FacebookFlirten mit den Netz-Nazis

Die extreme Rechte war schon immer vorn dabei, wenn es um die Nutzung neuer Medien ging. von 

Der Name der Facebook-Gruppe ist unverfänglich: »Deutschland gegen Kindesmissbrauch«. Das Profilfoto lieblich: ein Mädchen im Kornfeld. Fast 15000 User haben schon auf »Gefällt mir« geklickt. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich um rechtsextreme Propaganda handelt: Zu den Unterstützern gehören der Pressesprecher der NPD und die nationalistische Rapperin Dee Ex, gepostet werden Verweise auf rechte Websites und Kampagnen der FPÖ.

Das Internet ist – neben Rechtsrock – heute das wichtigste Instrument für NPD und Co., um Nachwuchs anzusprechen. Facebook ist kostenlos und hip, simpel zu bedienen und interaktiv. Obwohl ihnen das Netzwerk wegen seines jüdischen Gründers Mark Zuckerberg eigentlich suspekt ist (und sie es gern als »Jewbook« schmähen), sind Rechtsextremisten aller Couleur bei Facebook aktiv. Von Islamhassern bis zur Parteiseite der NPD, von nordischen Rassisten (mit Profilnamen wie »Germania Sachsen«) bis zu offenen Neonazis (»Adolf88«, »Wehrmacht«, »Eva Braun«). Reihenweise gründeten sich in den letzten Jahren rechte Facebook-Gruppen und erreichten allein mit dem Thema Kindesmissbrauch 240000 Fans.

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Die Öffentlichkeit ist regelmäßig überrascht, wenn sie auf flotte Neonazi-Propaganda stößt. Wieso eigentlich? Rechtsextreme waren bei der Nutzung neuer Medien schon immer vorn dabei. Der Aufstieg der NSDAP gelang auch dank moderner Kommunikation, das »Dritte Reich« hätte ohne Volksempfänger kaum funktioniert. In Italien schlossen Faschisten und Futuristen eine unheilvolle Allianz. Und in neuerer Zeit? Schon 1992 startete die NPD einen Info-Dienst im Btx-Service der Bundespost. Sofort nach seinem Amtsantritt 1996 erklärte der damalige NPD-Chef Udo Voigt »die verstärkte Nutzung« des Internets zu einem »Hauptziel der Partei«. Seit Anfang der Neunziger gab es das »Thule Netz«, einen Verbund von Computer-Mailboxen, in das sich Rechtsextreme per Modem einwählen konnten. Mitte der Neunziger gründeten Berliner Rechtsextreme im Offenen Kanal der Hauptstadt ein »Radio Germania«, und als die Ausstrahlung verboten wurde, wichen sie ins Internet aus.

Nicht alle Neonazis sind tumbe, arbeitslose Jugendliche. Der einstige NPD-Vize von Thüringen, Ralf Wohlleben, inzwischen als mutmaßlicher Unterstützer der NSU-Terroristen bundesweit bekannt, ließ sich zum Programmierer ausbilden und versuchte einen Hosting-Dienst für rechte Internetseiten aufzubauen. NPD-Pressesprecher Frank Franz besitzt eine Internetfirma. Autonome Nationalisten haben eine eigene Blog-Plattform logr.org, deren Server in den USA stehen und so für deutsche Sicherheitsbehörden unangreifbar sind. Mit netzwerk-rechts.com startete kürzlich sogar eine Art braunes Facebook. Um neue Anhänger zu erreichen, sind Mainstream-Portale aber das beste Mittel. Auf Facebook können Rechtsextremisten bürgerlich auftreten (NPD-Chef Holger Apfel zeigt sich als Fan von Roland Kaiser und Eintracht Braunschweig), aber auch Provokationen lancieren (so gründete sich kurz nach Auffliegen des NSU eine Gruppe »Es gibt keinen Rechtsterrorismus – für uns ist es Widerstand«).

Jahrelang hat Facebook tatenlos zugeschaut. Als die Berliner Amadeu Antonio Stiftung eine Kampagne gegen Nazis in Sozialen Netzen startete, war die Zuckerberg-Firma als einziger großer Anbieter nicht dabei. Am Nachfolgeprojekt no-nazi.net hingegen beteiligt man sich. Aber noch immer schreitet Facebook bei raubkopierten Fotos schärfer ein als bei rassistischen Sprüchen. Ein Facebook-Sprecher weist das zurück: »Wir arbeiten intensiv daran, Seiten und Gruppen mit Nazi-Inhalten zu entfernen und bestärken Nutzer, uns sofort zu informieren, wenn sie auf solche Inhalte stoßen.«

Tatsächlich wehren sich die Nutzer massenhaft. Einem Aufruf, die NPD bei den Administratoren als bedenklich zu melden, folgten im vergangenen Jahr Zehntausende. Kurzzeitig nahm die Partei daraufhin ihr Profil vom Netz. Doch das Ganze brachte ihr auch Aufmerksamkeit, hinterher hatte sie mehr »Freunde« als zuvor, mittlerweile sind es gut 25000 – viel mehr als bei CDU oder FDP. Parteichef Holger Apfel ist fast so beliebt wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. »Die NPD ist in der Nutzung des Web 2.0 weiter als die demokratischen Parteien«, sagt Simone Rafael vom Projekt no-nazis.net. Unter falscher Identität hat Rafael getestet, wie schnell man in die Szene gesogen wird. Im Sommer 2011 legte sie ein Fantasieprofil »Sandy Schneider« an, als Mailadresse wählte sie »terrormaus14« als Lieblingszitat »Klagt nicht, kämpft!«. Sodann schickte »Sandy« 30 Freundschaftsanfragen raus – und hatte eine Stunde später drei Bestätigungen, unter anderem von Holger Apfel. Nach einer Woche hatte sie 73 »Freunde«, viele mit eindeutigen Namen wie »Freya Wikingerzeit« oder »Anti-Antifanten-Anton«. Sie wurde von rechten Jungs angeflirtet (»Wir suchen immer nette Frauen«). Schon nach einem halben Jahr war sie mit Hunderten Neonazis »befreundet« und wurde laufend mit Propaganda und Demo-Einladungen versorgt.

Vom Autor erscheint demnächst das Buch »Neue Nazis. Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts« (Kiepenheuer & Witsch)

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  2. Die Hetze gegen alles, was national ist, erfolgt augenblicklich nicht grundlos. Der konstruierte Rechtsterrorismus wird jetzt gebraucht, um die einzige politische Kraft, die derzeit offen fordert: “Raus aus dem Euro, Währungssouverinität jetzt” von der politischen Bühne zu wischen. Wenn das nicht gelingt, wird die Luft für die Altparteien langsam dünn und aus der NWO wird nichts.

    Schäuble hat vor wenigen Tagen den wahrscheinlichen Eurountergang eingeräumt. Zusammen mit seiner Aussage “Die Krise ist notwendig für die politische Union…” Ist der Beweis erbracht, was die selbst Auserwählten vorhaben. Wem würden solche unmoralischen und verwerflichen Verbrechen wie die "Dönermorde" nutzen? Der Journaillie, dem Polizeistaat und der orientalischen Mafia, doch wohl in jedem Fall mehr, als der nationalen Opposition. Dieser “Terror von rechts” wird von den regierenden Lobbyistenknechten benötigt, um einen Vorwand für weitere Ermächtigungsgesetze und Repressalien gegen Aufklärer zu haben.

    Das ist alles, was an der Sache dran ist.

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