Rüstungsindustrie"Wir stellen keine Angriffswaffen her"

Stefan Zoller, Chef der EADS-Rüstungssparte Cassidian, spricht über Cyberkriege, den Bau von Drohnen und das plötzliche Abwürgen von Anrufern.

Stefan Zoller

Stefan Zoller

DIE ZEIT: Herr Zoller, Ihr Unternehmen steigt groß in den Markt für IT- und Internetsicherheit ein. Wie schützen Sie Ihr eigenes Smartphone?

Stefan Zoller: Es kommt vor, dass ich einen Anruf abrupt beende, um zu verhindern, dass Geschäftsgeheimnisse in das Datennetz gelangen. Dennoch erlebe ich es auch in meiner Firma, dass empfindliche Daten über die Smartphones per E-Mail, SMS oder durch die Anrufe selbst transportiert werden.

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ZEIT: Warum zweifeln Sie an der Netzsicherheit?

Zoller: Das Internet ist eine offene, jedem zugängliche Veranstaltung. Ein Unternehmen muss deshalb analysieren, welche Daten nicht nach außen dringen dürfen. Jeder Staat sichert ja seine militärischen Daten, etwa durch Verschlüsselung. Da gibt es kein Pendant in der Wirtschaft, obwohl die Informationen noch vertraulicher sein können.

ZEIT: Wann haben Sie gemerkt, dass dieses Thema sogar lukrativ für einen Rüstungskonzern ist, der sonst Eurofighter und Lenkflugkörper baut?

Zoller: Wir passen uns den Bedrohungslagen unserer Kunden an. Früher standen Tausende Flieger und Atomraketen im Osten. Dann haben wir nach dem 11. September ein Jahrzehnt gesehen, in dem die Bedrohungslage eher in Richtung Terrorismus ging. Die größte heutige Gefahr für unsere Sicherheit sind Hackerattacken aus dem Internet.

Umstrittene Flieger

Stefan Zoller ist seit sechs Jahren Chef der EADS-Rüstungstochter Cassidian. Fast ebenso lange wirbt der 54-Jährige für den Bau der unbemannten Drohne Talarion. Hunderte Millionen Euro hat das Unternehmen bereits in deren Entwicklung investiert. Nun arbeitet Zoller im Hintergrund aber an einer europäischen Partnerschaft nach Airbus-Vorbild. Zusammen mit den Rivalen BAE Systems aus Großbritannien und Dassault aus Frankreich sollen seine Ingenieure künftig an einer gemeinsamen Drohne tüfteln. Zu den ersten Kunden könnten Nato-Staaten wie Deutschland und Frankreich zählen. Die Bundesregierung wollte sich lange nicht zum Kauf von EADS-Drohnen bekennen. Doch am vergangenen Wochenende stellte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) klar, dass bis 2020 eine »europäische Drohne« einsatzfähig sein solle. Moralische Bedenken wischte er im Interview mit Springer-Medien beiseite: »Ethisch ist eine Waffe stets als neutral zu betrachten.« Kritiker hingegen stören sich am Einsatz der ferngesteuerten Drohnen gegen mutmaßliche Terroristen in Pakistan. Schätzungen zufolge kamen dadurch bislang mindestens 3.000 Menschen um.

ZEIT: Sie teilen die Einschätzung von FBI-Chef Robert Mueller, der Cyberattacken für gefährlicher hält als herkömmlichen Terrorismus?

Zoller: Ganz genau. Die Staaten reagieren darauf auch schon. Großbritannien investiert in den nächsten vier Jahren 650 Millionen Euro, andere Länder, auch Deutschland, ziehen nach.

ZEIT: Die Bundesregierung stützt Ihr Unternehmen mit Millionenzuschüssen für die Forschung. Was genau wird gefördert?

Zoller: Das Geld wird bei Cassidian für Grundlagenforschung mit Fokus auf die zivile Sicherheit eingesetzt. Dabei handelt es sich um Projekte im Bereich des zivilen Luftraums, aber auch im Bereich Krisenmanagement oder der Sicherung kritischer Infrastrukturen.

ZEIT: EADS will sich vom Staat lösen, heißt es stets auf Aktionärstreffen. Wie passt diese direkte Forschungshilfe dazu?

Zoller: Die wird vor allem zur Stärkung des Technologiestandortes Deutschland eingesetzt und hat nichts mit der Aktionärsstruktur zu tun.

