SterbehilfeDer selbst gewählte Tod

Warum mein Vater den Weg der Sterbehilfe genommen hat von Steffen Küssner

Die Uhr tickt. Noch 30 Minuten. Dann wird mein Vater ein Getränk zu sich nehmen, dessen Inhalt drei Menschen töten könnte. Etwa drei Minuten später wird er einschlafen, wenig später sterben. Viel zu früh, er ist erst 68 Jahre. Mein Vater hat ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, eine schwere Nervenerkrankung, im weit fortgeschrittenen Stadium. Er hat sich entschieden, den Weg der Sterbehilfe zu nehmen, weil er das, was kommt, nicht mehr erleben möchte: künstliche Beatmung und Ernährung, Verlust der letzten noch vorhandenen motorischen Fähigkeiten, einschließlich des Sprechens, mit großer Wahrscheinlichkeit Tod durch Ersticken. Wie frei kann so eine Entscheidung sein?

Es ist 12.05 Uhr am 24. Januar 2012. Wir sitzen zusammen, mein Vater, meine Mutter, mein Bruder, meine Schwester mit ihrem drei Monate alten Sohn und ich. In einem dezent gestalteten Zimmer mit hellen Wänden, einer weißen Couch, zwei Sesseln und einem kleinen Tisch, auf dem zusammengeknüllte Papiertaschentücher liegen. Der Blick aus dem Fenster führt über die Dächer der Nachbarhäuser, hinter denen sich saftig grüne Hügel erstrecken. Es hängen dicke Wolken darüber. Das Zimmer gehört zu einer Wohnung, die in einem kleinen Ort liegt, direkt neben Bahngleisen, rund 20 Kilometer vor den Toren Berns. Mieterin ist die Schweizer Sterbehilfeorganisation Ex International, deren ehrenamtliche Mitarbeiterin in der anliegenden Küche Dokumente vorbereitet, die später benötigt werden, wenn Polizei und Staatsanwalt kommen, um den Tod meines Vaters zu untersuchen. Gerlinde Mosta (Name geändert) ist eine ernsthafte, aber freundliche Frau Mitte 60, die diese Arbeit aus Überzeugung tut, wie sie uns am Abend zuvor erklärt hat. Vorhin hat sie meinem Vater ein Glas Wasser mit Magentropfen gereicht, die das tödliche Getränk verdaulicher machen, das er 30 Minuten später einnehmen muss. Seither tickt die Uhr. 12.06 Uhr.

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Hier sitzen wir also. Meine Schwester stillt den Kleinen, damit er nicht gleich nach Nahrung ruft, wenn wir im Zimmer nebenan meinen Vater in den Tod begleiten. Der berichtet von der abschließenden ärztlichen Untersuchung, die heute Vormittag stattgefunden hat. Er wirkt gelöst. Ich denke, dass es schön wäre, käme die Sonne heraus, damit mein Vater sie ein letztes Mal sähe. Aus Bern sind wir im dichten Schneegestöber aufgebrochen. Nun nieselt es. Meine Mutter fragt, ob mein Vater noch einmal aufs Klo müsse. Er verneint. Schweigen. Lächeln. Worüber spricht man, wenn der Tod nebenan wartet? Mein Vater erzählt, der Mediziner heute Vormittag sei unendlich langsam zu Werke gegangen, ein typischer Berner eben. Das habe ihn an den Witz vom langsamen Berner erinnert. Mit verschmitzter Miene fragt er in die Runde, ob er uns den erzählen solle. Spontan wird mir unwohl bei dem Gedanken, jetzt über einen Witz zu lachen. Doch mein Vater hat schon begonnen. Die Pointe sitzt, wir lachen herzlich. Die Krankheit hat ihm fast jede Bewegungsmöglichkeit geraubt, hat seine einst kräftige Stimme brüchig und seine Sportleratmung kurz werden lassen. Doch seinen Humor hat er sich nicht nehmen lassen.

