Syrisches Staatsfernsehen: "Ich grüße meine Mama"
Lobpreisungen auf die »großen Freiheiten Syriens«, Spott über westliche Medien und Siegesgrüße nach Moskau: Ein Tag mit Assads Staatsfernsehen.
© LOUAI BESHARA/AFP/GettyImages

Baschar al-Assad hält eine Fernsehansprache.
Es ist 7 Uhr, der Tag im syrischen Staatsfernsehen beginnt mit der Nationalhymne, Koranversen und Propaganda. »Guten Morgen, meine Damen und Herren, es hat uns soeben folgende Eilmeldung erreicht: Am frühen Morgen hat die arabisch-syrische Armee fünf Fahrzeuge nahe Aleppo in die Luft gejagt. Insgesamt konnten zwölf Terroristen und Lakaien des Westens und Israels dabei getötet werden. Es lebe unser Volk!«, verkündet die Nachrichtensprecherin.
Ein Tag vor dem syrischen Staatsfernsehen zeigt die Welt aus der Perspektive des Assad-Regimes. Die nationalen Sender – ein Hauptprogramm, einige Spartenkanäle und der Nachrichtensender – unterstehen dem syrischen Informationsministerium. Suria al-Ikhbaria«, der Nachrichtensender, ist der Hauptmotor in der Propagandamaschinerie von Baschar al-Assad.
Während des Fastenmonats Ramadan zeigen arabische Sender aufwendige Produktionen. Vor allem rund um das Fastenbrechen am Abend versprechen sie sich hohe Einschaltquoten und Werbeeinnahmen. Im sozialistischen Syrien ist das nicht anders; nur Werbung gibt es nicht, von Spots für die staatliche Bausparkasse und die Olivenölproduktion mal abgesehen. Ab dem Vormittag läuft im ersten Programm eine selbst produzierte Serie nach der anderen, keine frei von politischen Anspielungen: In der Folge von Die Zeit der Flöhe geht es ab 11.30 Uhr um die Geschichte der syrischen Unabhängigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Greis mit Turban und Krückstock erklärt zwei Kämpfern die Welt: »Da draußen gibt es böse Menschen, sie leben unter uns, sie waren unsere Brüder. Ihr, meine Söhne, müsst unser Volk vor diesen Verrätern schützen.« Verräter auch am Nachmittag: Der Schlüssel handelt von zwei Männern, die sich von den »hohlen Versprechungen der Feinde Syriens verleiten« lassen und Staatsgeheimnisse preisgeben. Deshalb würden »die großen Freiheiten in Syrien falsch ausgelegt und damit zum Untergang des Landes missbraucht«, heißt es im Vorspann.
Nach Comedy, Talkshow und einer Kochsendung (mit Hackfleisch gefüllte Kartoffeln, dazu Reis und Gemüsejus) kehrt das Programm zu seinen Helden zurück: den Soldaten. In einer Reportage zum 67. Jahrestag der Armeegründung überreichen Mädchen Blumen an Soldaten, Besucher staunen über Artilleriefeuer und Panzer. Der Verteidigungsminister weiht ein Denkmal ein: ein überdimensionaler Stahlhelm mit syrischer Flagge, mitten auf dem zentralen Platz der Stadt Homs, die Anfang des Jahres blutig umkämpft wurde. Vor dem Mikrofon wechseln sich Jungs, die mal Soldat werden wollen, mit solchen ab, die es schon sind. »Ich diene unserem Führer mit Stolz und meinem Blut und grüße meine Mama und meine Familie«, sagt ein Infanterist mit Kalaschnikow in der einen und Fotoapparat in der anderen Hand.
Wer umschaltet auf den Nachrichtensender Suria al-Ikhbaria, sieht rund um die Uhr Beiträge zu Verbündeten, über Verschwörungen und zur Verteidigung gegen die »von außen gesteuerten terroristischen Kräfte«. Eine Lieferung mit Medikamenten aus Teheran wird vom Gesundheitsminister als »effektive Umgehung der westlichen Sanktionen« gepriesen. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez grüßt Assad und kritisiert den »imperialistischen Westen«. Ein Beitrag stellt den Moskauer Flughafen vor als »Drehkreuz für syrische Reisende«. Bevor es zum nächsten Thema geht, blitzt das Senderlogo auf, es folgen mit Musik unterlegte Szenen aus dem UN-Sicherheitsrat, dem Präsidentenpalast in Damaskus und dem EU-Parlament. Als letzte Szene der Eigenwerbung des Senders schreitet Wladimir Putin wie ein Zar durch die vergoldeten Türen des Kreml. Dazu der Slogan: »Wir sind Ihr Fenster zur Welt«.
Die »Gegner des syrischen Volkes« werden weniger staatstragend gezeigt: Der saudische König, Hillary Clinton, Benjamin Netanjahu, Emir Hamad bin Chalifa al-Thani von Katar, David Cameron, François Hollande und Recep Tayyip Erdoğan haben alle, dank Bildbearbeitung, Blut an den Händen. Türkische Flieger bombardieren kurdische Dörfer, aus Jerusalem kommt eine Reportage zum illegalen Siedlungsbau, aus Griechenland Bilder von gequälten afrikanischen Flüchtlingen, in Bahrain werden Demonstranten brutal vom Staat unterdrückt: »Die sollen zu Hause aufräumen, bevor sie sich bei uns einmischen«, fordert eine Stimme aus dem Off. Die Länder der Nato und des Golfkooperationsrates bildeten eine neue »Achse des Bösen« gegen Syrien.
