Internetunternehmen: Vier Sheriffs zensieren die Welt
Wie Apple, Facebook, Amazon und Google dem Internet ihre Gesetze aufzwingen.
Die Antworten sind beängstigend: Alles sei bloß »ein Test«. Oder: »Statistik. That’s all.« So fertigen sonst Herrscher ihre aufgeregten Untertanen ab: Macht euch keine Sorgen. Ihr braucht nichts zu wissen. Wer fragt, der stört.
Genau dann aber muss man sich Sorgen machen. Große Sorgen.
Ein Test. Statistik. Das waren Reaktionen eines Mitarbeiters von Facebook gegenüber kritischen Mitgliedern des Sozialen Netzwerks. »Blockwart 2.0« und »stasimäßig, das Ganze« hatten sie geschimpft, weil Facebook sie über ihre Bekannten ausfragte. Den Computersystemen von Facebook waren zuvor nämlich etliche Nutzer aufgefallen, die anscheinend Pseudonyme statt ihrer richtigen Namen verwendeten. Nun entspricht es aber nicht der Geschäftsphilosophie des Hauses, dass seine Mitglieder Geheimnisse haben. Also ließ Facebook vor wenigen Wochen seine Software den Bekanntenkreis der Verdächtigen ausfindig machen und dort nachfragen: »Ist dies der wahre Name deines Freundes?«
Ein Test? Was für ein Test? Ob Menschen bereitwillig ihre Freunde verraten, wenn eine Software sie dazu auffordert?
Facebooks Schnüffelei ist nur ein Fall von vielen, in denen führende Konzerne den Internetnutzern mit fragwürdigen Methoden ihre Regeln aufzwingen. Etwa zeitgleich verweigerte Apple die Freigabe für ein satirisches Spiel, das Frederic Jacobs aus San Francisco für das iPhone programmiert hat. Es heißt Angry Syrians und kritisiert in bunter Comic-Optik das brutale Regime von Präsident Baschar al-Assad. Warum es bei Apple nicht erscheinen durfte? Weil es angeblich »diffamierend oder beleidigend« gewesen sei, berichtet der Programmierer.
Apple unterdrückt eine politische Meinungsäußerung. Wie oft wohl noch?
Oder Amazon: nahm Anfang Juni das Schwarzbuch WWF vorübergehend aus dem Programm. Der Autor Wilfried Huismann warf darin der Umweltorganisation große Nähe zur Industrie vor, ein juristischer Streit zeichnete sich ab. Amazon verbannte das Buch, noch bevor die Richter die Vorwürfe beurteilten. Aber bedeutet das angesichts der Marktmacht von Amazon nicht, dass faktisch ein einzelner Konzern im Wesentlichen entscheidet, was gelesen wird?
Oder Google: filtert die Ergebnisse seiner Suchmaschine weltweit mal nach politischen Vorgaben, mal nach unterstellten persönlichen Interessen der Nutzer. Jedenfalls nicht immer so neutral, wie es das schlichte Weiß der Internetseite suggeriert.
Was passiert hier?
Das Internet war mal ein Ort der Freiheit. Wo man unbekannte Welten entdecken und sich dabei auch schon mal verlaufen konnte. Ein Ort, anarchisch zwar und wild. Aber frei.
Heute gibt es Apple, Facebook, Google und Amazon. Vier amerikanische Konzerne beherrschen das Internet und zählen zusammen einen signifikanten Anteil der Weltbevölkerung zu ihren Kunden. Sie vereinen rund 80 Prozent des grenzüberschreitenden Datenverkehrs auf sich. 40 Prozent der Zeit, die Menschen online verbringen, vereinen die Seiten der großen vier auf sich. Facebook hat zehnmal mehr Nutzer als Deutschland Einwohner. Google beantwortet eine Milliarde Suchanfragen pro Tag.
Die vier Konzerne definieren das Netz, überziehen es mit Weltanschauungen, Moralvorstellungen, Ideen von Gut und Böse. Sie haben eine digitale Welt geschaffen, die mehr an ein autoritäres Disneyland erinnert als an einen wilden Dschungel. Teils aus eigenem Antrieb, teils von Regierungen dazu gezwungen, schaffen sie Fakten und setzen Regeln, die für alle gelten sollen. So werden sie immer wieder zu potenten Zensurmaschinen, zu Gedankenwächtern der Gegenwart. Zu Instrumenten der Lenkung.
Und die Gelenkten?
Während sich die Mitglieder der 68er-Generation noch empörten und aufstanden gegen die Macht von Konzernen und Staaten, verpufft der Widerstand der Netzgemeinde wie der gegen Facebooks Namens-Schnüffelei nach wenigen Tagen. So stark ein Shitstorm, ein kollektiver Wutausbruch also, auch sein kann – so schnell ist er oft wieder vorbei. Der großen Mehrheit der digital natives und digital immigrants geht schnell die Puste aus, oder sie bleibt gleich ruhig. »Die Leute wollen das nächste Ding«, sagte Apple-Chef Tim Cook vor ein paar Tagen lapidar. Steckt darin mehr als nur eine Aussage über Absatzchancen? Wollen die Leute wirklich nur das nächste Ding? Mehr nicht?
Klar, es gibt die Bürgerrechtler der Electronic Frontier Foundation, politische Diskussionsplattformen wie netzpolitik.org, die Hacker vom Chaos Computer Club und die Datenschützer von FoeBuD. Sie alle treten für Freiheit und Transparenz ein. Aber offenbar sind sie eine Ausnahme.
Die digitalen Herren und Damen, die von der bedenkenlosen Freizügigkeit ihrer Nutzer profitieren und Daten anderer an sich reißen, bleiben selbst verschlossen. Die Nichtregierungsorganisation Transparency International führt sie als Schlusslichter unter den 105 größten börsennotierten Konzernen der Welt, wenn es um grundsätzliche Offenheit und Engagement in der Korruptionsbekämpfung geht. Apple belegt dabei Platz 91 und Google Platz 95. Amazon rangiert auf Platz 99 und damit hinter dem notorisch politiknahen russischen Energiekonzern Gazprom. Facebook war noch nicht an der Börse, als die Liste erstellt wurde.
Den Eindruck, klandestine Organisationen zu sein, nähren sie selbst. Google hat immerhin eine Reihe von Fragen beantwortet, vor allem zu seinem Suchalgorithmus. Apple aber hat einen Gesprächswunsch der ZEIT komplett abgelehnt. Amazon wollte ausgewählte Fragen konkret beantworten, tat es dann aber nicht. Facebook will sich nicht offiziell äußern.
