eine drogenkranke Frau, die haeufig ihre Standorte wechselte und fuer die sogar der Hr. Schulz eine Telefonkarte besorgte und sogar KLauen ging! Auch wenn das jetzt hart klingt, aber es waere gut, wenn Hr. Schulz die Handlungsstroeme auseinander differenziert und so sein eigenes Handeln, mit seinen eigenen Schlussfolgerungen und mit seinen eigenen Reaktionen analysieren koennte! So wuerde er verstehen, dass aufgrund seiner Verliebtheit eine Eifersucht hinzukam, welche aufgrund von verschiedenen Annahmen seinerseits zu falschen Schlussfolgerungen fuehrten.

  5. Das bedeutet nicht, dass Hr. Schulz dumm ist, sondern nur, wie es bei den meisten Menschen ist, wenn sie verliebt sind, dass die Emotionen, wenn sie nicht mehr selbst steuerbar sind, auch in den rationalen Bereich hingelangen und so das Aussteigen aus diesem Kreislauf nicht als Moeglichkeit in Betracht gezogen wird. Denn im Grunde geht es zwischen den Grad wann ist Liebe schaedlich und wieviel kann ich geben, ohne selbst kaputt zu gehen!

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    Ich würde mal behaupten, das so eine Frau eben auch Beschützerinstinkte in so einem Mann wecken kann.

    Einen Drang zu helfen und zu beschützen.

    In seinem fall kommt dann noch dazu, das er ein Familienmensch ist, recht "behütet" aufgezogen wurde und wahrscheinlich naiver als der durschnitts Mensch ist.

    Er war der Situation letzendlcih einfach nicht mehr gewachsen.

    Ich würde mal behaupten, das so eine Frau eben auch Beschützerinstinkte in so einem Mann wecken kann.

    Einen Drang zu helfen und zu beschützen.

    In seinem fall kommt dann noch dazu, das er ein Familienmensch ist, recht "behütet" aufgezogen wurde und wahrscheinlich naiver als der durschnitts Mensch ist.

    Er war der Situation letzendlcih einfach nicht mehr gewachsen.

  6. Ich würde mal behaupten, das so eine Frau eben auch Beschützerinstinkte in so einem Mann wecken kann.

    Einen Drang zu helfen und zu beschützen.

    In seinem fall kommt dann noch dazu, das er ein Familienmensch ist, recht "behütet" aufgezogen wurde und wahrscheinlich naiver als der durschnitts Mensch ist.

    Er war der Situation letzendlcih einfach nicht mehr gewachsen.

    Antwort auf "Ergaenzung"
  7. Die Mutter hatte was gegen die erste und die zweite Freundin. Sandra war, ganz wertungsfrei, mit ihm nur wegen des Geldes zusammen. Sandra kommt ohne Heroin nicht klar. Sandra hat nen anderen... Böse, böse Frauen überall. Hier sind so viele versteckte Wertungen drin, dass sie schon allein durch die Häufung auffallen müssten.

    Antwort auf "Spannend"

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