LiebeskolumneDarf sie den Streit mit Sex beilegen?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Stimmt Sex versöhnlich? von Wolfgang Schmidbauer

Die Frage:  Dagmar und Ulrich kennen sich jetzt seit zwei Jahren. Sie unternehmen viel zusammen und planen, zusammenzuziehen, wenn Dagmar schwanger wird. Sie ist die Unbekümmertere von beiden, schnell mit Meinungen bei der Hand, diskussionsfreudig – »Du redest schneller, als ich denken kann«, sagt Ulrich manchmal.

Wenn sie sich streiten, zieht sich Ulrich in ein Schneckenhaus zurück. Dagmar versucht dann, ihn zu verführen. Sie findet zwar nach wie vor, dass sie im Recht ist, aber sie findet auch, dass es keinen Sinn macht, deshalb auf Sex zu verzichten. Im Gegenteil: So versöhnen sie sich doch am besten! »Lass mich. Das ist mir zu oberflächlich«, sagt Ulrich in solchen Situationen gerne.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Dagmar ist nicht oberflächlicher als Ulrich, sie geht nur anders mit Störungen um. Aggression und Sex verhalten sich wie Pfeffer und Suppe – manche Menschen vertragen mehr als eine Prise Pfeffer gut, andere möchten die Suppe lieber sanft gewürzt. Allen ist klar, dass Suppe nährt, Pfeffer würzt. Eine Frage des Geschmacks, keine Frage von gut oder schlecht.

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Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer  |  © Neophoto/Photocase

Dabei spielt es eine Rolle, ob Liebende akzeptieren, dass mäßige Aggressionsäußerungen der Liebe nicht schaden, oder ob sie glauben, Liebe und Aggression verhielten sich wie Feuer und Wasser. Partner, die sich liebevoll streiten können, entwickeln eher eine Beziehung, die dem Chaos des Alltags mit Kindern standhalten wird.

Wolfgang Schmidbauer

ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen

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Leserkommentare
  1. auf eine flache Vorlage.
    Der liebe Ullrich sollte sich mal fragen, ob er eine Partnerin (und potentielle Mutter der gemeinsamen Kinder) will, die ihn immer wieder verbal ins Schneckhaus drückt sich dabei gern im Recht fühlt (scheinbar ohne dass die beiden irgendwas irgendwie klären) und ihn dann zwecks Sex wieder rausholt.
    Wenn ein Mann so agiert, nennen das geneigte Kreise "Missachtung und Unterdrückung"

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    ... ob sie tatsächlich mit einem Parnter zusammen sein will, der immer einen Rückzieher macht, auf sein Recht pocht und dann auf Kompromißversuche (Sex) erstmal nicht eingehen will.
    Wenn ein Mann so passiv agiert, nnen das geneigte Kreise "Schwächling und Weichling"

  2. ... ob sie tatsächlich mit einem Parnter zusammen sein will, der immer einen Rückzieher macht, auf sein Recht pocht und dann auf Kompromißversuche (Sex) erstmal nicht eingehen will.
    Wenn ein Mann so passiv agiert, nnen das geneigte Kreise "Schwächling und Weichling"

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    wenn Sie Sex für einen dauerhaft tauglichen Kompromiss in Streitfragen halten. Was ändert Sex am Konfliktgrund?

  3. ...Streitigkeiten mit Hilfe von Sex beilegen? Die Bonobos machen das genauso, und zwar mit Erfolg.

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  4. wenn Sie Sex für einen dauerhaft tauglichen Kompromiss in Streitfragen halten. Was ändert Sex am Konfliktgrund?

    2 Leserempfehlungen
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    ...und trotzdem, warum nicht danach weiterstreiten?

    • hirmer
    • 19. August 2012 16:11 Uhr

    Fall 1 (nach Loriot)
    Mann (genervt): Es ist mir egal, ob du das blaue oder das grüne Kleid anziehst!
    Frau (wütend): Ich bin dir also egal!!!

    In diesem Fall hilft Sex garantiert und beide stellen nachher fest ihr Streit war Kokolores.

    Fall 2, Streit um Wesentliches, die störenden Angewohnheiten, das Geld, die Zukunftsplanung ...

    In diesem Fall schadet Sex nichts.

    Nachher kann man ja - entspannter - weiterstreiten. Wie wär's auch mit einer Streitkultur, z.B. nicht sagen: "Du machst immer " oder "Alles Blödsinn!" sondern "Ich hätte gerne/Mich stört", "Bedenke mal dies".

    Fall 3, Streit um Fundamentales
    Wenn Mann oder Frau sagt, seit zehn Jahren sage ich dir, dass dies oder jenes für mich wesentlich ist und du machst es nicht - dann hilft auch kein Sex mehr, er wird nicht mehr angenommen.

    Ihr lieben Leute, die Ihr glücklicherweise in einer Partnerschaft seid, lernt Streitkultur und nutzt die Möglichkeit, regelmäßig Sex zu haben.

  5. hahahhh! interessanter ansatz...

  6. ...und trotzdem, warum nicht danach weiterstreiten?

    • hirmer
    • 19. August 2012 16:11 Uhr

    Fall 1 (nach Loriot)
    Mann (genervt): Es ist mir egal, ob du das blaue oder das grüne Kleid anziehst!
    Frau (wütend): Ich bin dir also egal!!!

    In diesem Fall hilft Sex garantiert und beide stellen nachher fest ihr Streit war Kokolores.

    Fall 2, Streit um Wesentliches, die störenden Angewohnheiten, das Geld, die Zukunftsplanung ...

    In diesem Fall schadet Sex nichts.

    Nachher kann man ja - entspannter - weiterstreiten. Wie wär's auch mit einer Streitkultur, z.B. nicht sagen: "Du machst immer " oder "Alles Blödsinn!" sondern "Ich hätte gerne/Mich stört", "Bedenke mal dies".

    Fall 3, Streit um Fundamentales
    Wenn Mann oder Frau sagt, seit zehn Jahren sage ich dir, dass dies oder jenes für mich wesentlich ist und du machst es nicht - dann hilft auch kein Sex mehr, er wird nicht mehr angenommen.

    Ihr lieben Leute, die Ihr glücklicherweise in einer Partnerschaft seid, lernt Streitkultur und nutzt die Möglichkeit, regelmäßig Sex zu haben.

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  • Serie Liebeskolumne
  • Schlagworte Wolfgang Schmidbauer | Recht | Aggression | Alltag | Beziehung | Chaos
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