ProfessorenvergütungHoch die Leiter

Die TU München will die Professorenlaufbahn revolutionieren: Hochschullehrer sollen nach Leistung bezahlt und befördert werden. von 

Leistung lohnt sich nicht wirklich, zumindest wenn man Professor ist. So lautete die Kernbotschaft eines Bundesverfassungsgerichtsurteils, das vor einigen Monaten für Aufregung an den Unis sorgte. Konkret ging es um einen jungen Hochschullehrer aus Hessen, der mit seinen 3000 Euro netto nicht zufrieden war. Die Summe an sich sei gar nicht das Problem, sagten die Verfassungsrichter – solange es zusätzlich eine Leistungszulage gebe, die an »klar definierte, vorhersehbare und erfüllbare Voraussetzungen« gekoppelt sei. Anders ausgedrückt: Wenn ein Prof gut ist, muss er auch mehr Gehalt bekommen können. Und er muss auch wissen, was er tun muss, um seine Qualität zu beweisen.

Fast scheint es, als hätten die Dauerhochschulreformer von der TU München (TUM) die Klage des hessischen Professors vorausgeahnt, als sie vergangenes Jahr an ihrer erneuten Bewerbung für die Exzellenzinitiative schraubten. Mittlerweile sind die Münchner zum zweiten Mal in den erlauchten Kreis der Eliteuniversitäten aufgenommen worden, und einen der Hauptgründe für ihren Erfolg sieht TU-Präsident Wolfgang Herrmann in ebendieser Idee, »die Professorenlaufbahn in einer in Deutschland einzigartigen Weise zu revolutionieren«.

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Die gewisse Großspurigkeit, die hier anklingt, hatte bisher auch meist einen guten Grund: So nahm sich die TUM mit ihrer mutigen Entscheidung, die deutschlandweit erste Fakultät für Lehrerbildung einzurichten, eines der Dauerproblemthemen im Bildungswesen an. Immer mehr Hochschulen machen es ihr nach. Auch die Idee mit den neuen Professorenlaufbahnen könnte, so schreibt der Wissenschaftsrat in seiner Beurteilung über das TUM-Exzellenzkonzept, »über die Universität hinaus einen Vorbildcharakter für andere Universitäten annehmen.«

Eine Karriereleiter für Professoren

Was die TU vorhat: In den kommenden Jahren will sie 100 neue Professorenstellen besetzen, was schon wegen der schieren Menge bemerkenswert für eine deutsche Uni wäre. Vor allem aber will sie erstmals in Deutschland eine durchgehende Karriereleiter schaffen vom hoffnungsvollen »Assistant Professor« bis zum honorigen »Distinguished Professor«.

Der entscheidende Unterschied zu der Handvoll anderer Universitäten hierzulande, die sich bereits an einem sogenannten »Tenure Track« nach amerikanischem Vorbild versuchen: Jeder Professor, der neu ins System kommt, hat wirklich die gleiche Chance, es ganz nach oben zu schaffen – unabhängig von der zur Verfügung stehenden Stellenzahl. Denn jedes Jahr gibt es verpflichtende Feedback-Gespräche, und jeder Fortschritt ist einzig und allein abhängig von einer Bewertung durch ein Evaluationskomitee, wobei die Kriterien vorher genau festgelegt worden sind.

Was umgekehrt natürlich auch bedeutet, dass jeder neu berufene »Assistant Professor« wegen mangelnder Leistung rausfliegen kann. Nach maximal sechs Jahren steht der entscheidende Sprung an: Wird die »Tenure Evaluation« erfolgreich bestanden, steigen die Kandidaten zum »Associate Professor« auf und bekommen einen unbefristeten Vertrag. Ansonsten heißt es: Servus.

Leserkommentare
    • Puka
    • 20. August 2012 9:19 Uhr
    33. Es wird

    Es wird oft behauptet, dass in der freien Wirtschaft, im Dadrausen, jeder ständig einer Leistungskontrolle unterzogen wird, Tatsache ist aber, dass das schlicht nicht wahr ist. Bei den wenigsten Arbeitskräften kommt es zu regelmäßigen Evaluationen ihrer Leistungserbringung. Freilich müssen sie sich das Gemotze vom Chef anhören, wenn sie Mist gebaut haben, der Chef steht aber selten mit der Stoppuhr hinter ihnen und guckt wieviele Akten in der Stunde bearbeitet, wieviele Anrufe getätigt, wieviele Schrauben festgezogen etc. wurden, und ob es nicht ein anderer doch noch besser könnte.

