Internetportal Airbnb"Teilen war nie so einfach"

Airbnb-Gründer Nathan Blecharczyk über Menschen, die ihre Wohnung an Fremde vermieten, und soziale Kontrolle per Mausklick. von 

Nathan Blecharczyk

Nathan Blecharczyk  |  © Airbnb

DIE ZEIT: Sie sind ein paar Tage in Berlin. Haben Sie ein nettes Hotel?

Nathan Blecharczyk: Ich schlafe nie im Hotel. Wenn ich auf Reisen bin, übernachte ich in einer Airbnb-Unterkunft. Hier in Berlin wohne ich mitten in Prenzlauer Berg.

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ZEIT: Vermieten Sie auch Ihre eigene Wohnung im Silicon Valley, wenn Sie auf Reisen sind?

Blecharczyk: Nicht nur, wenn ich verreise. In meinem Gästezimmer haben schon mehr als 30 Leute übernachtet, meistens junge Firmengründer. Mit vielen habe ich heute noch Kontakt.

ZEIT: Warum vermieten Menschen ihre Wohnung an Fremde?

Blecharczyk: Zunächst aus finanziellen Gründen. Die Mieten sind hoch in der Großstadt. In Zeiten, in denen viele Menschen um ihren Job bangen, ist es attraktiv, noch etwas dazuzuverdienen. Wenn man übers Wochenende verreist ist, kann man seine Wohnung doch für 100 Euro die Nacht vermieten. Das lohnt sich!

Airbnb

Auf dem Internetportal können Privatleute ihr Zuhause vermieten. Mehr als zehn Millionen Übernachtungen will Airbnb bereits vermittelt haben. Der Firmenname kommt von airbed and breakfast (Luftmatratze und Frühstück). Im Schnitt kosten die Wohnungen 80 Euro am Tag, wovon Airbnb zehn Prozent Provision kassiert. Die Firma, die 2008 in San Francisco gegründet wurde, wird mit 1,3 Milliarden Dollar bewertet.

ZEIT: Die Leute machen bei Airbnb also nur wegen des Geldes mit?

Blecharczyk: Am Anfang steht das sicherlich im Vordergrund. Aber wer erst einmal Erfahrung mit Airbnb gemacht hat, für den wird ein zweiter Aspekt wichtig: das schöne Gefühl, Menschen aus aller Welt zu Hause zu empfangen. Die eigene Wohnung versprüht plötzlich internationales Flair. Hinzu kommt, dass Vermieter oft große Dankbarkeit erfahren. Kaum ein Gast geht, ohne eine Grußkarte oder ein Geschenk zu hinterlassen. Das freut den Gastgeber.

ZEIT: Ist es nicht ein Risiko, fremde Menschen in die eigene Wohnung zu lassen?

Blecharczyk: Die Bewertungen sind anschließend fast immer positiv.

ZEIT: Spektakulär war der Fall einer Frau in San Francisco, deren Apartment von einer Airbnb-Mieterin mutwillig verwüstet wurde.

Blecharczyk: Ja, das war schlimm. Aber es war ein Einzelfall, aus dem wir Konsequenzen gezogen haben. Wir bieten einen Garantierahmen, der Gastgeber nach Diebstahl oder Vandalismus mit bis zu 700.000 Euro entschädigt.

Leserkommentare
  1. Ich verstehe nicht ganz, wieso das untermieten seiner Wohnung etwas mit einer neuen Form von Ökonomie zu tun haben soll, was daran ist bitte teilen oder tauschen? Es ist ein neues Mietmodell, das sich an Kürzestmieten für Reisende wendet und damit nichts anderes ist, als wenn man ein "Zimmer frei" Schild aufhängt vor seinem Haus. Das neue ist die Art und Weise , wie diese Mietverhältnisse angebahnt werden, ohne direktes persönliches Aufeinandertreffen.

    Ich finde da Couchsurfing ein viel interessanteres Beispiel, dessen sich Airbnb bedient und dieses kommerzialisiert. Gratuliere dazu.

