Internetunternehmen : Vier Sheriffs zensieren die Welt

Wie Apple, Facebook, Amazon und Google dem Internet ihre Gesetze aufzwingen.

Die Antworten sind beängstigend: Alles sei bloß »ein Test«. Oder: »Statistik. That’s all.« So fertigen sonst Herrscher ihre aufgeregten Untertanen ab: Macht euch keine Sorgen. Ihr braucht nichts zu wissen. Wer fragt, der stört.

Genau dann aber muss man sich Sorgen machen. Große Sorgen.

Ein Test. Statistik. Das waren Reaktionen eines Mitarbeiters von Facebook gegenüber kritischen Mitgliedern des Sozialen Netzwerks. »Blockwart 2.0« und »stasimäßig, das Ganze« hatten sie geschimpft, weil Facebook sie über ihre Bekannten ausfragte. Den Computersystemen von Facebook waren zuvor nämlich etliche Nutzer aufgefallen, die anscheinend Pseudonyme statt ihrer richtigen Namen verwendeten. Nun entspricht es aber nicht der Geschäftsphilosophie des Hauses, dass seine Mitglieder Geheimnisse haben. Also ließ Facebook vor wenigen Wochen seine Software den Bekanntenkreis der Verdächtigen ausfindig machen und dort nachfragen: »Ist dies der wahre Name deines Freundes?«

Ein Test? Was für ein Test? Ob Menschen bereitwillig ihre Freunde verraten, wenn eine Software sie dazu auffordert?

Facebooks Schnüffelei ist nur ein Fall von vielen, in denen führende Konzerne den Internetnutzern mit fragwürdigen Methoden ihre Regeln aufzwingen. Etwa zeitgleich verweigerte Apple die Freigabe für ein satirisches Spiel, das Frederic Jacobs aus San Francisco für das iPhone programmiert hat. Es heißt Angry Syrians und kritisiert in bunter Comic-Optik das brutale Regime von Präsident Baschar al-Assad. Warum es bei Apple nicht erscheinen durfte? Weil es angeblich »diffamierend oder beleidigend« gewesen sei, berichtet der Programmierer.

Apple unterdrückt eine politische Meinungsäußerung. Wie oft wohl noch?

Oder Amazon: nahm Anfang Juni das Schwarzbuch WWF vorübergehend aus dem Programm. Der Autor Wilfried Huismann warf darin der Umweltorganisation große Nähe zur Industrie vor, ein juristischer Streit zeichnete sich ab. Amazon verbannte das Buch, noch bevor die Richter die Vorwürfe beurteilten. Aber bedeutet das angesichts der Marktmacht von Amazon nicht, dass faktisch ein einzelner Konzern im Wesentlichen entscheidet, was gelesen wird?

Oder Google: filtert die Ergebnisse seiner Suchmaschine weltweit mal nach politischen Vorgaben, mal nach unterstellten persönlichen Interessen der Nutzer. Jedenfalls nicht immer so neutral, wie es das schlichte Weiß der Internetseite suggeriert.

Was passiert hier?

Das Internet war mal ein Ort der Freiheit. Wo man unbekannte Welten entdecken und sich dabei auch schon mal verlaufen konnte. Ein Ort, anarchisch zwar und wild. Aber frei.

Heute gibt es Apple, Facebook, Google und Amazon. Vier amerikanische Konzerne beherrschen das Internet und zählen zusammen einen signifikanten Anteil der Weltbevölkerung zu ihren Kunden. Sie vereinen rund 80 Prozent des grenzüberschreitenden Datenverkehrs auf sich. 40 Prozent der Zeit, die Menschen online verbringen, vereinen die Seiten der großen vier auf sich. Facebook hat zehnmal mehr Nutzer als Deutschland Einwohner. Google beantwortet eine Milliarde Suchanfragen pro Tag.

Die vier Konzerne definieren das Netz, überziehen es mit Weltanschauungen, Moralvorstellungen, Ideen von Gut und Böse. Sie haben eine digitale Welt geschaffen, die mehr an ein autoritäres Disneyland erinnert als an einen wilden Dschungel. Teils aus eigenem Antrieb, teils von Regierungen dazu gezwungen, schaffen sie Fakten und setzen Regeln, die für alle gelten sollen. So werden sie immer wieder zu potenten Zensurmaschinen, zu Gedankenwächtern der Gegenwart. Zu Instrumenten der Lenkung.

