Hermann Hesse: Siddhartha im Schwarzwald
In Calw warnte man einst die Kinder, sie könnten enden wie Hermann Hesse. Der Dichter revanchierte sich mit einer Liebeserklärung an seine Heimatstadt. Fünfzig Jahre nach seinem Tod wird er gefeiert – weil man ihn braucht.
© Jan-Philipp Strobel dpa/lsw

Die Statue "Hermann Hesse 1877- 1962 zwischen Verweilen und Aufbruch" des Bildhauers Kurt Tassotti steht auf der Nikolausbrücke in Calw.
Im Zentrum von allem steht das Katzenklo. Diesen Sommer hatte es seinen großen Auftritt, als Udo Lindenberg kam. »Udo«, wie er in Calw vertraulich genannt wird, ist seit einiger Zeit geouteter Hermann-Hesse-Fan (sein Buch Mein Hermann Hesse ist im Suhrkamp Verlag erschienen). Manche sagen, Lindenberg sei einer, der seine Scham besiegt und sich im Alter zur literarischen Liebe seiner jungen Jahre bekannt habe. Das macht nicht jeder. Es ist nach wie vor ein gewisser Schamfaktor damit verbunden, wenn von Hesse die Rede ist.
Vor vier Wochen hat Udo wieder einmal auf dem Calwer Marktplatz gespielt. Jedes Jahr findet »Calw rockt« statt, seit der ersten großen Hermann-Hesse-Feier vor zehn Jahren. Letzten Sommer waren Suzi Quatro und Sweet da. Dieses Jahr auch Peter Maffay. Es ist die Versammlung der älteren Semester. »Hermann« sagt hier allerdings keiner. Da ist man nicht so vertraulich. Er heißt nach wie vor »der Hesse«.
Hermann Hesse ist Weltruhm pur. Kein Deutscher wird im Ausland häufiger gelesen. Generationen sind mit Unterm Rad oder Steppenwolf aufgewachsen. Sein lebenslanges Motto »Werde, wer du bist« hat ihn für viele zum Ur-Heros der Selbsterfahrung gemacht, für andere zu einer nicht ganz ernst zu nehmenden Figur mit einem Hang zum Erbaulichen. In Calw wurde er geboren.
Die kleine Stadt liegt im Nordschwarzwald, eingepfercht in ein schluchtartiges Tal, durch das die Nagold fließt. Das Zentrum ist seit einigen Jahren vom Verkehr entlastet, er ergießt sich jetzt unwetterartig weiter draußen am Nagoldufer.
Auf den ersten Blick ist Calw ein schönes Städtchen. Fachwerk, malerische Winkel, ein paar Straßencafés. In vielen Schaufenstern hängen historische Ortsansichten. Fuhrwerke, Flößer auf der Nagold, Handwerker. So sah es hier also aus, als Hesse jung war und Calw weit davon entfernt, sich Hermann-Hesse-Stadt zu nennen. Als man noch eher davon redete, wie der junge Bursche an der Nagold herumlungerte und das Schlimmste tat, was man in der fleißigen Leder- und Tuche-Stadt tun konnte: gar nichts. Damals war er 16 und kurz zuvor aus dem Seminar in Maulbronn geflohen.
Wie konnte er nur? Ihm hatten doch alle Türen offen gestanden. Als einer der wenigen war er durchs württembergische Landexamen gekommen, das bedeutete: kostenlose Ausbildung zum Pfarrer mit anschließend garantierter Stelle bis ans Lebensende. Undenkbar, dass man so etwas ausschlug. Die Eltern steckten den widerspenstigen Schüler sogar in die Nervenheilanstalt. Von dort bat er seinen Vater in einem Brief »um 7 M [Mark] oder gleich um den Revolver«.
In etwa dreißig Erzählungen kommt Calw vor, unter dem Namen Gerbersau
Als er heimkehrte, betrachtete man sein Leben als verpfuscht. Eltern ermahnten ihre Kinder, folgsam zu sein, damit sie nicht endeten wie der Hesse. Noch als Nobelpreisträger galt er manchen Calwern hauptsächlich als einer, der die Jugend verdirbt.
Der Satz mit den sieben Mark und dem Revolver könnte heutzutage auch als Udo-Lindenberg-Textzeile durchgehen und wäre dann unter allgemeinem Applaus auf dem Marktplatz zu hören, wenn Calw mal wieder gerockt wird. Das Catering übernimmt wie üblich der ortsansässige Sportverein.