    • Keiner
    • 26. August 2012 18:00 Uhr

    Vor Airbnb und wimdu und 9flats usw. gabs das auch schon. Nannte sich Ferienwohnung oder Zimmer vermieten. Vielleicht vermieten einige auch wirklich ihre Wohnungen, wenn sie nicht da sind, aber ich kenne Leute in Berlin, die vermieten halt ganz normal auch über airbnb ihre Ferienwohnungen.
    Ich meine, die Konsolidierung in dieser Branche ist neu, so ähnlich wie Amazon und Zalando beim E-Commerce.

  2. augesessen sein.
    In merry old England hängen schon (gefühlt) ewig die B&B-Schilder draußen.
    Und wenn man dann öfters (bei mir in Sheffield) da ist, dann hat man plötzlich auch noch ein Auto ("Sharon kann nach ihrem Schlaganfall doch ohnehin nicht mehr fahren") und viele andere Beziehungen.
    Alles andere als neu aber mit Internet geht es halt viel einfacher.

  3. Die Darstellung als "soziale Plattform" ist in vielerlei Hinsicht eine Tarnung/ ein Feigenblatt, die romantische Teil- und Tauschabsicht wird hier jedoch wohl überwiegend durch professionalisiertes Vermietungswesen überwogen - der persönliche Style und der Wunsch des Touristen, eben dieser nicht zu sein, wird oft entsprechend inszeniert. In meiner direkten Nachbarschaft (in Berlin) gibt es dutzende dieser Wohnungen, alle werden professionell als Ferienwohnungen angeboten. Das hat viele Auswirkungen auf die sozialräumlichen Stadt-Strukturen, Mietpreise, etc...Schade, dass hier das Rollkofferphänomen und die Diskussion um den rasanten Anstieg von Ferienwohnungen (gerade in Berlin) nicht aufgegriffen wird! Werden die Einnahmen der Ferienwohnungsvermieter versteuert? Stiftet die Plattform zur Steuerhinterziehung an? Wird Wohnraum zweckentfremdet? Teilweise werden sogar WBS-Wohnungen auf den o.g. Plattformen angeboten... Die Verantwortung für die Folgen ... liegt sowohl bei Vermietern, Nutzern und Plattformanbietern! Jedoch hätte der Artikel an Qualität gewonnen, hätte er Fragen danach gestellt.

    Vielen Dank

  4. Wir sind seit ein paar Monaten Gastgeber bei airbnb und wir kamen durch eine temporäre finanzielle Doppelbelastung und durch die Werbung auf Facebook auf diese Idee. Doch das Blatt hat sich grundlegend gewendet! Ich liebe es einfach Gäste zu haben, Sie meine Heimatstadt und die nähere Umgebung durch meine Augen sehen zulassen, ich mag es für meine Gäste zu kochen und dafür zu sorgen, dass sie sich rundum wohl fühlen. Ich mag es noch mehr, wenn ich meine Gäste dazu bringen kann zu genießen. Hotels sind Fastfood - airbnb ist fine dining. airbnb ist Lebensart - Nicht mehr und nicht weniger. Wer das wegen des Geldes tut, wird keinen Spaß daran finden. Doch wer es mag, die Welt einmal mehr bei sich zu Gast zu haben, der wird es nicht mehr lassen können. Die schwarzen Profithascherschafe verschwinden von ganz allein wieder aus der Community, diese werden, wenn sie schlecht bewertet wurden, von potentiellen Gästen gemieden. Die paar jämmerlichen Werte, an denen wir alle so sehr hängen, können wir am Ende doch nicht mitnehmen. Ergo ist es doch viel erstrebenswerter, dass ich Menschen, die der psychischen Sterilität von Hotels und Hostels überdrüssig sind, die Möglichkeit biete, private Atmosphäre zu erleben. airbnb ist für mich auch eine Art Völkerverständigung. Noch nie war es so leicht "Einheimische" in ihren vier Wänden kennen zu lernen. Die, die das nicht mögen, können ja weiter in Hotelzimmern um die Minibars schleichen.