So ist mein Vater: kein Grübler, sondern ein zupackender Typ. Ein Kind des Ruhrgebiets, glühender Anhänger des BVB. Politisch engagiert, Lehrer für Chemie und Physik, Fußballer, Bergsteiger und Marathonläufer, aber auch begeisterter Chorsänger, ein Vereinsmensch. Die Diagnose ALS erhielt er kurz nach seinem 60. Geburtstag. Diese heimtückische Krankheit des zentralen und peripheren Nervensystems ist seit 140 Jahren bekannt, aber immer noch nicht heilbar. In Deutschland sind schätzungsweise 6.000 Menschen daran erkrankt. Der deutsche Maler Jörg Immendorff starb 2007 nach zehnjähriger Krankheit. Der britische Astrophysiker Stephen Hawking lebt seit 1963 mit ALS. Verlauf und Lebenserwartung unterscheiden sich von Fall zu Fall erheblich. Sicher ist den Betroffenen nur eins: dass ihr Zustand immer schlechter wird.

Leserkommentare
  1. Vielen Dank für diesen berührenden Beitrag.
    Er lässt mich nachdenklich und zustimmend zurück.

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    • HeidiS
    • 21. August 2012 16:24 Uhr

    "Liegt das Inhumane nicht vielmehr in einer Gesellschaft, die trotz materiellen Reichtums unfähig ist, pflegebedürftigen Menschen individuell gerecht zu werden?" - das bleibt aber Wunschdenken. Vieles sollte in einer relativ reichen Gesellschaft möglich sein, ist es aber noch lange nicht, im Gegenteil: bei den wehrlosesten Mitgliedern unserer Gesellschaft wird am meisten gespart. Ich selbst wollte meinen Vater, der nun 86 und auf fremde Hilfe allem außer Essen und Trinken angewiesen ist, der morgens nach dem Waschen und Ankleiden in den Rollstuhl gehoben wird, das Altenpflegeheim ersparen - aber selbst in einer Mietwohnung lebend musste ich ihn 'abgeben'. "Das ist kein Leben mehr", sagt immer und immer wieder ein Mann, der eigentlich niemals still sitzen konnte, der ständig werkelte und den Garten bearbeitete.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

    • pappel
    • 21. August 2012 16:51 Uhr

    Vielleicht ist es das falsche Wort wenn man an den Tod denkt: wunderbar.
    Wenn man einmal erfahren hat, wie es ist wenn ein Elternteil so gut wie tot im Krankenhaus liegt und die "Mediziner" wollen es einfach nicht sterben lassen, fällt mir nichts weiter ein als: wunderbar.
    Mein Vater verreckte im Krankenhaus. Man kann den Tod Wochen und Monate auf der Intensiven herauszögern! Nach endlosen Diskussionen mit den Ärzten TROTZ Patientenverfügung durfte er zum Schluss sterben.
    Ich war an seiner Seite.
    Hoffentlich darf ich irgendwann human sterben.

    Eine Leserempfehlung
  2. 4. na ja

    die frage ist, hat die gesellschaft noch nicht umgedacht oder nur die politik?

    zur selbstbestimmung des menschen gehört auch sein tod.
    dieser darf ihn nicht die würde rauben. so ist es aber zur zeit angelegt. er muss als mensch und persönlichkeit langsam zerfallen. er will es nicht, weil so möchte keiner in erinnerung bleiben, die angehörigen möchten es nicht, denn sie leiden hilflos mit, umsonst und sinnlos.

    beleibt die frage, wer will das denn nun so und warum?

