Stilkolumne : Pixel zum Anziehen

Fotodrucke waren lange etwas für Leute, die von Mode nichts verstanden. Mittlerweile sind sie zu einer eigenen, leuchtenden Designtechnik geworden.
Fotoprints auf Shorts von Orlebar Brown © Peter Langer

Ein Foto auf ein Kleidungsstück zu drucken war einmal eine Sache für Junggesellenabschiede, wo alle das Bild des künftigen Bräutigams über den Bauch spannten. So ein Foto, auf ein T-Shirt gedruckt, hatte allenfalls drei Graustufen und war oft noch mit einer zähen eingebügelten Folie verbunden, die schwitzig auf der Haut klebte. Das wollte man allerhöchstens einen Tag lang tragen. Darum war es auch sehr praktisch, dass sie allesamt nach einem Waschgang verblichen waren, die Fotodrucke. Auch in der Mode hatten sie es lange Zeit schwer. Ein Kleidungsstück zu bedrucken galt als allzu simple Art des modischen Ausdrucks. Viel anspruchsloser etwa, als einen besonderen Schnitt zu entwerfen oder Stickereien. Drucke waren etwas für Leute, die von Mode nichts verstanden.

Aber mit der Digitalisierung entwickelten sich immer feinere Verfahren für Fotodrucke – sie wurden qualitativ immer besser. Und irgendwann war es möglich, auf feinem Stoff fast ebenso brillant zu drucken wie auf Papier.

Im Jahr 2008 begeisterte der Designer Christopher Kane mit seinen Gozilla- und Galaxy-Prints . Und das Genie Alexander McQueen verliebte sich so in die Möglichkeiten von Fotografie auf Kleidungsstücken, dass seine Entwürfe schier hypnotische Formen annahmen.

Eine unerreichte Professionalität entwickelte Albert Kriemler mit den Fotodrucken für sein Labels Akris. Oft geht die gesamte Kollektion von einem Foto aus, das er in ungeheuer eindrucksvollen Farben auf ein Kleid druckt. So stand ein Bild des Darmstädter Hochzeitsturms mit seinen Farben und Details Pate für ein ganzes Defilee von Outfits, in denen sie sich immer aufs Neue wiederholten.

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Aus den Rallyestreifen der Formel-Eins-Rennwagen in Monaco zauberte Kriemler ein Streifenmuster für ein Kleid, und ein buntes Muster auf einer Hose entpuppte sich bei genauer Betrachtung als Foto von einer Menschenmasse. So sind Fotoprints heute zu einer Kunsttechnik geworden. Ihre Dreidimensionalität erzielt illusionistische Wirkungen bis hin zum Trompe-l’Œil-Effekt. Sie stellen die Frage nach Schein und Realität, Erwartung und Wirklichkeit. Und sie lenken den Blick auf bestimmte Körperpartien.

Fatal und natürlich unbedingt zu vermeiden ist dieser Effekt allerdings bei T-Shirts zu Junggesellenfeiern.

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