    Liebe Grüße
    Juan
    [...]

    Link entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/au.

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    etwas alt bewährtes aus natur und evolution. wirtschaftler wollen uns weis machen, nur die konkurrenz ist effektiv und bildet die basis der natur. effektiv fuer deren konto, das eher. eine gute idee dieses vermieten!!

  5. Werden die Mieten eigentlich versteuert...?!?

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    • jojoga
    • 27. August 2012 9:49 Uhr

    gute und vorallem berechtigte Frage. Wird wohl von Land zu Land unterschiedlich sein.
    Die Beträgen fangen zwar bei 22€ pro Nacht an, habe aber auch schon einige Angebote für 200€ pro Nacht entdeckt... in beiden Fällen ist es natürlich rechtlich gesehen nicht möglich bei dem kleineren Betrag ein Auge zu zu drücken, da müsste man schon ganzheitlich etwas machen.

  6. 1. Mich würde es auch sehr interessieren, wie das mit der Versteuerung aussieht. Im Prinzip bietet diese Internetseite nichts anderes als Hotelzimmer bei Privatpersonen an. MwSt. oder Hotelsteuer das müssen sich die in der politischen Mühle überlegen. Alle andere wäre in meine Augen eine dezente Steuerhinterziehung.

    2. Das Konzept Airbnb halte ich für total lächerlich, da es eine regelrechte Kopie von bestehenden Seiten ist. Bei dieser Seite erhält man eher das Gefühl, dass sich die gehobenen Schicht auch mal auf experimental-Übernachtungen aufs Eis wagt. Ich denke das man weniger mit solchen Übernachtungen einen kulturellen Austausch von andere Reisenden erfährt oder irgendwelche Erlebnisse mit anderen Kulturen teilen/erlernen kann. Ich möchte mich auch nicht weiter dazu äußern, wie (Entschuldigung die Sprache) "nutzlos" diese Seite in meinen Augen ist!

    3. Für jeden der das Gefühl hat, mehr also nur ein Land bezogener Weltbürger zu sein, der wird das CouchSurfing Konzept lieben!
    Eine Seite die mit so vielen unterschiedlichen Bewertungssystemen eine Sicherheit für jeden Surfer bietet, verdient es in meinen Augen etwas besser unter die Lupe genommen zu werden. Und das alles Kosten- und Steuerfrei
    "Die Welt Zugast auf deiner Couch" Das trifft es dann wohl eher.

    Ich muss hier noch mal eine Kritik an Zeit online abgeben. Mit dem obigen Artikel fühlen ich mich mal wieder etwas bestätigt, dass diese Zeitung langsam käuflich für Werbeartikel wird. Das können Sie besser!

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    Antwort Teil 1:
    Mag sein, dass airbnb eine "Kopie" von CouchSurfing ist. Das können sicher nur die Gründer bestätigen oder verneinen. Es ist eben eine qualitativ anspruchsvollere Variante, welche den Gastgebern die Möglichkeit gibt, Ihre Kosten zu decken und in ihre Gäste zu reinvestieren. Die Welt lebt doch von der Vielfalt. Wäre es nicht langweilig, wenn alle Supermärkte die gleichen Produkte anbieten würden oder wäre es nicht noch viel langweiliger, wenn sich alle Geschöpfe auf unserer schönen blauen Kugel ähneln würden?!? Und wenn man sich einmal meine Gästeanzahl und die Reviews meiner Gäste auf meiner Seite betrachtet, dann ist mit Sicherheit zu erkennen, dass es mir nicht vordergründig um die paar eingenommenen Kreuzer geht, von denen (nebenbei erwähnt), ein paar Prozent dafür genutzt werden, um Gäste und Gastgeber gegen eventuelle Schäden zu versichern. Ich reinvestiere sehr gern in meine Gäste und nutze definitiv einen Großteil des Geldes, um meine Unkosten zu decken, welche nun einmal anfallen, wenn man gern und gut (für seine Gäste) kocht und wenn man mit seinen Gästen (wenn es die Zeit erlaubt) Rundfahrten mit dem Auto macht, um ihnen meine ganz persönlichen Lieblingsplätze, in und um meiner Heimatstadt herum, zu zeigen, welche in KEINEM Reiseführer so präsentiert werden wie ich es tue.