Schade, dass es so gekommen ist. Man muss sich bloß einmal zurückbesinnen. Vor rund 2.000 Jahren enthielt die Bibliothek von Alexandria das Wissen der damaligen Welt. Pergamente, Papyri, Tontafeln – in der ägyptischen Hafenstadt lagerten davon mehr als an jedem anderen Ort in der Antike, und damals hatten nur sehr wenige Menschen Zugang zu dem dort vorhandenen Wissen.
Google & Co. dagegen verschafften vor zehn Jahren einem Großteil der Menschheit den Zugang zum Wissen der Welt. Man brauchte nur einen Computer, um in einer großen digitalen Bibliothek herumzuschlendern, sich zu verlieren, zu staunen angesichts der Informationen, der Genies, all der Werke. Jahr für Jahr bauten Google & Co. einen Flügel nach dem anderen an die Bibliothek der Welt an. Doch inzwischen erweisen sich die Erbauer zunehmend als moralisch verkniffene Bibliothekare, die ihre Regale vor jenen bewachen, die darin stöbern wollen.
Apple tut das am deutlichsten. Der Konzern ersetzt bisweilen heimlich Musikstücke mancher Nutzer: Enthalten die Liedtexte vermeintlich anstößige Worte wie motherfucking, kann es sein, dass sie durch Versionen desselben Liedes ersetzt werden, in denen solche Passagen nicht auftauchen.
Eine nackte weibliche Brust auf dem Handybildschirm durfte es bei Apple nicht mal als Gemälde geben. Dabei zeigte das betroffene Handyprogramm bloß ein Aktbild des deutschen Expressionisten Max Beckmann – und warb ansonsten für die Ausstellung Frauen in der Münchner Pinakothek der Moderne.
Welche Inhalte filtert Apple, welche nicht? Und warum? Franz Kafka schilderte in seinem Prozess, wie ein einzelner Mensch versuchte, sich in einem vernebelten System willkürlicher und selbstreferenzieller Regeln zurechtzufinden. Im Fall von Apple sind es Millionen von Menschen.
Qualität allein kann für Apple jedenfalls kein Kriterium sein. Der App Store enthält mehr als eine halbe Million kleiner Programme, inklusive sehr vielen nutzlosen Zeugs.
In die Kategorie wäre wohl auch das Spiel Phonestory gefallen, wenn es im vergangenen Herbst nicht einen Rauswurf durch Apple provoziert hätte. Im Spiel geht es um Produktionsmethoden für Mobiltelefone. So sollen Phonestory-Spieler arbeitende Kinder bewachen, die in einer Grube in Afrika die seltenen Rohstoffe für moderne Smartphones schürfen. In einem anderen Level gilt es, mit einem Sprungtuch Arbeiter aufzufangen, die sich vom Dach einer Handyfabrik stürzen wollen. Da dürfte es die Botschaft gewesen sein, die Apple erzürnte. Denn Apple sah sich zu dieser Zeit ebenjenen Vorwürfen von Kinderarbeit und Selbstmorden von Fabrikarbeitern in China ausgesetzt – ganz real.
Apple gibt dazu keine Auskunft.
Bei dem Sozialen Netzwerkdienst Facebook geht die Sache noch weiter: Der Konzern überwacht sogar Konversationen seiner Mitglieder, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Dabei geht es dem Unternehmen eigentlich um ein nobles Ansinnen: Facebook will verhindern, dass sich Erwachsene aus sexuellen Motiven an Minderjährige heranschleichen. Doch ist deswegen eine prophylaktische maschinelle Überwachung aller Nutzer gerechtfertigt?
Facebook möchte sich zu dem Thema nicht offiziell äußern.
Die Frage zu beantworten ist auch außerordentlich schwierig. Die Menschen haben das schon oft versucht, in vielen Ländern und zu vielen Anlässen.
Das Recht der großen Mehrheit, in Ruhe gelassen zu werden, steht dem Recht Einzelner auf körperliche und seelische Unversehrtheit entgegen. Das eine Extrem nimmt einzelne grausame Folgen in Kauf. Das andere bedeutet die Aufgabe der allgemeinen Freiheit zugunsten der Sicherheit.
Üblicherweise haben Staaten eine Antwort auf diese Frage im Rahmen eines demokratischen Prozesses gefunden. Nach einem Diskurs entscheiden Gesellschaften, wie sie das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit austarieren wollen. Deswegen muss hierzulande ein Gericht entscheiden, bevor Telefongespräche abgehört oder Wohnungen durchsucht werden dürfen.
Den Diskurs führen Facebook & Co. kaum.
Die Geschäftsbedingungen der Netzkonzerne haben mittlerweile die Kraft von Gesetzen, Mitspracherechte sind weitgehend ausgeschlossen. Es herrschen Angebot und Nachfrage, Wahlen werden abgelöst durch Konsumentscheidungen.
Deutsche Nutzer von Facebook lassen sich beispielsweise vorschreiben, dass Männer in dem Sozialen Netzwerk ihre Brust zeigen dürfen, Frauen aber nicht. Hier stülpt ein amerikanisches Unternehmen seine neopuritanischen Moralvorstellungen über den Rest der Welt. Abseits von Brustwarzen ist ziemlich viel möglich. Auch das Bild eines Mannes, vor dem eine gefesselte Frau im Brautkleid liegt. Er stellt einen Fuß auf ihren Rücken und schwenkt in der Hand ein Gewehr.
Zu Moralfragen gibt Facebook keine Auskunft, sondern verweist auf die »Standards der Facebook-Gemeinschaft«. Als ob eine Gemeinschaft irgendwelche Standards erarbeitet hätte!
Oder ist das wieder nur ein Test?
Internetsurfer nehmen heute, teils freiwillig, teils ohne es zu ahnen, an einer Reihe von gigantischen Experimenten teil. Dabei geht es stets um Daten und darum, was sich alles mit ihnen anstellen lässt.
Wohl keine Netzfirma hat stärker mit seinen Nutzern experimentiert als Google. Das größte Experiment dieser Art begann am 4. Dezember 2009 – und es läuft bis heute. Google kündigte damals die personalisierte Suche für jedermann an, weil sie bessere und genauere Ergebnisse liefere. Suchergebnisse werden seither individuell auf Nutzer zugeschnitten, anfangs nach 57 Kriterien, heute sind es weitaus mehr. Nicht alle kann der Suchende einsehen, verändern oder gar ausschalten. So wird der Weltausschnitt, den Google seinen Nutzern präsentiert, persönlicher. Und zugleich enger.
