Langsam füllen sich die Reihen. Die Landwirtin Waltraud Dietrich, einstmals freiheitliche Klubobfrau im steirischen Landtag, würde gerne im künftigen Wahlverein des Milliardärs Frank Stronach anheuern. Sie befinde sich in »ernsthaften Gesprächen« räumt sie ein.

Am Dienstag offenbarte sich dann der sozialdemokratische Hinterbänkler Gerhard Köfer. Der Kärntner, zugleich Bürgermeister in Spittal an der Drau, werde aus der SPÖ-Fraktion und seiner Partei austreten und künftig als wilder Abgeordneter im Sinne seines »väterlichen Freundes« wirken. Sein wertvollstes Mitbringsel: die Unterstützung für die Kandidatur der zukünftigen Stronach-Partei bei den Nationalratswahlen 2013. Dazu sind drei Mandatare aus dem Parlament notwendig, will sich der Parteigründer und Spitzenkandidat die mühevolle Arbeit ersparen, 2600 Unterstützungsunterschriften auf Straßen und Plätzen zu sammeln.

Eigentlich wollte der Autoindustrielle im Ruhestand erst anlässlich seines 80. Geburtstages im September die Katze aus dem Sack lassen. Doch seitdem der rüstige Senior seinen ehrgeizigen Plan, an der Spitze einer eigenen Partei gleich mit mehr als zehn Prozent in den Nationalrat einzuziehen, preisgab, werden überall Spekulationen laut. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten. Ein buntes Sammelsurium an politischen Veteranen und Renegaten klapperte die enge Stronach-Vertraute Kathrin Nachbaur in den vergangenen Monaten ab. Die 33-jährige Juristin aus Graz kletterte die Karriereleiter in Stronachs Magna-Konzern hoch und avancierte zur Leiterin des Instituts für sozialökonomische Gerechtigkeit, das den Dreh- und Angelpunkt der politischen Ambitionen bildet.

Der Selfmade-Milliardär ist allerdings kein politischer Newcomer. In seiner einstigen Wahlheimat Kanada war er bereits 1988 in den Ring gestiegen. Damals scheiterte der liberale Kandidat aber an seinem Widersacher von den Progressive Conservatives.

Diesmal will Stronach jedoch aufs Ganze gehen. In seiner Kriegskasse, so verlautete er, steckten 25 Millionen Euro, ein Etat, der das Budget der Konkurrenz in den Regierungsparteien um einiges übersteigt. Seine Wahlplattform bestehe aus seinen »Werten«, die in dem Dreigestirn »Wahrheit, Transparenz und Fairness« zu suchen seien. Konkret wird der Magnat nur in einem Punkt: Er fordert den Austritt aus dem Euro – »je früher, umso besser«. Damit wildert der gelernte Werkzeugmacher, der 1954 nach Kanada auswanderte, im Wählerreservoir der populistischen Rechtsparteien FPÖ und BZÖ, die zu unterstützen er zeitweilig liebäugelte.

Ein wenig erinnert der politische Frontalangriff an einen anderen Selfmade-Millionär, der ebenfalls ankündigte, er werde seine marode Heimat nach den Tugenden des freien Unternehmertums aus der Malaise führen: Silvio Berlusconi betrat mit diesen Sirenentönen die Bühne, als Italien gerade im Korruptionssumpf versank und die übrigen Parteien im Verlauf der Mani pulite - Prozesse implodierten. Auch die damals neue Forza Italia kannte nur einen Chef und ein Programm: den Cavaliere selbst.

Bei Stronach heißt das heute »goldene Regel«: »Wer das Gold hat, bestimmt die Regeln«. Mit dem hehren Wert der Transparenz verträgt sich dieses Prinzip allerdings nur schlecht. Stronach hat sein Vermögen über ein Firmengeflecht steuerschonend in der Schweiz angelegt. Bislang konnte er die österreichischen Finanzbehörden davon überzeugen, dass sich sein Lebensmittelpunkt in einer tristen Hinterhofwohnung in der Industriestraße 13b von Zug befinde. Nun wird Spitzenkandidat Stronach wohl umziehen müssen.