Und die Gelenkten?

Während sich die Mitglieder der 68er-Generation noch empörten und aufstanden gegen die Macht von Konzernen und Staaten, verpufft der Widerstand der Netzgemeinde wie der gegen Facebooks Namens-Schnüffelei nach wenigen Tagen. So stark ein Shitstorm, ein kollektiver Wutausbruch also, auch sein kann – so schnell ist er oft wieder vorbei. Der großen Mehrheit der digital natives und digital immigrants geht schnell die Puste aus, oder sie bleibt gleich ruhig. »Die Leute wollen das nächste Ding«, sagte Apple-Chef Tim Cook vor ein paar Tagen lapidar. Steckt darin mehr als nur eine Aussage über Absatzchancen? Wollen die Leute wirklich nur das nächste Ding? Mehr nicht?

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Kommentare

144 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

Nicht daß ich die genannten Konzerne

verteidigen möchte - aber ein kritischer Blick in den Spiegel schadet auch nichts...

Auch im ZEIT-KOmmentarbereich wird teilweise sehr heftig in die "freie Meinungsäusserung" eingegriffen.

Und beileibe nicht alle "moderierten" Kommentare sind beleidigend oder diffamierend!

Zweifeln Sie mal die Objektivität der Redakteure an...
Schreiben Sie mal kritisches über Israel...
Erwähnen Sie mal die Bilderberger und wer da alles schon war¹...

Sorry, zu früh abgeschickt...

Auch in der Presse (und damit ist beileibe nicht nur die ZEIT gemeint, das ist eigentlich überall so!) wird nicht ganz frei von Eigeninteressen berichtet...

Von daher ist das Verhalten von Google, Apple, Fratzenbuch und Co eigentlich nichts besonderes...
Zu Verurteile ist es natürlich trotzdem!

---

¹ ja, auch schon Redaktionsmitglieder der Zeit!

Auch die Zeit.de löscht

Auch bei Zeit Online werden Kommentare gelöscht. Das ist korrekt, und ein sehr guter Punkt. Dennoch es gibt sehr wohl eine Reihe von Unterschieden zwischen zeit.de und beispielsweise Facebook.

1.
Zeit.de ist kleiner. Wer bei zeit.de mit einzelnen Aussagen „rausfliegt“, der ist nicht komplett abgeschnitten von der politischen Diskussion. Weil es eben eine Vielzahl von ähnlichen, größeren und kleineren, in- und ausländischen Plattformen gibt, auf denen ähnliche Debatte ebenfalls geführt werden und man ähnliche Leute trifft. Bei einem Riesennetzwerk mit knapp 1 Mrd Mitgliedern ist ein Bann beinahe global wirksam und absolut.

2.
Zeit.de kennzeichnet. Die Communitymanager von zeit.de machen Kürzungen kenntlich. Man sieht also, dass etwas gelöscht wurde. Als das Cover des Zeit Magazins bei Facebook verschwand, war es so als hätte es da nie etwas gegeben.

3.
Zeit.de begründet. Warum etwas gelöscht wurde, steht bei zeit.de immer knapp dabei („unsachlich“, „beleidigend“ etc pp). Meist findet man auch das Kürzel desjenigen Moderators, der gelöscht hat. Da ist also jemand, der seine Entscheidung individuell und kurz begründet und - wichtiger noch - mit seinem Kürzel dazu steht. Das nenne ich offen, fair und verantwortungsbewusst.

Fazit: Zeit.de versucht nicht einfach die Realität zu ändern und unliebsames spurlos verschwinden zu lassen - ein entscheidender Unterschied in der Art, wie man miteinander diskutiert und umgeht.

"Gutes" Löschen oder "schlechtes" Löschen...

Argument 1 finde ich etwas schwammig.
Auch zu Google, Fratzenbuch und dem Apfel gibt es Alternativen.
Und die ZEIT ist ja auch kein kleines, unbedeutendes Provinzblatt.