    • gorgo
    • 21. August 2012 17:25 Uhr

    "Diese Möglichkeit war allerdings von der Fähigkeit abhängig, die Reise in die Schweiz antreten zu können, was ein Minimum an körperlicher Selbstständigkeit voraussetzte. Der nächste Schub der Krankheit würde ihm diese vermutlich nehmen. Wollte er die Gelegenheit ergreifen, musste er bald handeln. Das aber heißt: Wäre Sterbehilfe in Deutschland möglich gewesen, hätte mein Vater den Sommer 2012 vermutlich noch erleb"
    Unter anderem dieser Satz muss zu denken geben.
    Dazu noch zwei weitere Argumente:

    1. Die wenigsten Menschen können sich die Schweiz leisten.

    2. Aktuell ist etwa ein Drittel aller erwachsenen Deutschen kinderlos. Wenn die Generation der um die 50jährigen Plus X sich nicht drum kümmert, Sterbehilfe zu legalisieren und transparente Verfahren dazu zu entwickeln, wird sie höchstpersönlich damit konfrontiert werden, dass sie sehr früh, zu früh, den Freitod suchen muss, wenn sie nicht elendiglich verrecken will, weil sich schlicht niemand unterstützend einmischt, wie dies Angehörige können, wenn man nicht mehr selbst "fit" (!) genug für die Reise ins Ausland ist.

  3. Zitat: "Man kann den Tod Wochen und Monate auf der Intensiven herauszögern! Nach endlosen Diskussionen mit den Ärzten TROTZ Patientenverfügung durfte er zum Schluss sterben."

    Wenn Ärzte trotz Patientenverfügung harthörig sind, muss man etwas massiver werden und juristische Konsequenzen ankündigen.

    Wenn Ärzte einem Menschen eine Behandlung gegen seinen Willen aufzwingen, machen sie sich strafbar. Das sollte ihnen bewusst sein.

  4. eben wegen der Menschenwürde lehne ich die Sterbehilfe ab. Leuchtendes Vorbild kann Papst Johannes Paul II. (†) sein oder zahlreiche andere Schwerkranke, welche im natürlichen Sterbeprozess, welcher uns alle betrifft, nicht durch die Hand eines anderen Menschen zu Tode kommen/kamen, sondern geduldig in Vertrauen auf den Erlöser, die ewige Liebe und unendliche Belohnung im Jenseits ihr hartes Lebensende ertragen haben. Ein Mensch verliert niemals seine Würde (auch wenn er an Beatmungsgeräte und Katheter "angeschlossen" ist) Die Sehnsucht nach der Befreiung, nach der Erlösung und die Freude in die Wohnungen des Lichts einzukehren, empfinden sogar Menschen, welche keine Krankheit haben. Nach den Qualen dieser Welt steigt diese Vorfreude auf die Abberufung. Die Tötung Sterbender kann ebenso belastend sein, zudem ist das Töten eines Menschen, auch wenn dieser Wunsch geäußert wird, ein Bruch mit dem Gebot. Die schwerste Krankheit kann in Würde ertragen werden und der Tod, die Kapitulation des Körpers, vollendet nur den natürlichen Sterbeprozess. Schwerbehinderte und Sterbenskranke sind nicht durch Menschenhand umzubringen, wir haben nicht das Recht dazu über andere Menschen zu richten. Das Leid auf unserer Erde kann nicht verdrängt werden und durch die Beseitigung aus dem Weg geräumt werden, denn es bleibt dennoch bestehen. Kranke und Schwache müssen gestärkt werden und falls sich diese Menschen im Sterbeprozess befinden, sollten Beistand, Hingabe und Ehrerbietung erbracht werden.

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    ... wenn das Leid und Elend dieser Welt künstlich verlängert wird und dem Totkranken damit die Würde eines "natürlichen" Sterbeprozesses nimmt?

    • SvKi
    • 21. August 2012 18:03 Uhr

    Ich möchte nicht Ihren Glauben an Gott angreifen oder kritisieren. Dazu habe ich nicht das Recht. Und das möchte ich auch nicht. Aber vieles von dem, was Sie schreiben, kommt in dem Text nicht vor oder stimmt so nicht.

    "Die Tötung Sterbender..." + "durch die Hand eines anderen Menschen zu Tode kommen/kamen" - Es wurde niemand getötet!!! Es war der freie Wille, eines freien Menschen. Es hat das Glas selber und eigenständig geleert. Man könnte von einer Beihilfe zum Siuzid sprechen. Aber keinesfalls von einer Tötung.