Das weiß aber so genau kaum ein Nutzer, und deshalb ist es ein Problem.
Heute bestimmen Algorithmen zunehmend, welche Informationen die Nutzer erreichen. Die Welt wird vorsortiert, nach dem scheinbar unbestechlichen und neutralen Ansatz mathematischer Präzision. Nur objektiv ist das nicht, und deshalb sollte jeder die Möglichkeit besitzen, seine Daten einzusehen, zu verstehen, wie ihm die Sicht auf die Welt aufbereitet wird, welches Rating ihm der Computer verpasst – und warum.
Ein Algorithmus kann eine Waffe sein
Doch Google hütet seinen Algorithmus wie einen Schatz. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, jede Firma darf ihr betriebswirtschaftliches Vermögen schützen. Auch Coca-Cola hält das Rezept seiner Limonade geheim.
Aber ein Algorithmus, der Leben und Meinungen von Millionen beeinflusst, ist eben keine braune Brause. Er kann eine Waffe sein.
Seine zerstörerische Kraft wird langsam sichtbar – auch wenn es zunächst nur um den Kampf gegen Konkurrenten geht. Wettbewerbsbehörden in Indien, Argentinien und Südkorea gehen gegen den Konzern vor. Nach langen Ermittlungen droht der europäische Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, ein Statement of Objections zu erlassen. Es wäre der letzte formale Schritt vor einem Bußgeld. Google hat der EU zufolge seine beherrschende Stellung ausgenutzt – und verhandelt jetzt zähneknirschend.
Googles Strategie trifft keinesfalls nur Unternehmen. Als der Konzern vor einigen Jahren seinen Atlas Street View erstellte, sammelte er illegal Nutzerdaten privater Funknetze. Es folgten zahlreiche Ermittlungen, und Google sollte diese Daten löschen. Nun aber räumt Google gegenüber der nationalen Datenschutzbehörde in Großbritannien ein, noch immer »eine kleine Menge« dieser Daten zu besitzen. Aber was heißt schon klein?
Konzerne sollen sich ja an Recht und Gesetz halten. Doch während Google in Demokratien westlicher Prägung schon mal Gesetze übertritt, gibt es in Diktaturen und anderen autoritären Staaten absurden Forderungen nach. Man muss den Konzernlenkern dabei fairerweise einiges zugutehalten: In Ländern, in denen die persönliche Sicherheit von Nutzern gefährdet ist, bieten sie Dienste wie Google Mail gar nicht erst an, um autoritären Regimes keine privaten Daten übermitteln zu müssen. Zudem teilt der Internetkonzern offen mit, wo er zensiert und von Staaten unter Druck gesetzt wird.
Und doch: In China unterdrückt Google viele Millionen Internetseiten, in denen es etwa um Falun Gong geht, eine von der Regierung verbotene und verfolgte religiöse Bewegung.
In Thailand wurden Videos auf dem zu Google gehörenden Video-Portal YouTube gelöscht, weil sie angeblich den thailändischen König schmähten.
In der Türkei wurden mehrere Videos gesperrt, die sich gegen den Staatsgründer Atatürk wandten.
Brasilien ließ vier Konten im zu Google gehörenden Sozialen Netzwerk namens Orkut sperren. Es waren Konten politischer Aktivisten. Google teilt mit, einen Gerichtsbeschluss befolgt zu haben.
Indische Behörden verlangten, dass Google mehrere Videos von Demonstrationen und sozialen Unruhen löscht. Zumindest in einigen Fällen gab der Konzern nach.
Die Fälle wecken Begehrlichkeiten. Auch Politiker und Behörden in Europa oder Nordamerika versuchen, mithilfe von Google die Freiheitsrechte einzelner Bürger einzuschränken.
In Deutschland hat Google – nach einem Gerichtsurteil – 898 Hinweise auf Interneteinträge in Foren und Blogs unterdrückt, die deutsche Behörden und ihre Mitarbeiter betreffen. Worum es dabei ging, ist bis heute unbekannt.
Andere Forderungen gingen in dieselbe Richtung, wurden von Google aber abgewehrt: So wollte die amerikanische Polizei Videos löschen lassen, auf denen zu sehen ist, dass Beamte brutal gegen Demonstranten vorgehen.
Eine italienische Polizeibehörde wollte ein Video löschen lassen, in dem der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi kritisiert wird.
Kanadische Behörden wollten ein Video löschen lassen, in dem ein Bürger auf seinen kanadischen Pass pinkelt.
Man kann über jeden einzelnen dieser Fälle streiten. Fest steht jedoch, dass Internetkonzerne eine hohe Relevanz bei der öffentlichen Meinungsbildung besitzen.
Auch Amazon belegte das schon eindrucksvoll – in einer Affäre von globaler sicherheitspolitischer Relevanz, die in den USA eine diplomatische Krise auslöste: im Fall WikiLeaks, den Außenministerin Hillary Clinton als »Angriff auf die internationale Gemeinschaft« bezeichnete.
Wurde Amazon zum Gehilfen der amerikanischen Regierung?
WikiLeaks wurde 2010 bekannt, nachdem es zahlreiche geheime Dokumente von US-Diplomaten auf der ganzen Welt veröffentlicht hatte. Und WikiLeaks speicherte unter anderem Daten bei Amazon Web Services, einem vergleichsweise neuen Dienst des ehemaligen Online-Buchhändlers, der heute auch Rechenleistung und Speicherplätze im Netz vermietet.
Als Amazon bald darauf seine Geschäftsbeziehungen zu WikiLeaks beendete, war die Frage: Kuschte ein US-Konzern, weil der Staat es wollte? Wurde Amazon zum Gehilfen der Regierung gegen jene Leute, von denen sie bloßgestellt wurde?
Amazon bestritt damals, von der Regierung unter Druck gesetzt worden zu sein. Vielmehr habe WikiLeaks die Geschäftsbedingungen missachtet, denen zufolge Mieter von Rechnerkapazitäten unter anderem die Rechte an dem gespeicherten Material besitzen müssen – was bei geheimen Depeschen natürlich unmöglich war.