Bei 2 gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht

3 ist aus meiner Sicht allerdings der blanke Hohn (sorry für die etwas respektlose Wortwahl)

Die Begründungen sind oft genug mehr als vage, auf die Aufforderung, sich an community@zeit.de zu wenden wurde ich zweimal mit nichtssagenden Worthülsen abgespeist, einmal bekam ich gar keine Antwort.
Ich schreibe hier unter meinem dritten Account, die ersten beiden wurden ohne Begründung und ohne Antwort auf meine Nachfrage nach diesen Gründen gesperrt...

Alternativen und Reaktionen

Zu 1)
Stimmt, als Provinzblatt würden wir uns auch nicht bezeichnen. Wir erreichen (wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe) um die 2 Mio Leser und andere Printmedien sind ähnlich groß oder sogar größer als wir (FAZ, Spiegel, Stern, Süddeutsche etc pp). Facebokk hat ca 1 Mrd Nutzer, ist im Vergleich also um den Faktor 500 größer als wir - das macht schon einen Unterschied. Vor allem weil es bei Sozialen Netzwerken keine Vielfalt ähnlicher Größen gibt. Man hat keine adäquaten Alternativen, das ist der Punkt.

Zu 3)
Okay, wenn Sie da schlechte Erfahrungen gemacht haben - das ist ein Punkt, da würde ich Ihnen zur Seite stehen. Eine zumindest einmalige und kurze Begründung der Löschung wäre mE nach fair (ohne dass ich Ihren Einzelfall jetzt kenne oder beurteilen möchte). Der Punkt ist aber, dass zeit.de nichts so aussehen lassen will als hätte es das nicht gegeben. DAS wäre nämlich unheimlich ("Sie irren sich. Diese Information hat nie existiert.") brrrr...

Es ist dank diverser Beiträge die aus der Norm fallen, auch

mein dritter Account, ich schreibe und lese hier gerne. Doch Kontroversen gehören zum Beschreiben einer Thematik dazu, auch Vergleiche, die nicht jeder gleich zieht oder sieht, um zu verdeutlichen, was man denkt, mit seiner Meinung. Bei Facebook erreicht man "nur" seine Freunde, bei Twitter Vollidioten, die alles ausplaudern, was sie machen, bei Google ist man in einer Geisterstadt.
Die alternativen die sie ansprachen, wie Diaspora hab ich auch noch nicht getestet, weil ich denke da ist niemand, irgenwie, könnte ich dann auch wieder zu MeinVZ.
Dennoch müssen sie wohl zugeben, bei Zeit online findet man gut Gebildete und gut Informierte Zeitgenossen, Querinformierte werden oft zensiert. Und aus diesem Grunde fasse ich mich oft nur noch sehr kurz, denn es ist schade um die Zeit die man investiert, wenn der Beitrag verschwindet.

Irreführende Darstellung von Apple bei "iTunes Match"

Wie bereits in einem älteren Artikel wurde die Praxis der Firma Apple irreführend dargestellt. Das Produkt "iTunes Match" bietet an, die Musikstücke der User mittels eines einfachen (sogar überlistbaren) Algorithmus gegenüber der globalen Datenbank des iTunes Music Stores abzugleichen. Hierbei wird aus den ersten siebzehn Sekunden ein Hash erstellt. Stimmen Hash, Titel, Interpret und Länge des Stücks mit einem Stück des iTunes Music Stores überein, erlaubt das System den Download dieses Stücks in hoher Qualität auf sämtliche mit dem User verknüpften Geräte. Unter anderem hat er die Möglichkeit, das Stück auf seinem Rechner (z.B. aus Speicherplatzgründen) zu löschen und zu beliebiger Zeit neu herunterzuladen. Hier liegt die Krux: Hat der iTunes Music Store nur die zensierte Variante im Angebot, kann diese eventuell nicht von der unzensierten unterschieden werden. Allerdings liegt es in der Schuld des Benutzers, die Match-Funktion des Produkts zu akzeptieren oder zu hinterfragen.

Eine Abhilfe stellt das manuelle Hinzufügen einiger Sekunden Stille am Ende des Stücks dar. Die veränderte Länge zerstört das Matching und zwingt iTunes das Original-Stück des Benutzers in die Datenbank hochzuladen (Siehe entsprechende Artikel auf heise.de).