    "Das Leid auf unserer Erde kann nicht verdrängt werden..." - Es wurde auch nicht das Leid der Erde oder einer fiktiven Person verdrängt. Es ging konkret um einen Menschen, der diese Situation nicht mehr ertragen wollten. Ich kann dies zudem vollkommen nachvollziehen. Denn ich bin auch ein Bewegungsmensch, der sein Leben lieber selber bestimmt, anstatt sich auf andere zu verlassen.

    "...Vertrauen auf den Erlöser, die ewige Liebe und unendliche Belohnung im Jenseits ihr hartes Lebensende..." - Davon war im ganzen Text nie die Rede. Und sollte es wahrscheinlich nicht sein. Ich glaube, das er die Menschen, die für ihn wichtig waren bei der härtesten Entscheidung, die ein Mensch treffen kann, bei sich hatte. Wenn Sie darauf vertrauen und dies bis zuletzt Ihre Hoffnung ist, haben Sie meinen Respekt. Ich möchte mich nicht darauf verlassen.

    Zum Text:

    Sehr emotional und einfühlend, im Gegensatz zu der unwürdigen und polemischen Diskussion der letzten Wochen in D.

    • armatus
    • 21. August 2012 18:07 Uhr

    "...wir haben nicht das Recht dazu über andere Menschen zu richten" Sie haben anscheinend immer noch nicht begriffen worum es hier geht. Niemand verlangt das der Sohn entscheiden darf das der Vater zu krank ist um weiterzuleben! Es geht hier um das unveräußerliche Recht des Menschen auf ein würdiges Ableben aus freiem Willen.
    Wir haben nur ein Leben, nach dem Tod ist Schluss, deswegen versuchen wir das schönste und beste aus dieser geringen Zeit zu machen die wir hier haben. Aber wenn wir zu nichts mehr imstande sind, eingeschlossen im eigenen Körper, dann finde ich es zutiefst unmenschlich diesen Menschen zu sagen ihr müsst solange leiden und vor euch hinveggitieren bis jemand den strom abstellt.
    "Die schwerste Krankheit kann in Würde ertragen werden "
    Was für ein hochnäsiges, unwirkliches urteil sie sich hier rausnehmen. Wenn sie eines Tages nur noch übers blinken der augen kommunizieren können, und ihnen ihre Kinder alle paar minuten den sabber aus dem gesicht waschen müssen, sagen sie mir nochmal das sie das als würdevolles Leben empfinden!

    wenn mir jemand Geld schenkt:
    - dann gebe ich es aus.

    wenn mir jemand einen Gebrauchsgegenstand schenkt:
    - dann benutze ich ihn bis er kaputt ist und dann schmeiße ich ihn weg.

    wenn das Leben ein Geschenk ist
    - dann lebe ich solange ich LEBEN kann

    aber ich verwechsele sicher nicht LEBEN mit ÜBERleben
    oder mit "einfach nur existieren"
    - zu 100% Konsument degradiert, nichts mehr schaffen oder er-schaffen; gezwungen einfach nur noch Luft, Nahrung und Input aufnehmen (mit viel Glück dabei noch eine Wahl haben)

    Mein Leben findet in und mit meinem Körper statt, wenn der Körper unwiederbringlich kaputt ist wird es Zeit ihn zu verlassen.

    Erstaunlich, dass ausgerechnet diejenigen am vehementesten dagegen sind, den kaputten Körper freiwillig abzulegen, die an eine unsterbliche Seele glauben.
    ______________________________________________

    Vielen Dank an Herrn Küssner für diesen Artikel.

    Bei meiner Großmutter stand der Beatmungsautomat schon im Standby, sie hatte Glück zu sterben bevor sie angeschlossen wurde.