Leserkommentare
  1. Cassidian ist ein Global Player des Security/Military Industrial Complex.Stefan Zoller verklärt Krieg und Überwachung als Aufklärung,Datenschutz und Verteidigung.
    Sein Kommentar zum Einsatz von Drohnen spiegelt sein zynisches Wertesystem.Cassidian produziert kein Spielzeug sondern verdient an Krieg und Überwachung,wird vom Steuerzahler unterstützt und ist prominent vertreten in deutschen Think Tanks wie der Stiftung Neue Verantwortung (Jens Witteck).

    17 Leserempfehlungen
  2. Nun da die Staaten Angst vor Cyberangriffen haben, will nun jeder von den freiwerdenden Geldern was abhaben.
    Und Leute mit wenig Ahnung, versprechen Leuten mit keiner Ahnung (Militär und Politik) das Blaue vom Himmel.
    Beispiele:
    1."Das World Wide Web ist eine Angriffsfläche, und wer Sicherheit will, koppelt sich ab und baut eigene Burgen."
    Allein Stuxnet hat bereits gezeigt, dass dies nicht ausreichend ist. Selbst wenn man eine "Airgap" zwischen Internet & sensiblen Daten hat, langt ein infizierter USB oder ein Update (was ja die Sicherheit erhöht) um die Airgap zunichte zu machen. Ein System das wirklich abgetrennt ist, ist auch nahezu unbrauchbar.
    2. "Früher hat man Wachen vor das Haus gestellt, heute stellt man sie vor die Computer. Dann legen wir durch technologische Entwicklungen und Kryptologie die Hürden höher, um einzudringen in die Systeme [zu verhindern]."
    Das ist schlichtweg Unsinn. Beispiel: Wenn ich meinen PC komplett mit TrueCrypt verschlüsselt habe, kommt da keiner ran, solange der Computer ausgeschaltet ist. Sobald ich ihn einschalte entschlüsselt man ihn. Wenn ich mir dann im Betrieb online einen Trojaner einfange, bringt mir auch die Verschlüsselung nichts.
    3."Unternehmen sagen uns, dass es bereits heute rund um den Globus durch das Manipulieren und Absaugen von Daten zu Wettbewerbsverzerrungen kommt [...] Gleiches gilt für Patente, Rezepturen in der Medizin."
    Meines Wissens sind Patente ohnehin offen einsehbar, also was hat das mit Cyberwar zu tun?

    2 Leserempfehlungen
  3. Ob Defensiv oder Offensiv - jede Waffe ist eine Waffe die universal einsetzbar ist. Eine solche Definition gibt es nicht und verzerrt die Situation. Man muss doch auch einmal von einem ausgehen - Terrorismus ist dort entstanden wo Menschen wissentlich aus mehreren Gründen ausgegrenzt werden!!!! Eigentlich ein logischer Vorgang. Alle Industrienationen sind für diese Bedrohung verantwortlich. Auf nähere einzelheiten verzichte ich die sollten ja klar sein. Die Bekämpfung des Übels zeigt gleichzeitig das Dilemma. Al Kaida und andere sind hitec-mäßig auf dem neusten Stand, daher können wir einen Überraschungseffekt ausschließen. Der Einsatz von Drohnen hat daher nicht den gewollten Effekt.

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    Der Herr soll mir eine Waffe nennen, die nur defensiv eingesetzt werden kann. Es gibt keine. Mit einer Panzerwabwehrrakete kann ich auch ein Gebäude zerstören. Somit ist jeder Verteidigungswaffe eben auch eine Angriffswaffe, wenn falsch eingesetzt.

    Der Herr soll mir eine Waffe nennen, die nur defensiv eingesetzt werden kann. Es gibt keine. Mit einer Panzerwabwehrrakete kann ich auch ein Gebäude zerstören. Somit ist jeder Verteidigungswaffe eben auch eine Angriffswaffe, wenn falsch eingesetzt.

  4. Der Herr soll mir eine Waffe nennen, die nur defensiv eingesetzt werden kann. Es gibt keine. Mit einer Panzerwabwehrrakete kann ich auch ein Gebäude zerstören. Somit ist jeder Verteidigungswaffe eben auch eine Angriffswaffe, wenn falsch eingesetzt.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Vollkommener Quatsch"
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    eine Rakete zur Raketenabwehr, wie sie auf Schiffen angewendet wird oder beim Patriot System.

    eine Rakete zur Raketenabwehr, wie sie auf Schiffen angewendet wird oder beim Patriot System.

  5. In diesem Artikel fehlt eigentlich nur noch ein Kommentar im Stile von:

    "Der Straßenverkehr und der Tabakkonsum fordern jedes Jahr mehr Opfer als großkalibrige Schusswaffen - sollen wir deshalb Autos und Zigaretten verbieten?"