Der US-Senator Joseph Lieberman sprach wegen WikiLeaks bald eine deutliche Warnung aus. »Ich wünschte, Amazon hätte das früher getan«, sagte der Politiker, der damals dem einflussreichen Ausschuss für Heimatschutz vorsaß. »Ich werde Amazon über den Umfang seiner Beziehungen zu WikiLeaks befragen und dazu, was sie und andere Internetdienstleister tun wollen, um künftig sicherzustellen, dass sie nicht dazu benutzt werden, um gestohlene und klassifizierte Informationen zu verbreiten.«
Spätestens an diesem Tag wurde klar, was führende US-Politiker von amerikanischen Internetunternehmen erwarten.
Plötzlich steht die Welt nicht nur vor der Frage, was Technik kann. Sondern auch, wie diese Technik gesteuert wird. Von wem. Aus welchen Motiven. Mit welcher Legitimation. Und mit welchen Folgen.
Auf einmal scheinen Gedankenspiele nah zu sein. Dass kritische Informationen einfach nicht mehr auffindbar sind. Dass exotische Meinungen, die nicht dem errechneten Mainstream folgen, von Computern für irrelevant befunden und weggedrückt werden. Dass irgendwann einmal der Leser eines E-Books seinerseits von seinem Lesegerät beobachtet wird. Was, wenn ein Algorithmus von Amazon oder wem auch immer eines Tages herausfindet, dass eine signifikante Zahl von Lesern eine bestimmte Stelle in einem Buch überblättert? Oder dort aufhört zu lesen? Werden Bücher dann noch nach ihrer Veröffentlichung überarbeitet? Liegen Romane dann in zig Fassungen vor, weil sich das Leseverhalten der Mehrheit im Lauf der Zeit ändert?
Wo bleibt dann die Überraschung, wo das Neue? Wo die radikale Idee, deren gesellschaftsverändernden Charakter zunächst nur wenige erkennen? Wo bleibt, wenn es sein muss, die Revolution?
Man mag einwenden, dass die großen vier allesamt Privatunternehmen sind und tun und lassen können, was sie wollen. Sollen die Kunden entscheiden. Doch haben die noch eine Wahl? Es gibt keine echte Alternative zu Facebook, keinen ebenbürtigen Konkurrenten zu Google oder zu Amazon. Apple muss sich bei Telefonen noch mit Samsung auseinandersetzen, aber sobald es um flache Kleinrechner geht, führt kein Weg am Apfel vorbei.
Aus Größe erwächst Macht und daraus Verantwortung. Als Korrektiv wirkt normalerweise der Wettbewerb, aber den gibt es kaum noch. Und auch Staaten scheitern, weil sie nur Herren auf ihrem Gebiet sind – oder weil sie sich die Firmen selbst zunutze machen.
Apple und Facebook, Amazon und Google zeigen, was es heißt, in einem global village zu leben. Das war einmal eines der größten Versprechen fürs Informationszeitalter. Jetzt führt genau das zu einem gesellschaftlichen Rückschritt: Das Dörfliche entfaltet wieder seine beklemmende Wirkung.








Am heutigen Montag (6.8.) diskutieren die Autoren dieses Artikels hier im Kommentarbereich mit unseren Lesern. Zwischen elf und zwölf Uhr vormittags antworten sie auf Fragen zum Artikel und Kritik an ihren Thesen.
verteidigen möchte - aber ein kritischer Blick in den Spiegel schadet auch nichts...
Auch im ZEIT-KOmmentarbereich wird teilweise sehr heftig in die "freie Meinungsäusserung" eingegriffen.
Und beileibe nicht alle "moderierten" Kommentare sind beleidigend oder diffamierend!
Zweifeln Sie mal die Objektivität der Redakteure an...
Schreiben Sie mal kritisches über Israel...
Erwähnen Sie mal die Bilderberger und wer da alles schon war¹...
Wie bereits in einem älteren Artikel wurde die Praxis der Firma Apple irreführend dargestellt. Das Produkt "iTunes Match" bietet an, die Musikstücke der User mittels eines einfachen (sogar überlistbaren) Algorithmus gegenüber der globalen Datenbank des iTunes Music Stores abzugleichen. Hierbei wird aus den ersten siebzehn Sekunden ein Hash erstellt. Stimmen Hash, Titel, Interpret und Länge des Stücks mit einem Stück des iTunes Music Stores überein, erlaubt das System den Download dieses Stücks in hoher Qualität auf sämtliche mit dem User verknüpften Geräte. Unter anderem hat er die Möglichkeit, das Stück auf seinem Rechner (z.B. aus Speicherplatzgründen) zu löschen und zu beliebiger Zeit neu herunterzuladen. Hier liegt die Krux: Hat der iTunes Music Store nur die zensierte Variante im Angebot, kann diese eventuell nicht von der unzensierten unterschieden werden. Allerdings liegt es in der Schuld des Benutzers, die Match-Funktion des Produkts zu akzeptieren oder zu hinterfragen.
Eine Abhilfe stellt das manuelle Hinzufügen einiger Sekunden Stille am Ende des Stücks dar. Die veränderte Länge zerstört das Matching und zwingt iTunes das Original-Stück des Benutzers in die Datenbank hochzuladen (Siehe entsprechende Artikel auf heise.de).
Schade, dass solche marktschreierischen Anklagen sofort verbreitet werden. Allein die Aussage "kann es sein, dass sie durch Versionen des selben Liedes ersetzt werden." (Zitat) ohne weiteren Nachweis suggeriert eine Willkür, die nicht existiert.
verteidigen möchte - aber ein kritischer Blick in den Spiegel schadet auch nichts...
Auch im ZEIT-KOmmentarbereich wird teilweise sehr heftig in die "freie Meinungsäusserung" eingegriffen.
Und beileibe nicht alle "moderierten" Kommentare sind beleidigend oder diffamierend!
Zweifeln Sie mal die Objektivität der Redakteure an...
Schreiben Sie mal kritisches über Israel...
Erwähnen Sie mal die Bilderberger und wer da alles schon war¹...