Schade, dass solche marktschreierischen Anklagen sofort verbreitet werden. Allein die Aussage "kann es sein, dass sie durch Versionen des selben Liedes ersetzt werden." (Zitat) ohne weiteren Nachweis suggeriert eine Willkür, die nicht existiert.

OmG - vier Amis sind "Weltmarktführer"

Das Schwarzbuch bekam man auch bei verschiedenen Buchhandlungen nicht.

In der ZEIT steht auch nicht alles, was mich oder die Öffentlichkeit interessiert - ist das auch Zensur?

Ich empfehle Google zur Suche nach "Suchmaschinen", es gibt nämlich auch Alternativen.

Oder ist es Neid/Angst, dass es vier "Sheriffs" sind und nicht vier "Blockwarte"?

Oder könnte es sein, dass man als Verlag Angst hat, demnächst nicht mehr auf Google gelistet zu werden, ihr wisst schon, Leistungs"Schutz""Recht" und so?

Oder ist es einfach nur hingeschriebenes Gebrabbel?

Apple interessiert mich seit meinem Apple II-Nachbau nicht mehr.
Das Fratzenbuch ist mir egal.
Zu Google gibt es Alternativen.
Zu Amazon auch - man kann auch in einer Buchhandlung (mit Einschränkungen, s.o.) einkaufen.

Also mir wird hier nichts "diktiert"

Danke FB

ich habe Spam Mails in meinem Emailfach, wobei ich sehr sorgfältig bin, wo ich meine Adresse hinterlasse.

Nun haben meine Email Adressen natürlich auch Freunde und Internetbekante, und die gehen leider nicht so sorgfältig mit den Daten um.
Komisch. Aber ich glaube, das liegt auch an Facebook.

Das ist schon heute STASI.

Kennt einer meiner Freunde meine Email, und ist bei Facebook, und aus welchen Technikgeschrubel auch immer: meine Emailadresse kann somit in die falschen Hände geraten, wenn der Freund meine Emailadresse irgendwo gespeichert hat. Man kann ja manches kreuzverweisen, oder wie man das nennt. Man kommt gar nicht mehr hinterher, was da stattfindet bei den organisierten Datensammlern.

PFUI sage ich da nur. Meinen Verdacht habe ich jedenfalls, warum ich seit zwei Jahren jede Menge Spam Mails bekomme.
PFUI FASCEBOOK UND ALLE ANDEREN,.

Wenn es geht boykottiere ich auch Google und surfe bei yahoo.
ich möchte nicht , dass irgendwer Spams erhält, nur weil er mich kennt, nicht?

Ihr Kommentar

Ihren Kommentar finde ich wirklich mehr als fragwürdig. Sie schreiben in einem Satz, Sie vermuten (!) Facebook ist an Ihren Spam-Mails schuld und im nächsten Satz heißt es "Pfui Facebook". Das ist, wie eine Bestrafung vor der Verurteilung, ja, sogar vor der Beweisführung. An anderer Stelle nennt man so etwas "nicht verfassungskonform".
Nebenbei unterstellen Sie, ohne jegliche Beweise zu haben, die reine Tatsache, dass Freunde von Ihnen bei Facebook angemeldet sind und Ihre E-Mail an einem anderen Ort gespeichert haben, reicht für Facebook aus, an diese zu kommen und sie weiterzuverbreiten?! Na ja...
Google vs. Yahoo...Sie meinen das rettet Sie? Das ist doch schon reichlich naiv.
Zum Artikel: Ob eine politische Meinungsäußerung via Comic-iPhone-App so angemessen ist? Ich vermag das nicht zu beurteilen.
Allgemein gilt: Diese Form der Datenerfassung ist mit Sicherheit nicht lustig, dennoch bin ich mein eigener Herr und wenn ich dies nicht möchte, dann nutze ich diese Medien nicht. Was ich wesentlich schlimmer finde, sind die Sachen bei denen vollkommen verdeckt Daten ermittelt werden, bspw. bei den Kartenzahlungen im Supermarkt, bei denen man mit der Unterschrift auf dem Bon bestätigt, dass die Daten weiterverwendet werden dürfen. Letztlich sind unser aller Daten vermutlich schon 1 Mio mal um die Welt gegangen und wir haben personailisierte Werbung dadurch erhalten, doch was ich kaufe bestimme immer noch ICH und das ausschließlich...

