Die Frage:  Dagmar und Ulrich kennen sich jetzt seit zwei Jahren. Sie unternehmen viel zusammen und planen, zusammenzuziehen, wenn Dagmar schwanger wird. Sie ist die Unbekümmertere von beiden, schnell mit Meinungen bei der Hand, diskussionsfreudig – »Du redest schneller, als ich denken kann«, sagt Ulrich manchmal.

Wenn sie sich streiten, zieht sich Ulrich in ein Schneckenhaus zurück. Dagmar versucht dann, ihn zu verführen. Sie findet zwar nach wie vor, dass sie im Recht ist, aber sie findet auch, dass es keinen Sinn macht, deshalb auf Sex zu verzichten. Im Gegenteil: So versöhnen sie sich doch am besten! »Lass mich. Das ist mir zu oberflächlich«, sagt Ulrich in solchen Situationen gerne.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Dagmar ist nicht oberflächlicher als Ulrich, sie geht nur anders mit Störungen um. Aggression und Sex verhalten sich wie Pfeffer und Suppe – manche Menschen vertragen mehr als eine Prise Pfeffer gut, andere möchten die Suppe lieber sanft gewürzt. Allen ist klar, dass Suppe nährt, Pfeffer würzt. Eine Frage des Geschmacks, keine Frage von gut oder schlecht.

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Dabei spielt es eine Rolle, ob Liebende akzeptieren, dass mäßige Aggressionsäußerungen der Liebe nicht schaden, oder ob sie glauben, Liebe und Aggression verhielten sich wie Feuer und Wasser. Partner, die sich liebevoll streiten können, entwickeln eher eine Beziehung, die dem Chaos des Alltags mit Kindern standhalten wird.