Wie bereits in einem älteren Artikel wurde die Praxis der Firma Apple irreführend dargestellt. Das Produkt "iTunes Match" bietet an, die Musikstücke der User mittels eines einfachen (sogar überlistbaren) Algorithmus gegenüber der globalen Datenbank des iTunes Music Stores abzugleichen. Hierbei wird aus den ersten siebzehn Sekunden ein Hash erstellt. Stimmen Hash, Titel, Interpret und Länge des Stücks mit einem Stück des iTunes Music Stores überein, erlaubt das System den Download dieses Stücks in hoher Qualität auf sämtliche mit dem User verknüpften Geräte. Unter anderem hat er die Möglichkeit, das Stück auf seinem Rechner (z.B. aus Speicherplatzgründen) zu löschen und zu beliebiger Zeit neu herunterzuladen. Hier liegt die Krux: Hat der iTunes Music Store nur die zensierte Variante im Angebot, kann diese eventuell nicht von der unzensierten unterschieden werden. Allerdings liegt es in der Schuld des Benutzers, die Match-Funktion des Produkts zu akzeptieren oder zu hinterfragen.
Eine Abhilfe stellt das manuelle Hinzufügen einiger Sekunden Stille am Ende des Stücks dar. Die veränderte Länge zerstört das Matching und zwingt iTunes das Original-Stück des Benutzers in die Datenbank hochzuladen (Siehe entsprechende Artikel auf heise.de).
Schade, dass solche marktschreierischen Anklagen sofort verbreitet werden. Allein die Aussage "kann es sein, dass sie durch Versionen des selben Liedes ersetzt werden." (Zitat) ohne weiteren Nachweis suggeriert eine Willkür, die nicht existiert.
Das Schwarzbuch bekam man auch bei verschiedenen Buchhandlungen nicht.
In der ZEIT steht auch nicht alles, was mich oder die Öffentlichkeit interessiert - ist das auch Zensur?
Ich empfehle Google zur Suche nach "Suchmaschinen", es gibt nämlich auch Alternativen.
Oder ist es Neid/Angst, dass es vier "Sheriffs" sind und nicht vier "Blockwarte"?
Oder könnte es sein, dass man als Verlag Angst hat, demnächst nicht mehr auf Google gelistet zu werden, ihr wisst schon, Leistungs"Schutz""Recht" und so?
Oder ist es einfach nur hingeschriebenes Gebrabbel?
Apple interessiert mich seit meinem Apple II-Nachbau nicht mehr.
Das Fratzenbuch ist mir egal.
Zu Google gibt es Alternativen.
Zu Amazon auch - man kann auch in einer Buchhandlung (mit Einschränkungen, s.o.) einkaufen.
Also mir wird hier nichts "diktiert"
ich habe Spam Mails in meinem Emailfach, wobei ich sehr sorgfältig bin, wo ich meine Adresse hinterlasse.
Nun haben meine Email Adressen natürlich auch Freunde und Internetbekante, und die gehen leider nicht so sorgfältig mit den Daten um.
Komisch. Aber ich glaube, das liegt auch an Facebook.
Das ist schon heute STASI.
Kennt einer meiner Freunde meine Email, und ist bei Facebook, und aus welchen Technikgeschrubel auch immer: meine Emailadresse kann somit in die falschen Hände geraten, wenn der Freund meine Emailadresse irgendwo gespeichert hat. Man kann ja manches kreuzverweisen, oder wie man das nennt. Man kommt gar nicht mehr hinterher, was da stattfindet bei den organisierten Datensammlern.
PFUI sage ich da nur. Meinen Verdacht habe ich jedenfalls, warum ich seit zwei Jahren jede Menge Spam Mails bekomme.
PFUI FASCEBOOK UND ALLE ANDEREN,.
Wenn es geht boykottiere ich auch Google und surfe bei yahoo.
ich möchte nicht , dass irgendwer Spams erhält, nur weil er mich kennt, nicht?
Ihren Kommentar finde ich wirklich mehr als fragwürdig. Sie schreiben in einem Satz, Sie vermuten (!) Facebook ist an Ihren Spam-Mails schuld und im nächsten Satz heißt es "Pfui Facebook". Das ist, wie eine Bestrafung vor der Verurteilung, ja, sogar vor der Beweisführung. An anderer Stelle nennt man so etwas "nicht verfassungskonform".
Nebenbei unterstellen Sie, ohne jegliche Beweise zu haben, die reine Tatsache, dass Freunde von Ihnen bei Facebook angemeldet sind und Ihre E-Mail an einem anderen Ort gespeichert haben, reicht für Facebook aus, an diese zu kommen und sie weiterzuverbreiten?! Na ja...
Google vs. Yahoo...Sie meinen das rettet Sie? Das ist doch schon reichlich naiv.
Zum Artikel: Ob eine politische Meinungsäußerung via Comic-iPhone-App so angemessen ist? Ich vermag das nicht zu beurteilen.
Allgemein gilt: Diese Form der Datenerfassung ist mit Sicherheit nicht lustig, dennoch bin ich mein eigener Herr und wenn ich dies nicht möchte, dann nutze ich diese Medien nicht. Was ich wesentlich schlimmer finde, sind die Sachen bei denen vollkommen verdeckt Daten ermittelt werden, bspw. bei den Kartenzahlungen im Supermarkt, bei denen man mit der Unterschrift auf dem Bon bestätigt, dass die Daten weiterverwendet werden dürfen. Letztlich sind unser aller Daten vermutlich schon 1 Mio mal um die Welt gegangen und wir haben personailisierte Werbung dadurch erhalten, doch was ich kaufe bestimme immer noch ICH und das ausschließlich...
Ihren Kommentar finde ich wirklich mehr als fragwürdig. Sie schreiben in einem Satz, Sie vermuten (!) Facebook ist an Ihren Spam-Mails schuld und im nächsten Satz heißt es "Pfui Facebook". Das ist, wie eine Bestrafung vor der Verurteilung, ja, sogar vor der Beweisführung. An anderer Stelle nennt man so etwas "nicht verfassungskonform".
Nebenbei unterstellen Sie, ohne jegliche Beweise zu haben, die reine Tatsache, dass Freunde von Ihnen bei Facebook angemeldet sind und Ihre E-Mail an einem anderen Ort gespeichert haben, reicht für Facebook aus, an diese zu kommen und sie weiterzuverbreiten?! Na ja...
Google vs. Yahoo...Sie meinen das rettet Sie? Das ist doch schon reichlich naiv.
Zum Artikel: Ob eine politische Meinungsäußerung via Comic-iPhone-App so angemessen ist? Ich vermag das nicht zu beurteilen.