Alle 4 über einen Kamm?

Ich finde es ein bißchen fragwürdig, wie Sie diese Unternehmen doch recht pauschal über einen Kamm scheren.

Apple und Facebook zensieren, überwachen und bauen ihren "fenced garden" zwanglos, einfach weil es ihr Geschäftsmodell ist.

Google hat sich trotz seines "don't be evil" Mantras auch schon so manchen Bock geleistet, doch hat die Befolgung staatlich angeordneter Zensurmaßnahmen eine deutlich andere Qualität, als solche Maßnahmen aus eigenem Antrieb umzusetzen - finden Sie nicht auch?

"Aus Größe erwächst Macht und daraus Verantwortung."
Das ist wahr. Allerdings ist es nicht die Aufgabe, eines Unternehmens, Politik zu machen. Ein Unternehmen, als zunächsteinmal völlig körperlose Entität, ist dem Profit verpflichtet - sonst nichts.

Wirtschaftsethiker werden mir da jetzt widersprechen, doch ist dieses Fach ein Widerspruch in sich (Wirtschaft>Profit

.......

""Aus Größe erwächst Macht und daraus Verantwortung."
Das ist wahr. Allerdings ist es nicht die Aufgabe, eines Unternehmens, Politik zu machen. Ein Unternehmen, als zunächsteinmal völlig körperlose Entität, ist dem Profit verpflichtet - sonst nichts.

Wirtschaftsethiker werden mir da jetzt widersprechen, doch ist dieses Fach ein Widerspruch in sich (Wirtschaft>Profit"

Das ist eben das was falsch läuft (und zwar nicht nur im Internet) das man gerade bei Grossunternehmen ihren Einfluss auf die Politik, die Gesellschaft usw. ignoriert und zulässt das sie sich nur dem Profit verpflichten.
Unternehmen machen auch Politik um den Profit zu erhöhen.

Auch Facebook, Google und Co. müssen ebenso wie andere Unternehmen endlich dazu angehalten werden klar darzulegen was mit den Daten der Nutzer geschieht wohin die gehen wer alles Zugriff hat und die Möglichkeit zu bieten das zu unterbinden....

Unternehmen muss man wenn sies schon von alleine nicht tun eben zur Ethik zwingen.

Ergänzung meines abgebrochenen Kommentars

Eine bestimmte Interpunktion sorgt anscheinend dafür, daß Kommentare an dieser Stelle abgebrochen werden. Hier der Rest meines Kommentars
#4.

...
Wirtschaft-Profit-Ethik) und so hat sich in der Vergangenheit so ziemlich alles aus dieser Ecke als kraft- und saftloses Feigenblatt neo-liberaler Think-Tanks erwiesen.

Politik machen sollten nicht die Unternehmen (nicht demokratisch legitimierte Machtkonzentrationen), sondern die Personen. Aber solange Deutschland die UN-Konvention gegen Korruption nicht ratifiziert, und hierzulande auch "Parteispenden" von Unternehmen statt ausschließlich von natürlichen Personen zugelassen sind, sollten wir doch besser erstmal vor der eigenen Tür kehren, statt uns um US-amerikanische Internet-Unternehmen den Kopf zu zerbrechen?

Das große Ganze ...

"Unternehmen muss man wenn sies schon von alleine nicht tun eben zur Ethik zwingen."

Ich stimme Ihnen zu, aber wo fängt man das an? Wer bestimmt die Ethik? Top-Down, also von oben oktruiert, kann sowas auch derbe schiefgehen.

Erst müssen sich die Staaten selbst zu ethischem Handeln bekennen, bevor sie, als Vertreter der Interessen der Bürger, Gesellschaft und des Gemeinwohls, ihr Handlungsprimat gegenüber der Wirtschaft ausüben, und einen Ordnungsrahmen setzen, der ethisches Wirtschaften begünstigt und unethisches, unnachhaltiges Wirtschaften bestraft.

Damit die Staaten dies tun, müssen die Bürger, die den Staat formen, dies tun und entsprechend wählen, die Kunden ihren Einfluß ausüben, indem sie entsprechend handeln und konsumieren.

