Schily jedenfalls beglückwünscht seinen Amtsnachfolger Friedrich zur Berufung Maaßens. »Das ist einer der besten Beamten, den ich je kennengelernt habe. Er steht fest auf dem Fundament des Rechtsstaats, bringt aber auch die notwendige Härte mit, die man in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung braucht. Seine Arbeit am rot-grünen Zuwanderungsgesetz war brillant und hat zu einem echten Fortschritt in der deutschen Migrationspolitik geführt.«

Wenn man Hans-Georg Maaßen fragt, worin er die wichtigsten Gefahren für Deutschlands Sicherheit sieht, sagt er nicht sofort »Terrorismus«. Er sagt: »Im Auseinanderfallen der Gesellschaft. Sie muss sich mehr um junge Menschen kümmern, die einen Entwicklungsbruch erlebt haben und sich zu extremistischen Gruppierungen hingezogen fühlen.«

Sein Interesse für das Ausländerrecht ist ihm auch als Ressentiment ausgelegt worden. Wird hier einer Verfassungsschützer, der in seiner bisherigen Arbeit vor allem versucht hat, Ausländer abzuschieben? Hat er nicht sogar gegen das Kirchenasyl angeschrieben? Ja, hat er. Maaßen ist der Meinung, niemand könne in einem Rechtsstaat einfach so Recht setzen, wenn er behördliche Entscheidungen falsch findet – das sei im Grunde eine Form von »Selbstjustiz«.

Es hat ihn geärgert, dass in den achtziger und neunziger Jahren Hunderttausende von Flüchtlingen und Asylbewerbern aufgenommen wurden, ohne dass die Politik offen über die damit verbundenen Probleme gesprochen habe. Radikalisierung, Integrationsdefizite und soziale Notlagen seien die Folge einer Scheu vor politischen Konflikten gewesen, die dann auch das Asylrecht – das ihm wichtig ist – in den Augen vieler Menschen diskreditiert habe. »Wer ein anderes Asylrecht will, soll es eben im Parlament durchsetzen. Das Parlament soll ein ordentliches Gesetz machen und nicht einfach den Richter entscheiden lassen.«

Als junger Mann ist Maaßen mit einem Interrail-Ticket 15.000 Kilometer quer durch Europa gefahren, von Athen bis Oslo, später war er in Australien und Neuseeland, bis es ihn schließlich nach Japan verschlug, seiner großen Liebe. Dort lernte er seine Frau kennen, bis heute hält er in Japan Vorlesungen, und er kann sich vorstellen, dort seinen Lebensabend zu verbringen. Am Japanischen liebt er die Raffinesse der Sprache: dass es für »Ich« verschiedene Worte gibt, je nachdem, mit wem man spricht. Dass man seine Frau nicht duzt. Und dass es einen eigenen Fall gibt, mit dem man Zweifel ausdrückt: den Dubitativ. In seinem neuen Amt wird er ihn brauchen können.