Allgemein gilt: Diese Form der Datenerfassung ist mit Sicherheit nicht lustig, dennoch bin ich mein eigener Herr und wenn ich dies nicht möchte, dann nutze ich diese Medien nicht. Was ich wesentlich schlimmer finde, sind die Sachen bei denen vollkommen verdeckt Daten ermittelt werden, bspw. bei den Kartenzahlungen im Supermarkt, bei denen man mit der Unterschrift auf dem Bon bestätigt, dass die Daten weiterverwendet werden dürfen. Letztlich sind unser aller Daten vermutlich schon 1 Mio mal um die Welt gegangen und wir haben personailisierte Werbung dadurch erhalten, doch was ich kaufe bestimme immer noch ICH und das ausschließlich...
Ich finde es ein bißchen fragwürdig, wie Sie diese Unternehmen doch recht pauschal über einen Kamm scheren.
Apple und Facebook zensieren, überwachen und bauen ihren "fenced garden" zwanglos, einfach weil es ihr Geschäftsmodell ist.
Google hat sich trotz seines "don't be evil" Mantras auch schon so manchen Bock geleistet, doch hat die Befolgung staatlich angeordneter Zensurmaßnahmen eine deutlich andere Qualität, als solche Maßnahmen aus eigenem Antrieb umzusetzen - finden Sie nicht auch?
"Aus Größe erwächst Macht und daraus Verantwortung."
Das ist wahr. Allerdings ist es nicht die Aufgabe, eines Unternehmens, Politik zu machen. Ein Unternehmen, als zunächsteinmal völlig körperlose Entität, ist dem Profit verpflichtet - sonst nichts.
Wirtschaftsethiker werden mir da jetzt widersprechen, doch ist dieses Fach ein Widerspruch in sich (Wirtschaft>Profit
""Aus Größe erwächst Macht und daraus Verantwortung."
Das ist wahr. Allerdings ist es nicht die Aufgabe, eines Unternehmens, Politik zu machen. Ein Unternehmen, als zunächsteinmal völlig körperlose Entität, ist dem Profit verpflichtet - sonst nichts.
Wirtschaftsethiker werden mir da jetzt widersprechen, doch ist dieses Fach ein Widerspruch in sich (Wirtschaft>Profit"
Das ist eben das was falsch läuft (und zwar nicht nur im Internet) das man gerade bei Grossunternehmen ihren Einfluss auf die Politik, die Gesellschaft usw. ignoriert und zulässt das sie sich nur dem Profit verpflichten.
Unternehmen machen auch Politik um den Profit zu erhöhen.
Auch Facebook, Google und Co. müssen ebenso wie andere Unternehmen endlich dazu angehalten werden klar darzulegen was mit den Daten der Nutzer geschieht wohin die gehen wer alles Zugriff hat und die Möglichkeit zu bieten das zu unterbinden....
Unternehmen muss man wenn sies schon von alleine nicht tun eben zur Ethik zwingen.
Eine bestimmte Interpunktion sorgt anscheinend dafür, daß Kommentare an dieser Stelle abgebrochen werden. Hier der Rest meines Kommentars
#4.
...
Wirtschaft-Profit-Ethik) und so hat sich in der Vergangenheit so ziemlich alles aus dieser Ecke als kraft- und saftloses Feigenblatt neo-liberaler Think-Tanks erwiesen.
Politik machen sollten nicht die Unternehmen (nicht demokratisch legitimierte Machtkonzentrationen), sondern die Personen. Aber solange Deutschland die UN-Konvention gegen Korruption nicht ratifiziert, und hierzulande auch "Parteispenden" von Unternehmen statt ausschließlich von natürlichen Personen zugelassen sind, sollten wir doch besser erstmal vor der eigenen Tür kehren, statt uns um US-amerikanische Internet-Unternehmen den Kopf zu zerbrechen?
... und diese müssten auch von Gewinnorientierten Unternehmen beachtet werden. Und weshalb Sie da ausgerechnet Apple und FaceBook so verharmlosend darstellen kann wohl nur daran liegen, dass sie Mitglied dieser Communities sind.
Meines Erachtens ist es Gefährlich ein Unternehmen als körperlose Entität von der Verantwortung gegenüber der Menschheit zu entheben. Schließlich wird ein Unternehmen nicht von einer unergründbaren Kraft geleitet sondern auch von einem oder mehreren Menschen, und eben dieser/diese steht/stehen in der Verantwortung. Natürlich sind sie dem Profit verpflichtet aber diesen sollen sie bitteschön mit rechten und auch mit moralisch vertretbaren Mitteln ereichen.
""Aus Größe erwächst Macht und daraus Verantwortung."
Das ist wahr. Allerdings ist es nicht die Aufgabe, eines Unternehmens, Politik zu machen. Ein Unternehmen, als zunächsteinmal völlig körperlose Entität, ist dem Profit verpflichtet - sonst nichts.
Wirtschaftsethiker werden mir da jetzt widersprechen, doch ist dieses Fach ein Widerspruch in sich (Wirtschaft>Profit"
Das ist eben das was falsch läuft (und zwar nicht nur im Internet) das man gerade bei Grossunternehmen ihren Einfluss auf die Politik, die Gesellschaft usw. ignoriert und zulässt das sie sich nur dem Profit verpflichten.
Unternehmen machen auch Politik um den Profit zu erhöhen.
Auch Facebook, Google und Co. müssen ebenso wie andere Unternehmen endlich dazu angehalten werden klar darzulegen was mit den Daten der Nutzer geschieht wohin die gehen wer alles Zugriff hat und die Möglichkeit zu bieten das zu unterbinden....
Unternehmen muss man wenn sies schon von alleine nicht tun eben zur Ethik zwingen.
Eine bestimmte Interpunktion sorgt anscheinend dafür, daß Kommentare an dieser Stelle abgebrochen werden. Hier der Rest meines Kommentars
#4.
...
Wirtschaft-Profit-Ethik) und so hat sich in der Vergangenheit so ziemlich alles aus dieser Ecke als kraft- und saftloses Feigenblatt neo-liberaler Think-Tanks erwiesen.
Politik machen sollten nicht die Unternehmen (nicht demokratisch legitimierte Machtkonzentrationen), sondern die Personen. Aber solange Deutschland die UN-Konvention gegen Korruption nicht ratifiziert, und hierzulande auch "Parteispenden" von Unternehmen statt ausschließlich von natürlichen Personen zugelassen sind, sollten wir doch besser erstmal vor der eigenen Tür kehren, statt uns um US-amerikanische Internet-Unternehmen den Kopf zu zerbrechen?
... und diese müssten auch von Gewinnorientierten Unternehmen beachtet werden. Und weshalb Sie da ausgerechnet Apple und FaceBook so verharmlosend darstellen kann wohl nur daran liegen, dass sie Mitglied dieser Communities sind.