Nach diesem kurzen naiv-philosophischen Ausflug ein Blick auf den status quo: irgendwie läuft doch alles verkehrt. Die Politik hat kein Handlungsprimat gegenüber der Wirtschaft, die Masser der Bürger ist abhängig und

Ich sage das schon seit vielen Jahren (also seit ich mich mit gesellschaftlichem Diskurs beschäftige): Ethik gehört eigentlich verpflichtend in den Grundschulunterricht, spätestens aber in die Sekundarstufe 1 - und nicht, wie heute praktiziert, als unvollständige light-Variante an Gymnasien als "Gesellschafts+Sozialkunde".

An der Wurzel muss man das Übel packen, damit die Folgegenerationen es vielleicht besser machen. Mächtige (IT-)Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, ist m.E. das berühmte Aufzäumen eines Gauls von hinten.

Datenschutz

ist der zentrale Begriff für mich, die ethischen Standarts der Informationstechnologien sollten mit einem Minimusgesetz dazu gezwungen werden nur noch tatsächlich die Informationen zu erheben die sie für den Einzelnen Vorgang wirklich brauchen. Außerdem sollten Daten mit einem Verfallsdatum versehen werden so dass sie nach einer gewissen Zeit gelöscht werden - Die User brauchen die Kontrolle über ihre Daten zurück, das heißt der Verfasser darf nicht mit Nutzungsbedingungen dazu gezwungen werden jegliche Rechte abzugeben nur weil er ein Angebot nutzt.

Größe und Verantwortung

Größe ist ein Punkt, der die Debatte wirklich verändert. Zumindest in Teilmärkten haben die genannten Unternehmen eine Stellung inne, die einem Monopol sehr nahe kommt. Soll heißen: es gibt wenige bis keine ernstzunehmenden und breit bekannten Alternative. Welche Sozialen Netzwerke spielen beispielsweise eine ähnliche Rolle wie Facebook?

Größe führt zu Macht und Macht braucht ein Gegengewicht. Deswegen wurden und werden zB natürliche Monopole wie bei den Versorgern reguliert, weil Post, Telekom, Gasversorger usw ihre Kunden ganz schnell noch stärker ausnehmen würden, wenn keiner eingreift. Und wenn es um Meinungen und Informationen geht, ist die „Ware“ um die es geht, sogar besonders sensibel.

Nationale Regulatoren stoßen natürlich bei global agierenden und sich dermaßen schnell ändernden Unternehmen wie denen der Internetwirtschaft schnell an ihre Grenzen. Bleibt also nur der Wettbewerb - wenn es ihn denn gibt.

Nicht allein das

Wirtschaft und Ethik schließen sich auch nicht aus oder wären in sich widersprüchlich. Beides ist von Menschen gemacht, gesteuert, erst durch den Menschen in der Form vorhanden. Wenn jemand sagt, Wirtschaft würde Ethik ausschließen, schließt er die Wirtschaft aus der Gesellschaft an sich aus. Das wäre ein Widerspruch - denn ohne Gesellschaft keine Wirtschaft.
Natürlich müssen Unternehmen ethisch betrachtet werden und die im Unternehmen vorhandenen Widersprüche und jene, die zu ehtischen Grundsätzen der Gesellschaft stehten, geäußert und geändert werden.
Facebook will Klarnamen - da wird gesagt, natürlich ist ihr Geschäftsprinzip und unternehmenseigen. Das Facebook eigentlich nur User ab 13 Jahren aufnimmt, hier aber Null,Null Kontrolle stattfindet, wieviele unter 13jährige bei Facebook angemeldet sind - widerspricht nicht nur ethischen Prinzipen, sondern auch den AGB's des Unternehmens.

Verantwortung

Meines Erachtens ist es Gefährlich ein Unternehmen als körperlose Entität von der Verantwortung gegenüber der Menschheit zu entheben. Schließlich wird ein Unternehmen nicht von einer unergründbaren Kraft geleitet sondern auch von einem oder mehreren Menschen, und eben dieser/diese steht/stehen in der Verantwortung. Natürlich sind sie dem Profit verpflichtet aber diesen sollen sie bitteschön mit rechten und auch mit moralisch vertretbaren Mitteln ereichen.