    Ich sehe ja ein, dass Menschen in solch einer Branche sich das eigene Handeln auf jegliche erdenkliche Weise schönreden wollen, um abends noch in den Spiegel sehen zu können. Ein tieferes Hinterfragen der eigenen Branche würde schließlich zu solch einer gravierenden kognitiven Dissonanz führen, dass der Betreffende unverzüglich aussteigen müsste.

    Aber solchen Leuten dann auch noch eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre halbgaren Rechtfertigungsmechanismen der Allgemeinheit verkaufen, muss doch nun wirklich nicht sein, oder?

    Andererseits: ich traue den meisten mündigen Bürgern zu, dass sie solche Argumente durchschauen.

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  6. "Aber 15 gute Hacker können mehr Schaden anrichten als Tausende Soldaten."

    Und wie genau tötet ein Compuerprogramm ohne an eine konventionelle Waffe angeschlossen zu sein?

    Aber ist ja auch egal, was ist schon der Schaden an Leben und Gesundheit von Menschen: stellen Sie sich einmal vor was für ein (wirtschaftlicher) Schaden im Bereich geistiges Eigentum, Patente, Rezepte, Geldflüsse, Wettbewerb, etc. von Hackern angerichtet werden kann!

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  7. Geld scheint dem Herrn Zoller deutlich mehr wert zu sein als das Leben von Menschen, wenn er sagt, dass "15 gute Hacker mehr Schaden anrichten können als Tausende Soldaten."

    Tausende Soldaten können tausende von Menschen töten. Aber 15 Hacker würden folgendes tun: "Manipulieren und Absaugen von Daten [...] Wettbewerbsverzerrungen [...] Das verschafft Ihnen unglaubliche Wettbewerbsvorteile [...] Sie können das geistige Eigentum absaugen."

    Meine Frage an Herr Zoller wäre, ob ihm Leichen von Menschen (im direkten Vergleich) lieber sind als Erschütterungen der wirtschaftlichen Grundlage von Firmen bzw. ob er der Meinung ist, dass finanzielle Verluste und Ideendiebstahl schlimmer wiegen als der Verlust von Menschenleben.

    Folgende Frage hat an o.g. Stelle im Interview meiner Meinung nach gefehlt: "Herr Zoller, wenn sie entscheiden müssten: Würden sie dann lieber arm oder lieber tot sein?"

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    • TDU
    • 18.08.2012 um 11:46 Uhr

    Wie man in der Welt sieht, schützt auch Armut und Wirtschaftlosigkeit nicht vor Tod und Elend. Was wäre Ihnen also lieber?. Mal vorbeugend arm sein und zu meinen, dadurch gings der Bevölkerung besser?

    Ist doch egal wem was gehört. Und sich alles wegnehmen zu lassen, Eigentum scheint ja ein rotes Tuch zu sein, schützt auch nicht vor Sklaverei und Tod. Für sich selbst dürfen sie das wählen, aber nicht für Andere.

    • TDU
    • 18.08.2012 um 11:46 Uhr

    Wie man in der Welt sieht, schützt auch Armut und Wirtschaftlosigkeit nicht vor Tod und Elend. Was wäre Ihnen also lieber?. Mal vorbeugend arm sein und zu meinen, dadurch gings der Bevölkerung besser?

    Ist doch egal wem was gehört. Und sich alles wegnehmen zu lassen, Eigentum scheint ja ein rotes Tuch zu sein, schützt auch nicht vor Sklaverei und Tod. Für sich selbst dürfen sie das wählen, aber nicht für Andere.

    • TDU
    • 18.08.2012 um 11:37 Uhr

    15 Mann gegen Tausende Soldaten?. Wenn diese 15 überall rein könnten, würde das stimmen. Erst die Daten Infrastruktur z. B. Verkehrsampeln und Krankenhäuser von Köln und dann die Flugsicherung. Dann hätte man schon mal eine nachhaltige Katastrophe hergestellt.

    Von Eigenbedarf kann keiner leben. Also muss man verkaufen oder es sein lassen und kaufen. Macht abhängig. Einem "Inselchen", das keiner haben will, kann es egal sein. Aber Deutschland ist leider zu groß und zu begehrt, um allein nach moralischen Erwägungen zu agieren.

    Deswegen zwar das übliche Gerede aber die Taten zählen. Wichtig ist, dass das alles kontrolliert wird und so transparent wie möglich abläuft.

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