Meines Erachtens ist es Gefährlich ein Unternehmen als körperlose Entität von der Verantwortung gegenüber der Menschheit zu entheben. Schließlich wird ein Unternehmen nicht von einer unergründbaren Kraft geleitet sondern auch von einem oder mehreren Menschen, und eben dieser/diese steht/stehen in der Verantwortung. Natürlich sind sie dem Profit verpflichtet aber diesen sollen sie bitteschön mit rechten und auch mit moralisch vertretbaren Mitteln ereichen.
Sehr gut geschriebener Artikel, mir fehlt allerdings die Verbindung zu staatlichen Initiativen, die ähnliche "Angriffe" gegen die Freiheit des Internets unternehmen - Stichwort VDS, ACTA, SOPA.
Außerdem müssen afaik US Unternehmen mittlerweile nach dem Patriot Act jederzeit US Geheimdiensten Zugriff auf ihre Daten gewähren. Verbindet man also die Datensammelwut privater Unternehmen mit staatlichen Interessen, so werde ich zumindest an 1984 erinnert...
Wie sehen die Autoren das?
MfG
Ich kann mich nur wundern, dass man sich jetzt darüber wundert das diese Internet Medien jetzt öffentlich das tun, was sie eigentlich schon immer getan haben und was auch von Anfang an klar war...die absolute Medienmacht über die User auszuüben. Oder hat jemand ernst geglaubt, das "die" das aus Menschenfreundlichkeit oder gar uneigennützig tun ? Warum ist den zum Beispiel die Firma facebook eine der teuersten Firmen der Welt obwohl sie "lediglich" kostenlose Dienste anbieten ? Macht sich denn da niemand Gedanken drüber ? Wie naiv kann man sein ?
Aber es gibt Alternativen zu den "großen Vier" man braucht nicht jeden Mist von Apple zu kaufen, man kann andere Suchmaschinen nutzen und man muss nichts bei Amazon kaufen, um zu überlden und es ist absolut nicht nötig jede Intimität in facebook zu veröffentlichen.
Also boykottiert diese Medien und Dienstleister und sie werden wieder zum dem, was sie sein sollen: Internetdienstleister !
Das Problem ist nur, dass die Breite Masse zu hirntot ist, zu bequem, eines kritischen Gedanken nicht fähig. Und leider sind sie die Mehrheit, also wird ihr Verhalten bestimmen, was passiert. Es hilft nichts, dass ein paar 'ich bin ja so klug, ich weiß, was ich tue, und wenn die anderen zu blöd sind, dann sind sie selber schuld' Internetnutzer (nicht an Sie gerichtet) nicht bei Amazon einkaufen, nicht das Default-Suchfenster auf ihrem iPad benutzen und bei Facebuch keine Intimitäten verbreiten.
Das Problem ist nur, dass die Breite Masse zu hirntot ist, zu bequem, eines kritischen Gedanken nicht fähig. Und leider sind sie die Mehrheit, also wird ihr Verhalten bestimmen, was passiert. Es hilft nichts, dass ein paar 'ich bin ja so klug, ich weiß, was ich tue, und wenn die anderen zu blöd sind, dann sind sie selber schuld' Internetnutzer (nicht an Sie gerichtet) nicht bei Amazon einkaufen, nicht das Default-Suchfenster auf ihrem iPad benutzen und bei Facebuch keine Intimitäten verbreiten.
über seine Sicherheitsbehörden im Prinzip weltweit auf alles zugreifen kann. Das bedeutet, dass wir dann alle von einem fredem Staat überwacht werden können. Toll, nicht?
""Aus Größe erwächst Macht und daraus Verantwortung."
Das ist wahr. Allerdings ist es nicht die Aufgabe, eines Unternehmens, Politik zu machen. Ein Unternehmen, als zunächsteinmal völlig körperlose Entität, ist dem Profit verpflichtet - sonst nichts.
Wirtschaftsethiker werden mir da jetzt widersprechen, doch ist dieses Fach ein Widerspruch in sich (Wirtschaft>Profit"
Das ist eben das was falsch läuft (und zwar nicht nur im Internet) das man gerade bei Grossunternehmen ihren Einfluss auf die Politik, die Gesellschaft usw. ignoriert und zulässt das sie sich nur dem Profit verpflichten.
Unternehmen machen auch Politik um den Profit zu erhöhen.
Auch Facebook, Google und Co. müssen ebenso wie andere Unternehmen endlich dazu angehalten werden klar darzulegen was mit den Daten der Nutzer geschieht wohin die gehen wer alles Zugriff hat und die Möglichkeit zu bieten das zu unterbinden....
Unternehmen muss man wenn sies schon von alleine nicht tun eben zur Ethik zwingen.
"Unternehmen muss man wenn sies schon von alleine nicht tun eben zur Ethik zwingen."
Ich stimme Ihnen zu, aber wo fängt man das an? Wer bestimmt die Ethik? Top-Down, also von oben oktruiert, kann sowas auch derbe schiefgehen.
Erst müssen sich die Staaten selbst zu ethischem Handeln bekennen, bevor sie, als Vertreter der Interessen der Bürger, Gesellschaft und des Gemeinwohls, ihr Handlungsprimat gegenüber der Wirtschaft ausüben, und einen Ordnungsrahmen setzen, der ethisches Wirtschaften begünstigt und unethisches, unnachhaltiges Wirtschaften bestraft.
Damit die Staaten dies tun, müssen die Bürger, die den Staat formen, dies tun und entsprechend wählen, die Kunden ihren Einfluß ausüben, indem sie entsprechend handeln und konsumieren.
Nach diesem kurzen naiv-philosophischen Ausflug ein Blick auf den status quo: irgendwie läuft doch alles verkehrt. Die Politik hat kein Handlungsprimat gegenüber der Wirtschaft, die Masser der Bürger ist abhängig und
Ich sage das schon seit vielen Jahren (also seit ich mich mit gesellschaftlichem Diskurs beschäftige): Ethik gehört eigentlich verpflichtend in den Grundschulunterricht, spätestens aber in die Sekundarstufe 1 - und nicht, wie heute praktiziert, als unvollständige light-Variante an Gymnasien als "Gesellschafts+Sozialkunde".
An der Wurzel muss man das Übel packen, damit die Folgegenerationen es vielleicht besser machen. Mächtige (IT-)Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, ist m.E. das berühmte Aufzäumen eines Gauls von hinten.