    Viele liebe Grüße
    Rudolf Juan-Miguel Rietscher

    Antwort Teil 2:
    Ich möchte auch an alle anderen appellieren, dass man lieber nicht über irgendetwas urteilen sollte, was man selbst noch nie erlebt hat. Das wirkt unseriös und unprofessionell. Des Weiteren möchte ich noch anmerken, dass ich weder CouchSurfing noch airbnb für Konkurrenten halte. Beides ist eine Bereicherung der Reisekultur und es ist doch nur mehr als legitim, dass es für jeden Geldbeutel eine Passende Variante geben sollte - Oder? Wer glaubt, dass das, was ich meinen Gästen zeige und biete, nicht authentisch ist, der sollte sich erst einmal wirklich ein paar airbnb-Trips gönnen und danach nochmals seine Meinung äußern. Diese Meinung wäre dann fundiert, empirisch und somit wirklich diskutabel.

    All the best
    Rudolf Juan-Miguel Rietscher

    Ich denke dass die Kritik den falschen trifft.

    Airbnb ist ein professionell aufgebautes Portal, das Menschen rund um den Globus eine Unterkunft vermitteln kann. Und zwar auch in Situationen in denen Hotels entweder Mangelware, oder ausgebucht sind. Und dazu auch noch fuer Menschen die sich selber zu alt fuers "Couchsurfen" halten. Airbnb bietet komplette Apartments oder Wohnungen, der Vergleich mit Couchsurfing hinkt dann schon etwas. Und kopieren hin oder her, man muss die Welt nicht immer neu erfinden um etwas gutes zu schaffen. Und uebrigens traegt das ach so tolle und kostenfreie Couchsurfing Portal auch andere Probleme mit sich, z.B. wimmelt es dort von Leuten bei denen der Beischlaf inklusive ist. Kostenlos natuerlich.

    Aber das Couchsurfing Portal war ja gluecklicherweise auch gar nicht das Thema des Artikels, sondern Airbnb. Dieses ist ein sehr nuetzliches Portal, das mit einem sehr zuverlaessigen, technisch einwandfreien und noch dazu schicken Webservice aufwartet. Die finanziellen Aspekte sollten sicher kritisch gesehen werden, vor allem im Bezug auf andere Privatpersonen die ihre Einkuenfte durch klassisches (offline) Vermieten von Ferienwohnungen/Apartments versteuern muessen.

    • jojoga
    • 27. August 2012 9:49 Uhr

    gute und vorallem berechtigte Frage. Wird wohl von Land zu Land unterschiedlich sein.
    Die Beträgen fangen zwar bei 22€ pro Nacht an, habe aber auch schon einige Angebote für 200€ pro Nacht entdeckt... in beiden Fällen ist es natürlich rechtlich gesehen nicht möglich bei dem kleineren Betrag ein Auge zu zu drücken, da müsste man schon ganzheitlich etwas machen.

    Antwort auf "Finanzamt..."
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    • HeidiS
    • 17. Juni 2013 15:48 Uhr

    steuerlich nicht mit Hotels vergleichen - ein Hotel kann, wenn ich mich nicht irre, Leerstand steuerlich als Verlust geltend machen, es kann Renovierungen von der Steuer absetzen, was ein privater Kleinstvermieter nicht kann, er trägt hier das volle Risiko und muss auf die Mieter/Gäste vertrauen, dass sie sich fair und anständig verhalten. Der relativ geringe Betrag für eine Privatübernachtung deckt erst einmal die Wäsche (Energiekosten) und vielleicht noch die Heiz- und Stromkosten, da bleibt ein Restbetrag übrig, der ist einfach verdient. Punkt.

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