Erst nach einer Weile merkt man, dass mit dieser schönen Stadt etwas nicht stimmt. Die Läden, in deren Schaufenstern die alten Fotografien hängen, stehen allesamt leer. Selbst das gewaltige Rathaus auf dem Marktplatz beherbergt nichts mehr. Es ist in seiner Statik erheblich beschädigt, weil die Stadt die tonnenschwere Registratur ausgerechnet ins Obergeschoss geräumt hatte. Das alte Gebäude wurde inzwischen aufwendig entkernt, aber wozu, weiß keiner so recht. Vor zwei Wochen hat es der Schwarzwälder Bote, das Ortsblatt, als »Feldscheune« bezeichnet. Neben dem Artikel stand ein Foto des Inneren, das alle Bürger etwas geschockt hat. Udo Lindenberg rockt also vor vollem Marktplatz, aber mit leeren Häusern. Der Übergang zur Kulissenstadt ist in Calw fließend geworden.






Indien braucht man aber nicht zum Siddharta werden ;)
Mich erstaunt, dass Sie als Hesse-Kenner nicht Bescheid wissen!
1. Es heißt "Landexamen" und nicht "Landesexamen".
2. Hesse konnte mit Bestehen des Landexamens württembergischer evangelischer Pfarrer werden und nicht Priester!
Freundliche Grüße
Mich erstaunt, dass Sie als Hesse-Kenner nicht Bescheid wissen!
1. Es heißt "Landexamen" und nicht "Landesexamen".
2. Hesse konnte mit Bestehen des Landexamens württembergischer evangelischer Pfarrer werden und nicht Priester!
Freundliche Grüße
Wer aus so einem Dorf oder Städtchen kommt und so gestrickt ist, dass er nicht umgehen kann, mit dem was die Menschen dort anständig finden, während sie doch ungesehen nur hauen und stechen gegen alles was ihnen fremd ist, der weiß, wie es Hermann Hesse zumute gewesen sein muss. Und für so einen sind seine Bücher Trost und sein Leben Anleitung, sich den Mut nicht nehmen zu lassen. Obwohl es immer alle besser wissen. Für die Städtchen oder Dörfer ändert sich gar nichts. Die werden ihren Hesse auch in tausenden von Jahren erst in dem Moment erkennen, in dem sie mit ihm Reklame machen können.
Ich habe nicht ganz verstanden, was Sie mit dem Seitenhieb auf Henry David Thoreau eigentlich wollen, aber er hat auf jeden Fall deutlich mehr als EIN Buch geschrieben:
http://en.wikipedia.org/w...
Aulus Persius Flaccus (1840)[84]
The Service (1840)[85]
A Walk to Wachusett (1842)[86]
Paradise (to be) Regained (1843)[87]
The Landlord (1843)[88]
Sir Walter Raleigh (1844)
Herald of Freedom (1844)[89]
Wendell Phillips Before the Concord Lyceum (1845)[90]
Reform and the Reformers (1846–48)
Thomas Carlyle and His Works (1847)[91]
A Week on the Concord and Merrimack Rivers (1849)[92]
Resistance to Civil Government, or Civil Disobedience (1849)[93]
An Excursion to Canada (1853)[94]
Slavery in Massachusetts (1854)[95]
Walden (1854)[96]
A Plea for Captain John Brown (1859)[97]
Remarks After the Hanging of John Brown (1859)[98]
The Last Days of John Brown (1860)[99]
Walking (1861)[100]
Autumnal Tints (1862)[101]
Wild Apples: The History of the Apple Tree (1862)[102]
Excursions (1863)[103]
Life Without Principle (1863)[104]
Night and Moonlight (1863)[105]
The Highland Light (1864)
The Maine Woods (1864)[106][107]
Cape Cod (1865)[108]
Letters to Various Persons (1865)[109]
A Yankee in Canada, with Anti-Slavery and Reform Papers (1866)[110]
Early Spring in Massachusetts (1881)
Summer (1884)[111]
Winter (1888)[112]
Autumn (1892)[113]
Miscellanies (1894)[114]
Familiar Letters of Henry David Thoreau (1894)[115]
Poems of Nature (1895)
Ich frage mich was Sie mit diesem Artikel bezwecken. Man erfährt hier nicht viel mehr über Hesse als man nicht eh schon weiß. Das meiste wurde schon hundert Mal beschrieben. Das einzig neue ist, dass Sie sich in Calw nicht wohl fühlen. Es ist schon ein schweres Leid, dass Sie da ertragen müssen: 3 Monate kostenlos in Calw leben und dafür auch noch 8.000€ Förderung zu bekommen.
