Wenn Science-Fiction-Filme Auskunft geben über den Zustand der Weltseele, dann ist es um sie zurzeit nicht gut bestellt. Schwer leidet sie an ihren irdischen Missetaten, und ständig scheint sie sich zu fragen: Warum ist der Mensch böse? Warum ist er ein Spezialist fürs Ausrotten und Abschlachten? Ist er an allem schuld?

Nein, das sei er nicht, sagt der Regisseur Sir Ridley Scott, der Schöpfer von Filmen wie Blade Runner und Alien. Den Menschen treffe keine Schuld, er ist Gott sei Dank kein Teufel, sondern wurde zum Teufel gemacht: Das Böse kam von draußen. Eine menschenähnliche Spezies aus einem anderen Sonnensystem hat ihm die DNA versaut, sie hat ihm in die Ursuppe gespuckt und das Menschenwesen auf ewig mit dem Bösen infiziert.

Prometheus heißt der Film, mit dem Scott die darbende Weltseele massiert, und die schwer verquirlte Geschichte geht ungefähr so: Ein Forscherteam findet im Jahre 2089 in einer schottischen Höhle Hinweise darauf, dass vor Urzeiten eine Delegation Außerirdischer auf der Erde gelandet ist. Die Aliens, so jedenfalls versteht man ihre Gesten auf der Höhlenmalerei, bitten höflich zum Gegenbesuch, und so macht sich der Raumfrachter Prometheus auf, die lieben Verwandten auf Mond LV-223 zu besuchen. Mit an Bord ist David (Michael Fassbender), ein Androide, der naturgemäß viel pfiffiger ist als alle Altmenschen zusammen. Als die Besatzung nach einigen Jahren gut gelaunt am Ziel ankommt und mit fetten Geländetrucks durch die archaische Landschaft donnert, erlebt sie ein blaues Wunder: Die Vorfahren sind gar nicht so nett, wie man gedacht hatte, es sind weder wohlmeinende Götter noch herzige Übermenschen. Stattdessen treffen die Erdbewohner auf galaktische Teufel, und der pyramidenähnliche Heilige Berg entpuppt sich als monströser Todesbunker, in dem Massenvernichtungswaffen gelagert werden, um Mutter Erde aus der Umlaufbahn zu ballern. Warum der ganze Vernichtungsaufwand, das bleibt allerdings das große Rätsel des Films. Denn wie der Zuschauer gleich in der ersten Szene erfährt, hatten die humanoiden Ingenieure höchstpersönlich der Erde ihren Gencode eingepflanzt. Wollen sie das andere ihrer selbst vernichten, ihr menschliches Alter Ego? Empfinden sie prometheische Scham und können nicht mehr in den Spiegel schauen?

Prometheus ist ein handwerklich brillanter Science-Fiction-Horror-Film, aber alles in allem doch ein großer Mythen-Rührquark mit vielen abgeschmackten Zutaten aus der abendländischen Bilderbackstube. Auch wenn immer wieder ein christliches Kreuz in die Kamera gehalten wird, macht sich Scott nicht die geringste Mühe, zwischen Gott und Göttern zu unterscheiden, zwischen Antike und Christentum. Mythos, Monotheismus, alles plätschert müde durch den dünnen Symbolbrei, mit dem die sinnhungrige Weltseele cineastisch abgefüttert wird: ein Löffelchen für Gottvater, ein Löffel für Prometheus. Nach dieser therapeutischen Kinositzung darf sich der Patient besser fühlen, denn die Botschaft lautet: Nicht wir Menschen sind schuld daran, dass hienieden so vieles den Bach runtergeht, es waren die gottverdammten Schufte vom anderen Stern, die uns den Schlamassel eingebrockt haben. "Teufel, sie haben uns konstruiert!" Auch Gott, der große Regisseur im Weltspiel, ist aus dem Schneider. Er hat in seinem kosmischen Schlupfloch mal wieder mit allem nichts zu tun, und so können die Erdlinge so weitermachen wie gewohnt. God bless you.