Norwegen: Der kalte Weg in die Hölle
Der Architekt Peter Zumthor und die Künstlerin Louise Bourgeois haben am Polarkreis ein Mahnmal aufgestellt. Es erinnert an ein dunkles Kapitel der norwegischen Geschichte. Unterwegs in einer Region der Extreme.
Elsebe Knudsdatter, verheiratete Frau, wohnhaft in Kiberg, denunziert von ihren Nachbarn, an Händen und Füßen gefesselt, ins eiskalte Polarwasser geworfen und wieder herausgefischt, hatte am Ende keine Kraft mehr. Also gestand sie. Ja, sie habe den verstorbenen Henrich Meyer verzaubert. Ja, sie habe das Unwetter heraufbeschworen, in dem viele vor Kiberg ertrunken waren. Ja, sie habe den Bauch von Oluf Schwede wie Feuer brennen lassen, bis dieser seine Schulden beglich. Und, ja, sie habe Blitz und Donner zu Oluf Jacobsen geschickt, weil der ihrem Mann nicht dienen wollte. Viermal Ja – und kein bisschen wahr.
Alle angeblichen Schandtaten der Elsebe Knudsdatter sind festgehalten in Gerichtsfolianten aus dem 17. Jahrhundert, aufbewahrt im Norwegischen Staatsarchiv von Tromsø. Der Prozess in der Festung Vardøhus war kurz. Am 27. Januar 1621 starb die verurteilte Hexe Elsebe Knudsdatter auf dem Scheiterhaufen, neben ihr verbrannten elf weitere Frauen.
Ein Besuch an historischer Stätte im Juni 2012. Das Dorf Vardø ist Norwegens letzte Siedlung im hohen Nordosten. Die Wolken hängen tief, noch tiefer fliegen die Schwalben. Jetzt im Sommer wechselt das Licht zwischen milchig-weiß am Tag und gelb-weiß in der Nacht. Die Mitternachtssonne steht hoch am Himmel. Im Winter ist es dafür fast drei Monate lang durchgehend dunkel. Die Häuser von Vardø ducken sich auf einem Felsen in der Barentssee, versprengte Trutzburgen, denen der salzige Wind die Fassaden anfrisst.
Hier oben in der Region Finnmark, auf über 70 Grad nördlicher Breite, wurden im 17. Jahrhundert knapp 100 Männer und Frauen wegen Hexerei angeklagt und verurteilt. Das war, gemessen an der spärlichen Besiedlung der Gegend, eine erschreckend hohe Zahl. Seit einem Jahr erinnert ein Mahnmal an die Toten. Das Steilneset Memorial ist nicht einfach zu finden, Wegweiser gibt es keine. »Hinter dem Friedhof rechts rum«, heißt es in der Touristeninformation, vorbei am Asia-Imbiss und am Sonnenstudio, bis zum Dorfrand, wo schon die Barentssee am Land leckt. Dort, am lebensfeindlichen Rand des Kontinents, haben, unwahrscheinlich genug, zwei weltberühmte Künstler zusammengearbeitet: der Schweizer Architekt Peter Zumthor und die amerikanische Bildhauerin Louise Bourgeois.
Von Weitem gleitet der Blick fast über das Mahnmal hinweg. Dabei ist das Holzgestell, das Zumthor auf den Strand setzen ließ, über 100 Meter lang – und der begehbare Kubus daneben, entworfen von Louise Bourgeois, höher als manch ein Wohnhaus in Vardø. Beide Künstler haben maximale Zurückhaltung geübt. Zumthors Gestell trägt kiefernholzbraune Tarnfarbe und erinnert an die Anlagen, die im Norden Norwegens zum Trocknen von Fisch verwendet werden. Und Bourgeois’ Kubus schimmert dunkel wie die Steine, über die bei Flut das Meerwasser schwappt.
Die Geschichte, an die das Mahnmal erinnert, verträgt keine schrillen Farben. Ebenhier unterzogen die Häscher des Gerichts vor 400 Jahren alle Verdächtigen der Wasserprobe. Die Angeklagten wurden gefesselt und in die Wellen geworfen. Gingen sie unter oder drohten zu ertrinken, dann waren sie entlastet. Trieben sie oben, galt das als Beweis ihrer Schuld. Sie endeten auf dem Scheiterhaufen.
Doch das Mahnmal soll nicht nur dem Gedenken aufhelfen, sondern auch dem Fremdenverkehr. Steilneset wurde hauptsächlich vom Osloer Amt für öffentliche Wege bezahlt, einem Ableger des Verkehrsministeriums. Das Amt legt derzeit 18 Tourismusrouten mit architektonischen Wegmarken im Land an. Die Varanger-Route, die neben Vardø auch die umliegenden Orte Varangerbotn, Vadsø und Hamningberg umfasst, ist die nördliche Spitze des Programms und wurde gerade erst eingeweiht.
Die Straße entlang der Route ist ein schmaler Asphaltstreifen, der manchmal so dicht an die Küste heranführt, dass man meint, die Gischt würde einem direkt vor die Motorhaube spucken. Die Dörfer liegen eine Autostunde und mehr voneinander entfernt. Das Thermometer ist auf über zehn Grad Celsius geklettert, Grund genug für manch einen Einheimischen, die T-Shirt-Ärmel über die Schultern zu krempeln.






auch kein "schlechtes Wetter" nur eben die passende Kleidung.
Unwetter - das müssen schon sehr schwarze Wolken und Stürme sein, die da aufgezogen sind,
aber ein paar Tropfen Regen, das ist wohl eher Normalität im Norden gerade im Sommer.
Hier sind Fotos:
http://www.archdaily.com/...
Und hier ein Video:
http://www.youtube.com/wa...
Den Kubus mit der Arbeit von Louise Bougeois finde ich beeindruckend.
Danke für die Reportage.
Einige deutsche Stadt- und Gemeinderäte - darunter auch Köln, soweit ich mich erinnere - haben die Opfer der Hexenverfolgung in den letzten Jahren (symbolisch) rehabilitiert.
Vielleicht eine Idee, die man auch in anderen Städten umsetzen könnte?
... die auch eine "reiche" dahingehende Geschichte hat, gerade abgelehnt. Siehe hier:
http://www.infranken.de/n...
... die auch eine "reiche" dahingehende Geschichte hat, gerade abgelehnt. Siehe hier:
http://www.infranken.de/n...
... die auch eine "reiche" dahingehende Geschichte hat, gerade abgelehnt. Siehe hier:
http://www.infranken.de/n...
Vielleicht einigt man sich ja noch auf ein Mahnmal. Das Beispiel Steilneset zeigt ja, wie man so etwas umsetzt.
Vielleicht einigt man sich ja noch auf ein Mahnmal. Das Beispiel Steilneset zeigt ja, wie man so etwas umsetzt.
Vielleicht einigt man sich ja noch auf ein Mahnmal. Das Beispiel Steilneset zeigt ja, wie man so etwas umsetzt.
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