StilkolumneVon Kopf bis Fuß

Tillmann Prüfer über Tapeten-Looks von 

Mantel von Prada, 2.000 Euro

Mantel von Prada, 2.000 Euro  |  © Peter Langer

In der Mode sind derzeit überall Blumenkinder unterwegs. Viele Designer zeigten ihre Sommerkollektionen komplett in floralen Prints. So zum Beispiel Nina Ricci, Vera Wang und Alexander Wang. Das New Yorker Mode-Label Proenza Schouler ließ sich von den Tropen inspirieren. Und die Mulleavy-Schwestern interpretierten die Sonnenblumen von Vincent van Gogh neu.

So unterschiedlich all die Blumenmuster auch ausfielen – eines war gleich: Stets waren die Models von Kopf bis Fuß darin gekleidet. Die Herbstkollektionen führten diese Idee fort. Miuccia Prada zeigte in beiden Kollektionen – bei Prada wie bei Miu Miu – klein gemusterte Mäntel und klein gemusterte Hosen mit geometrischen Formen im Stil der sechziger und siebziger Jahre. Hätten sich die Models vor eine entsprechend strukturierte Tapete gestellt, sie wären mit ihr verschmolzen. Aber wo findet sich noch so eine Tapete? Das Tapetenmuster verbreitet sich auf den Kleidern, weil es von den Wänden verschwunden ist. Außer in einigen Hipster-Wohnzimmern gibt es keine Tapeten mehr. Sogar die Raufasertapete gibt es nicht mehr.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Mit der Tapete sind uns 500 Jahre Kulturgeschichte abhandengekommen. Ostindische Handelskompanien brachten im 16. Jahrhundert handbemalte Papiertapeten nach Europa . Vor allem England machte sich einen Namen in Sachen Tapete mit traditionellen floralen Mustern, die bis heute in Teesalons und geschichtsträchtigen Häusern zu sehen sind. Wenn man sich einmal im Londoner Victoria and Albert Museum umschaut, kann man sehen, welcher Schatz der Wohnkultur hier verloren gegangen ist. Dort sind die Tapeten des Briten William Morris ausgestellt. Wer diese beeindruckenden Schöpfungen sieht, kann nicht begreifen, dass dieses Einrichtungs-Stilmittel heute völlig verschwunden ist. Die Tapete fiel dem Umschwung in der Wohnkultur zum Opfer. Seit Wohnzimmer nicht mehr repräsentieren, sondern praktisch sein sollen, sieht niemand mehr einen Sinn darin, die Wände zu schmücken.

Vorläufer der Tapete war der Wandteppich. Er diente nomadischen Völkern als Schmuck ihrer tristen Zelte. Normalerweise ist es das Böseste, was man über Mode sagen kann, wenn man sie mit einen Teppich vergleicht. Es sei denn, es handelt sich um einen Prada-Mantel.

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Leserkommentare
  1. OK, man sucht einen Aufhänger um den Bogen von neuen Designerkollektionen zur Tapete zu schlagen - aber warum muss man dafür Falschmeldungen erfinden?:

    "Außer in einigen Hipster-Wohnzimmern gibt es keine Tapeten mehr. Sogar die Raufasertapete gibt es nicht mehr."

    Das ist - mit Verlaub Unsinn und macht den Text nicht besser.

    Beispiel:
    http://www.morgenpost.de/newsticker/finanzen_nt/Hugin_DGAP_News_nt/artic...

  2. Ganz so selten sind die Vintage-Tapeten nun auch wieder nicht. Im Gegenteil, eigentlich sind sie im Moment sogar total angesagt. So wie viele Dinge aus den Fünzigern bis Siebzigern.

    Tapeten mit wirklich tollen Mustern bekommt man z. B. hier: www.johnny-tapete.de

    Der Text ist übrigens dann doch etwas unausgegoren...

  3. (Papier oder Vlies) wenn man ihnen das nach dem Streichen dann kaum noch ansieht.
    Es ist nun mal einfacher und billiger, die Wandoberfläche, egal ob im Neubau oder bei Sanierungen, mit Tapete zu egalisieren als mit Feinputz. Und Wandschmuck findet auch ohne vollflächige florale oder ornamentalen Dekorschwulst trotzdem statt, denn das pure Architektenweiß erträgt man auf Dauer auch nicht.

    Ob die verlorengegange Wohnkultur in heutige Wohnungen passen oder zu Psychosen führen würde steht sowieso in Frage.

  4. Der Wandteppich diente mitnichten dem bloßen Schmuck von Zelt und Zimmer, sondern ganz profan der Wärmedämmung, wie der Vorhang vor dem Fenster, welcher mit der Weiterentwicklung der Fensterscheibe ja auch zusehends zum Schmuckelement wird. Wie der Teppich zur Tapete eben.

  5. So langsam findet man wieder Muster, auch in Form von Tapete - und sei es die selbstentworfene. Und bei Kleidung ebenso, denn auch das Hawaii-Hemd erlebt ja ein Revival [...] Ich find's klasse. Und wenn ich nun höre, dass die Tapete ein solcher Schatz der Wohnkultur ist... wunderbar

    Link entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/au.

  6. Letzten Herbst habe ich eine Tapete ausgesucht. In einem großen Laden. Voller Tapetenmuster. Und voller Leute, die auch Tapeten aussuchten.

    Ob die hip sind oder nicht, ist eh wurscht. Denn der hippe Kram von heute ist meist das, worüber man morgen mitleidig lächelt.

  7. ich lese Ihre Mode-Artikel wirklich sehr gern, aber was mir immer fehlt: *mehr Fotos*. Wäre es nicht möglich, eine kleine Fotostrecke zu jedem Artikel zusammenzustellen? So bleibt vieles sehr abstrakt. Die Sonnenblumenkleider von Rodarte sind z.B. sensationell und wären auch eine schöne Bebilderung zum Artikel gewesen.

    Apropos "Rodarte": Wissen alle Leser/innen, dass dieses Label gemeint ist, wenn von den "Mulleavy-Schwestern" die Rede ist? Vermutlich nicht. Fand ich etwas zu insidermäßig.

    Einen Modeartikel ohne Begleit-Fotos (bzw. mit nur einem Foto) zu lesen, ist ein wenig, als würde man die Beschreibung von Gemälden lesen, die man sich dann selbst vorstellen muss....

  8. Hier die Sonnenblumenkleider von Rodarte aus der Sommerkollektion 2012:

    http://www.rodarte.net/#archiveS12_1

    (Einfach auf eins der kleinen Fotos klicken, dann kann man alle nacheinander vergrößert anschauen.)

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Mode | Prada | Schmuck | Vincent van Gogh | William Morris | England
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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