Soul Rebels Brass BandIm Atem der Welt

Aus New Orleans an die Spitze eines globalen Bläser-Revivals: Die Soul Rebels Brass Band. von Jonathan Fischer

Sechs Bläser, zwei Trommler: die Soul Rebels. Die "Village Voice" erkennt in ihnen das "Missing Link zwischen Louis Armstrong und Public Enemy".

Sechs Bläser, zwei Trommler: die Soul Rebels. Die "Village Voice" erkennt in ihnen das "Missing Link zwischen Louis Armstrong und Public Enemy".  |  © Rick Olivier

Die jungen Musiker der Soul Rebels Brass Band sind körperliche Höchstleistungen gewohnt: Schon seit zwei Stunden pusten sie im Bon-Temps-Roulé-Club in Uptown New Orleans aus ihren Rohren, was die Lungen nur hergeben. Es riecht nach Schweiß und Bier. Das Kondenswasser tropft von den holzgetäfelten Wänden. Weiße Collegestudenten und schwarze Nachbarschaftskids schreien im Chor »Showtime, Showtime«, das ist einer der lokalen Hits der Soul Rebels. Und es ist nur der Anfang einer langen Nacht. Sobald Sousafon-Spieler Edward Lee Jr. einen gewaltigen Basslauf aus seinem Trichter lässt, johlt die Menge auf, und die Tänzer bilden einen Kreis vor der Bühne, um sich unter den Anfeuerungsrufen der Umstehenden zu duellieren: mit kreisenden Becken, wilden Sprüngen – und manchmal auch auf allen vieren. Es käme in New Orleans jedenfalls einem Verbrechen gleich, angesichts der Druckwelle der Bläser einfach still zu stehen. Trompeten und Posaunen jagen sich in schrillen, insistierenden Riffs. Das hart geschlagene Becken klingt afrikanisch; und wenn die heiseren Männerkehlen der Soul Rebels in einen Chant einfallen, grölen alle mit: Die Melodien kennt hier jedes Kind.

Die New Yorker Village Voice hatte die Soul Rebels Brass Band kürzlich das »Missing Link zwischen Louis Armstrong und Public Enemy« genannt. Tatsächlich erinnert das New Orleans der Soul Rebels kaum an das Touristenklischee vom Dixie-Museum, sondern eher an ein zeitgenössisches Laboratorium der Straßenmusik. Entsprechend selbstbewusst präsentiert sich Unlock Your Mind (Rounder Records), das erste Album der Brassband für den internationalen Markt: Uropas Jazz gibt die Besetzung vor, und der Hip-Hop liefert die Energie. Entscheidend aber bleibt der Funk, die schmutzige Intonation, mit der die Soul Rebels Pop-Melodien, Jazz-Riffs und Dancefloor-Rhythmen aufeinanderprallen lassen. »Es hat schon seinen Grund«, erklärt der Schlagzeuger Lumar LeBlanc, »warum du in New Orleans mehr Bläser pro Kopf findest als in jeder anderen Stadt: Wenn am Sonntag um zwei Uhr eine Brassband um deinen Block marschiert und von deiner Großmutter bis zu deinem achtjährigen Cousin alle auf die Straße stürmen, weißt du, was Musik bewegen kann.«

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Auch die Musiker der Soul Rebels verdienten sich zunächst bei Harold Dejeans Young Olympia Brass Band ihre Sporen – mit überlieferten Märschen und Beerdigungsnummern. Bis das den beiden Trommlern Lumar LeBlanc und Derrick Moss nicht mehr reichte. Sie rekrutierten ein halbes Dutzend Gleichgesinnter aus regionalen High School Marching Bands und brachten einen ganz neuen Wumms ins Spiel.


Als die Soul Rebels anfingen, waren die traditionellen Brassbands – einst Nährboden für die frühen Jazzer von Louis Armstrong bis Sidney Bechet – vom Aussterben bedroht. Ältere Herren wickelten die Jazz Funerals ab. Das sollte sich erst mit dem Welterfolg der jungen Dirty Dozen und der Rebirth Brass Band Anfang der neunziger Jahre ändern. Nun gründeten Jugendliche in unzähligen Vierteln ihre eigene Brassband, es wurde nicht mehr so sehr marschiert, sondern nach Breakdance-Art gegeneinander angetanzt. Buckjumping heißt das in New Orleans. Die Soul Rebels trieben die Revolution noch weiter. Funk- und Reggae-Rhythmen? Gesungene und gerappte Chants? Von der ganzen Band gesteppte Choreografien? Alles ist möglich, Hauptsache, die Tänzer kommen in Wallung. Die jungen Brassbands bliesen alle Genregrenzen über den Haufen, übersetzten die Hits, die ihnen aus Clubs und Autoradios entgegenwehten, in schrille, unwiderstehliche Bläsersätze. Kein Wunder, dass heute selbst lokale Hip-Hop-Stars die Bläser für ihre Plattenpräsentationen buchen. Die Mission der Soul Rebels Brass Band? »Früher«, sagt Lumar LeBlanc, »durften die Brassbands bestenfalls draußen am Einlass eines Festivals auftreten. Wir wollen zeigen, dass wir dieselben Bühnen rocken können wie Snoop Dogg oder die Rolling Stones

Leserkommentare
  1. Ergänzt sei an dieser Stelle noch

    Youngblood Brass Band -> https://www.youtube.com/w...
    Speedometer -> https://www.youtube.com/w...
    Breakestra -> https://www.youtube.com/w...

    All those missing links ...

    • inaline
    • 28. September 2012 10:17 Uhr

    Doch höchstens in der Preservation Hall Jazz Band...

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  • Schlagworte Band | Soul | Musikgruppe | Musiker
  • Der Autor Diedrich Diederichsen

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