Größe ist ein Punkt, der die Debatte wirklich verändert. Zumindest in Teilmärkten haben die genannten Unternehmen eine Stellung inne, die einem Monopol sehr nahe kommt. Soll heißen: es gibt wenige bis keine ernstzunehmenden und breit bekannten Alternative. Welche Sozialen Netzwerke spielen beispielsweise eine ähnliche Rolle wie Facebook?
Größe führt zu Macht und Macht braucht ein Gegengewicht. Deswegen wurden und werden zB natürliche Monopole wie bei den Versorgern reguliert, weil Post, Telekom, Gasversorger usw ihre Kunden ganz schnell noch stärker ausnehmen würden, wenn keiner eingreift. Und wenn es um Meinungen und Informationen geht, ist die „Ware“ um die es geht, sogar besonders sensibel.
Nationale Regulatoren stoßen natürlich bei global agierenden und sich dermaßen schnell ändernden Unternehmen wie denen der Internetwirtschaft schnell an ihre Grenzen. Bleibt also nur der Wettbewerb - wenn es ihn denn gibt.
Wirtschaft und Ethik schließen sich auch nicht aus oder wären in sich widersprüchlich. Beides ist von Menschen gemacht, gesteuert, erst durch den Menschen in der Form vorhanden. Wenn jemand sagt, Wirtschaft würde Ethik ausschließen, schließt er die Wirtschaft aus der Gesellschaft an sich aus. Das wäre ein Widerspruch - denn ohne Gesellschaft keine Wirtschaft.
Natürlich müssen Unternehmen ethisch betrachtet werden und die im Unternehmen vorhandenen Widersprüche und jene, die zu ehtischen Grundsätzen der Gesellschaft stehten, geäußert und geändert werden.
Facebook will Klarnamen - da wird gesagt, natürlich ist ihr Geschäftsprinzip und unternehmenseigen. Das Facebook eigentlich nur User ab 13 Jahren aufnimmt, hier aber Null,Null Kontrolle stattfindet, wieviele unter 13jährige bei Facebook angemeldet sind - widerspricht nicht nur ethischen Prinzipen, sondern auch den AGB's des Unternehmens.
der freiwilligen Verpflichtung, etwas zu tun oder nicht zu tun, voran... Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand die Unternehmen zur Ethik zwingen wird ist verschwindend klein und wird täglich kleiner.
"Unternehmen muss man wenn sies schon von alleine nicht tun eben zur Ethik zwingen."
Ich stimme Ihnen zu, aber wo fängt man das an? Wer bestimmt die Ethik? Top-Down, also von oben oktruiert, kann sowas auch derbe schiefgehen.
Erst müssen sich die Staaten selbst zu ethischem Handeln bekennen, bevor sie, als Vertreter der Interessen der Bürger, Gesellschaft und des Gemeinwohls, ihr Handlungsprimat gegenüber der Wirtschaft ausüben, und einen Ordnungsrahmen setzen, der ethisches Wirtschaften begünstigt und unethisches, unnachhaltiges Wirtschaften bestraft.
Damit die Staaten dies tun, müssen die Bürger, die den Staat formen, dies tun und entsprechend wählen, die Kunden ihren Einfluß ausüben, indem sie entsprechend handeln und konsumieren.
Nach diesem kurzen naiv-philosophischen Ausflug ein Blick auf den status quo: irgendwie läuft doch alles verkehrt. Die Politik hat kein Handlungsprimat gegenüber der Wirtschaft, die Masser der Bürger ist abhängig und
Ich sage das schon seit vielen Jahren (also seit ich mich mit gesellschaftlichem Diskurs beschäftige): Ethik gehört eigentlich verpflichtend in den Grundschulunterricht, spätestens aber in die Sekundarstufe 1 - und nicht, wie heute praktiziert, als unvollständige light-Variante an Gymnasien als "Gesellschafts+Sozialkunde".
An der Wurzel muss man das Übel packen, damit die Folgegenerationen es vielleicht besser machen. Mächtige (IT-)Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, ist m.E. das berühmte Aufzäumen eines Gauls von hinten.
Größe ist ein Punkt, der die Debatte wirklich verändert. Zumindest in Teilmärkten haben die genannten Unternehmen eine Stellung inne, die einem Monopol sehr nahe kommt. Soll heißen: es gibt wenige bis keine ernstzunehmenden und breit bekannten Alternative. Welche Sozialen Netzwerke spielen beispielsweise eine ähnliche Rolle wie Facebook?
Größe führt zu Macht und Macht braucht ein Gegengewicht. Deswegen wurden und werden zB natürliche Monopole wie bei den Versorgern reguliert, weil Post, Telekom, Gasversorger usw ihre Kunden ganz schnell noch stärker ausnehmen würden, wenn keiner eingreift. Und wenn es um Meinungen und Informationen geht, ist die „Ware“ um die es geht, sogar besonders sensibel.
Nationale Regulatoren stoßen natürlich bei global agierenden und sich dermaßen schnell ändernden Unternehmen wie denen der Internetwirtschaft schnell an ihre Grenzen. Bleibt also nur der Wettbewerb - wenn es ihn denn gibt.
Wirtschaft und Ethik schließen sich auch nicht aus oder wären in sich widersprüchlich. Beides ist von Menschen gemacht, gesteuert, erst durch den Menschen in der Form vorhanden. Wenn jemand sagt, Wirtschaft würde Ethik ausschließen, schließt er die Wirtschaft aus der Gesellschaft an sich aus. Das wäre ein Widerspruch - denn ohne Gesellschaft keine Wirtschaft.
Natürlich müssen Unternehmen ethisch betrachtet werden und die im Unternehmen vorhandenen Widersprüche und jene, die zu ehtischen Grundsätzen der Gesellschaft stehten, geäußert und geändert werden.
Facebook will Klarnamen - da wird gesagt, natürlich ist ihr Geschäftsprinzip und unternehmenseigen. Das Facebook eigentlich nur User ab 13 Jahren aufnimmt, hier aber Null,Null Kontrolle stattfindet, wieviele unter 13jährige bei Facebook angemeldet sind - widerspricht nicht nur ethischen Prinzipen, sondern auch den AGB's des Unternehmens.
der freiwilligen Verpflichtung, etwas zu tun oder nicht zu tun, voran... Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand die Unternehmen zur Ethik zwingen wird ist verschwindend klein und wird täglich kleiner.
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