Internetportal Airbnb : "Teilen war nie so einfach"

Airbnb-Gründer Nathan Blecharczyk über Menschen, die ihre Wohnung an Fremde vermieten, und soziale Kontrolle per Mausklick.
Nathan Blecharczyk © Airbnb

DIE ZEIT: Sie sind ein paar Tage in Berlin. Haben Sie ein nettes Hotel?

Nathan Blecharczyk: Ich schlafe nie im Hotel. Wenn ich auf Reisen bin, übernachte ich in einer Airbnb-Unterkunft. Hier in Berlin wohne ich mitten in Prenzlauer Berg.

ZEIT: Vermieten Sie auch Ihre eigene Wohnung im Silicon Valley, wenn Sie auf Reisen sind?

Blecharczyk: Nicht nur, wenn ich verreise. In meinem Gästezimmer haben schon mehr als 30 Leute übernachtet, meistens junge Firmengründer. Mit vielen habe ich heute noch Kontakt.

ZEIT: Warum vermieten Menschen ihre Wohnung an Fremde?

Blecharczyk: Zunächst aus finanziellen Gründen. Die Mieten sind hoch in der Großstadt. In Zeiten, in denen viele Menschen um ihren Job bangen, ist es attraktiv, noch etwas dazuzuverdienen. Wenn man übers Wochenende verreist ist, kann man seine Wohnung doch für 100 Euro die Nacht vermieten. Das lohnt sich!

ZEIT: Die Leute machen bei Airbnb also nur wegen des Geldes mit?

Blecharczyk: Am Anfang steht das sicherlich im Vordergrund. Aber wer erst einmal Erfahrung mit Airbnb gemacht hat, für den wird ein zweiter Aspekt wichtig: das schöne Gefühl, Menschen aus aller Welt zu Hause zu empfangen. Die eigene Wohnung versprüht plötzlich internationales Flair. Hinzu kommt, dass Vermieter oft große Dankbarkeit erfahren. Kaum ein Gast geht, ohne eine Grußkarte oder ein Geschenk zu hinterlassen. Das freut den Gastgeber.

ZEIT: Ist es nicht ein Risiko, fremde Menschen in die eigene Wohnung zu lassen?

Blecharczyk: Die Bewertungen sind anschließend fast immer positiv.

ZEIT: Spektakulär war der Fall einer Frau in San Francisco, deren Apartment von einer Airbnb-Mieterin mutwillig verwüstet wurde.

Blecharczyk: Ja, das war schlimm. Aber es war ein Einzelfall, aus dem wir Konsequenzen gezogen haben. Wir bieten einen Garantierahmen, der Gastgeber nach Diebstahl oder Vandalismus mit bis zu 700.000 Euro entschädigt.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Teilen und tauschen?

Ich verstehe nicht ganz, wieso das untermieten seiner Wohnung etwas mit einer neuen Form von Ökonomie zu tun haben soll, was daran ist bitte teilen oder tauschen? Es ist ein neues Mietmodell, das sich an Kürzestmieten für Reisende wendet und damit nichts anderes ist, als wenn man ein "Zimmer frei" Schild aufhängt vor seinem Haus. Das neue ist die Art und Weise , wie diese Mietverhältnisse angebahnt werden, ohne direktes persönliches Aufeinandertreffen.

Ich finde da Couchsurfing ein viel interessanteres Beispiel, dessen sich Airbnb bedient und dieses kommerzialisiert. Gratuliere dazu.

Das Geschäftsmodell ist auch nicht neu...

Vor Airbnb und wimdu und 9flats usw. gabs das auch schon. Nannte sich Ferienwohnung oder Zimmer vermieten. Vielleicht vermieten einige auch wirklich ihre Wohnungen, wenn sie nicht da sind, aber ich kenne Leute in Berlin, die vermieten halt ganz normal auch über airbnb ihre Ferienwohnungen.
Ich meine, die Konsolidierung in dieser Branche ist neu, so ähnlich wie Amazon und Zalando beim E-Commerce.

Irgendwie muss ich da seit Jahrzehnten einer Fata Morgana

augesessen sein.
In merry old England hängen schon (gefühlt) ewig die B&B-Schilder draußen.
Und wenn man dann öfters (bei mir in Sheffield) da ist, dann hat man plötzlich auch noch ein Auto ("Sharon kann nach ihrem Schlaganfall doch ohnehin nicht mehr fahren") und viele andere Beziehungen.
Alles andere als neu aber mit Internet geht es halt viel einfacher.

fehlende Fragen

Die Darstellung als "soziale Plattform" ist in vielerlei Hinsicht eine Tarnung/ ein Feigenblatt, die romantische Teil- und Tauschabsicht wird hier jedoch wohl überwiegend durch professionalisiertes Vermietungswesen überwogen - der persönliche Style und der Wunsch des Touristen, eben dieser nicht zu sein, wird oft entsprechend inszeniert. In meiner direkten Nachbarschaft (in Berlin) gibt es dutzende dieser Wohnungen, alle werden professionell als Ferienwohnungen angeboten. Das hat viele Auswirkungen auf die sozialräumlichen Stadt-Strukturen, Mietpreise, etc...Schade, dass hier das Rollkofferphänomen und die Diskussion um den rasanten Anstieg von Ferienwohnungen (gerade in Berlin) nicht aufgegriffen wird! Werden die Einnahmen der Ferienwohnungsvermieter versteuert? Stiftet die Plattform zur Steuerhinterziehung an? Wird Wohnraum zweckentfremdet? Teilweise werden sogar WBS-Wohnungen auf den o.g. Plattformen angeboten... Die Verantwortung für die Folgen ... liegt sowohl bei Vermietern, Nutzern und Plattformanbietern! Jedoch hätte der Artikel an Qualität gewonnen, hätte er Fragen danach gestellt.

Vielen Dank