Innere Einstellung : Das Zitat... und Ihr Gewinn

Pablo Picasso sagt: Manche Maler machen aus der Sonne einen gelben Punkt. Andere machen aus einem gelben Punkt eine Sonne.

So mancher Mitarbeiter, der an seine nächste Gehaltsverhandlung denkt, sieht schon, wie sein Chef schimpft, schäumt, die Forderung abschmettert. So mancher, der an seine Gründungsidee denkt, sieht sein Unternehmen in spe schon auf dem Friedhof der Insolvenzen begraben.

Was haben diese Vorstellungen gemeinsam? Negativ sind sie. Rückschläge und Katastrophen: Wer sich ein solches Ende ausmalt, nimmt sich selbst den Wind aus den Segeln. Meist wird er nichts unternehmen. Falls doch, führt er mit großer Wahrscheinlichkeit die ausgemalte Katastrophe herbei.

Denn wie werden Sie Ihrem Chef in einer Verhandlung begegnen, wenn Sie schon mit einer Abfuhr rechnen? Wie jemand, der sich in einer aussichtslosen Sache verteidigt: nicht locker, sondern angespannt, nicht überzeugend, sondern zweifelnd. Der Einfall vom Reinfall führt diesen erst herbei. Wer vom Gelingen nicht überzeugt ist, kann niemanden überzeugen.

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Doch es geht auch umgekehrt! Seien Sie – frei nach Picasso – jemand, der aus einem gelben Punkt eine Sonne macht, nicht umgekehrt! Stellen Sie sich vor, wie Ihre Gehaltsverhandlung gelingt, Ihre Bewerbung einschlägt, Ihre frisch gegründete Firma durchstartet. Je detaillierter Sie sich Erfolge ausmalen, desto mehr färben diese Gedanken ab auf Ihre Ausstrahlung. Ihre Stimme wird fester, Ihre Argumente treffender, Ihre Körpersprache wird offener. Der Ort, wo Sie alles gewinnen, aber auch alles verlieren können, ist Ihr Kopf.

Profisportler wissen das. Was malt sich ein Skispringer aus, ehe er auf die Schanze geht? Einen weiten Sprung, eine perfekte Landung! Diese Vorstellung legt in seinem Gehirn neuronale Vernetzungen an, die einen realen Erfolg leichter machen. Wer sich dagegen ausmalt, dass er stürzt, bekommt wacklige Beine. Nicht nur auf der Schanze.

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40 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Positives Denken bringt mir mehr als negatives Denken

Jetzt lese ich schon wieder die Verrisse hier, dabei herrscht noch nicht mal Lesezwang.

Grundsätzlich hat Herr Wehrle recht. Ich wundere mich auch oft über die negative Einstellung vieler Menschen in nahezu jeder Lebenslage. Es wird ja von den Medien mit befeuert, indem man von Früh bis Spät nur mit negativen Meldungen befeuert wird, als ob es nichts auf der Welt gibt, was positiv wäre. Kein Wunder, dass viele nur noch im Büßerkleid herumlaufen und das Schlimmste befürchten.

Typisch ist der deutsche Satz, "Bloß nicht zu früh freuen." Am besten gar nicht freuen. Schön am zu früh freuen ist doch, man hat sich überhaupt mal freuen können. Wenn es dann schief geht, hat man wenigstens für eine gewisse Zeit positive Gedanken gehabt und in der Zeit gelingt einem oft auch so manch anderes. Gelohnt hat es sich also so oder so. Ein Kumpel hat sich während der gesamten EM 2012 nicht zu früh freuen wollen, weil er nicht nachträglich enttäuscht werden wollte. Ich habe mich die gesamte EM gefreut wie Bolle und war dann nach dem Halbfinale entäuscht, hatte aber wenigstens bis dahin eine super Zeit. Für mich hat sich die EM 2012 also voll und ganz gelohnt, bis auf das Halbfinale.

Wir Deutschen scheinen ein wirklich verqueres Verhältnis zu einer positiven Lebenseinstellung zu haben. Gehören zu den reichsten Ländern der Welt und erwarten ständig das Schlimmste.

Und bevor mich jetzt wieder alle zerreißen: Der Pessimist sieht sich als Realisten und hält den Optimisten für naiv.

Natürlich ist,

Natürlich ist eine positive Lebenseinstellung sinnvoll und hilfreich, aber es gibt nunmal Menschen, die sehr selbstkritisch sind und dennoch gute Ergebnisse bringen und damit bei objektiver Betrachtung eine Gehaltserhöhung "verdient" haben.

Soll diesen Leuten nun eine Gehaltserhöhung verwehrt werden, nur weil sie etwas bescheidener sind, als andere Leute, die sich hervorragend "selbstdarstellen" können?

Man kann diesen Artikel einerseits als Hilfestellung betrachten und andererseits als Aufforderung zum "Selbstmarketing" und damit implizieren, dass jede Person nur "Humankapital" ist, die sich bestmöglichst zu "vermarkten" oder zu verkaufen hat und wenn die Person es nicht macht, zu sagen:
"Selber schuld, du Grübler!". Und darin liegt auch mein Kritikpunkt an dem Artikel: Mangelnder Erfolg(Gehalt) bei guter Leistung (Arbeit) wird individualisiert ohne zu hinterfragen, ob diese faktische Bevorzugung von "Selbstdarstellern" in irgendeiner Weise gerechtfertigt ist.

Weiter sollte auch gefragt werden, ob es sinnvoll etwas selbstkritischere Personen durch solche Artikel "umzudrehen"? Darf man in dieser Welt nicht mehr zurückhaltend und bescheiden sein?

Was den gelben Punkt angeht: Ein gelber Punkt in der Arktis kann auch eine frische "Marke" eines hungrigen Eisbären sein.

Mentalitaeten

Optimisten mögen das Leben leichter nehmen, nur habe ich Zweifel inwieweit man sich Optimismus antrainieren kann. Es gibt nun mal sone und solche Menschen.
Im Umfeld gibt es bei uns einige Leistungssportler, um beim Beispiel aus dem Artikel zu bleiben, die auf Mentaltraining schwören und dennoch geht es bei entscheidenen Wettkämpfen oft genug schief. Und dann ist man noch selbst Schuld, weil im Kopf nicht "frei" genug.
Daher glaube ich nicht, dass Optimisten erfolgreicher sind, sie machen sich nur weniger aus ihren Niederlagen.

Gegenthese

"Wir Deutschen scheinen ein wirklich verqueres Verhältnis zu einer positiven Lebenseinstellung zu haben. Gehören zu den reichsten Ländern der Welt und erwarten ständig das Schlimmste."
Vielleicht gehören wir zu den reichsten Ländern, weil wir schlimme Gefahren im Vorfeld ausräumen.
Da wird einem der erfolgreichsten Ländern der Welt ständig eingeredet, es müsse irgendwie seine Mentalität ändern. Weshalb bitte?

Absolute Zustimmung...

...es ist auch der uns angeborene Pessimismus der uns so erfolgreich macht.
Ich verdanke meinem derzeitigen auslaendischen Arbeitsplatz auch der Tatsache, das meine Vorgesetzten der Meinung waren es waere gut "to put a German in charge".
Und als erstes Frage ich immer "Was koennte Falsch laufen/ was lauft Falsch" im Gegensatz zu meinen Kollegen mit ihrem Es-wird-schon-werden Ausblick.
Der Erfolg hat mir bisher immer recht gegeben, warum aendern?