In den Hauptnachrichten im ersten Programm um 20.30 Uhr sind seit dem frühen Morgen »viele Siege« dazugekommen. Die beiden Moderatoren zählen jedes zerstörte Fahrzeug auf, nennen jeden gefallenen Deserteur beim Namen, danach lesen sie über eine halbe Stunde lang Assads Brief an die Nation vor. »Euro und Dollar stehen vor dem Abgrund, deswegen wollen sich die USA, Europa und die Zionisten nun an unseren Schätzen bereichern«, erklärt die Sprecherin ihrem Komoderator, der erwidert: »Russland und China haben sowieso schon gewonnen!«





...auf die »großen Freiheiten Syriens«, Spott über westliche Medien und Siegesgrüße nach Moskau:...Insgesamt konnten zwölf Terroristen und Lakaien des Westens und Israels dabei getötet werden" steht oben.
Da sind ja die Foren hier ein Abbild im Kleinen.
vollkommen recht, werter Demetrios.
Mit Verlaub:
Wenn in unserer Presse jeder getötete Rebellenkämpfer der nicht aus der syrischen Armee desertiert ist, unter der Kategorie "ZIVILIST" geführt wird, dann ist´s leider auch mit unserer propagandafreien Presse nicht weit her!
könnte es auch ein Bericht über FOX sein...
;-)
---
Ein dreifaches "HURRA! HURRA! HURRA!" auf das ach so objektive und ehrliche westliche Fernsehprogramm...
vollkommen recht, werter Demetrios.
Mit Verlaub:
Wenn in unserer Presse jeder getötete Rebellenkämpfer der nicht aus der syrischen Armee desertiert ist, unter der Kategorie "ZIVILIST" geführt wird, dann ist´s leider auch mit unserer propagandafreien Presse nicht weit her!
könnte es auch ein Bericht über FOX sein...
;-)
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Ein dreifaches "HURRA! HURRA! HURRA!" auf das ach so objektive und ehrliche westliche Fernsehprogramm...
...dass die Propaganda auch allegemein im Netz stattfindet, wie man hier erfahren kann:
"Bekanntschaft mit der „Syrian Electronic Army“ machte auch die Anonymous-Bewegung, unter deren Dach sich die Aktion „OpSyria“ formiert hat - so wie es im vergangenen Jahr auch Anonymous-Kampagnen gegen die inzwischen gestürzten Regime in Tunesien und Ägypten gab. Nach einer in der Szene als „Defacing“ bezeichneten Platzierung einer Botschaft auf der Webseite des syrischen Verteidigungsministeriums veränderten Pro-Assad-Aktivisten vor einem Jahr die Startseite der Anonymous-Plattform AnonPlus: Sie veröffentlichten dort Fotos toter Soldaten und warfen Anonymous vor, sich mit ihrer Unterstützung der Rebellen auf die Seite der Muslim-Bruderschaft zu stellen."
http://www.handelsblatt.c...
vollkommen recht, werter Demetrios.
Der Verteidigungsminister weiht ein Denkmal ein: ein überdimensionaler Stahlhelm mit syrischer Flagge, mitten auf dem zentralen Platz der Stadt Homs, die Anfang des Jahres blutig umkämpft wurde. Vor dem Mikrofon wechseln sich Jungs, die mal Soldat werden wollen, mit solchen ab, die es schon sind. »Ich diene unserem Führer mit Stolz und meinem Blut und grüße meine Mama und meine Familie«, sagt ein Infanterist mit Kalaschnikow in der einen und Fotoapparat in der anderen Hand."
Auf den ersten Blick erinnert das an Hitler und Stalin.
Auf den zweiten Blick ist es aber noch schlimmer als beide zusammen, denn man hat aus der Geschichte nichts gelernt.
mal ein Artiekl der die Verhältnisse sachlich zusammenfasst - wenn auch indirekt.
Im Bewusstsein, dass dieser Kommentar nur indirekt mit dem Artikelthema (Manipulation und Propaganda) zu tun hat. Sehr interessante Webseiten sind Fars News Agency und die (North) Korean Central News Agency.
Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik anhand sachlicher Argumente. Danke. Die Redaktion/ag
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Gerne können Sie Ihre Anmerkungen an community@zeit.de richten. Danke, die Redaktion/jz
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz
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Werter müslifresser, das syrische Staatsfernsehen hat wohl kaum die "freie demokratische Willensbildung" im Pflichtenheft. Da kann auch Israel nichts dafür.
..."Staatsfernsehen" hat auch eher wenig mit "freier demokratischer Willensbildung" zu tun ;-)
..."Staatsfernsehen" hat auch eher wenig mit "freier demokratischer Willensbildung" zu tun ;-)
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