Calw ist mehr als Fachwerkhäuser, Lindenberg und Hesse – Ja, Calw ist eine Kleinstadt, etwas verschlafen und bedingt durch die geografische Lage leider in vielen Dingen auch nicht mehr konkurrenzfähig. Aber dieses kleine Provinzstädchen hat seinen Charme. Und dieser Charme ist es, der mich auch nach vielen Jahren, die ich aus beruflichen Gründen in anderen großen Städten verbracht habe, immer noch mit Freude nach Calw kommen lassen. Und dieser Charme war es wohl auch, weswegen Hesse alles in allem sich gern an seine Zeit in Calw erinnert hat. Dieser Charme ist Ihnen offensichtlich vorenthalten geblieben. Vielleicht hätten Sie sich auf die Stadt und ihre Menschen einlassen sollen, statt nur oberflächlich über Sie zu berichten.
Schade um die verlorene Zeit.
Mich erstaunt, dass Sie als Hesse-Kenner nicht Bescheid wissen!
1. Es heißt "Landexamen" und nicht "Landesexamen".
2. Hesse konnte mit Bestehen des Landexamens württembergischer evangelischer Pfarrer werden und nicht Priester!
Freundliche Grüße
das in allen Dingen liegt, als gegenteilige Verstrebung der in sich verfließenden Wahrheiten, bezüglich einer
Perspektive (Nietzsche), die das Seltene als Ereignis sein lässt; und somit der Geschichtlichkeit der Ereignung
zukommen läßt; „amor fati“... ergibt die Liebe zu seltenen Entscheidungszeiträumen in der Unbestimmbarkeit
der „viel zu vielen“ Personen.
Es ehrt ja Udo, aber dieses "gegen Rechts" und der meist da-
zugehörigen P.C., würde er wohl kaum was abgewinnen können.
Insofern ist Hermann Hesse keine Person der Öffentlichkeit, wenn wir hier auch vom Wesentlichen der Ereignung sprechen;
zumal Lysergsäurediethylamid ( A. Hoffmann) induziert zu sein scheint, und dann möglicherweise inaugurierte „Erfahrung“ gebiert.
In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen Ernst Jünger und Hermann Hesse, was die eindeutige
„Erfahrung“ des Da-Seins (M. H.) betrifft.
Da dies im „demokratischen Vollzug“ nicht verstanden werden kann, sprich nicht kommunizierbar ist ( vor
allem im Sinne der „Diskursethik“ von J. Habermas), sollte der „kritische“, „reflektierte“ „Intellektuelle“ in
sein Biedermeierhäuschen gehen und möglicherweise im Prenzlauer Berg die leise Katastrophe des ESM freudig
begrüßen.
Die „permanente Revolte“ fand nur bei Wenigen und im Gehirn statt.
Und so schließt sich ein Kreis in den Kreislauf der Natur, in der sich nun langsam abzeichnenden Katastrophe.
Der Quantensprung findet immer
statt, – bei Einzelnen, Seltenen: Die platonische Urerfahrung.
das in allen Dingen liegt, als gegenteilige Verstrebung der in sich verfließenden Wahrheiten, bezüglich einer
Perspektive (Nietzsche), die das Seltene als Ereignis sein lässt; und somit der Geschichtlichkeit der Ereignung
zukommen läßt; „amor fati“... ergibt die Liebe zu seltenen Entscheidungszeiträumen in der Unbestimmbarkeit
der „viel zu vielen“ Personen.
Es ehrt ja Udo, aber dieses "gegen Rechts" und der meist da-
zugehörigen P.C., würde er wohl kaum was abgewinnen können.
Insofern ist Hermann Hesse keine Person der Öffentlichkeit, wenn wir hier auch vom Wesentlichen der Ereignung sprechen;
zumal Lysergsäurediethylamid ( A. Hoffmann) induziert zu sein scheint, und dann möglicherweise inaugurierte „Erfahrung“ gebiert.
In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen Ernst Jünger und Hermann Hesse, was die eindeutige
„Erfahrung“ des Da-Seins (M. H.) betrifft.
Da dies im „demokratischen Vollzug“ nicht verstanden werden kann, sprich nicht kommunizierbar ist ( vor
allem im Sinne der „Diskursethik“ von J. Habermas), sollte der „kritische“, „reflektierte“ „Intellektuelle“ in
sein Biedermeierhäuschen gehen und möglicherweise im Prenzlauer Berg die leise Katastrophe des ESM freudig
begrüßen.
Die „permanente Revolte“ fand nur bei Wenigen und im Gehirn statt.
Und so schließt sich ein Kreis in den Kreislauf der Natur, in der sich nun langsam abzeichnenden Katastrophe.
Der Quantensprung findet immer
statt, – bei Einzelnen, Seltenen: Die platonische Urerfahrung.
Auf Wunsch des Users entfernt. Die Redaktion/lv
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren