Verleger Rudolf HetzelBerliner Intimitäten

Der Verleger Rudolf Hetzel macht seine Geschäfte in der Welt der Politiker, PR-Leute und Lobbyisten. von 

Sein Studium finanzierte sich Rudolf Hetzel mit Animateurjobs, und etwas davon steckt heute noch in ihm – nur bespaßt der 37-Jährige im politischen Berlin nicht Touristen, sondern Lobbyisten, PR-Profis, Journalisten und Politiker.

Mehr als 5.000 Interessensvertreter tummeln sich in der Hauptstadt. Hinzu kommen ungezählte Pressesprecher, PR-Leute und Hintergrundhelfer. Sie nehmen Einfluss auf politische Entscheidungen, lancieren Informationen an Journalisten und versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Man trifft sie in den Cafés und Restaurants rund um den Bundestag.

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Dieses Berlin ist Rudolf Hetzels Welt. Mit der Helios Media GmbH hat er ein kleines Imperium rund um diese Akteure geschaffen.

Ob Ministerin oder Hinterbänkler, in das Magazin politik&kommunikation, kurz p&k, schaut jeder rein, der Teil des politmedialen Klüngels ist oder sein möchte. Es ist so etwas wie die Gala der Szene und Aushängeschild des Helios-Verlags. Das Fachmagazin für die Kommunikationsbranche kürt die einflussreichsten Lobbyisten oder berichtet in opulenten Fotostrecken, wer mit wem auf welchem Empfang oder Kongress gefeiert hat. Hinterbänkler dürfen ihre Lieblingsfilme, ihr Lieblingsgetränk oder ihre Lieblingsplätze in Berlin verraten. p&k weiß, wer wo welchen Job übernimmt. Es kürt den »Liebling des Monats« und macht so die Hackordnung im Politikbetrieb klar.

Als Student entdeckte er in Washington eine Marktlücke

»Hetzels Magazine schreiben, worüber schon immer getratscht wurde. Und zwar auf den Fluren der Redaktionen ebenso wie in den Abgeordnetenbüros«, sagt Jürgen Hogrefe, ehemals Spiegel-Redakteur und dann Lobbyist für den Energiekonzern EnBW. Heute ist Hogrefe mit einer Strategieberatung selbstständig. Daniel Goffart, Leiter des Hauptstadtbüros des Focus, sagt: »Rudolf Hetzel hat mit p&k so etwas wie die Bunte für Politiker, Journalisten, PR-Leute und Lobbyisten erfunden.«

Tina Groll
Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Was hier berichtet wird, ist Small-Talk-Thema zwischen Hummerhäppchen und Sektkelchen auf den Berliner Abendveranstaltungen. Wie echte People-Magazine organisiert auch der Helios-Verlag solche Events selbst, um darüber zu berichten. Minister, Vorstände und Chefredakteure stehen auf den Gäste- und Rednerlisten der Helios-Veranstaltungen. Berüchtigt sind die »Politik Awards« im Tipi beim Bundeskanzleramt, wo Helios den »Politiker des Jahres« kürt, oder der Kommunikationskongress im Friedrichsstadtpalast, eine Art Kirchentag der Pressesprecher und PR-Profis. Termin- und Informationsdienste, Newsletter und eine Datenbank mit über 20.000 Kontakten, dazu noch ein Verband runden das Kerngeschäft von Helios ab.

Das Geschäft lohnt sich und hat Hetzel zu einem einflussreichen Strippenzieher in Berlin gemacht. Nur behauptet der 37-Jährige, dass er gar keine Strippen ziehen will. »Ich gründe einfach gerne Unternehmen im politischen Umfeld.«

Leserkommentare
  1. Da bleibt einem doch der Mund offen, was alles geht.
    Doch der letzte Absatz hat es in sich...
    Abmelden beim Chef - naja wem´s so viel Spass macht, der passt ins Team.

    • sl007
    • 21. August 2012 16:00 Uhr

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich zum konkreten Artikelinhalt. Danke. Die Redaktion/kvk

    • korn24
    • 28. August 2012 18:46 Uhr

    Unfassbar. Ich war selbst einmal bei Helios Media. In einer Redaktion mit einem Redakteur (der dann gleich Chefredakteur war), einem Volo und vier Praktikanten... Fulltime-job, obwohl wir keinen Schimmer hatten, was wir da eigentlich gemacht haben... Der ganze Laden ist ein hipper Mist....

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