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"Wäre Festivalitis eine Krankheit, würde man von einer Pandemie sprechen müssen", schreibt Franz Willnauer in seinem Artikel Festspiele und Festivals für den Deutschen Musikrat. Das klingt hämisch und ist bestimmt so gemeint, denn an Festivals herrscht tatsächlich kein Mangel. Sie kamen in Wellen zu uns: Die ersten entwickelten sich aus höfischen Festen.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten sich zahlreiche Festivals, sie sollten ein Symbol für Frieden sein. Die siebziger Jahre waren nicht gerade festivalfreundlich, erst in den Kohl-Jahren dachte sich Justus Frantz das Schleswig-Holstein Musik Festival aus, die Klassik wurde Volksmusik, das fand viele Nachahmer. Eine vierte Welle kam nach der Wende: Der Osten hatte viele Schlösser und nur noch wenig Industrie, also wurde er sommerfestivalisiert. Es fällt auf, dass die Namen der neuen Festivals erstaunlich selten Anglizismen sind. Das Publikum ist wohlhabend, grauköpfig und spricht kein Englisch. Das klingt ein wenig hämisch und ist auch so gemeint.