    DAS kann nur jemand schreiben, der noch nicht mit einem Betroffenen in Berührung gekommen ist. Ich sehe meine Großmutter in ihrem Pflegeheim, die zwar nicht an Geräte angeschlossen ist, aber sich weder bewegen, noch Sprechen kann. Das Einzige, was sie noch macht ist Schlucken und Schauen und unverständliche Worte von sich geben. Niemand weiß, ob sie etwas mitbekommt und sie war früher der Mittelpunkt der Familie. Das ist Würde? Na ich weiß ja nicht. Wenn sie noch hätte entscheiden können, bin ich mir sicher, dass sie einen anderen Weg gewählt hätte, aber der Schlaganfall hatte zu starke Auswirkungen.

    Wissen Sie, warum die Kirche den Selbstmord strafbar gemacht hat? (ewige Verdammnis usw.)
    Weil sie verhindern wollte, dass die Armen sich einfach umbrachten, um dem irdischen Jammertal, der Knechtschaft zu entgehen und gleich in den Himmel zu kommen. Dann hätten die Herrschenden in kürzester Zeit selbst den Acker pflügen müssen. Nicht umsonst war sie das dritte Standbein der Macht im Feudalismus.
    Ist es nicht Wahnsinn, dass man Tiere, die unheilbar krank oder verletzt sind, selbstverständlich von ihrem Leiden erlöst, dem Menschen das aber nicht gönnt?

    Mich hat dieser Artikel sehr bewegt und in dem Verhalten dieser Familie sehe ich mehr Menschlichkeit, als in jedem Ihrer Worte.

    "Nach den Qualen dieser Welt steigt diese Vorfreude auf die Abberufung."

    Nach dem Lesen Ihres Beitrags empfand ich tiefes Grauen und habe mir vorzustellen versucht, wie es sein könnte, im Fall einer schweren Krankheit von Ihnen abhängig zu sein und Sie lassen mich nicht sterben, obwohl ich das will.

    Ein fürchterlicher Gedanke!

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich respektvoll gegenüber anderen Diskussionsteilnehmern. Danke. Die Redaktion/sh

    • Elite7
    • 22. August 2012 11:03 Uhr

    Es geht um die individuelle, frei getroffene Entscheidung eines Leidenden. Wenn ich schwer krank bin ist mir nur egal, wie ich aussehe oder was andere von mir halten. Und Gott (wenn wir den Herrn ins Spiel bringen wollen) hat uns bestimmt nicht diese Möglichkeit der freien Entscheidung gegeben, wenn er uns einen "guten Tod" nicht gönnt. Das wahre Problem ist doch die Gesellschaft, die es nicht verkraftet eine solche Entscheidung zu akzeptieren. "Er ist doch noch zu jung, das ist doch nur wegen der Krankheit, die Krankheit ist doch noch heilbar, wahrscheinlich sinds doch nur die Depressionen...". Und so werden 1000 Ausreden gefunden einem den "guten Tod" nicht geben zu müssen. Weil hier so gänzlich falsch damit umgegangen wird. Weil viele nicht akzeptieren können, dass der Tod genauso zum Leben gehört, wie das Leben selbst.

    Ich kann mich zu der Einlassung leider nicht äußern, da ich mich ja respektvoll gegenüber anderen Diskussionsteilnehmern verhalten soll. Das ist mir aber bei grauenvollen, verquasten und darüberhinaus auch noch völlig unlogischen Anmaßungen (die von "DropBearHunter" bereits sehr schön als solche entlarvt wurden) von Kommentatoren, die in der Tat in ihrem eigenen inkognito (Geistgefängnis - gefangen im eigenen Geiste) gefangen sind.

    • Ius
    • 22. August 2012 11:25 Uhr

    bedeutet auch, zu akzeptieren, dass es für manche Menschen kein Leben nach dem Tod gibt. Für das elendige Verrecken wird man nicht belohnt, man stirbt einfach im Anschluss daran und ist fortan für alle Ewigkeiten tot. Ich bin für Sterbehilfe...

    Cheers..

    • gorgo
    • 22. August 2012 16:28 Uhr

    Die Darstellung von Sterbehilfe als gewollter Suizid in auswegsloser Qual als "Schwerbehinderte und Sterbenskranke ... durch Menschenhand umzubringen" ist eine ziemlich durchsichtige strategische Lüge bestimmter Christen, deren Dogma Sterbe-Hilfe verbietet.