  1. Diese Idee finde ich sehr sinnvoll, aus einem anderen Grund, der hier bisher nicht diskutiert wurde:

    In jedem Unternehmen und vielen anderen Organisationen können Sie alle paar Jahre mit Ihrem Chef über besseres Gehalt und / oder Beförderung verhandeln, wenn Sie gute Leistungen erbracht haben. Das ist an der Uni für Professoren bisher nicht so möglich.

    Als Hochschulprofessor können Sie eine solche Verhandlung allein nur dann führen, wenn Sie bereits ein Stellenangebot von einer anderen Universität vorweisen können. Damit müssen sich Professoren wegbewerben, um Bleibeverhandlungen zu führen. Sie müssen zu diesem Zweck dort den Anschein erwecken, wirklich weg zu wollen.

    Das ist ein enormer, unnötiger Aufwand für diese Professoren und gleichzeitig für die Berufungskommissionen, die einen neuen Professor für ihre Hochschule suchen, aber sich zwangsläufig intensiv mit vielen Bewerber im Verfahren beschäftigen, die eigentlich nur einen Ruf brauchen, um „daheim“ Bleibeverhandlungen führen zu können.

    Mit dem Modell von TUM würde vielen Beteiligten diese systemisch bedingte Farce erspart bleiben.

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    Die jaehrliche Bewertung jedes Professors in seinen ersten 6 Jahren wird aber EBENFALLS einen ernomen Aufwand darstellen. Auch dieser wird nicht immer zielfuehrend sein koennen.

    es gibt einen Griff in die Trickkiste: Ruf bei einer anderen Uni annehmen und dann bei der eigenen nachverhandeln (W Professuren). Dieser (eigenen Uni) dann deutlich machen, dass man bleiben will. Gängiges Verfahren. Ob es optimal ist, sei mal dahingestellt. Aber Grundsätzlich nach-verhandeln kann man schon.

    Prekärer finde ich die Situation des bereits genannten Mittelbaus, diese werden gerne im Haushalt als "Sachmittel" geführt. Desweiteren muss die Praxis der Lehrauftragsbezahlung nur im Zeitrahmen der Vorlesungszeit aufhören! Denn wie schon geschrieben, die Miete, die Teilernährung der Familie (der Partner muss auch zum Lebensunterhalt beisteuern anders funktioniert es nicht!) muss ja auch in der vorlesungsfreien Zeit gewährleistet sein! Zumal ja auch Leistungen erbracht werden in dem Klausuren/ Hausarbeiten/ sonstige Semesterleistungen [Abnahme von mündlichen Prüfungen/ Beisitz] der Studenten in Form von deren Korrektur.

    Best E.

  2. Der Wettbewerb in der Wissenschaft ist NORMALERWEISE haerter (NOMALERWEISE bis zur Selbstzerstoerung) als in der Wirtschaft.

    (siehe zum Beispiel Max Weber, "Wissenschaft als Beruf")

    Traeger dieses Wettbewerbs und Wettbewerbsrisikos sind aber seit Jahrzehnten ALLEIN die Doktoranden und Postdocs.

    Antwort auf "Wettbewerb"
  3. Braucht man ueberhaupt noch Professoren fuer die Lehre?

    Das Bachelor-Studium hat ungefaher das Profil der frueheren reformierten Oberstufe, nur ist es spezialisierter, mehr auf zufriedene Fachidioten als "Bildungs-"ziel hin ausgerichtet.

    Das dort praktizierte Bulimie-Lernen (schnellstmoeglich und genusslos Lernstoff fressen und gleich danach wieder auskotzen (Klausuren) und danach fuer immer vergessen/verdraengen) funktioniert sehr gut ohne grosse Professorenzahlen, z.B. im Sinne eines Fernstudiums aus Videoaufzeichnungen aus Vorlesungen international fuehrender Unis.

    Auch frueher war es doch in vielen Fakultuaeten (z.B. in allen technischen, und wir sprechen hier ja ueber die TU Muenchen) dass die Studis fast nur von Assistenten und sogar von Hiwis gelernt haben.

    Wenn nun auch zukuenftig 50% jedes Jahrgangs studieren sollen, braucht es dafuer also trotzdem keine hohen Professorenzahlen. Solche Zahlenwerke und Marketingaktionen wie jetzt von der TUM sind fuer die politische Geltung der Uni, nicht fuer eine wirkliche Strukturreform gedacht.

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    eine ihrer Grundlagen nehmen?

    Also ich möchte sehr wohl meine Professoren behalten (Auch die anderen Statusgruppen unter besseren Bedingungen!) Denn mit Ihrer Argumentation wäre ja das komplette Hochschulwesen obsolet.

    Best E.

  4. Die jaehrliche Bewertung jedes Professors in seinen ersten 6 Jahren wird aber EBENFALLS einen ernomen Aufwand darstellen. Auch dieser wird nicht immer zielfuehrend sein koennen.

  5. Tenure-track wurde seit Jahren (Jahrzehnten) von Nachwuchswissenschaftlern gefordert. Schon die Einfuehrung der Juniorprofessur wurde als tenure-track geplant was allerdings nur von einem einzigen Bundesland (Bremen) umgesetzt wurde. Ein richtiger tenure-track mit Evaluation nach 5 Jahren ist allemal fairer als eine Zwischenevaluation von Juniorprofessuren nach 3 Jahren. Bleibt zu hoffen das jetzt auch faire Prozesse zur Begutachtung eingefuehrt werden um Seilschaften und die Herrschaft des Mittelmasses zu brechen.

    Damit wurde eine wesentliches Hindernis fuer Wissenschaftler aus dem Ausland, die fehlenden Aufstiegsmoeglichkeiten, ausgeraeumt. Ich selber habe auch schon eine W2-Stelle aufgrund fehlender Perspektiven abgelehnt. Was noch als Hindernis bleibt sind die starren Strukturen (fehlende Kooperationen zwischen Professoren, Hindernisse fuer interdisziplinaere Forschung) und die, im Vergleich zum Ausland, hohe Belastung mit Verwaltung und Lehre.

    Diese verbleibenden Nachteile sind allerdings nur durch eine Verbesserung der Dozenten:Studenten Quote zu erreichen (1:70 in Muenchen, 1:15 an meiner derzeitigen britischen Uni). Das kostet Geld was entweder ueber Studiengebuehren (v.a. fuer auslaendische Studenten) oder ueber eine Verringerung der Doktorandenstellen moeglich ist. Im Rahmen der Exzellenzinitiative wurden mehr als 2000 neue Doktorandenstellen geschaffen (Geld ist also durchaus vorhanden)...

  6. Ich wüsste ja gerne einmal, ob die Bayrische Staatsregierung da mitspielt und das Beamtenrecht entsprechend ändert. An den Laufbahnen W1, W2 und W3 wird man wohl nicht viel rütteln können, d.h. eine W2 kann nicht ohne weiteres befristet werden, dafür ist ja grade die W1 gedacht... offenbar ist da mal wieder mehr heiße Luft als Substanz im Spiel...

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    KEINE Beamten. Die alten Beamtenstellen waren alle die mit C beginnen.

    Deswegen sind ja auch Nachverhandlungen möglich wie ich sie in einem anderen Post beschrieben habe.

    E.

    Post # 40. Best E. PS: Direkt unter Ihrem.

    Wozu muessen Professoren Beamte sein?

    Die Sozialdifferenz zwischen normalerweise nur befristet angestellten Doktoranden und Postdocs, die gemeinsam die wesentlich Leistungen eines Lehrstuhls erbringen (sowohl in der Forschung als auch in der Lehre) ist ohnehin schon viel zu gross um irgendeine Form von Teamwork oder auch nur Lastenverteilung zu ermoeglichen.

  7. es gibt einen Griff in die Trickkiste: Ruf bei einer anderen Uni annehmen und dann bei der eigenen nachverhandeln (W Professuren). Dieser (eigenen Uni) dann deutlich machen, dass man bleiben will. Gängiges Verfahren. Ob es optimal ist, sei mal dahingestellt. Aber Grundsätzlich nach-verhandeln kann man schon.

    Prekärer finde ich die Situation des bereits genannten Mittelbaus, diese werden gerne im Haushalt als "Sachmittel" geführt. Desweiteren muss die Praxis der Lehrauftragsbezahlung nur im Zeitrahmen der Vorlesungszeit aufhören! Denn wie schon geschrieben, die Miete, die Teilernährung der Familie (der Partner muss auch zum Lebensunterhalt beisteuern anders funktioniert es nicht!) muss ja auch in der vorlesungsfreien Zeit gewährleistet sein! Zumal ja auch Leistungen erbracht werden in dem Klausuren/ Hausarbeiten/ sonstige Semesterleistungen [Abnahme von mündlichen Prüfungen/ Beisitz] der Studenten in Form von deren Korrektur.

    Best E.

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