    Ihre ganze Darstellung entspricht dem. Niemand weit und breit behauptet hier etwas, das den Ausspruch rechtfertigt: "wir haben (nicht) das Recht dazu über andere Menschen zu richten." Woher nehmen Sie diesen Blödsinn, jemand woll über anderer Leben richten? Wer will hier über andere, entgegen deren Willen richten? Nicht etwa Sie selbst, Ihre Kirche, die zum Weiterleben verdammt trotz äußerster Qual?

    Jeder weiß, dass das Leid der Welt nicht absolut verschwinden wird (schon gar nicht Sterbewillige...). Doch wer verweigert eben dies: "Kranke und Schwache müssen gestärkt werden und falls sich diese Menschen im Sterbeprozess befinden, sollten Beistand, Hingabe und Ehrerbietung erbracht werden."???

    Niemand hindert Sie und andere Gläubige daran, Ihren Glauben zu leben und auszudrücken. Sie "richten" jedoch im äußersten Umfang über andere, wenn Sie deren Todesqual als Hinnehmbar behaupten!
    Sie selbst verweigern "Beistand und Stärkung" den am schlimmsten Betroffenen, die den Beistand zum Tode brauchen - ohne dass Sie selbst annähernd nachvollziehen können, was dieses Leid zum Tode bedeutet.

    Hindern Sie in Gottes Namen nicht andere daran, das Leben (!) und darin den Tod zu finden, der für sie der richtige ist!

    Ich empfinde ihren Kommentar als Hohn auf die Hinterbliebenen. Haben Sie den Artikel nicht gelesen, nicht verstanden oder woher kommt diese arrogante Haltung einem Schwerstkranken und seiner Entscheidung gegenüber?

    Hinter Ihrem salbungsvollen Sermon - von dem ich nicht weiß, ob er vielleicht nicht doch Satire ist - lauert das Grauen.

    • 2be
    • 23. August 2012 18:47 Uhr

    Ich habe meinen Vater vor exakt 10 Jahren und wenigen Wochen beerdigt. Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade 16 Jahre alt.

    Ärzte haben ihm seine Speiseröhre mit der 'Bestrahlung' während seiner Krebstherapie verbrand. Er konnte wochenlang nichts essen, geschweige denn trinken. Sein Körper verfeil innerhalb weniger Wochen so arg das er bei vollem Bewusstsein nicht einmal mehr vor mir - seiner einzigen Tochter - seine Körperflüssigkeiten bei sich behalten konnte. Es war Ihm unangenehm das man Ihn Baden musste Ihm auf die Toilette helfen musste. Es war das grausamste was Ihm passieren konnte ... Er selbst hat nach diesem Vorfall den Mut gehabt aufzuhören.. aufzuhören zu kämpfen - weil er 14 Jahre zuvor seine erste Frau auf dem Selben weg jämmerlich zu Grunde gehen sehen hat (ich war noch zu klein - habe keine Erinnerung mehr!). Und ich mit 16 die das einzige was Ihr etwas bedeutet hat konnte diesen Wunsch diesen einzigen Wunsch nicht mehr Leiden zu müssen die Würde bewahren nachempfinden. Ein 196m großer und immer aktiver Mann - Vater von 6 Kindern und allein 'Ernährer', hat zum Ende seines lebens 68! Kilo gewogen.
    Zu entscheiden wann man etwas nicht mehr möchte, und das man etwas nicht mehr kann die Belastung der Familie mit ansehen - ist das was uns besonders macht! Die Kraft zu akzeptieren und trotzdem zu lieben und geliebt zu werden.

    Das ist die wirkliche 'gnade Gottes'... und nicht dieses Geschwafel von der Unversehrtheit des Lebens!

    • bumelux
    • 21. August 2012 17:35 Uhr

    der Artikel hat mich zutiefst berührt.

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